"Der tolle Invalide auf dem Fort Ratonneau" (Achim von Arnim)

"Der tolle Invalide auf dem Fort Ratonneau" (Achim von Arnim)

Eine Novelle aus dem Jahr 1818
50 Minuten
Podcast
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Hochwertige Literatur, vorgelesen von professionellen Sprecherinnen und Sprechern

Beschreibung

vor 11 Monaten

Achim von Arnim schrieb seine Novelle „Der tolle Invalide auf dem
Fort Ratonneau“ im Jahr 1818. Die Schauspielerin, Sängerin und
Sprecherin Christiane Hagedorn nimmt sich mehr als 200 Jahre
später nicht irgendwie des Textes an, nein: Sie verwandelt ihn in
ein modernes Hörspiel mit vielen Stimmen und Temperamenten, die
allesamt sie selbst übernimmt. Auf der Basis eines Werks, das
kaum noch jemand kennt, wird ein modernes Literatur- und
Sprechkunst-Stück kreiert, und zwar eines, das seinesgleichen
sucht. Ein Meisterwerk. Mehr muss man/frau gar nicht wissen, die
Aufnahme spricht für sich. Oder?


Nun, vielleicht ist es als Hintergrund-Info nicht uninteressant,
dass der „Wahnsinn“, der in der Geschichte eine wesentliche Rolle
spielt, bei von Arnim so komisch, ja lustig wirken darf, weil der
Autor weiß, dass die Störung am Ende der Geschichte auch wieder
verschwinden wird. Und wirklich wirkt Francoeur wie befreit und
plötzlich gutmütig statt argwöhnisch, als der Knochensplitter das
Schädelinnere verlässt. Auch nicht uninteressant ist, dass eine
solche Verletzung, die Francoeur erlitt und als verantwortlich
für sein teils krudes Verhalten – etwa seine arg übersteigerte,
krank wirkende Eifersucht – dargestellt wird, ein Individuum
wirklich derart beeinflussen kann, dass sein Wesen, sein
Charakter, seine Art zu sein völlig umzudrehen imstande ist. In
der medizinischen Wissenschaft bekannt geworden ist der Fall
eines kriegsverletzten Mannes, der ... – Doch das ist eine ganz
andere Geschichte, zurück zu von Arnims.


Was für eine Eröffnungsszene! Unerhört! Zunächst harmlos wirkende
Olivenäste im Feuer und Imaginationen von einem großen Feuerwerk.
Dann brennt ein Holzbein! Eine Schürze noch dazu! Diese kleine,
eher private und ziemlich komische Katastrophe zu Beginn der
Novelle und eine drohende große, gesellschaftliche an deren Ende
– die durch das Geschick und die Entschlossenheit Rosalies,
Francoeurs Frau, vereitelt wird – rahmen das reiche
Binnengeschehen ein. Das alles muss man erst einmal unterhaltsam
gestalten und erzählen können. Achim von Arnim konnte das. Und
Christiane Hagedorn verleiht den Szenen Anschaulichkeit, Bewegung
und verhilft dem Text zu der Geltung, die ihm gebührt: dynamisch,
dramatisch, derb-komisch, doch dabei durchweg differenziert in
Darbietung und Diskurs. Was für eine Erzählkünstlerin! Und was
für ein Erzählkünstler! So wird das Hören zu einem echten
Erlebnis, zu einem Fest der Literatur.

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