"Acht Uhr" (Robert Walser)

"Acht Uhr" (Robert Walser)

vor 1 Tag
Eine Erzählung aus dem Jahr 1926
Podcast
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Hochwertige Literatur, vorgelesen von professionellen Sprecherinnen und Sprechern

Beschreibung

vor 1 Tag

Es ist eine Eigenart der Literatur, der Kunst überhaupt, dass sie
Bekanntes, Gewöhnliches, Banales, alle Dinge des Lebens neu
betrachtet, aus einer anderen Perspektive. Somit sollte es uns
nicht überraschen, dass auch mal eine Uhrzeit literarisch
porträtiert wird. Tut es aber doch, denn es ist schon komisch im
besten Sinne, wenn Robert Walser in seinem Text „Acht Uhr“ von
ihrer „Unerbittlichkeit“ schreibt und davon, dass sie nicht „nach
persönlichem Gefühl, Geschmack oder Belieben“ fragt. Morgens sei
sie „die Treibende, Zwingende“ – die tätigen Menschen eilen an
ihre Arbeits- oder Studierstätten. Abends werde „auch geeilt,
aber auf eine andere Art, in einem anderen Gewande“. Das Konzert
beginnt, das Theaterstück. Diese zweite Acht-Uhr-Art „glitzert,
während die andere scheinbar ohne Schimmer ist“. Die am Abend
befiehlt nicht, sie „ladet mehr ein“ (sic!).


Walser ist ein Schriftsteller mit einer eigentümlichen Sprache
und äußerst unterhaltsamen Verrücktheiten. Zu Lebzeiten blieb er
von der Öffentlichkeit fast ebenso wenig beachtet wie das, worum
dieser Text kreist. Im Leben neben dem Schreibtisch quälten
diesen Autor bald Angst und Halluzinationen. Er suchte freiwillig
– auf Anraten seines Arztes – eine psychiatrische Klinik auf,
blieb dort und schrieb weiter. Bis zu seinem Tod. Was uns bleibt,
sind vier Romane und etliche kurze Prosatexte. Einen dieser
präsentieren wir heute. „Acht Uhr“ ist exakt 100 Jahre alt und
wird hier vorgetragen von Volker Drüke.
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