Die letzte Flasche Archiv
62 Episoden
55 Minuten
In Ihrem Weingut an der Mittelmosel trifft Clemens zwei Wochen nach Ende der Turbo-Lese 2025 auf eine tiefenentspannte Eva Clüsserath-Wittmann. Obwohl die Moselwinzerin fast wöchentlich im Auto sitzt, um die rund 150 Kilometer zwischen dem Weingut ihres Mannes Philipp Wittmann im rheinhessischen Westhofen und ihrem eigenen Betrieb zu überbrücken. Im Weingut ihres Vaters Ansgar Clüsserath in Trittenheim arbeitet Eva schon seit dem Jahrgang 2001 mit und hat dort 2014 offiziell das Kommando übernommen. Die beiden Betriebe nach der Hochzeit mit Philipp 2007 einfach zusammenzulegen, kam für sie aber nie infrage. Der Ausbau der Weine aus Toplagen der Mittelmosel im Weinkeller in Trittenheim gehört für Eva nämlich klar mit zum Terroir. Eleganz und bestmögliche Lagen-Charakteristik bei moderaten Alkoholwerten - danach strebt Eva im Keller. Entsprechend ausführlich sprechen die beiden über die Besonderheiten der Schiefersteillagen, in denen die Trauben für ihre mittlerweile weltweit nachgefragten Moselrieslinge stehen. Warum sie sich nach Studium in Geisenheim und einem Praktikum in einer Limonadenküche doch entschieden hat, Winzerin zu werden, erzählt Eva bei einer letzten Flasche, die sie an ihre ersten Berufsjahre in der Geschäftsstelle des VdP-Pfalz erinnert. Der herrlich gereifte Riesling GG "Im Sonnenschein" aus dem Hitzejahr 2003 stammt von Weingut Ökonomierat Rebholz, dem Betrieb ihres damaligen Chefs, Hansjörg Rebholz. Eva erzählt, welche Synergien sich für sie und ihren Mann Philipp durch ihre beiden Weingüter ergeben. Und verrät, warum sie den Genusstourismus für eine wichtige Säule beim Weinabsatz der Zukunft sieht. Ganz zum Schluss gibt sie dann noch konkrete Einkaufstipps für Eure Mittelmosel-Weinprobe zum Mitschreiben.
53 Minuten
Clemens trifft seinen Nachbarn – und der ist kein Geringerer als Sternekoch Marco Wahl. Im brandenburgischen Falkensee hat Marco mit seinem Restaurant Sawito einen Michelin-Stern erkocht – ein Lebenstraum, der wahr wurde. Darauf stoßen die beiden mit einem Schluck aus seiner letzten Flasche an. Der exquisite Condrieu von André Perret, Jahrgang 2000, hat nur dank einer Verwechslung überlebt. Im Gespräch mit Clemens blickt Marco zurück auf seine französisch geprägte Koch-Ausbildung, die auch seinen Anspruch als Küchenchef formte: nämlich seine Gäste auf hohem Niveau mit modernen Gerichten auf klassischer Basis zu verwöhnen. Marco spricht offen über die Herausforderungen, ein Fine-Dining-Restaurant in einer bodenständigen Kleinstadt im Berliner Speckgürtel zu etablieren. Und verrät, wie er die Skeptiker mit niedrigschwelligem Sonntagsbrunch und Grill-Sessions vor dem örtlichen Edeka aus der Reserve lockt.
47 Minuten
Egészségedre! Clemens war ein paar Tage in Ungarn unterwegs - erst auf dem BOR 2025 Hungarian Wine Summit in Budapest und danach im vulkanisch geprägten Norden des Balaton. Er durfte Rebsorten mit unaussprechlichen Namen kennenlernen und aufregende Sekt-Newcomer verkosten. Er hat das Potenzial der großen Rotweine Kékfrankos und Kadarka verstanden und war begeistert, mit welcher Akribie eine neue Generation Winzer gerade den Terroirgedanken nach vorne bringt. Statt nachzumachen, was in der Weinwelt gerade schick ist, zeigen sie ihre eigene Handschrift mit den heimischen Sorten und Böden. Wie immer gibt es auch jede Menge kulinarischer Eindrücke zu verarbeiten und ein Missverständnis über Gulasch zu klären. Eine Sonderfolge über ein Weinland im Aufbruch. Mit Unterstützung von Wines of Hungary.
58 Minuten
Was ist ein Dessert? "Der emotionalste Gang eines Menüs", sagt René Frank, vielfach ausgezeichneter Küchenchef und Miteigentümer des jüngst erneut mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichneten Restaurants "Coda" in Berlin. Der gebürtige Süddeutsche zählt ohne Übertreibung zu den außergewöhnlichsten Köchen Deutschlands. Was 2016 als hippe „Dessert Bar“ im Multikulti-Kiez Neukölln begann, bezeichnet René mittlerweile lieber als nonkonformes Fine Dining-Erlebnis. Seine avantgardistischer Stil wurzelt in den Techniken der Patisserie, ohne zwingend süß zu ein. Es ist eine von Desserts inspirierte Küche mit raffinierten Speisen, die in keine Schublade passen. Auf industriell raffinierten Zucker verzichtet der Koch dabei konsequent, auf Fisch und Fleisch weitgehend. Im Gespräch mit Clemens erinnert sich René an die Genüsse seiner Kindheit (Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten, Bum-Bum-Eis am Stil im Freibad) und seine frühe Faszination für Küchen (Berufswunsch laut Poesiealbum: "Koch oder Kommissar"). Er erklärt, wie sein Mentor, der 3-Sterne-Koch Thomas Bühner, ihm die absolute Freiheit am Herd und damit das daraus erwachsende Selbstvertrauen schenkte, sich in die gastronomische Selbständigkeit zu stürzen, für die wiederum das Projekt "Room4Dessert" auf Bali von US-Patissier Will Goldfarb einen Teil der Inspiration lieferte. Bei einem Glas Sekt "Christmann & Kauffmann: Cuvee No. 204 Brut Nature 2021" bekennt René, dass er kaum letzte Flaschen besitzt, weil er sich nur ungern Wein oder Lebensmittel schenken lässt. Wenn er nicht gerade selbst am Herd steht, geht er immer noch gerne essen, am liebsten "klassisch authentisch": Grandios fand er zuletzt das Ristorante "Scannabue" in Turin, das er allen Podcast-Hörern wärmstens ans Herz legt.
54 Minuten
Seit sieben Jahren serviert Philipp Vogel im Orania.Berlin seine legendäre „X-berg-Ente“ – einen Vier-Gänge-Klassiker, der längst zum Markenzeichen geworden ist. Ist das noch ein Signature Dish oder einfach ein genial durchgezogenes Konzept? Darüber philosophieren wir bei Philipps letzter Flasche, einem gereiften Sauvignon Blanc Reserve 2015 vom Pfälzer Weingut Erich Stachel. Vogel, der als Hoteldirektor das schicke Boutiquehotel im linksalternativen Kreuzberg auch als Gastgeber prägt, verrät: Er liebt gesellige Abende mit Freunden und Wein – kann aber auch wochenlang auf Alkohol verzichten. Der gebürtige Kölner Philipp und der kölsche Ex-"Immi" Clemens sind sich einig: Die Domstadt mag architektonisch fordern, aber nirgendwo trifft man herzlichere Menschen. Und sie kann Karneval. Passend zur neuen Guide-Michelin-Ausgabe blicken die beiden auf Vogels holprigen Weg zum ersten Stern – von Drei-Sterne-Koch und Mentor Dieter Müller in Bergisch-Gladbach über London nach Shanghai und Wien. Warum ihn der Sterneregen heute kaltlässt, er aber Michelin-Tester respektiert, erklärt Vogel offen. Außerdem: Seine Bewunderung für Selbstvermarkter Tim Raue, die Erfahrungen bei „Kitchen Impossible“ (nach zwei Duellen gegen Tim Mälzer steht’s unentschieden) und was der TV-Ruhm für das Restaurant bedeutet. Am Ende gewährt der Mann am Entenofen auch noch einen kurzen Blick auf seine „dunkle Seite“.
53 Minuten
Die Journalistin Friederike Haupt beobachtet im Berliner Büro der FAZ die AfD und die FDP und ist für das Bundesland Brandenburg zuständig. Als bekennende Gerne-Esserin interessiert sie sich aber auch für die sozio-gastronomischen Zusammenhänge in der Politik. Also dafür, was geschieht, wenn Leute beim Politikmachen essen und trinken. Als teilnehmende Beobachterin veröffentlicht Friederike regelmäßig ihre witzig-scharfsinnigen Beobachtungen bei politischen Gesellschaftsschlemmereien wie Pressefrühstücken, Parteitagsbuffets, Hintergrundrunden, Sondierungsgesprächen oder Empfängen. Bei einem letzten Fläschle "Gutedel" aus der Weinbar "Nö!" im Regierungsviertel (auch Ex-Kanzler Scholz war schon da) gesteht Friederike ihre Leidenschaft für Mettbrötchen und ihre Abneigung gegen schlechten Wein. Friederike analysiert, warum Trinkfestigkeit in der Berliner Politblase fast nichts mehr gilt, und Politiker öffentlich immer noch lieber zu Bratwurst und Bier greifen, als sich bei 5-Gänge-Menüs und teuren Weinen "erwischen" zu lassen. Während Clemens ein paar Anekdoten aus seinen Bonner Reporterzeiten beisteuert, erzählt Friederike von den Umtrieben in der legendären Busen-Bar und von der "Abrißparty" der FDP nach ihrem Bundestags-Aus. Sie verrät, warum man im Café Einstein Unter den Linden am besten im hinteren Teil Platz nimmt, wer die besten Kokosmakronen im Regierungsviertel bäckt, welche Landesvertretungen Gutes auftischen - und warum sie auf Abendveranstaltungen gerne mal länger bleibt.
49 Minuten
Seit 2008 kocht Robert Burgmeier für die wechselnden britischen Botschafter in Berlin. Bei einer Flasche British Sparkling, einem wahrhaft royalen 2014er Nyetimber Tillington Single Vineyard, erzählt Robert, wie er aus dem bayerischen Wirtshaus seiner Eltern an den Herd der Residenz im Berliner Grunewald gefunden hat. Und was ein Besuch im Münchener Gourmettempel "Tantris" damit zu tun hatte. Im Alltag begleitet Robert Veranstaltungen wie Kaminrunden, Salonkonzerte und Vortragsabende kulinarisch. Er sieht seine Rolle dabei selbst als "Entertainer", der dafür sorgt, dass die Diplomatie funktioniert. Größtes Event im Jahreskalender ist das jährliche Sommerfest im Park der Residenz. Sein Arbeitsplatz bringt es mit sich, dass er auch schon für King Charles, dessen Mutter Queen Elisabeth, für Prinz William, Herzogin Kate und Prinz Harry aufkochen durfte. Im Gespräch mit Clemens räumt Robert einen gewissen Underdog-Charakter der britischen Küche ein. Und schwärmt von der Kernigkeit walisischer Lämmer, dem Schmelz schottischer Langoustines, unvergleichlichen Jersey-Kartoffeln und buttrigem clothbound Cheddar, der in einem schmalzgetränkten Leinentuch reifen durfte. Wir erfahren außerdem, wie Robert den 3.000 Flaschen umfassenden Weinkeller der Residenz mit vielen Gewächsen aus Deutschland kuratiert. Und warum "Fish 'n Chips" für ihn die ultimativen Endgegner auf Veranstaltungen mit vielen Gästen sind.
46 Minuten
Seit mehr als zehn Jahren ist ein Deutscher für die Weine des georgischen Spitzenbetriebs "Chateau Mukhrani" verantwortlich. Patrick Honnef ist in dieser Zeit zum gefragten Experten für die kleine Kaukasusrepublik geworden, die stolz auf 8000 Jahre Weinbaugeschichte verweist. Unter der Sowjetherrschaft stand in Georgien jahrzehntelang die Massenproduktion von Wein auf dem Plan. Seit der Unabhängigkeit des Landes 1991 hat sich dieses faszinierende Weinland aber definitiv in die Zukunft aufgemacht. Bei einer Flasche "Shavkapito Reserve Royale 2015", mit der Patrick seine Chefs einst von den Vorzügen der Spontanvergärung überzeugte, blicken die beiden genauer auf die aufregendsten Weinregionen und besprechen das Potenzial des autochthonen Rebsortenschatzes. Auch die Qvevris dürfen in dieser Folge natürlich nicht fehlen - Georgiens einzigartige Tonamphoren, in denen auch Patrick einen kleinen Teil seiner Weine mit langem Maischekontakt ausbaut. Und da Clemens 2022 selbst im Land war, ist es ihm ein Herzensanliegen, dass auch ausführlich über die ausgesprochen köstliche Landesküche und die großartige Gastfreundschaft der Georgier gesprochen wird.
1 Stunde 3 Minuten
Ralf Bos war mal Tourmanager einer Schlagerband und hat Anrufbeantworter verkauft. Seit 35 Jahren aber handelt er mit Delikatessen. Seine Firma BosFood beliefert Gastronomie und Fachhandel, aber auch ambitionierte Hobbyköche. Eine besondere Leidenschaft hegt der gebürtige Düsseldorfer für Trüffel. Er hat ein dickes Buch darüber geschrieben, in der Saison verkauft er täglich 20 Kilo davon und er weiß einfach alles über die köstlichen Knollen. Im Gespräch mit Clemens verrät Ralf, was Kellner- und was Köche-Trüffel sind. Warum Trüffelöl uns geschmacklich so oft auf die falsche Fährte setzt und warum Chinatrüffel höchstens als Deko taugen. Schließlich zeigt Ralf seinem Gastgeber, wie er den mitgebrachten schwarzen Wintertrüffel aus Italien am liebsten genießt: nämlich großzügig über ein gutes Butterbrot gehobelt. Hmmmh!
1 Stunde 5 Minuten
Alex Saltaren Castro wurde in Kolumbien geboren, jobbte in der Gastronomie, kam dort mit Wein in Kontakt und entschied sich für eine Sommelierausbildung in Argentinien. Danach zog es ihn nach Europa, um die Weinwelt besser kennenzulernen. Im Rheingau machte er ein Praktikum bei Schloss Vollrads. Zur Offenbarung wurden für ihn die Arbeitsweise von Biodynamie-Pionier Peter Jakob Kühn. Kein Wunder, dass auch Alex' letzte Flasche von diesem Vorbild stammt: ein stoffig-dichter, würzig-eleganter 2014er Riesling Großes Gewächs aus dem Mittelheimer St. Nikolaus. Lange träumte Alex Saltaren von einem eigenen Weinberg, 2019 hatte er das Glück, eine freie Parzelle übernehmen zu können. Inzwischen produziert er drei Rieslinge. Ein wenig will er noch wachsen, aber nicht um jeden Preis: die ebenso intensive wie beglückende Arbeit im Weinberg will er nämlich weiter selbst erledigen. Im vollsten Vertrauen in die Kräfte von Mensch und Natur.
1 Stunde
Seine südbadische Heimat hört man ihm an. Manchmal verfällt er sogar ins Elsässische. Fritz Keller blickt auf eine lange Karriere als Winzer, Gastronom, Hotelier und Weinhändler zurück. Fast genauso bekannt ist er vielen als Fußball-Funktionär. Von 2010 bis 2019 als Präsident des SC Freiburg, von 2019 bis 2021 sogar als DFB-Präsident. Heute bringt er das Genussfestival „Pinot and Rock“ auf Touren und investiert in den Hamburg Ableger des Berliner Szene-Lokals „Grill Royal“. Der Mann tanzt auf vielen Hochzeiten. Entsprechend wild springt er mit Clemens durch seine Herzensthemen. Politische sind dabei, wie die deutsch-französische Aussöhnung nach dem Krieg - bei der Hummerkarkassen, edle Weine und günstige Aale eine nicht unerhebliche Rolle als Brückenbauer spielten. Oder sein Kampf für die Gasthauskultur, die er von unsinnigen Arbeitszeitregeln und Steuerlasten bedroht sieht. Er kann unerbittlich wirken, wenn er gegen süße Moden in Küchen und Weinkellern wettert. Aber auch sehr weich, wenn er sich an die Gerichte und Geschmäcker seiner Kindheit erinnert: das gute Sauerteigbrot seiner Oma, Zwiebelkuchen, oder Baeckeoffe. Mit seiner „letzten Flasche“, einem Spätburgunder "Jechtinger Enselberg Erstes Gewächs" aus seinem VdP-Weingut Franz Keller (mittlerweile geführt von Sohn Friedrich), beweist der Seniorchef, das man auch in einem Rekordsommer wie 2022 am Kaiserstuhl ultrafeine Weine produzieren kann - wenn man's kann.
1 Stunde 18 Minuten
Sissi Chen wuchs bei ihren Großeltern in Peking auf, bevor sie als Achtjährige nach Wien zog. Seit 2010 lebt sie in Berlin, wo sie sich zu einer Art Botschafterin für chinesische Hausmannskost wie Teigtaschen, Nudel- und Tofu-Gerichte entwickelt hat. Mit schnellen Kochvideos und Restauranttests baute Sissi sich in kürzester Zeit eine riesige Community auf Social Media auf. Wie genau, das verrät sie Clemens bei ihrem Lieblingsgetränk, einer Kanne Pu-Erh-Tee aus der südchinesischen Provinz Yunnan. Inzwischen hat Sissi auch ein Kochbuch veröffentlicht und schreibt im ZEIT Magazin über Essen und Trinken. Kurz vor dem chinesischen Neujahrsfest philosophieren die beiden über die Symbolik langer Nudeln (langes Leben) und Klebreiskuchen (Zusammenhalt), sprechen über die Bedeutung von Essen in der chinesischen Gesellschaft, und klären, warum diese schon seit Jahrtausenden den Nose-to-Tail-Ansatz praktiziert. Sissi überzeugt Clemens, dass westliche Erwartungen an "authentische Küche" den Blick darauf verstellen, dass traditionelle Gerichte je nach Region und Familie durchaus unterschiedlich schmecken können. Zum Schluss gibt sie noch Tipps, um im Angebotsdschungel des Asia-Supermarkts die wichtigsten chinesischen Zutaten zu finden.
1 Stunde 11 Minuten
Die Hamburger Food-Fotografin Julia Hoersch setzt Genuss in Szene: Seit über 35 Jahren arbeitet die gebürtige Krefelderin für alle wichtigen Food- und Lifestyle-Magazine und bebildert Kochbücher. Bei einer letzten Flasche Chateauneuf-du-Pape, die noch aus dem gut sortierten Weinkeller ihres genussaffinen Vaters stammt, schwärmt Julia vom Sauerbraten und dem warmen Pfirsich-Pie ihrer Mutter, die auch mit 91 Jahren beim Weihnachtsessen die Küchen-Regie führt. Sie verrät, was ihr Einstieg in die Food-Fotografie mit dem Gastrokritiker Wolfram Siebeck zu tun hatte und wie sie heute im Team mit Foodstylisten und Requisiten-Scout Gerichte so fotografiert, dass sie eine Geschichte erzählen und zum Nachkochen animieren. Clemens erfährt, wie das perfekte Saucen-Foto gelingt, warum bei vielen Gerichten fürs bessere Bild das Salz weggelassen wird, welchen Trick Julia benutzt, falls die Serviette den falschen Bordeauxton hat - und wer sich am Ende eines Fotoshootings über die ganzen herrlichen Speisen und Produkten freuen kann. Ein sehr persönliches Gespräch zum Jahresausklang!
38 Minuten
Clemens war dreieinhalb Tage in Nordspanien unterwegs, im Weingebiet Ribera del Duero, einer der besten Gegenden der Welt, um die Rebsorte Tempranillo anzubauen, die dort Tinta del País heißt. Er hat eine Gegend kennengelernt, in der mit hohen Qualitätsansprüchen gearbeitet wird und Klassik und Aufbruch nebeneinander zu finden sind. Einerseits spielen Holz und Reifezeiten eine große Rolle, aber auch die Herkunft verschafft sich immer mehr Raum im Denken der Weinmacher: mächtige Kalkböden, das Hochplateau mit seinen extremen Temperaturschwankungen und natürlich der namensgebende Fluss. Aus der Ribera del Duero kommen Flaggschiffe wie der „Unico“ von Vega Sicilia oder der „Pingus“ von Peter Sissek, die zu den teuersten und gesuchtesten Rotweinen der Welt gehören. In dieser Ausgabe stellt Clemens Önologinnen, Winzerinnen und Winzer vor, die er auf seinem Trip getroffen hat, berichtet von den kulinarischen Spezialitäten der Region und gibt Weinkauf-Tipps. Dazu verkostet er die Reserva 2018 von „Condado de Haza“.
1 Stunde 3 Minuten
In Episode 33 trifft sich Clemens mit Andrea Kuhn, Chefin der Green Door Bar. Das Urgestein der Berliner Barszene wurde im Oktober 2024 vom Mixology Magazin zu Deutschlands "Bar des Jahres 2025" gekürt. Die Filmwissenschaftlerin und Dramaturgin hatte 2015 die Bar übernommen, nachdem der Gründer, ihr Mann, der Drehbuchautor und Schauspieler Fritz-Müller-Scherz verstorben war. Bei einem Cubra Libre schwelgen Andrea und Clemens in Erinnerungen an drei Jahrzehnte Nachtleben, sprechen über das künstlerisch gestaltete Interieur, einen prominenten Türsteher, der später Tatort-Karriere macht, den Segen des Rauchverbots, den Zauber lebendiger Gespräche am Tresen und den Respekt vor schweigenden Stammgästen. Andrea ist überzeugt, dass früher heftiger und härter, heute dagegen raffinierter und bewusster getrunken werde. Ihr ist es ein Anliegen, die Bar behutsam an geändertes Trinkverhalten anzupassen, auch mit kreativen alkoholfreien Drinks. Und sie freut sich über eine junge Generation von Gästen, der stilvolles Genießen wichtiger ist, als Statussymbole wie Autos. Andrea ist auch heute noch fast täglich in der Bar anzutreffen, denn sie wohnt direkt darüber. Das Mixen der Cocktails überlässt sie allerdings von Anfang an dem Team um ihre genialen Barkeeperin Maria Gorbatchova, die soeben als "Bartenderin des Jahres 2025" ausgezeichnet wurde.