Transformation to go Archiv
91 Episoden
27 Minuten
Was haben Recruiting, Controlling und IT gemeinsam? Sie produzieren nichts, sie verkaufen nichts, und trotzdem hängt der Unternehmenserfolg an ihnen. In dieser Folge spricht Caroline Zielke, Partnerin bei Kraus & Partner, mit unserer Expertin Melissa Montagna über eine Frage, die in vielen Organisationen unausgesprochen im Raum steht: Was leisten zentrale Funktionen eigentlich wirklich? Der Druck kommt von drei Seiten. Die Mitarbeitenden fragen sich, wofür sie das alles tun. Die Geschäftsführung fragt nach Köpfen und Kosten. Und die internen Kunden haben eigene Erwartungen, die selten zum Gesamtbild passen. Dazu kommen Bereiche, die über Jahre gewachsen sind und deren Auftrag niemand mehr klar benennen kann. Viel Arbeit heißt eben nicht automatisch viel Wert. Klingt simpel, ist es aber nicht. Melissa bringt es auf den Punkt: Was ich tue, ist „nicht unbedingt ein Wertbeitrag”. Wer seinen Beitrag kennen will, macht zuerst sichtbar, wohin Zeit und Ressourcen fließen, und legt das gegen den eigentlichen Auftrag. Das verlangt einen Kompass und die Konsequenz zu klären, „welche Dinge tue ich jetzt nicht mehr”. Am Beispiel einer Einkaufsleiterin, die eine Schlüsselstelle „lieber gestern als morgen” besetzt haben will, zeigen die beiden, warum Wert erst entsteht, wenn beide Seiten ihre Anforderungen offenlegen. Und Governance-Funktionen, die schnell „als die Inquisition” gelten? Für Caro sind sie unbeliebt, aber notwendig für die Steuerung. Was nehmt ihr mit? Klärt regelmäßig euren Auftrag, wisst, wer eure internen Kunden sind, und sprecht im Team offen darüber, wo ihr Wirkung erzielt. Das schärft die Steuerung und motiviert spürbar. Am Ende bleibt eine einzige Frage: „Machen wir einfach nur irgendwas oder machen wir das Richtige?”
27 Minuten
„Wenn du einen Bürokratieabbau-Mitarbeiter eingestellt hast, dann hat er eine neue Bürokratie geschaffen." Passierschein A38: Wir alle kennen das Bild aus Asterix, und Jahrzehnte später hat es erstaunlich wenig an Aktualität verloren. Georg Kraus spricht in dieser Folge mit Stefan Bald, der sich als Experte bei Kraus & Partner seit vielen Jahren mit der öffentlichen Verwaltung beschäftigt. Dieses Feld wächst gegen jeden politischen Wunsch weiter, mit mehr Aufgaben, mehr Normen und mehr Personal. Bürokratieabbau, Effizienzprogramme, Reset-Initiativen: Die Liste der Reformversuche ist lang. Und das Ergebnis? Die meisten sind am System abgeprallt, und die Verwaltungen waren danach eher größer als kleiner. Lässt sich ein solches System überhaupt von innen verändern? Oder bleibt am Ende nur der radikale Schnitt, wie ihn Milei in Argentinien vorführt? Die beiden machen es sich mit der Antwort nicht leicht. Stefan benennt das Paradox: Man kann nicht die Frösche fragen, „wie der Sumpf trocken zu legen ist". Georg liefert mit Parkinson eine unbequeme Erklärung. Die Strukturen bleiben nicht aus Trägheit am Leben, sondern wegen eines nachvollziehbaren Eigenvorteils. Wer Karriere machen will, braucht Mitarbeiter, und „in einer Behörde findest du immer Aufgaben". Das klingt zynisch, ist aber schlicht Systemlogik. Als Gegenentwurf skizzieren die beiden ein „Amt für unlösbare Aufgaben", also eine geschützte Zelle von Querdenkern mitten im System. Ohne volle Rückendeckung von oben wird diese Zelle allerdings schnell wieder assimiliert. Was heißt das für euch, wenn ihr Verantwortung in einer Behörde tragt? Eine Reform braucht keinen Vorschlaghammer. Sie braucht Mut an der Spitze und die Bereitschaft, die eigenen Sicherheiten infrage zu stellen. Georg bringt es so auf den Punkt: „Die Veränderung beginnt beim Chef selbst."
27 Minuten
„Das größte Problem sind die schweigenden Kunden." Was hat ein scheues Reh auf einer Waldwiese mit eurem Vertrieb zu tun? Mehr, als man denkt. Wer wissen will, wo sich seine Kunden aufhalten, was sie mögen und wann sie verschwinden, muss hinschauen, statt zu vermuten. In dieser Folge spricht Dr. Georg Kraus mit Markus Müller, Experte für Vertriebsstrategie bei Kraus & Partner, über die Customer Journey und darüber, warum sie in vielen Unternehmen noch immer ein Randthema ist. Die zentrale Frage lautet: Denkt ihr euer Unternehmen von außen nach innen oder von innen nach außen? Die meisten Organisationen tun Letzteres. Die Entwicklung folgt den Fähigkeiten der Entwickler, der Vertrieb den Vorlieben der Vertriebsleute. Solange die Kunden kaufen, fällt das niemandem auf. Erst wenn die Kündigungsrate steigt, beginnt die Suche nach Gründen. Oft zeigt sich dann, dass die Dashboards zufriedene Kunden meldeten, die trotzdem gegangen sind. Markus zeigt, wie ein Customer Journey Mapping mit drei bis fünf Personas diese Lücke sichtbar macht. Mehr sollten es nicht sein, denn mit zwanzig Personas „machst du ein Customer Journey Mapping tot". Ebenso wichtig ist, dass Produktmanagement, IT und Logistik mit am Tisch sitzen. Das Management darf dabei nicht nur Sponsor sein. Georgs Testfrage an Vorstände spricht für sich: Wer von euch hat in diesem Jahr mit Kunden gesprochen? Die Antwort ist oft ernüchternd. Ohne diesen Kontakt, so Markus, „wie willst du denn herausfinden, was der Kunde wirklich will?" Was ihr mitnehmt: Verantwortung für Kunden liegt bei Personen, nicht bei Abteilungen. Die Journey gehört mindestens zweimal im Jahr auf die Agenda des Managements. Vor jedem Projekt lohnt außerdem die einfache Frage, ob es dem Endkunden etwas bringt. Klingt simpel. Ist es aber nicht.
25 Minuten
„Nur weil du die Jahre auf dem Tacho hast, heißt das nicht, dass das Lernen so riesig war." Neue Berater erst monatelang durch eine interne Schule schicken, bevor sie ins erste Projekt dürfen? Bei Kraus & Partner hat sich das nie durchgesetzt. Caroline Zielke hat stattdessen eine interne Academy aufgebaut – für eine Organisation, die ausdrücklich keine Klone will. Georg Kraus fragt nach, wie das zusammengeht. Denn genau hier liegt die Spannung: Wie baust du eine Lernumgebung, die auf die Stärken des Einzelnen eingeht und trotzdem dafür sorgt, dass alle eine gemeinsame Sprache sprechen? Klingt simpel, ist es aber nicht. Und dahinter wartet die unbequemere Frage: Wem gehört dein Lernen eigentlich – deinem Arbeitgeber oder dir? Caro macht ihre Position klar: „Ich kann nur einen Rahmen schaffen und die Plattform bieten und einen Anlass schaffen." Was jemand daraus mitnimmt, kann sie niemandem abnehmen. Ein zweiter Hebel wirkt fast beiläufig: Wer eine Session vorbereitet und vorne steht, lernt am meisten – „durchs Beibringen lernen wir ja selber". Beide sprechen außerdem offen über die Gefahr, in einem Projektloch zu verschwinden und nach zwei Jahren festzustellen: „ich habe eigentlich zwei Jahre das Gleiche gemacht". Bei Juniors sieht Georg Kraus dieses Risiko kaum. Kritisch wird es eine Stufe später, wenn ein erfolgreiches Vorgehen zur Endstation wird. Was nehmt ihr mit? Lernen braucht Zeit, Ort und Menschen, die Lust darauf haben. Es braucht Mentoring, wechselnde Kunden, echte Anlässe – und den Willen, sich selbst infrage zu stellen, obwohl gerade alles läuft. Neugier ist die Gier nach Neuem. Und die lässt sich nicht anordnen: „Gier nach Neuem kannst du nicht befehlen."
29 Minuten
„Der einzige Hebel, der noch einfällt, ist manchmal Führung." Diagnostik – das Wort klingt nach Klinik, nach Skalpell, nach Sezieren. Melissa Montagna widerspricht dem gar nicht. „Tatsächlich beschreibt es das ziemlich gut", sagt sie über genau diesen Vergleich. Als Psychologin mit empirischer Prägung zerlegt sie komplexe Wirklichkeit in Dimensionen, Verhaltensanker, Items. Stefan Bald hört zu – und hakt dann genau da nach, wo es unbequem wird. Denn was misst man eigentlich, wenn man Führung messen will? Die Person oder ihre Wirkung? Für Melissa ist die Antwort eindeutig, und sie hat Konsequenzen: „Ab dem Punkt, wo ich die Person diagnostiziere, treffe ich ein Urteil über eine Persönlichkeit." Nur: Mit einem Urteil kann niemand arbeiten. Mit beobachtetem Verhalten schon. Drei Punkte, die im Gespräch besonders hängen bleiben. Erstens: Ein 360-Grad-Feedback taugt nicht als Beförderungsinstrument – wird es dafür genutzt, klopft Melissa dagegen. Zweitens die Frage nach dem Wahrheitsgehalt, die Stefan hartnäckig stellt. Was, wenn „mein Mitarbeiter Hans ist gerade richtig genervt von mir"? Die Antwort liegt nicht in mehr Objektivität, sondern in mehr Perspektiven – und in der Reflexion danach. Drittens: Wiederkehrende Muster über viele Führungskräfte hinweg zeigen nicht Führungsschwäche, sondern Systemgrenzen. Was ihr mitnehmt: eine klare Vorstellung davon, wie so ein Verfahren handwerklich entsteht – vom Grundproblem über die eigene Definition guter Führung bis zum einzelnen Item. Und eine Warnung. Ein Fragebogen ohne Entwicklungsraum bleibt Papier. „Es ist nicht nur Diagnostik, sondern Diagnostik, die Entwicklung dient."
28 Minuten
„Nein, das können wir leider nicht." Jeder kennt Melitta – den Kaffee. Kaum jemand kennt die BKK Melitta HMR, eine von nur noch 93 gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland. Und genau hier, in Minden, sitzt jemand, der eine unbequeme Nachricht hat: Die groß angekündigte Gesundheitsreform wird nicht reichen. Klingt nach Schwarzmalerei? Ist es nicht. Thomas Sielemann, Vorstand der BKK Melitta HMR, spricht mit Alexander Pifczyk über ein Gesetz, das steigende Zusatzbeiträge verhindern soll – und über die Zahlen, die dagegensprechen. Die zentrale Frage: Warum versickern 40 Milliarden Euro an möglichen Einsparungen, bevor sie überhaupt wirken können? Sielemann rechnet vor. Von 66 Vorschlägen der Finanzkommission bleibt ein „verwässerter" Entwurf, der bereits im ersten Jahr zu knapp bemessen ist. Dazu kommt eine Finanzierungslücke bei Bürgergeldempfängern von rund 10 Milliarden Euro – „eine große Bürde, die alle Beitragszahlenden aufbringen müssen". Doch der zweite Erzählstrang ist fast spannender: Wie führt man eine Kasse mit 190 Köpfen durch den Wandel, wenn ältere Versicherte ihr Smartphone auf den Tisch legen und sagen „macht mal", während jüngere ihr Geld in 48 Stunden erwarten? Sielemanns Antwort ist keine Entweder-oder-Logik. Digitalisierung soll entlasten, nicht ersetzen – „wir nutzen KI nicht, um Arbeitsplätze abzubauen". Was ihr mitnehmt: einen ehrlichen Blick hinter die politischen Schlagzeilen und ein Beispiel dafür, wie regionale Nähe und digitaler Wandel kein Widerspruch sein müssen. Sielemanns Vision für die nächsten Jahre bleibt klar: eigenständig, präsent, digitaler – und ohne den Menschen aus dem Blick zu verlieren.
29 Minuten
„Wir haben jetzt so viel optimiert – und kommen trotzdem nicht weiter. Wir brauchen mal einen komplett anderen Ansatz." Kennst du das Gefühl, wenn eine Organisation läuft und läuft – und irgendwann trotzdem an eine unsichtbare Decke stößt? Man hat gemessen, skaliert, Prozesse geschliffen. Und dann wird der Ertrag jeder weiteren Runde einfach kleiner. Genau an diesem Punkt setzen Caroline Zielke und Jannik Droß an. Ihr Thema ist der kontinuierliche Verbesserungsprozess, kurz KVP. Und ihre erste Ansage räumt gleich mit einem Missverständnis auf: „KVP ist kein Ideenmanagement – es geht um den Prozess und nicht nur um den Briefkasten." Es geht also nicht darum, Vorschläge einzusammeln und irgendwo abzuheften. Sondern darum, wer eigentlich verbessert – und von wo aus. Jannik dreht hier die gewohnte Logik um. Nicht eine zentrale Instanz steuert die Optimierung, sondern die Fläche: „Viele kleine Stellen bringen die Verbesserung – nicht ein zentrales Gehirn." Klingt simpel, ist es aber nicht. Denn dahinter steckt ein echter Kulturwechsel – und der braucht jemanden an der Spitze, der ihn wirklich will. Oder wie Jannik sagt: „Es braucht jemanden, der es wirklich will – und zulässt, dass sich Kultur verändert." Spannend wird es in den administrativen Bereichen, wo Verbesserung oft ins Leere läuft: „Wenn ich nicht weiß, wofür ein Prozess da ist, optimiere ich ins Leere." Erst Klarheit über die Rolle eines Bereichs, dann Wirkung. Und wenn KVP wirklich greift, verändert sich etwas Grundlegendes: „Aus Gruppen werden Teams – und Probleme werden nicht mehr weggeschoben, sondern direkt gelöst."
33 Minuten
„Tatsächlich ist jetzt flächendeckend die Hölle los." Vor zwei Jahren galten die beiden noch als Schwarzmaler. Heute klingt ihre Prognose fast harmlos. Martin Lambrecht ist Restrukturierer und Insolvenzverwalter – er sieht die Wirtschaft von ihrer dunklen Seite, dort, wo Unternehmen kippen, bevor es in der Zeitung steht. Und was er erlebt, deckt sich mit dem, was wir bei Kraus & Partner täglich sehen. Die zentrale Frage dieser Folge: Erleben wir gerade eine vorübergehende Delle – oder etwas Systemisches? Lambrechts Antwort ist unbequem. Denn anders als früher kippen heute nicht nur schlecht geführte Betriebe. Es trifft fleißige, kerngesunde Mittelständler, denen schlicht der Business Case wegbricht. Man saniert nicht mehr in stabile Märkte hinein, sondern rennt fallenden Märkten hinterher. Wie kommen wir da raus? Lambrecht hält wenig von der Idee, Komplexität ließe sich von oben durchsteuern – am Kommunismus sei genau das gescheitert. Stattdessen brauche es wieder Vertrauen in freie Märkte, flankiert von einer sozialen Komponente. Spannend wird es bei der Leistungsfrage: Nicht die Stunden zählen, sondern der Wert, den jemand schafft. „Jemand kann doch nur 10 Stunden arbeiten, wenn er das wegschafft, was ein anderer in 50 nicht hinkriegt." Selbst der Betriebsrat, der für die 35-Stunden-Woche streitet, verhandelt plötzlich bis tief in die Nacht – wenn er ein Ergebnis sehen will. Was nehmt ihr mit? Die alarmierendste Kennzahl ist nicht der Umsatz, sondern die Investition. Und die fließt gerade ab statt zu. Heißt: Diese Krise dauert nicht Monate, sondern Jahre. Klingt düster. Aber Lambrecht bleibt überzeugt, dass wir es hinbekommen – vielleicht erst, wenn der Druck groß genug ist. „Der Änderungswille ist da, und zwar bei allen Seiten."
29 Minuten
„Jetzt ist SEO endlich tot.„Jetzt ist SEO endlich tot." – das wurde schon oft gesagt. Diesmal waren sich alle sicher. Sie lagen falsch. Was passiert, wenn ein Unternehmen sein eigenes Kerngeschäft infrage stellt, bevor der Markt es tut? Maggie Mues, Gründerin und Geschäftsführerin von Claneo, hat genau das zweimal hintereinander getan. Erst die Adaption generativer KI als Jahresziel für alle. Dann die Wette auf eine Disziplin, die noch nicht mal einen Namen hatte. Klingt nach dem perfekten KI-Use-Case: große Datenmengen, Automatisierung in der DNA, motivierte Early Adopter. Doch die Realität war widersprüchlicher. Die Tools konnten anfangs weniger als die bestehenden Lösungen, halluzinierten bei den ersten Versuchen – und selbstgebaute Anwendungen zerbrachen, sobald sich eine Schnittstelle änderte. „Kurzfristig super gut, alle waren happy" – und dann kam die Enttäuschung. In diesem Gespräch wird klar, worauf es bei solchen Sprüngen wirklich ankommt. Erstens auf Führung: „Es muss von oben kommen" – Geschäftsführung und Teamleads als Vorbilder, nicht als Verordner. Heute sagen 100 Prozent der Mitarbeitenden, dass sie zur Nutzung ermutigt werden. Zweitens auf die unbequeme Kehrseite. Mehr Tempo bedeutet nicht weniger Komplexität: „Ich merke, dass der Stresspegel bei uns gestiegen ist." 16 Tabs statt einer Aufgabe. Und drittens: Veränderung hat einen Preis. „Einige haben wir auf der Reise verloren." Was ihr mitnehmt: Mut zur Entscheidung unter Unsicherheit, der Wert echter Aufklärungsarbeit statt schneller Heilsversprechen – und die Einsicht, dass Schneller-Werden allein keine bessere Organisation macht. Wer führt, muss die Kehrseite mitführen.
35 Minuten
„Coaching ist eine ermutigende Begegnung mit sich selbst." Mehr als 500 ausgebildete Coaches – und was hinterlässt den größten Eindruck? Nicht die Methoden. Nicht die Zertifikate. Sondern Rückmeldungen wie diese: „Ich hätte nicht gedacht, dass mich eine Weiterbildung so selbst verändert." Das ist das Versprechen hinter der neuen systemischen Business Coach Ausbildung von Kraus & Partner. Was unterscheidet eine Ausbildung, die Menschen wirklich verändert, von einer, die nur Techniken lehrt? Stefan Bald, Nina Reidl-Schließler und Johannes Groß liefern ehrliche Antworten. Und die haben es in sich. „Eine Haltung verändert sich nicht von heute auf morgen", sagt Nina, „deswegen braucht es diese 8 bis 9 Monate, um sie wirklich zu entwickeln." Methoden? Klar, die kommen auch. Aber erst nach dem Fundament. Johannes bringt es auf den Punkt: „Die Wirkung einer Intervention hängt ab von meinem inneren Zustand." Wer glaubt, Coaching sei ein Werkzeugkoffer, denkt zu kurz. Denn im systemischen Denken ist Kommunikation das Herzblut jeder Organisation. Wenn sie stockt, sprechen manche von Kommunikationsarthritis – und genau da setzt diese Ausbildung an. Was nimmst du mit? Ein grundlegend anderes Bild davon, was Coaching kann – und warum es im Business-Kontext immer entscheidender wird. Und den Gedanken, den Johannes am Ende formuliert: „Es muss eine Hochzeit sein zwischen dem, was ich mitbringe, und dem Impuls, den ich kriege." Das ist Lernen. Kein Seminar. Keine Folie.
27 Minuten
„Den größten Experten zum Chef zu machen, ist selten eine gute Idee. Es kommt trotzdem immer wieder vor." Stell dir einen Menschen vor, der sich für absolut rational hält – und genau deshalb in der entscheidenden Situation völlig irrational handelt. Klingt paradox? Genau das passiert in Expertenorganisationen jeden Tag. Dort, wo Doktortitel, Fachwissen und Track Records über alles entscheiden, treffen wir auf Menschen, die ihre eigene Expertise zum Lebenskonzept gemacht haben. Und das verändert alles – besonders dann, wenn Wandel ansteht. Die zentrale Frage dieser Folge: Wie verändert man eine Organisation, in der jede neue Idee von außen erst mal als Bedrohung gilt? Caroline Zielke und unser Geschäftsführer Kevin Pfander sezieren ein Phänomen, das viele kennen, aber kaum jemand greifen kann. Denn solange der Markterfolg da ist, läuft alles rund. Wird er knapp, beginnen ausgerechnet die Rationalsten, am Alten festzuhalten – mit einer Vehemenz, die an Absurdität grenzt. Kevin bringt es auf den Punkt: Expertentum sei „fast ein Lebenskonzept" – verbunden mit sozialem Status und dem Gefühl, unersetzbar zu sein. Genau deshalb scheitert der Versuch, mit großer Vision und Change Story zu führen. Experten fragen nicht „Wohin?", sondern „Was muss ich morgen konkret anders machen?". Und wer als Berater ernst genommen werden will, muss zuerst durch ein „hartes Abklopfen" – die eigene Expertise auf den Tisch legen, bevor überhaupt zugehört wird. Was du mitnimmst: warum heterogene Teams anstrengend und trotzdem unverzichtbar sind, warum der beste Fachexperte selten die beste Führungskraft ist und warum am Ende oft die Magie der Einfachheit über Erfolg entscheidet. Oder, mit Kevin gesagt: Wer nur Komplexität stapelt, macht das Geschäft schwergängig.
34 Minuten
"Stellt euch vor, ihr arbeitet täglich auf Hochtouren und bekommt trotzdem nur eines zu hören: dass schon wieder etwas nicht funktioniert hat - willkommen im Alltag vieler indirekter Funktionsbereiche." Stellt euch vor, ihr arbeitet täglich auf Hochtouren, haltet zig Bälle in der Luft – und bekommt trotzdem nur eines zu hören: dass schon wieder etwas nicht funktioniert hat. Willkommen im Alltag vieler indirekter Funktionsbereiche. Controlling, Personal, Verwaltung, Einkauf – jene Einheiten, die das Geschäft erst möglich machen und doch selten Applaus bekommen. Wer definiert eigentlich, ob ein Funktionsbereich gute Arbeit leistet? Genau hier setzt diese Folge an. Denn zwischen Selbstbild, Kundenwahrnehmung und Vorstandsperspektive klafft oft eine Lücke, die niemand offen anspricht – bis Druck entsteht. „Außer du hast eine Kostensituation", bringt Kevin es trocken auf den Punkt. Erst dann wird hingeschaut, oft zu spät und mit der falschen Frage. Caroline, Denise und Kevin zeigen, wie Funktionalstrategie wirklich funktioniert: drei Perspektiven zusammenbringen, Tabus aushalten und Klarheit erzeugen. Denise beschreibt eindrücklich, wie Bereiche zwischen „erlernter Hilflosigkeit" und „Sehnsucht nach Anerkennung" pendeln. Kevin macht deutlich, warum auch Auftraggeber sich manchmal selbst überschätzen – und warum das Ergebnis dann zwangsläufig eine Unwucht bekommt. Es geht um Glaubwürdigkeit, um Augenhöhe und um die ehrliche Frage: Wofür sind wir eigentlich da? Was ihr mitnehmt: Eine neue Positionierung ist kein Powerpoint-Projekt. Sie stärkt das Kerngeschäft, schließt die Kluft zwischen direkten und indirekten Bereichen und sorgt dafür, dass Menschen abends mit dem Gefühl nach Hause gehen, einen Unterschied gemacht zu haben. Oder wie Kevin sagt: „Bei aller Romantik – wir machen es ja auch ein Stück weit für die Zahlen."
36 Minuten
"60 Ideen pro Kopf im Jahr: Wenn Verbesserung Teil der Kultur ist." Lean Management – Effizienz, Prozessoptimierung, Methoden. Doch erstmal geht es um die Frage, ob in deinem Unternehmen schlechte Nachrichten willkommen sind. Jannik Dross spricht in dieser Episode mit Professor Dr. Christoph Roser – 25 Jahre Lean-Erfahrung unter anderem bei Toyota, als McKinsey-Berater und als Produktionswirtschafts-Professor an der Hochschule Karlsruhe. Er ist einer, der japanische Werkshallen genauso kennt wie deutsche Automobilproduktion. In Zeiten wachsenden Wettbewerbsdrucks rückt die „schlanke Produktion“ in den Fokus. Aber was macht Lean Management wirklich nachhaltig – und warum scheitern so viele Lean-Initiativen schon bevor sie richtig beginnen? Wer einfach kopiert, was Toyota macht, landet im Cargo-Kult – man baut den Flugplatz nach, aber die Flugzeuge kommen trotzdem nicht. Stattdessen braucht es echtes Verstehen: Warum funktioniert es? Was passt zu meinem Kontext? Im Podcast vergleicht Roser die japanische und westliche Interpretation der als „Lean Management“ bekannten Denkschule. Und findet heraus: Man kann gegenseitig voneinander lernen. Bei Toyota und BMW bringt ein einzelner Mitarbeiter in der Fertigung 14 bis 60 Ideen pro Jahr– kein Add-on, sondern Standard. Der Vorarbeiter hat es auf seiner Checkliste. Lean als Teil der Kultur – in Japan und Deutschland.
33 Minuten
„In unsicheren Zeiten gewinnt nicht die lauteste Führung, sondern die vertrauenswürdigste.“ Was haben Wildpferde mit moderner Führung zu tun? Mehr, als man denkt. Beat Schori bringt eine Perspektive mit, die hängen bleibt: Change aus Sicht eines Fluchttiers. „Warum Pferde?“ – weil sie uns schonungslos zeigen, was in Teams oft fehlt: „Diese echte Verbundenheit … die Sicherheit gibt, klare Regeln, klare Kommunikation.“ Gemeinsam mit Thomas Piskor geht er der Frage nach, warum ein „Raubtier auf einem Fluchttier“ (aka Mensch auf Pferd) überhaupt funktioniert – und was das über Vertrauen in Organisationen verrät. Denn: „Pferde lügen nicht“ und „Vertrauen ist für mich so ein bisschen der Leimstoff für diese echte Verbundenheit.“ Klingt simpel, ist es aber nicht. Es geht um Nähe statt Hierarchie, Präsenz statt Ablenkung und die vielleicht unangenehmste Frage überhaupt: „Gehört die Führungskraft eigentlich zum Team – oder nicht?“ Während Pferdeherden das klar beantworten („Da geht nicht irgendwie die Leitstute abends raus…“), ringen wir in Unternehmen oft noch damit. Und dann wird’s praktisch: „Ich mach kein Meeting mehr ohne Check-in.“ Warum? Weil echte Verbindung nicht im Organigramm entsteht, sondern im Alltag. Im Zuhören. Im Erinnern. Im Dasein. Oder wie Beat sagt: „Es ist erstaunlich, was das mit Menschen macht.“
22 Minuten
„Wenn jemand sagt, das ist unmöglich, dann denke ich: Lass es uns doch erstmal probieren.“ Mit genau dieser Haltung hat Claudia Kessler nicht nur ihre eigene Karriere geprägt, sondern gleich eine ganze Bewegung angestoßen: die Mission, die erste deutsche Frau ins All zu bringen. In dieser Folge spricht sie gemeinsam mit Caroline Zielke über Träume, Widerstände und die Kraft, Dinge einfach selbst in die Hand zu nehmen. „Ich war 4 Jahre alt, als ich die Mondlandung gesehen hab – und von da an war klar: Ich will Astronautin werden.“ Was nach Kindheitstraum klingt, wurde zu einem Lebensthema. Doch der Weg war alles andere als einfach: „Es gibt in Deutschland keine Frau, die als Astronautin geeignet ist.“ – ein Satz, den Claudia nicht akzeptieren konnte. Ihre Antwort? Handeln statt hadern. Wir tauchen ein in eine Reise voller Mut und Konsequenz: von über 400 Bewerberinnen bis zur finalen Auswahl, von politischem Gegenwind bis zu gesellschaftlichen Bias. „Ich hab einfach eine Stellenausschreibung veröffentlicht – wir suchen die erste deutsche Astronautin.“ Ein Satz, der Wellen geschlagen hat. Dabei wird klar: Es geht um mehr als Raumfahrt. Es geht um Durchhaltevermögen („Das kann locker mal 10 Jahre dauern“), um mentale Stärke und um die Frage, wie wir mit Grenzen umgehen – echten und eingebildeten. „Ein Nein ist für mich kein Nein, sondern nur die Bestätigung, dass ich den richtigen Weg noch nicht gefunden habe.“ Und am Ende bleibt eine Perspektive, die größer ist als jede Mission: „Wir sind alle Astronauten auf dem Planeten Erde.“