16. Vom Forschungsergebnis in die Klasse und zurück. Forschungsbasierte Pädagogik mit Lisa-Maria Müller

16. Vom Forschungsergebnis in die Klasse und zurück. Forschungsbasierte Pädagogik mit Lisa-Maria Müller

vor 2 Wochen
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Beschreibung

vor 2 Wochen

Indieser Folge von Didaktik:Dialog spreche ich mit Lisa-Maria
Müller, Associate Director of Research and Policy am Chartered
College of Teaching in Großbritannien, über evidenzbasierte
Pädagogik, Teacher Agency und die Frage, wie Lehrpersonen nicht
nur Empfänger*innen von Forschungsergebnissen sein können,
sondern aktiv zum Wissenstransfer zwischen Wissenschaft und
Unterrichtspraxis beitragen.


Ausgangspunkt ist die Frage, wie ein produktiver Dialog zwischen
Forschung und Praxisaussehen kann und warum dieser Dialog
zwingend in beide Richtungen gehen muss. Lisa macht deutlich,
dass Lehrpersonen keine bloßen Anwender*innen von Forschung sind,
sondern Expert*innen für ihren Kontext, die Forschungsergebnisse
kritisch einordnen, auf ihre Klassen anpassen und derWissenschaft
wichtige Fragen zurückspielen können, die aus der Praxis heraus
entstehen.


Anhand konkreter Beispiele aus England und Österreich diskutieren
wir, warum Forschungsergebnisse nie einfach blind übernommen
werden können, welche Rolle der Handlungsspielraum von
Lehrpersonen dabei spielt und was das Konzept der Teacher Agency
über den Lehrberuf als Profession aussagt. Dabei zeigt sich auch,
wie unterschiedlich Bildungssysteme diesen Spielraum gestalten,
vom stark regulierten englischen System bis zum vergleichsweise
autonomen deutschsprachigen Raum.


Ein zentrales Praxisbeispiel für wirksame Fortbildung ist der
Journal Club Approach, den das Chartered College in zwei
Forschungsprojekten erprobt hat: Lehrpersonen lesen gemeinsam
Forschungsartikel, analysieren sie kritisch auf Qualität und
Relevanz für ihren Unterricht, erproben Interventionen und
reflektieren die Ergebnisse im Team. Dieses aus der Medizin
stammende Format hat sich als wirksame Alternative zur
klassischen Frontal-Fortbildung erwiesen: niederschwellig,
flexibel und auf aktive Auseinandersetzung statt passivem Zuhören
ausgerichtet.


Weitere Themen sind:


Teacher Agency als Kernmerkmal professionellen Lehrens und
warum Handlungsspielraum kein Freibrief für Beliebigkeit ist,
sondern Voraussetzung für kontextsensibles Unterrichten.

Evidenzbasierte Pädagogik kritisch gelesen: Was Lehrer*innen
bei der Einschätzung von Qualität und Relevanz von Forschung
beachten müssen.

Retrieval Practice und Interleaving: Was diese kognitiv
fundierten Unterrichtsstrategien leisten und wo die Forschung
noch offene Fragen hinterlässt.

Novice vs. Expert: Warum Fortbildungsformate je nach
Karrierephase unterschiedlich aussehen sollten und was das
Chartered College dazu herausgefunden hat.

Der Journal Club in der Praxis: Wie monatliche
Peer-Diskussionen über Fachartikel Lehrpersonen dazu bringen,
Forschung aktiv anzuwenden und kritisch zu hinterfragen.

Schulweite Fortbildungsstrategien: Warum individuelle
Teilnahme an Fortbildungen oft zu wenig bewirkt und wie
gemeinsame Fokussierung auf Schulebene den Unterschied machen
kann.

Lehrpersonen als Forschungspartner*innen: Wie das Chartered
College 15 Forschungsfragen formuliert hat, die direkt aus der
Unterrichtspraxis an die Wissenschaft zurückgespielt wurden.



Eine Folge über den Lehrberuf als Profession, über die Grenzen
und Potenziale evidenzbasierter Pädagogik und darüber, warum gute
Fortbildung nicht am Ende einer Veranstaltung aufhört, sondern
erst in der Klasse beginnt.


Ressourcen und Links:


Lisa-Maria Müller auf LinkedIn

Chartered College of Teaching

Cognitive Science Research Priority Setting - Bericht in dem
Fragen von Lehrer*innen an die Wissenschaft zusammengefasst
wurden 

Teacher Professionalism - Definition des Chartered College

Mid-career teachers - Artikel zum Fortbildungsbedarf bei
Mid-career Teachers

Evaluationsbericht zum Journal Clubs Projekt

Special Issue von Impact zu AI

Online-Kurs zu AI in Education

Webseite der Zeitschrift Impact - Leaky Paywall (ein Artikel
kann man ohne Mitgliedschaft lesen) und ein paar Ausgaben sind
ohnehin frei zugänglich



 
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