"Bartleby, der Schreiber" (Teil 1) (Herman Melville)
Eine Erzählung aus dem Jahr 1853
1 Stunde 7 Minuten
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Beschreibung
vor 9 Monaten
In der Literatur tummeln sich schräge Figuren: Narren, Schelme,
Pechvögel, merkwürdige, randständige Gestalten, die anders sind,
weit entfernt vom Normalen und Durchschnitt. Schon das macht sie
für Schriftsteller interessant und für Leser und Hörer attraktiv.
Auch in diesem Podcast sind wir bereits einigen begegnet: etwa
Baudelaires Possenreißer, all den extrem individuellen Tieck-,
Hoffmann- und Kafka-Figuren, Büchners Lenz oder auch Jakob, dem
armen Spielmann in Grillparzers gleichnamiger Novelle. Wie dieser
ist Bartleby in Herman Melvilles Geschichte, die wir heute
vorstellen, Schreiber von Beruf, angestellt in einer vom Erzähler
geführten Anwaltskanzlei. Und dieser Erzähler widmet sich dem
Mitarbeiter wie einem Studienobjekt, er wirkt fast wie ein
Anthropologe, der das außergewöhnliche Verhalten seines
Angestellten erforscht. Und ja, Bartleby verhält sich merkwürdig,
er verweigert bald die Arbeit, ja eigentlich jegliche Tätigkeit –
und das mit dem immer gleichen Kommentar „I would prefer not to“
(so im Original) bzw. „Ich möchte lieber nicht“. All die
Beobachtungen und genauen, häufig auch sehr komisch wirkenden
Beschreibungen des Erzählers, dargebracht in einer klaren
literarischen Sprache, helfen ihm selbst nicht, eine Lösung für
den Umgang mit dem sonderbaren Mitarbeiter zu finden. Bartleby
bleibt rätselhaft, undurchschaubar, unnahbar auch. Für uns
Leserinnen/Hörer ist es jedoch schlicht ein Genuss, dieser klaren
Erzählsprache zu folgen.
Es ist erstaunlich, dass dieses ästhetisch außerordentlich schöne
Werk – zuerst 1853 erschienen – ein ganzes Jahrhundert benötigte,
um weltweit beachtet zu werden. Seit „Bartleby, der Schreiber“
aus dem langen Schatten des großen Melville-Romans „Moby Dick“
trat und von der literarischen Öffentlichkeit vielfach beleuchtet
wurde, gilt der Text als Meisterwerk der Erzählkunst. Wir
präsentieren hier einen ersten Teil (morgen folgt bereits der
zweite), dies mit freundlicher Genehmigung der Westdeutschen
Blindenhörbücherei in Münster. Es liest Daniel Kasztura.
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