Podcaster
Episoden
12.01.2026
3 Minuten
Wir haben seit Jahren ein interessantes Phänomen in der täglichen
Debatte: eine Empörungskultur gegen alles und jedes und jede und
jeden. Die Wetterkapriolen am Wochenende haben das nochmal deutlich
gezeigt.Die einen empören sich gegen die übertriebenen Vorwarnungen
vor dem Wetterchaos, die anderen empören sich, dass viel zu wenig
gewarnt wurde in ihrem Bereich, wo es viel schlimmer war, als im
ganzen übrigen Land.Die einen empören sich, dass in ihrer Straße
wieder nicht geräumt worden ist und die anderen empören sich, dass
viel zu viel Salz gestreut wird und die Straßen damit wieder kaputt
gehen. Die ein empören sich, dass Kitas und Schulen wegen der
Wettervorhersagen geschlossen wurden und die anderen empören sich,
dass die Wege und Straßen gerade für Kinder doch viel zu glatt und
gefährlich sind.Die einen empören sich über die störanfällige
Infrastruktur in Berlin und die anderen nutzen das genüsslich aus
um gegen Staat und Politik zu hetzen. Und dann passiert etwas ganz
Wunderbares: in vielen Berliner Pfarreien und Gemeinden, den
Hilfsorganisationen von Caritas über Diakonie, von Rotem Kreuz und
Maltesern, legen die Leute los und organisieren Hilfe für die, die
einige Tage weder Strom noch Heizung haben. Sie organisieren
Unterkünfte, warme Mahlzeiten, Nachbarschaftshilfe und
Handyladestationen, klopfen und rufen nach denen, die vielleicht
Hilfe brauchen und sich nicht trauen, sammeln Lebensmittel und
verteilen sie und so weiter und so fort. Sich empören ist oft gut
und notwendig, damit auf Fehler aufmerksam gemacht wird. Aber
Dauerempörung ist nicht das, was uns, den im Moment
Hilfsbedürftigen und unserer Gesellschaft hilft. Nicht empören ist
angesagt, sondern hören, verstehen, einschätzen und dann handeln.
"Was ihr von den anderen erwartet, dass tut ebenso für sie", ist
die goldene Regel jeder Religion und jedes menschlichen
Zusammenlebens.
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09.01.2026
3 Minuten
Am Sonntag endet sie offiziell, die diesjährige Weihnachtszeit. Das
Fest der Taufe Jesu ist quasi Ende und Anfang für das Feiern dieser
göttlichen Geheimnisse rund um die Menschwerdung Gottes.
Weihnachten als Gedenken an die Geburt Christi, Epiphanie als die
Deutung der Erscheinung der Herrlichkeit Gottes vor aller Welt, die
Taufe im Jordan als Startpunkt des öffentlichen Erscheinens Jesu
und mit der Ablösung Johannes des Täufers und die Hochzeit in
Kanaan als Wunder der Zuwendung Gottes zu seinen
Menschen. Dieser Tage habe ich ein schönes Wort gelesen. Es
ging um die Nachfreude des Weihnachtsfestes. Vorfreude können schon
die Kinder gut und wir fangen schon früh an mit dem Feiern. Aber
die Nachfreude? Also die Freude über all diese schönen Zeichen, die
wir in den letzten 19 Tagen erlebt haben. Bedenkenswert!In unserer
Mutterhauskirche ist nach alter franziskanischer Tradition Krippe,
Altar und Kreuz auf einer Linie angelegt: die Krippe vor dem Altar
und dahinter das Kreuz. Einen Gottesdienst vor einer schönen Krippe
zu feiern, wo auch drei prächtig gekleidete Sterndeuter zu sehen
sind, hat etwas sehr Berührendes. Das Kind in der Krippe ist
nicht nur lieblich und freundlich und herzig, es ist auch das
Versprechen dieses Gottes: ich gehe alle Eure Wege mit. Die Wege
derer, die sich und ihr Leben ihm weihen, die Wege derer, denen das
völlig egal ist, und auch die Wege derer, die zwar sein Wort im
Mund führen und sich mit der Bibel in der Hand fotografieren
lassen, denen Gerechtigkeit, Wahrhaftigkeit, Respekt und Liebe aber
völlig unwichtig sind. Das ist das große Wagnis dieses Gottes.
Er hat uns die Freiheit der Kinder Gottes gegeben und die Zusage,
bei uns zu bleiben in allen unseren Haupt- und Neben- und Irrwegen.
Ein ziemlich guter Grund für noch viel Nachfreude in diesen
Tagen.
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08.01.2026
3 Minuten
Vorgestern haben wir das Fest der Erscheinung des Herrn, Heilige
drei Könige, gefeiert und der Dom in Köln ist zu ihrer Verehrung
gebaut worden. Um den größten goldenen Schrein der Geschichte herum
wurde diese Kathedrale gebaut. Um Pilgerscharen aus aller Welt
anzulocken und die Stadt und die Kirche von Köln noch bekannter zu
machen und Handel und Verkehr zu beleben. Die Stadt wurde im
späten Mittelalter zum drittgrößten Pilgerort der Christen und
Reichtum und Pracht kamen in die Stadt. Den Festgottesdienst in
diesem Jahr über die Medien mit zu feiern, war einfach wunderbar,
das Evangelium von der Anbetung der Sterndeuter zu hören und wie
sie dem Herodes ein Schnippchen geschlagen haben und auf einem
anderen Weg nachhause zurückgekehrt sind.Vom verstorbenen Aachener
Bischof Klaus Hemmerle habe ich einen Text zu diesem Fest, der auch
in eine ganz andere Richtung geht und der mir sehr gefällt. Diese
Zeilen möchte ich Dir mit in diesen Tag geben. Sie
lauten: „Der Stern hat sich nicht geirrt, als er die Fernsten
rief, aufzubrechen zum nahen Gott.Der Stern hat sich nicht geirrt,
als er den Wüstenweg wies, den untersten, den härtesten Weg. Der
Stern hat sich nicht geirrt, als er stehen blieb über dem Haus der
kleinen Leute:Dort ist die große Zukunft geboren.Dein Herz hat sich
nicht geirrt, als es sich aufmachte, den Unbekannten zu
suchen. Dein Herz hat sich nicht geirrt, als es nicht aufgab
in der sichtlosen Ungeduld. Dein Herz hat sich nicht geirrt,
als es sich beugte vor dem Kind.“Manche Menschen haben ihr Leben
lang nach Gott und dem Sinn ihres Lebens gesucht und ihn dann in
einem Weihnachtsgottesdienst gefunden, den sie nur wegen der
Stimmung besucht haben. Sich aufmachen um den unbekannten Gott zu
suchen, geht immer und das Herz, das immer unruhig bleibt, bis es
Ruhe findet in Gott, irrt nie. Und sich beugen vor dem Kind, in der
Krippe oder unter den Nachbarskindern, im Flüchtlingslager oder im
Kinderhospiz, dazu ist unser Herz geschaffen, vom Schöpfer aller
Dinge, dem kleinen großen Gott.Beugen wir also heute und in den
kommenden Tagen unsere Knie und unser Herz vor diesem Kind, dass
sich nicht gescheut hat, unter den kleinen Leuten auf die Welt zu
kommen, damit die kleinen Leute groß werden vor aller Welt.
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07.01.2026
3 Minuten
Manchmal frage ich mich, ob die Verfasser der Bibel Humor hatten.
Wir wissen ja, dass die Heilige Schrift nicht vom Himmel gefallen
ist, sondern die Texte - göttlich inspiriert – nach und nach
entstanden sind, erst mündlich weitergegeben und dann irgendwann in
schriftliche Form gebracht. Gotteswort in Menschenwort – so nennt
das die Bibelwissenschaft. Und bei der heutigen Lesung aus dem
Buch Jesaja ist mir aufgefallen: Viel größer können die Gegensätze
innerhalb eines kurzen Textabschnittes nicht sein. Da heißt es:
Ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns geschenkt – ja
klar, wir sind ja noch in der Weihnachtszeit. Aber auf das kleine
Kind folgen geradezu hymnische Worte: Starker Gott, Friedensfürst,
Vater in Ewigkeit – all das soll ein Baby sein, das irgendwo in
einem Stall geboren wurde? Wie war das mit dem Humor in der
Bibel? Das Faszinierende für mich an unserem Glauben ist, dass
die markigen Sprüche über das Kind und das tatsächliche Leben von
Jesus Christus nur scheinbar nicht zusammenpassen. Nach weltlichen
Maßstäben ist Jesus am Kreuz gescheitert. Aber Gott hat ihn
gerettet, der Tod hat seinen Schrecken verloren. Jesus steht in der
Tat für Stärke, aber eben für Glaubensstärke und Frieden. Und seine
Auferstehung lässt auch uns hoffen – aber nicht nur auf Ewiges
Leben, sondern auch darauf, dass unser persönliches Leben in Gott
immer einen Sinn hat. Egal, ob wir nach weltlichen Maßstäben
scheitern oder prima vor unseren Mitmenschen dastehen – wir können
darauf vertrauen, dass Gott uns immer liebt – weil bei ihm alles
möglich ist und alles einen Wert hat. Und so passt auf einmal
alles zusammen: ein kleines Kind, das zum Friedensfürsten wird, ein
Baby, das Gottes Sohn ist. Jetzt weiß ich zwar immer noch
nicht, ob die Männer und Frauen der Bibel Humor hatten – aber die
Botschaft vom Kind im Stall, die kann uns auf jeden Fall froh
machen – jeden Tag, nicht nur an Weihnachten!
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06.01.2026
3 Minuten
Heute feiert die Kirche das (Hoch-)Fest
"Epiphani". "Epiphanias" kommt aus dem Griechischen und
bedeutet Erscheinung, Offenbarwerdung. An diesem Tag wird die
Offenbarwerdung der Göttlichkeit Jesu vor aller Welt gefeiert. Erst
ab dem 4. Jahrhundert wurde der Tag auch "Dreikönigstag" bzw.
"Heilige Drei Könige" genannt.Neben der hohen Theologie, die sich
dahinter verbirgt, hat mich immer am meisten daran fasziniert, dass
sich um diesen 6. Januar herum zigtausende Kinder in ganz
Deutschland auf den Weg machen – so wie damals die drei
Sterndeuter. Sie ziehen von Haustür zu Haustür für die gute Sache.
Sie sammeln Geld für Kinder, denen es nicht so gut geht, die
dringend unsere Hilfe brauchen. Ihre Geschenke sind also nicht
Gold, Weihrauch und Myrre, die sie dem Kind von Bethlehem geben.
Ihr Geschenk ist das „auf den Weg machen“ und damit die Botschaft
dieses göttlichen Kindes lebendig halten! Denn das spätere Leben
dieses Jesuskindes hat so deutlich gemacht, dass auch darum geht:
sich für den Nächsten einsetzen, seine materielle und seelische Not
wahrnehmen und sich auf den Weg machen, um diesem Nächsten wirklich
liebend zu begegnen. Wer das tut, kommt dem Kind von Bethlehem
automatisch ganz nah – so nah wie damals die drei Sterndeuter. Wer
das tut, kommt dem göttlichen Licht ganz nah und macht unsere Welt
dadurch ein Stück heller. Also nehmen wir uns doch an Sternsingern
ein Beispiel, die trotz der herausfordernden Zeiten munter und
mutig losgehen.Herausfordernde Zeiten gab es in den letzten zwei
Jahrtausenden immer und auch wir Christen müssen immer wieder neu
schauen, dass wir dem richtigen Stern und nicht irgendwelchen
Herrschern, Königen oder Präsidenten folgen, statt nach dem
göttlichen Kind zu suchen, das zu uns in die reale Welt gekommen
ist um unser Leben hell zu machen und die göttlichen Gaben an alle
Menschen weiter zu geben.
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Über diesen Podcast
Gedanken zu Gott und der Welt, Erlebnisse aus dem Alltag einer
Ordensfrau - die Olper Franziskanerin Schwester Katharina startet
mit Gebeten und Texten um 6 Uhr in den Morgen.
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