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  4. "Eine Erzählung, aus einem italienischen Buche übersetzt" (Ludwig Tieck)
Ludwig Tiecks Literatur ist anders als die seiner Zeitgenossen.
Wer wissen möchte, worin das Spezielle in seinen Werken liegt,
der höre die in diesem Podcast sehr erfolgreichen Aufnahmen „Des
Lebens Überfluss“ und „Der blonde Eckbert“. Oder eben jene
Geschichte, die wir heute vorstellen. Ihre Ausgangslage ist
einfach: Ein Kunsthändler ist auf dem Weg zu einem armen Maler,
um bei ihm ein, wie er hofft, nun fertiggestelltes Bild
abzuholen. Der Händler hat durchaus eine starke Bindung zur
Kunst, ja, er scheint gar fixiert zu sein auf dieses eine, „sein“
Kunstwerk, das er freilich noch gar nicht erworben hat, und wirkt
enttäuscht, wenn Vorüberlaufende nicht wie Figuren aus diesem
Bild aussehen. Auch beneidet er den Maler um dessen Leben, das
dieser allein der Kunst zu widmen scheint, idealisiert dabei, wie
wir hören, deutlich die Künstlerexistenz. Was folgt, ist aber ein
dann doch schroffes Aufeinandertreffen der Kaufmannswelt und
jener des Kunstproduzierenden. Geschäftssphäre vs. Kunstsphäre
mitten im aufkeimenden Kapitalismus. Das kennen wir aus etlichen
Texten aus dem späten 18. und gesamten 19. Jahrhundert. Doch
Tieck ist, wie erwähnt, ein spezieller Autor. Hier verharren die
Haltungen nicht in Opposition, hier wandeln sie sich, genauer:
Eine wandelt sich. Auf dem Nachhauseweg begegnet der Händler
einem Schäfer, und diese Interaktion, diese Spiegelgeschichte in
Tiecks Text verändert die Haltung des Erzählers. Noch immer zeigt
er sich eitel, und die kapitalistische Arroganz weicht sicher
nicht komplett, aber immerhin ein wenig auf. Sein emotionales
Empfinden wird offenbar bereichert durch Empathie und „Rührung“
(wie es im Text heißt). Und so geht er in die zweite
Verhandlungsrunde, die sich ganz im Sinne des Künstlers
entwickelt. Die erstaunliche Verwandlung des Händlers zeigt Tieck
auch semiotisch an, über die Zeichen der Sprache, indem er den
Erzähler so lange von „meinem“ Werk schreiben lässt, solange es
noch dem Maler gehört, und – umgekehrt – von „seinem Bild“, also
dem des Künstlers, nachdem er selbst es längst erworben hatte.

„Eine Erzählung, aus einem italienischen Buche übersetzt“ ist
eine Künstler- und Wandelgeschichte, die sich gleichsam hin zur
Darstellung einer von Empathie geprägten zwischenmenschlichen
Beziehung bewegt, ohne in Kitsch abzugleiten. Sie erschien im
Jahr 1973. Das eigentliche Entstehungsjahr ist unbekannt, und die
Frage, ob Ludwig Tieck den Text aus einem italienischen Werk
übersetzt oder ihn nachgedichtet hat oder ob der Titel schlicht
nicht ernst zu nehmen ist und das alles genuin von Tieck selbst
stammt – all das ist unklar, doch es ist auch gar nicht wichtig.
Wir begegnen einem ästhetisch schönen Werk. Das reicht. Es liest
Volker Drüke.
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„"Eine Erzählung, aus einem italienischen Buche übersetzt" (Ludwig Tieck)“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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