EGL097 Männerphantasien im Deutschen Theater
„Von den Alpen bis zum Meer spannt sich die Kette erstarrter
Männer. Wo andere Menschen ihre Haut haben, wird ihnen ein Panzer
wachsen." Klaus Theweleit
Podcast
Podcaster
Beschreibung
vor 2 Wochen
Flo schenkt Micz zu Weihnachten einen Besuch des Stücks
„Männerphantasien", aufgeführt am 10.01.2026 in der Box des
Deutschen Theaters, der kleinsten Bühne des Hauses. Wir sind etwas
aufgeregt, weil wir eigentlich noch nie zusammen ins Theater
gegangen sind. Um 20 Uhr bringen wir uns vor der Box zur freien
Platzwahl in Stellung und finden in der zweiten Reihe des klein
bestuhlten Saals Platz. Das Stück fängt auch inmitten der Reihen
an: Ein Schauspieler, als Zuschauer getarnt, rezitiert gleich zu
Beginn Originaltexte aus dem Buch „Männerphantasien" von Klaus
Theweleit. Wir als brave Kulturbürger versuchen, den Sätzen mit
konzentriert gerunzelter Stirn zu folgen, bis der Schauspieler jäh
mit den Worten unterbricht (sinngemäß): „Ich sag's nochmal
einfacher. Also nicht verstehen, was da passiert ist, sondern
fühlen." Es geht um die Freikorps, es geht um die Gewalt der
faschistischen Prototypen, es geht um die neofaschistischen
Auswüchse unserer heutigen Zeit. Große Teile des Stücks werden über
Monologe getragen – Monologe, in denen eine*r des fünfköpfigen
Ensembles in die Rolle einer zeitgenössischen Figur schlüpft: eine
Person „aus der Pizzabox", die Andrew-Tate-Zitate spricht; eine
Mutter, die zu den Vergewaltigungen ihres Sohnes emotional Stellung
zu beziehen versucht; eine Frau, die vom Feminismus ins rechte
Lager kippt und zuletzt ein Mann, der grillend schlechte Wortwitze
reißt und sich mit seinem Nachbarn über Carports austauscht, dann
aber fast im selben Atemzug die Farbgebung der Reichsflagge –
Schwarz, Weiß, Rot – messerscharf analysiert. Als wir aus dem
Theater kommen, werfen wir gleich unsere Aufnahmegeräte an, um uns
frisch über die ersten Eindrücke auf den eisüberzogenen Straßen von
Mitte auszutauschen. Micz rezitiert noch die Witze aus dem Stück:
Steht ein Pilz im Wald, kommt der Hase vorbei und trinkt es aus.
Warum steht da ein Pils? Weil die Tannen zapfen. Flo freut sich,
dass sein Geschenk gut angekommen ist und Micz sich während des
Stücks auch amüsiert hat. Wir können mit Theweleits
„Männerphantasien" auch an eine unserer früheren Folgen anknüpfen:
In Episode 60 zu dem Film „The Zone of Interest" referiert Micz
über das Buch von Theweleit und stellt die Objektbeziehungstheorie
der Psychoanalytikerin Melanie Klein vor, die eine theoretische
Grundlage von „Männerphantasien" bildet. Während wir durch die
Auguststraße vorbei an den Kunstwerken schlittern, gehen wir der
Kernfrage nach, die sich auch in dem Stück stellt: Kann sich
Geschichte wiederholen, oder sind die Freikorps der 1920er-Jahre
aus einer singulären historischen Konstellation entstanden?
„Männerphantasien", aufgeführt am 10.01.2026 in der Box des
Deutschen Theaters, der kleinsten Bühne des Hauses. Wir sind etwas
aufgeregt, weil wir eigentlich noch nie zusammen ins Theater
gegangen sind. Um 20 Uhr bringen wir uns vor der Box zur freien
Platzwahl in Stellung und finden in der zweiten Reihe des klein
bestuhlten Saals Platz. Das Stück fängt auch inmitten der Reihen
an: Ein Schauspieler, als Zuschauer getarnt, rezitiert gleich zu
Beginn Originaltexte aus dem Buch „Männerphantasien" von Klaus
Theweleit. Wir als brave Kulturbürger versuchen, den Sätzen mit
konzentriert gerunzelter Stirn zu folgen, bis der Schauspieler jäh
mit den Worten unterbricht (sinngemäß): „Ich sag's nochmal
einfacher. Also nicht verstehen, was da passiert ist, sondern
fühlen." Es geht um die Freikorps, es geht um die Gewalt der
faschistischen Prototypen, es geht um die neofaschistischen
Auswüchse unserer heutigen Zeit. Große Teile des Stücks werden über
Monologe getragen – Monologe, in denen eine*r des fünfköpfigen
Ensembles in die Rolle einer zeitgenössischen Figur schlüpft: eine
Person „aus der Pizzabox", die Andrew-Tate-Zitate spricht; eine
Mutter, die zu den Vergewaltigungen ihres Sohnes emotional Stellung
zu beziehen versucht; eine Frau, die vom Feminismus ins rechte
Lager kippt und zuletzt ein Mann, der grillend schlechte Wortwitze
reißt und sich mit seinem Nachbarn über Carports austauscht, dann
aber fast im selben Atemzug die Farbgebung der Reichsflagge –
Schwarz, Weiß, Rot – messerscharf analysiert. Als wir aus dem
Theater kommen, werfen wir gleich unsere Aufnahmegeräte an, um uns
frisch über die ersten Eindrücke auf den eisüberzogenen Straßen von
Mitte auszutauschen. Micz rezitiert noch die Witze aus dem Stück:
Steht ein Pilz im Wald, kommt der Hase vorbei und trinkt es aus.
Warum steht da ein Pils? Weil die Tannen zapfen. Flo freut sich,
dass sein Geschenk gut angekommen ist und Micz sich während des
Stücks auch amüsiert hat. Wir können mit Theweleits
„Männerphantasien" auch an eine unserer früheren Folgen anknüpfen:
In Episode 60 zu dem Film „The Zone of Interest" referiert Micz
über das Buch von Theweleit und stellt die Objektbeziehungstheorie
der Psychoanalytikerin Melanie Klein vor, die eine theoretische
Grundlage von „Männerphantasien" bildet. Während wir durch die
Auguststraße vorbei an den Kunstwerken schlittern, gehen wir der
Kernfrage nach, die sich auch in dem Stück stellt: Kann sich
Geschichte wiederholen, oder sind die Freikorps der 1920er-Jahre
aus einer singulären historischen Konstellation entstanden?
Weitere Episoden
1 Stunde 42 Minuten
vor 4 Tagen
1 Stunde 16 Minuten
vor 2 Monaten
1 Stunde 6 Minuten
vor 2 Monaten
In Podcasts werben
Kommentare (0)