EGL101 Nachruf auf Dan Simmons' Spiel mit Wirklichkeit: Jonglieren mit Dickens, Homer, Sherlock Holmes und dem Shrike
vor 1 Woche
"Many of my novels and stories have been optioned for film, but as
of this writing none have been produced." (Dan Simmons , "Worlds
Enough & Time", 2002)
Podcast
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Beschreibung
vor 1 Woche
Dan Simmons ist verstorben. In dieser Episode möchte Micz versuchen
den Autor, der sich immer beiläufig über Genregrenzen hinweggesetzt
hat, mit dem Lasso mal einzufangen und zu umarmen. Über Jahrzehnte
hinweg hat Simmons Horror, Science-Fiction und historische Stoffe
zu einem Regenschirm verwoben, mit dem Leser:innen federleicht die
Feldsteinmauern übersegeln, die das Genrefallobst einzäumen. Und
hätte das diesen Satz noch viel eleganter formulieren können. Mit
seinem Tod im Februar 2026 verliert die Literatur eine der
eigenwilligsten Stimmen der Gegenwart. Gleichzeitig blieb Simmons
Werk das eines Unvollendeten. Weil seine Bücher oft mehr aufrissen,
als sie abschließend beantworten wollten. Ob in den verschachtelten
Erzählstrukturen von „Hyperion“, den offenen philosophischen Fragen
in „Ilium“ oder den ausufernden historischen und moralischen
Dimensionen von „Carrion Comfort“. Viele seiner Geschichten wirken
deshalb wie Momentaufnahmen aus größeren, kaum greifbaren
Zusammenhängen. Micz sieht es positiv: für einen kongenialen
Showdown war Dan Simmons selten zu haben, der stresst nur, aber
parallel in unterschiedlichsten Schichten eines historischen
Moments zu schwelgen und zu flanieren, das konnte er wie kein
anderer genießen und teilen. Unvollendet auch, weil es
jahrzehntelang sicher war, seit den 1990ern, dass er mit
"Hyperion", "Drood", "Ilium", "Carrion Comfort", "The Crook
Factory", "The Abominable" und auch dem Erstlingswerk "Song of
Kali" ganz groß in die Kinos kommt. Es ist nicht passiert.
"Hyperion" wäre der geniale Stoff für eine Stream-Serie. Es ist
nicht passiert. "Terror" wurde als Serie verfilmt. Er hatte auf so
viel mehr gehofft und darauf immer wieder auch in Interviews
gebaut. Wir haben uns im Podcast in einer Mini-Serie an seinem Werk
abgearbeitet – und sind dabei durch sehr unterschiedliche Welten
gereist. In „Carrion Comfort“ begegnen wir sogenannten
Mind-Vampires, die Macht über Menschen ausüben und Geschichte aus
dem Schatten heraus beeinflussen. Mit „Hyperion“ entwirft Simmons
eine vielstimmige Space Opera, die eher an eine Sammlung
miteinander verwobener Geschichten erinnert als an einen
klassischen Roman. „Ilium“ wiederum verlegt antike Mythen in eine
ferne Zukunft auf dem Mars und stellt die Frage nach Menschlichkeit
in einer posthumanen Welt. Und mit „Song of Kali“ sowie „Drood“
zeigt sich seine düstere, literarisch verspielte Seite zwischen
Horror und historischer Fiktion. All diese Bücher eint, dass sie
sich Zeit nehmen, ausufern dürfen und dabei voller Ideen stecken –
manchmal sperrig, oft überwältigend, aber nie beliebig. Simmons war
kein Autor für nebenbei. Seine Romane fordern Aufmerksamkeit,
Geduld und Neugier. Sein Werk bleibt.
den Autor, der sich immer beiläufig über Genregrenzen hinweggesetzt
hat, mit dem Lasso mal einzufangen und zu umarmen. Über Jahrzehnte
hinweg hat Simmons Horror, Science-Fiction und historische Stoffe
zu einem Regenschirm verwoben, mit dem Leser:innen federleicht die
Feldsteinmauern übersegeln, die das Genrefallobst einzäumen. Und
hätte das diesen Satz noch viel eleganter formulieren können. Mit
seinem Tod im Februar 2026 verliert die Literatur eine der
eigenwilligsten Stimmen der Gegenwart. Gleichzeitig blieb Simmons
Werk das eines Unvollendeten. Weil seine Bücher oft mehr aufrissen,
als sie abschließend beantworten wollten. Ob in den verschachtelten
Erzählstrukturen von „Hyperion“, den offenen philosophischen Fragen
in „Ilium“ oder den ausufernden historischen und moralischen
Dimensionen von „Carrion Comfort“. Viele seiner Geschichten wirken
deshalb wie Momentaufnahmen aus größeren, kaum greifbaren
Zusammenhängen. Micz sieht es positiv: für einen kongenialen
Showdown war Dan Simmons selten zu haben, der stresst nur, aber
parallel in unterschiedlichsten Schichten eines historischen
Moments zu schwelgen und zu flanieren, das konnte er wie kein
anderer genießen und teilen. Unvollendet auch, weil es
jahrzehntelang sicher war, seit den 1990ern, dass er mit
"Hyperion", "Drood", "Ilium", "Carrion Comfort", "The Crook
Factory", "The Abominable" und auch dem Erstlingswerk "Song of
Kali" ganz groß in die Kinos kommt. Es ist nicht passiert.
"Hyperion" wäre der geniale Stoff für eine Stream-Serie. Es ist
nicht passiert. "Terror" wurde als Serie verfilmt. Er hatte auf so
viel mehr gehofft und darauf immer wieder auch in Interviews
gebaut. Wir haben uns im Podcast in einer Mini-Serie an seinem Werk
abgearbeitet – und sind dabei durch sehr unterschiedliche Welten
gereist. In „Carrion Comfort“ begegnen wir sogenannten
Mind-Vampires, die Macht über Menschen ausüben und Geschichte aus
dem Schatten heraus beeinflussen. Mit „Hyperion“ entwirft Simmons
eine vielstimmige Space Opera, die eher an eine Sammlung
miteinander verwobener Geschichten erinnert als an einen
klassischen Roman. „Ilium“ wiederum verlegt antike Mythen in eine
ferne Zukunft auf dem Mars und stellt die Frage nach Menschlichkeit
in einer posthumanen Welt. Und mit „Song of Kali“ sowie „Drood“
zeigt sich seine düstere, literarisch verspielte Seite zwischen
Horror und historischer Fiktion. All diese Bücher eint, dass sie
sich Zeit nehmen, ausufern dürfen und dabei voller Ideen stecken –
manchmal sperrig, oft überwältigend, aber nie beliebig. Simmons war
kein Autor für nebenbei. Seine Romane fordern Aufmerksamkeit,
Geduld und Neugier. Sein Werk bleibt.
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