EGL098 Berlinale 2026 Retrospektive: Geheimnisse einer Seele von G.W. Pabst – der erste Aufklärungsfilm zur Psychoanalyse

EGL098 Berlinale 2026 Retrospektive: Geheimnisse einer Seele von G.W. Pabst – der erste Aufklärungsfilm zur Psychoanalyse

„Diese Traumphantasien veranlaßten in Ihrem Bewußtsein die krankhafte Abneigung, ein Messer zu berühren." Pawel Pawlow – Psychoanalytiker
1 Stunde 42 Minuten
Podcast
Podcaster
Reden beim Laufen und laufend Reden - über Film, Technik und Psychotherapie

Beschreibung

vor 4 Tagen
Es ist wieder Berlinale-Zeit! Es ist immer noch tief unter null
Grad und wir haben unsere langen Unterhosen angezogen, um unseren
Podcast bei einem Spaziergang entlang des Spreebogens aufzunehmen.
Wir starten mit der Aufnahme direkt vor dem Haus der Kulturen der
Welt, wo im Rahmen der Berlinale-Retrospektive Georg Wilhelm Pabsts
Stummfilm Geheimnisse einer Seele aus dem Jahr 1926 in einer
aufwendig neurestaurierten 4K-Fassung aufgeführt wird. Der Film,
der in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag feiert, gilt als der
erste bedeutende Spielfilm, der die Freudsche Psychoanalyse
ernsthaft zum Gegenstand macht. Freuds Schüler Karl Abraham und
Hanns Sachs trugen zur Umsetzung beratend bei. Die
Berlinale-Aufführung ist eine dreifache Premiere: Die Restaurierung
speist sich aus drei verschiedenen Filmkopien, begleitet wird sie
von einer Neukomposition des Südkoreaners Yongbom Lee, live
gespielt vom Ensemble Broken Frames Syndicate, wobei die
Gehirnströme der Bratschistin in Echtzeit erfasst werden, um
Synthieklänge und eine Lichtinstallation zu steuern. Micz ordnet
als ausgebildeter Psychotherapeut die im Film dargestellten
Konzepte ein – Traumdeutung, Verdrängung, Kastrationsangst, ödipale
Konstellation. Gemeinsam diskutieren wir den Male Gaze, den
männlichen Blick im Film, der die Rolle der Frau weitestgehend als
reines Projektionsobjekt darstellt. Der rätselhafte Epilog des
Films löst bei uns Verwirrung und Ambivalenz aus, was aber
wunderbar durch die experimentelle Musik untermalt wird. Ein
produktiver Versprecher von Micz, der Karl Abraham mit Alfred Adler
verwechselt, führt zu einem Exkurs über die Rivalitäten innerhalb
der psychoanalytischen Bewegung und die Frage, ob der Film
unbewusst auch davon erzählt. Auf unserer Route passieren wir das
Hansaviertel, die Akademie der Künste und die Schwangere Auster und
streifen dabei die Geschichte der Bauausstellung Interbau 1957 als
architektonische Antwort des Westens auf die Stalinallee. Teil zwei
des Podcasts folgt in vierzehn Tagen mit mehr über G.W. Pabst,
seine filmtechnischen Innovationen und die Fortsetzung der Route
durch Charlottenburg.

Kommentare (0)

Lade Inhalte...

Abonnenten

15
15