Anmeldung Registrierung
Auto Hell Dunkel
Erweiterte Suche

Stufen.aufs.Ohr Archiv

168 Episoden
3 Minuten
Die Worte von Hans-Martin Steffe in der vergangenen Woche gaben mir einen starken Anstoß. Ja, Trauer braucht Zeit. Und was haben wir nicht alles zu betrauern! So vieles müssen wir loslassen. Menschen, die uns verlassen oder weggehen, unsere körperliche Unversehrtheit, das Jungsein, die Vorstellung, dass die Menschen untereinander friedlich leben könnten, die Vorstellung, dass wir Menschen so klug sind, dass wir die Schöpfung bewahren, Vorstellungen davon, wie unser Leben verläuft und so vieles mehr.

Vergangene Woche hörten wir die Geschichte von Jakob, wie er sich nach dem Verlust von Josef nicht trösten lassen konnte und wollte.

Jakobs Geschichte ist eine Geschichte, mit der ich nicht so einfach fertig werde und gerade die Kapitel mit dem alten Jakob haben es mir angetan.

Vielen ist nicht bewusst, dass nach Jakobs Krise am Jabbok das Leben Jakobs nicht zu Ende ist, sondern dass noch ein langer Lebensabschnitt kommt. Ja, er hat diese Krise durchgestanden, durchgerungen und Gott hat sich ganz mit ihm verflochten. Und doch, danach war er ein Hinkender. Die großen Krisen unseres Lebens gehen nicht spurlos an uns vorbei. Bei Jakob kommt dann der Lebensabschnitt des Alters. Nach 20 Jahren bei Laban und der Versöhnung mit seinem Bruder folgt ein Abschnitt der Verluste.  Seine geliebte Frau Rahel stirbt. Es gibt große Probleme in der Familie und Jakob muss mit der Sippe nochmal umziehen und von vorne anfangen. Zuletzt verschwindet Josef.

Trauer braucht seine Zeit und das Älterwerden ist nicht einfach. Da sagt mancher: so habe ich mir das nicht vorgestellt.

Und dennoch! Dieser alte Jakob lehrt mich. Nach Jahren der Dunkelheit hört er wieder Gottes Stimme. Endlich! Endlich geht es weiter! Das Licht scheint wieder. Wenn Gott redet und da ist, dann ist wieder alles möglich!

Am Ende seines Lebens kann Jakob vor den Pharao treten und diesen, der sich ja selbst als Gott versteht, im Namen des lebendigen Gottes segnen. Und Jakob segnet alle seine Kinder und Enkel, ganz individuell und persönlich.

Ich will mutig sein wie Jakob und trotz allem, was schwer ist, segnen. Kinder und Enkel und andere Menschen. Immer im Wissen, dass wer einmal gesegnet ist, für immer gesegnet bleibt.

Ihre und eure Traudel Krause
3 Minuten
November – trübe Tage, zunehmende Dunkelheit.

Im November geht das Kirchenjahr zu Ende – Ewigkeitssonntag mit dem Gedenken der Verstorbenen.

November 2023 der Krieg in der Ukraine ist nicht zu Ende. Schlimmster Terror der Hamas an dem Volk Israel. Tod und Leid bei Juden und Palästinensern.

Sprachlos, ohnmächtig, verzweifelt sind Menschen an vielen Orten unserer Welt und auch bei uns. Leid und Schmerz, Trauer und Tod machen keine Unterschiede.

Jakob widerfuhr das in seinen letzten Lebensjahren. Sein Lieblingssohn Josef wurde von einem wilden Tier zerrissen. Seine anderen Söhne hatten ihm das in Ziegenblut getränkte bunte Gewand des Josef zugeschickt. Zerrissen ist Josef. Das stürzte Jakob in Schmerz und Trauer. Er zerriss seine Kleider. Er zog sich innerlich zurück. Im Bodenbild vom Jakobskurs anschaulich nachvollzogen. Jakob ins Haus gestellt. Die Türen verschlossen. Um das Haus ein zerrissenes schwarzes Tuch gelegt. In der biblischen Geschichte heißt es: „Jakob wollte sich nicht trösten lassen.“

Wie gehen wir mit einem solchen Schmerz und einer solchen tiefen Trauer um?

Die Söhne und Töchter von Jakob kamen zu ihm und wollten ihn trösten. Doch: „Jakob wollte sich nicht trösten lassen.“

Die ersten Reaktionen in unserem Kurs waren wenig empathisch. Er hat doch noch andere Söhne und auch Töchter. Gelten die ihm gar nichts?

„Ich kenne das“, sagte in diese Vorwürfe hinein eine Teilnehmerin. Als ich meinen Sohn durch Krankheit verlor, habe ich mich auch zurückgezogen, habe dicht gemacht, ließ niemanden an mich ran, wollte von niemandem getröstet werden. Schon gar nicht von frommen Worten. Ich musste allein sein.

Wie kommt einer wieder zum Leben, wenn ihn Leid und Trauer gelähmt haben?

Für Jakob war Anstoß dafür war die Verantwortung für seine Großfamilie.

Die Hungersnot in Israel und die Nachricht, dass es in Ägypten Getreide zu holen gab,

ließ ihn handeln. Er beauftragte seine Söhne: „Zieht hinab nach Ägypten und kauft uns Getreide, dass wir leben und nicht sterben.“

Als Jakob erfuhr, dass Josef noch am Leben war, sogar als wichtigster Minister des Pharao in Ägypten in der Hungersnot für Getreide sorgte, wollte er das nicht glauben. „Aber sein Herz blieb kalt.“ Es dauerte, es brauchte das Erzählen von den Worten, die Josef zu seinen Brüdern gesagt hatte, und einen sichtbaren Beleg, die Wagen des Pharao. „Da wurde der Geist Jakobs lebendig.“

Hin und wieder dürfen wir jemandem Trost spenden, nicht nur mit Worten. Aber das haben wir nicht in der Hand. Manche erfahren dabei: Wer durch den Schmerz geführt wurde, kann Menschen im Schmerz beistehen. Schmerz kann in Segen verwandelt werden.

Seid gesegnet und seid ein Segen

Hans-Martin Steffe, Linkenheim-Hochstetten

Fest feiern

3 Minuten
Es ist noch nicht lange her, da haben wir „Platzwechsel“ gefeiert. Als Leiterin von Stufen des Lebens in Baden habe ich meinen Platz geräumt und Rahel Becker übergeben. Das war Anlass für ein Fest. Und es wurde ein großes Fest. Erst hinterher haben wir alle vernommen, was für schreckliche Katastrophen in Israel am selben Tag passierten. Wir haben es nicht gewusst. War es gut so?

Da wurde mir bewusst: wie wichtig es ist ein Fest zu feiern, trotz allem, allem zum Trotz . Seit dem Tod von meinem Mann merke ich immer wieder, wie nahe Karfreitag und Ostersonntag beieinander liegen. Wie nah Not und Schmerz, Freude und Glück beieinander liegen. Alles zu Seiner Zeit.

Kurz vor dem Fest wurde ich gefragt, ob ich nicht traurig sei, wenn jetzt der Abschied Realität werde, die Veränderungen und die neue Stufe des Lebens auf mich zukommen. Ganz kurz überlegte ich, ob ich in diese Traurigkeit einstimmen sollte, die ich kenne. Ich entschied mich dann und sagte: ja, das kommt vor, wird auch immer wieder vorkommen, aber JETZT feiern wir ein Fest. Das war ein echter Entschluss.

Und so feierten wir ein Fest der Freude, der Dankbarkeit, ein Fest der Gemeinschaft, ein Fest des Zurückschauens auch auf Schwieriges, ein Fest des nach vorne Blickens noch nicht wissend was kommt. Ein Erntedankfest des Lebens.

Als eine Bodenbildstation hatten wir das Gleichnis vom „Verlorenen Schaf“ ausgelegt unter dem Thema „Weil du JA zu mir sagst“.

Vielleicht glich unsere Freude der des guten Hirten, der ein Fest mit seinen Freunden gefeiert hat, nachdem er das Schaf suchte, fand , aufnahm  und mit Freude auf seinen Schultern trug. So lange bis das verletzte Herz wieder neu mit Seiner Liebe angefüllt war, sodass es dann wieder springen konnte.  Wir haben wohl diese Erfahrungen des Geliebt Seins, die uns so zur Freude wird, gefeiert. Auch, die Erfahrung, dass diese Freude auf andere in der Herde überspringt. Gleichzeitig sind es diese Erfahrungen, die den Blick auf diejenigen in unserer Herde öffnet, die der Liebe, des Gesucht-, des Gefunden-, des Aufgenommen- und Getragen Seins und der Freude bedürfen.

Ein Fest machen ein Festmachen dessen, was Er an uns Gutes getan hat, trotz allem, allem zum Trotz.

Und es muss nicht immer ein großes Fest sein. Es gibt die kleinen Feste, zu zweit oder zu dritt, auch ganz allein. Denn der gute Hirte, Jesus, ist immer dabei und freut sich über die Heiligen Augenblicke, die wir feiern.

Wie wäre es mal wieder mit einem Fest? Die Freude möge Sie und Euch immer wieder neu beglücken. Das wünscht Isabel Prinzessin zu Löwenstein, Heidelberg

Sorgen

3 Minuten
Von denen haben wir meistens genug – oder?

Im doppelten Sinne!

Wir machen uns Sorgen um Vieles. Es gibt Vieles, um das wir uns Sorgen machen können, müssen oder es einfach tun.

Gerade wenn wir die Nachrichten anschauen oder lesen.

Der Ukraine-Krieg dauert an und es scheint kein Ende in Sicht zu sein.

Und nun der Konflikt im Gaza-Streifen, der Terror in Israel, die Notlage, Auswegslosigkeit der Menschen.

Die Sorge, dass sich in unserem Land der Antisemitismus verstärkt, die Sorge um unsere Demokratie. Der Klimawandel, der in anderen Teilen der Welt schon stärkere Auswirkungen hat, als wir sie bei uns in Deutschland bisher spüren.

Ich möchte gar nicht weitermachen.

Wir spüren die Not und fragen uns, wie geht es weiter? Was passiert noch?

Dazu kommen die Sorgen in unserem „kleinen“ Lebensumfeld. Sorgen bei Krankheit in Familie und Freundeskreis, Schwierigkeiten bei der Arbeit oder in familiären Situationen.

Was mache ich nur mit all diesen Sorgen.

Bei vielen bin ich hilflos, fühle mich ohnmächtig und überfordert.

Was mache ich?

Gleichzeitig spüre ich die andere Bedeutung dieses Satzes (Von denen habe ich genug!) so deutlich: Nein, ich will mich nicht vor Sorgen verzehren. Ich will mich nicht um so Vieles Sorgen! Das ist eine Sehnsucht, ein Wunsch.

Ja, was mache ich dann? Wegzaubern geht nicht. Wegdrücken, Verdrängen auch nicht – oder nur eine gewisse Zeit.

Heute sang ich plötzlich dieses Lied von Peter Strauch– plötzlich war es da – und deshalb gibt es auch dieses Stufen.aufs.Ohr:

Sorgen quälen und werden mir zu groß. Mutlos frag, ich was wird morgen sein.

Doch du liebst mich – du lässt mich nicht los. Vater du wirst bei mir sein.

Meine Zeit steht in deinen Händen, nun kann ich ruhig sein – ruhig sein in dir. Du gibst Geborgenheit, du kannst alles wenden. Gib mir ein festes Herz, mach es fest in dir.

 Wenn ich morgens oder tagsüber so bei mir bin, anfange zu beten – dann kommen mir viele Menschen und Situationen in den Sinn, die mich bewegen und die zum Sorgen sind. Und dann halte ich alles, was mich in diesem Moment bewegt meinem Vater im Himmel hin. Dem, der mich und die anderen nicht loslässt, dem – der trotz allem – diese Welt in seinen Händen hält. Dem, der den Überblick hat.

Ihm halte ich alle und alles hin und tanke neues Vertrauen, neue Hoffnung, mache mein Herz fest in ihm – dass einmal Friede sein wird und Gerechtigkeit sein wird.

So kann ich dann weitergehen, Ausschau halten, wo ich gefragt bin ein Mensch des Friedens zu sein, wo ich mit aushalten soll und ich selbst Schritte gehen soll, um mein Leben zu verändern, so dass es Gott und den anderen dient.

„Kommt zu mir – alle die ihr mühselig und beladen seid“ sagt Jesus – ich will euch erquicken (Mt 11,28) – heute ermutige ich euch und mich, nicht müde zu werden das zu tun!

Seid gesegnet.

Schichten

3 Minuten
In unserem Kirchenbezirk im Weinsberger Tal haben die Kurse zu Mose I begonnen. In der ersten Einheit geht es auch um Geschichte – Schichten, die sich in unserem Leben eingelagert haben. Visualisiert wird dies über verschiedene Stoffe, die im Lebenskorb eingeschichtet sind.

Einschichtungen, Schichtmodelle finden sich auch in vielen anderen Bereichen wieder. Gesteinsschichten, die übereinander liegen, verworfen werden, sich durch Einflüsse wie Druck und Temperatur verändern und Bodenschätze bilden.

Oder die Entstehung von Humus – fruchtbarer Erde. Immer mehr wird der Wert von Kompost entdeckt. Bei einem guten Kompost sammelt sich schichtweise Verschiedenes an – vieles davon würden wir eigentlich als unnütz und mindestens unansehnlich abtun. Damit Kompost gut reift, muss die Belüftung stimmen und die Organismen, die die Bestandteile umsetzen. Vielfalt der Schichten wirkt sich positiv aus. Durch die Bearbeitung vom Menschen und vielen – oft nicht sichtbaren Wesen – erfolgt eine Umwandlung. Es entsteht ein fruchtbares Substrat, das dem Leben dienen kann.

Auch die Bibel besteht für mich aus vielen Schichten. Über lange Zeiträume haben sich Geschichten, Lieder, Visionen zusammengesammelt. Einzelverse, Textabschnitte, Bücher bilden Muster. Zwischen den Schichten gibt es Zusammenhänge, die überaus komplex sind. Vorher und nachher, Ursache und Wirkung, menschgemacht und gottgemacht, Himmel und Erde sind untrennbar vermischt, beeinflussen sich gegenseitig, sind verwoben und alles enthält immer Elemente vom anderen,

Wenn ich die Bibel für mich nutzbar und fruchtbar machen möchte, dann muss ich in die Schichten eintauchen. Es gibt Schichten, die sich mir nicht erschließen. Deren Sinn ich nicht sofort erkenne oder die ich sogar unpassend finde. Aber meine Erfahrung ist, dass sich etwas entwickeln kann, wenn ich dran bleibe, wenn ich Muster genauer ansehe, wenn ich versuche Zusammenhänge zwischen altem und neuen zu finden. Wenn ich mir die Grundmuster der Schicht ansehe, ohne mich daran zu stören, dass es da Stellen gibt, die mich abstoßen oder die ich zu schnell als altmodisch abtue und versuche sie auszusortieren.

Der Geist Gottes hilft bei der Bearbeitung, macht uns die Texte bekömmlich, schafft Erkenntnisse und lässt uns immer neue Verbindungen finden. Zum Glück gibt es aber auch Texte und Verse, deren Muster sofort entgegenleuchtet, deren Schatz sich schnell enthüllt.

Das Durchforsten, das Bearbeiten, sich damit beschäftigen, nicht nachgeben hat einen Lohn. Die Bibel wird zum Lebensbuch, dient dem Leben.

Wenn Druck aufkommt, quillt von unten ein Vers, eine Textstelle durch, die mir hilft den Druck auszuhalten. Meine Seele kann sich nähren von den Früchten der Bearbeitung.

Viel Freude beim umgraben wünscht Eure Christine Sommer
2 Minuten
Ich bin gerade mit König David beschäftigt und mit seinen und meinen Beziehungskisten. Von König David heißt es, dass vor und nach ihm kein größerer König in Israel war. Er muss also ein richtig großes Vorbild sein. Der Größte eben. Das kennen wir vielleicht alle, dass es dieses Bestreben in uns gibt, dass wir der oder die Größte sein wollen und viel Kraft und Zeit dafür investieren. Manchmal ist es vielleicht einfach nur ein Muster, dass es, wie bei mir, eben zur Lebensgeschichte gehört, dass man die oder der Älteste in der Geschwisterreihe war.

Von David heißt es, er war der Größte. Ohne Anstrengung oder Geschwisterreihe. Dann lese ich seine Geschichte im Alten Testament und bin erstaunt. Ja, er war der Mann, der Israel zum Friedensreich führte. Aber es gibt auch den David, der sich immer wieder schuldig machte und keineswegs eine weiße Weste hatte. Also doch kein Vorbild? David ist der Mann, der immer und immer wieder sagte: „Herr, ich habe gesündigt“.

Könnte das heißen, Herr, ich habe wieder mal selbständig entschieden. Ich habe wieder einmal so getan, als ob es dich nicht geben würde. Ich habe wieder mal so gehandelt, als ob ich die letzte Instanz wäre.  Herr ich habe gesündigt! Es tut mir leid! Vergib mir! Ich will wieder, dass mein Herz ungeteilt dir gehört. Dass mein ganzes Herz dir gehört, mit allem was mir gelungen ist, aber auch mit dem, wo ich schuldig geworden und gescheitert bin.

Ob das die Größe Davids war? Sein ganzes Leben, sein ganzes Herz, vor Gott auszuschütten und alle Beziehungskisten mit Gott zu teilen? Mir scheint, dass es das ist, was ihn für uns zum Vorbild macht.

Auf der einen Seite:“ Herr ich habe gesündigt.“ Und zum anderen:“ Lobe den Herrn meine Seele und was in mir ist seinen Heiligen Namen. Lobe den Herrn meine Seele und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“

Wenn ich David so vor mir sehe, dann möchte ich von seiner Größe lernen. Alles darf sein, alles gehört zu mir. Alle meine Beziehungskisten sind Gott nicht fremd. Er sieht mich. Mein ganzes Herz soll dem Herrn gehören. Denn er krönt mich mit Gnade und Barmherzigkeit.

Ich grüße euch in die neue Woche hinein

 Eure Traudel Krause
3 Minuten
Ich bin zum Schatzsucher geworden. Dazu hat mich Matthias Claudius verführt. Der meinte, dass es das Vaterunser wert ist, dass wir uns mit ihm intensiv beschäftigen, „um unbekannten Schätzen auf die Spur zu kommen“. Ich suche die Schätze des Vaterunsers und habe eine Predigtreihe begonnen. Mit dem Vaterunser bin ich seit dem letzten Jahr intensiv unterwegs. Der Kurs von Stufen des Lebens in unserer Gemeinde hat mir dazu Anstoß gegeben: „Vaterunser – ein beinahe alltägliches Gespräch“.

Ich studiere seitdem auch die Auslegung des Vaterunsers in den Katechismen von Martin Luther. Mit Hilfe einer Interpretation meines längstens verstorbenen theologischen Lehrers Albrecht Peters. Er hat fünf Aspekte bei Luther herausgearbeitet, warum das Vaterunser so wichtig ist. Mich hat in den letzten Wochen der vierte Aspekt umgetrieben:

Im Vaterunser erkennen wir unsere elementaren Nöte und bringen sie vor Gott.

Was sind unsere elementaren Nöte und wo werden sie im Vaterunser aufgenommen?

Das habe ich vor kurzem in einer Themenreihe in der Gemeinde gefragt. Zunächst habe ich wie bei Stufen des Lebens das Vaterunser mit dem konzentrierten Bodenbild der sieben Blüten um die zentrale Blüte gelegt. Beim Sprechen des Vaterunsers habe ich die Vaterblüte mit der Anrede entfaltet, dann die sieben Blüten mit den sieben Bitten, eine nach der anderen.

Und dann schrieben wir auf ovale Kärtchen, was uns an elementaren Nöten in den Sinn  kommt, was uns umtreibt und belastet. Natürlich wurden die vielfältigen Krisen genannt, die uns Angst machen und Sorge. Aber es kamen auch Nöte, die mit uns und unserer Gesellschaft zu tun haben. Es macht mir Not, dass wir so wenig empathisch sind, dass der Egoismus sich ausbreitet, die Unfähigkeit auf den anderen zu hören und die wachsende Undankbarkeit.

Wir haben die Nöte den Bitten beigelegt. Wir haben selbst entdeckt. Es stimmt, wir können alles, was uns umtreibt zu einer, zwei oder drei der Bitten legen. Unsere elementaren Nöte werden in den Vaterunser-Bitten aufgenommen. Es stimmt, was der Theologe Helmut Thielike geschrieben hat: „Das Vaterunser ist das Gebet, das die Welt umspannt.“

Jede Bitte des Vaterunsers kann man jeweils einem Tag der Woche zuordnen. „Geheiligt werde dein Name“ dem Sonntag. Ich füge dann der Bitte elementare Nöte hinzu.

So versuche ich mit dem Vaterunser durch die Woche zu gehen. Im Vertrauen auf den Vater im Himmel. „Wenn die Last der Welt dir zu schaffen macht, hört er dein Gebet.“

Schalom und liebe Grüße

Ihr und Euer

Hans-Martin Steffe, Linkenheim-Hochstetten
3 Minuten
Ein Samariter aber, der auf der Reise war, kam dahin; und als er ihn sah, jammerte er ihn; und er ging zu ihm, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie ihm, hob ihn auf sein Tier und brachte ihn in eine Herberge und pflegte ihn.    Lukas 10, Vers 33+34

Dieser Text hat mich jetzt auf der Kursleitertagung zum Thema „Überrascht von der Freude“ neu berührt.

Da war ein Samariter, einer der unter den Juden nicht angesehen war, gemieden wurde, der sah genau hin als er bei dem Ausgeraubten ankam. Er jammerte ihn. Er hatte Erbarmen mit ihm. Sein Leid berührte sein liebevolles Herz und er legte sofort Hand an.

Er neigte sich zu ihm herunter, vernahm den inneren Schrei nach Leben und Liebe.

Er goss Öl und Wein auf seine Wunden. Öl zur Pflege und Heilung, Wein zur Stärkung und Desinfektion.

Und er brachte ihn in eine Herberge, in einen Schutz- und Heilungsraum, wo er Wärme, Zuwendung, Liebe, Pflege erfuhr. Vielleicht zum ersten Mal in seinem Leben?

Weckt das Sehnsüchte in Ihnen in Euch?

Welche Stellen möchte ich von Seiner Liebe, von Seiner Barmherzigkeit berührt haben? 

So ist Jesus. Hier bringt sich Jesus selbst ins Bild. Er will auch meine Lasten abnehmen, mich entlasten und heilen. Ist das nicht wunderbar? In der Geschichte gab er dem Wirt Geld, falls er mehr ausgeben müsse. Er bezahlte. Mit seinem Leben hat er für uns am Kreuz bezahlt.

Der Heilungsweg geht über das Kreuz, hier hin können wir alles, was uns belastet, bringen.

Ein Samariter kam dahin….er sah ihn…….er jammerte ihn…….er ging zu ihm……goss Öl und Wein auf seine Wunden…….verband sie ihm……..hob ihn auf sein Tier…….brachte ihn in eine Herberge ……..pflegte ihn ……… und hatte für ihn bezahlt.

Ich wünsche Ihnen und euch, eines dieser Worte zu nehmen, im Herzen zu bewegen und darüber mit Jesus ins Gespräch zu kommen.  Vielleicht schmerzt es, vielleicht weckt es Sehnsüchte. Aber es ist gewiss: Ihr seid nicht allein. Jesus sieht Sie und Euch. Seine größte Sehnsucht ist, dass wir uns seiner Barmherzigkeit überlassen, damit wir zum Leben, zur Liebe und zur Freude kommen. Dann drängt es uns, mit Freude und Liebe das Erfahrene weiterzugeben.
3 Minuten
Letzte Woche war ich mit einem Bibeltext unterwegs, der Predigttext vom vorletzten Sonntag, der mich sehr angesprochen hat: 1. Korinther 2.

Das ist nicht immer so. Doch beim Hören einiger dieser Verse wusste ich, dass ich diesen Text bewegen will.

 

Schon beim ersten Lesen blieb ich bei der Überschrift hängen:

Paulus hat der Gemeinde als schwacher Mensch gepredigt.

Paulus – ein schwacher Mensch?

Ich merke wie das in mein Bild von Paulus nur schwer reinpasst. Ja – da ist die Stelle mit dem „Dorn im Fleisch“ und mir ist schon bewusst, dass er da gelitten hat – was auch immer dieser Dorn war – ABER, dass er ein schwacher Mensch war und als schwacher Mensch predigte?

Ein paar Tage später blieb ich dann an Vers 3 hängen, in dem Paulus an die Korinther schreibt: „Als schwacher Mensch trat ich vor euch und zitterte innerlich vor Angst.“

Also wirklich – Paulus, der solche komplexen Briefe geschrieben hat, Jesus an so vielen Orten verkündigte – er zitterte innerlich vor Angst als er Jesus verkündigte?

Wovor hatte er denn Angst?

 

Wovor hab‘ ich Angst? Wovor hast du Angst?

 

Ich kenne das, innerlich vor Angst zittern. Ich zittere manchmal nicht nur innerlich, sondern auch äußerlich. Wenn es in Konflikten immer heißer wird, die Fronten immer härter werden, dann kann mein Körper so zittern, dass sogar meine Zähne klappern.

Und dann fühle ich mich schwach. Sehr schwach. Und klein.

 

Ich kenne auch, dass ich vor Angst nicht zittere, sondern gar nichts sage. Mich nicht traue, weil ich Angst habe, dass man mich dann nicht mehr mag und ich mein Ansehen verliere; dass andere denken, ich bin „naiv oder dumm“.

 

Paulus zitterte innerlich vor Angst als er den Korinthern Jesus Christus verkündete und von dessen Tod und Auferstehung redete. Seine Verkündigung sollte nicht durch Weisheit die Menschen von Jesus Christus überzeugen, sondern vielmehr sollte in seiner Rede Gottes Geist und Kraft zur Geltung kommen – so schreibt er in V 4.

 

Das hat mich angesprochen und gestärkt. Vielleicht stärkt das auch dich:

Gottes Geist und Gottes Kraft.

Nicht ich MUSS komplex durchdachte Reden schwingen, geschmeidige Antworten haben, Konflikte durch „Smarte Lösungen“ auflösen – sondern ich darf mich mit dem Geist Gottes verbinden – mit meinem Atem mich erinnern, dass ER mich erfüllt – IHN einatmen und die Angst zu IHM hinausatmen – und „Stückchen für Stückchen“ wieder Boden unter die Füße kriegen, Stimme kriegen und sagen, was mir auf dem Herzen ist.

Eine gesegnete Woche!
3 Minuten
Womit ich mich beschäftige, was mir wichtig ist oder was ich liebe, für das habe ich viele Bezeichnungen. Ein Experte kennt viele Details. Ein Landwirt hat nicht nur einfach Kühe, sondern Kälber und Fresser, Bullen und Ochsen, Muttertiere, bestimmte Rassen und so weiter. Ein Gartenliebhaber kennt seine Pflanzen mit Namen, ein Handwerker seine Spezialwerkzeuge.

Rund um die neuen Medien haben sich Begriffe gebildet, die jemanden, der hier nicht aktiv ist, komplett verwirren können. Reels und storys, vlogs und blogs, streamen, liken und swipen. Nur diese kleine Auswahl zeigt, wie wichtig diese Themen für viele sind.

Für unsere liebsten Mitmenschen haben wir oft auch mehrere Namen, Kosenamen oder scherzhafte Bezeichnungen, die wir in unterschiedlichen Situationen verwenden.

Menschen, die nicht an Gott glauben oder die ihre Schwierigkeiten mit ihm haben, kennen keine oder kaum eine Bezeichnung für ihn. Manche können nicht einmal das Wort aussprechen und sprechen „von dem da oben“ oder von „Deinem Gott“.

Wer eine lebendige Beziehung mit Gott hat, hat viele Namen für ihn. Die Namen oder Titel oder Begriffe, mit denen wir Gott benennen, zeigen, welche Bedeutung er für uns hat. Mein Gott, mein Retter, mein Heiland, mein Fürsprecher, Vater, Wegweiser, Begleiter, der Ewige, der Allwissende, der Liebende, der Dreieinige. Dies nur als einige Beispiele.

Gott bei verschiedenen Namen zu nennen ist Lobpreis. Ich zeige ihm, welche Bedeutung er für mich hat. Ich mag Gebetsrunden in denen wir ihn nur mit den vielen Namen und den vielen Bedeutungen, die er für unser Leben hat, ansprechen. Einmal befreit dies von einem Druck schöne Sätze finden zu müssen oder komplexen Gedankengängen anderer zu folgen, aber vor allem zeigt es den ganzen Reichtum, die ganze Tiefe von Gottes Zuwendung zu uns Menschen. Ich lerne immer neue Dimensionen von Gott kennen. Ein Gott, der in jeder Lebenssituation für mich da ist, ein Gott der Vielfalt, mein Gott.

Wenn ich in einer Beziehung mit Gott lebe, wenn er mir wichtig ist, dann fallen mir immer neue Namen für ihn ein.

In Kulturen, in denen mehrere Götter verehrt werden, müssen diese Namen haben, um sie voneinander zu unterscheiden. Wir brauchen keinen Namen für Gott, um ihn zu identifizieren, da nur er allein Gott ist.

Aber meiner Beziehung zu Gott, mir selbst tut es gut, mir immer wieder neu zu überlegen, was er mir bedeutet oder in der Bibel nachzuforschen, welche Namen und Beschreibungen dort stehen und dabei immer Neues über ihn zu lernen.

Ich glaube nicht, dass ich auf irgendeinem Fachgebiet ein echter Experte bin. Aber ich bin stolz darauf, dass ich sagen kann, meine Beziehung zu Gott ist so intensiv, so wesentlicher Bestandteil meines Lebens, dass ich ganz viele Namen und Bezeichnungen für ihn habe.

Eine gesegente Woche wünscht Ihnen Christine Sommer.
3 Minuten
Vor mir steht eine Frau, der ich gerne ein Segenswort zusprechen möchte. Mein Kopf ist leer, ich weiß nicht, welches Wort es sein könnte. Da sehe ich es plötzlich:

Ein Lasttier kniet sich nieder, um beladen, ausgerüstet zu werden mit dem Nötigen für die anstrengende Reise. „Barakh“, niederknieen, dieses Bild aus dem Nomadenleben wurde zum hebräischen Begriff für Segen. Das finde ich so gut und passend. Das ist es doch, was wir so dringend brauchen. Ausrüstung für unsere Lebensreise. Das ist es, was beim Segnen geschieht, wir werden ausgerüstet mit dem lebensnotwendigen für die Reise – auch durch die Wüste.

Das Griechische und Lateinische kennen andere Worte für Segen. Neben dem griechischen „eulogein, das gute Wort sagen“  (und dessen direkter lateinischen Übersetzung „benedicere – Gutes sagen“)  vor allem das lateinische „Signare – jemanden unter das Kreuzzeichen stellen, mit dem Kreuz gezeichnet zu werden“.

Es ist eine große Sehnsucht in uns, beim Namen genannt zu werden, angesehen, berührt, gesegnet  zu werden.  Wie gut tut es uns, wenn jemand von Gott her Gutes über unserem Leben ausspricht.

Und Gott segnet, ganz ohne dass ich es mir verdienen müsste. Von allem Anfang an ist die Schöpfung gesegnet, sozusagen als Grundlage und unterster Boden.

Fulbert Steffensky erzählt von einer kleinen Szene in seiner Kindheit. Bevor sie  morgens zur Schule gingen machte die Mutter ihnen ein Kreuzzeichen auf die Stirn und segnete sie. Mit der linken Hand rührte sie im Kochtopf, mit der rechten Hand segnete sie. Er schreibt, sie als Kinder wurden berührt an der Stirn und in der Seele. Wie sehr wünschen wir uns, in dieser Weise gesegnet zu werden.

Der Sommer ist eine Zwischenzeit, für Schüler und Lehrer ist das Schuljahr vorbei. Wer kann, macht Pause. Das Neue hat noch nicht begonnen, steht aber schon vor der Tür. Zuerst ist eine Unterbrechung ,eine Auszeit.

Wie gut!

Für die Pause und für den neuen Anfang möchte ich uns den Segen Gottes zusprechen:

Der Herr segne Dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig, der Herr erhebe sein Angesicht auf Dich und gebe dir seinen Frieden. Amen

 Und das ist nicht nur ein Wunsch. Segen ist viel mehr. Er tut, was er sagt. Weil der mächtige Gott dahintersteht und dafür einsteht. Wo er Segen zusagt, wird er wirksam. So bist du und sind sie ganz persönlich beladen mit dem nötigen Proviant für die Reise durch die vor uns liegenden Wochen. Ihre und Eure Traudel Krause
3 Minuten
Unser jüngster, neunmonatiger Enkel bevorzugt drei Zeichen. Damit kommuniziert er hervorragend: Mit dem ausgetreckten Zeigefinger. Mit dem ausgestreckten rechten Arm und der offenen Handfläche, die er nach oben gedreht hat. Und immer wieder mit dem Klatschen in seine beiden Hände und einem strahlenden Gesicht.

Den Zeigefinger nach vorne gestreckt. Das heißt: Da will ich hin. Wenn seine Mama da ist, bevorzugt zu ihr. Zu meiner Mama will ich. Der nach vorne gestreckte Zeigefinger heißt aber auch: Das will ich haben oder essen. Oder: Da sollst du mit mir hingehen. Zu einem Blatt, das vom Wind bewegt wird. Oder zu einem Baustein am Boden. Mich fasziniert das. Der kleine Junge äußert mit einem ausgestreckten Zeigefinger und einem entschlossenen Gesicht, was er will und wofür er uns braucht.

Mich erinnert dieser ausgestreckte Finger an den ausgestreckten, überlangen Finger vom Täufer Johannes. Der weist auf dem beeindruckenden Kreuzigungsbild von Matthias Grünewald auf den gekreuzigte Jesus. Die Botschaft des Johannes auf dieser Tafel des Isenheimer Altars spricht zu mir: Da musst du hin. In diesem gekreuzigten und auferstandenen Jesus findest du Gott und dein Heil.

Wenn unser kleiner Enkel seinen rechten Arm ausstreckt und seine offene Hand nach oben wendet, sehe ich eine große Bereitschaft etwas zu empfangen oder sogar eine Haltung des Staunens.

Das wünsche ich mir, dass ich immer wieder mit leeren, offenen Händen empfangsbereit bin für das Schöne, das nicht selbst Gemachte, für das Wunder des Lebens. Offene Hände nach oben gedreht ist für mich auch eine Weise des Betens. Mir fällt ein schlichtes Gebet aus meiner Kindheit ein: „Komm, Herr Jesus, sei du unser Gast und segne, was du uns bescheret hast.“

Klatschen in die Hände ist reine Begeisterung. Das Gesicht unseres jüngsten Enkels strahlt dann. Freude pur. Das hat etwas Ansteckendes. Da kann ich gar nicht anders als Mitklatschen und mich am Leben freuen. Zugegeben, manchmal klatsche ich ganz bewusst bei dem kleinen Jungen. Dann stecke ich ihn an und er klatscht auch. Klatschen ist applaudieren. Ein Zeichen der Anerkennung. Nach einer Rede oder der Aufführung eines Musikstücks. Da erkenne ich die Leistung anderer an. Warum nicht auch Gott applaudieren für das Wunder des Lebens eines kleinen Kindes.

Von einem neunmonatigen Kind lernen. Der ausgesteckte Zeigefinger. Die nach oben geöffnete Hand. Begeistert klatschen. Erwachsenen zur Nachahmung empfohlen.

Schalom und liebe Grüße Hans-Martin Steffe, Linkenheim-Hochstetten

Singen

3 Minuten
„Geh aus mein Herz und suche Freud…“:

Dieses Lied summte heute in mir und je mehr ich es laut werden ließ, umso mehr veränderte sich meine Haltung, meine Stimmung, meine Laune. Es fand wie eine Umstimmung statt.

Wie geht es euch heute? Was für eine Stimmung ist in euch? Vielleicht seid ihr auch mit einem Lied aufgewacht? Vielleicht summt etwas in euch? Vielleicht ist es ganz still, grummelt und ist verstimmt in euch?

Ermuntert einander mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern, singt und spielt dem Herrn in eurem Herzen.  Epheser 5,19.

So werden wir aufgefordert! Vielleicht lohnt es sich, dem mal nachzugehen.

Was passiert im Singen? Wozu singen? Probiert es mal aus! Ich möchte euch ermutigen, ein Lied, eine Melodie anzustimmen, vielleicht erstmal summen und lauschen, spüren, hören, was aus der Seele herauskommen möchte.

Im Singen werden wir aufmerksam zum Hinhören, werden befreit, aufgerichtet, umgestimmt, eingestimmt. Wenn wir singend Gott loben, bekommen wir eine neue Haltung, eine neue Blickrichtung.

Wenn wir GOTT loben und danken mit eigenen Worten, vertrauten oder ganz neuen Liedern, nehmen wir vorweg was noch gar nicht ist. Wir holen uns ein Stück Himmel und Ewigkeit in das Jetzt und Hier.

Das weitet das Herz, erweicht das Herz, wir spüren was von der Erlösung und Befreiung durch Jesus Christus.

„Wer singt, betet doppelt“ soll Luther gesagt haben.

Ja, ich habe den Eindruck da kommt noch mehr zum Ausdruck als in gesprochenen Worten, oft mit viel weniger Worten, als ich zu sagen und zu denken vermag.

Singen kann Angst nehmen. Schon als Kind, wenn ich in den Keller ging, habe ich laut gegen die Dunkelheit angesungen.

Singen kann Unsicherheiten lösen und mich verankern in die Gegenwart Gottes.

So geht es mir, wenn ich mit einem Lied im Herzen und auf den Lippen meinen Seelsorgedienst in der Klinik verrichte.

Oft höre ich vorher Musik, singe mit. Das Lied summt wie ein Gebet in mir in der Begegnung mit den Menschen. Das ist wie ein heiliger Boden, ein Grundton, der Halt gibt.

Ein Gefängnisseelsorger berichtete in einem Interview, dass er die Treffen mit den Inhaftierten immer mit Singen beginne. Am Anfang seien die Männer ganz verschlossen und nach einiger Zeit sei das Singen nicht mehr wegzudenken. Es geschehe eine innere und äußere Öffnung hinter den Gittern.

Ich möchte nochmal ermutigen, zu singen. Ja, es braucht Mut!

Der Stimme freien Lauf lassen, ganz ohne sich gleich zu beurteilen. Stimmt euch ein auf und mit dem und zu dem Gott hin, der euch sieht, hört und euch immer wieder eine neue Lebensmelodie Seiner Liebe zusingen möchte.

Der eure Herzen und Seelen zum Leben, Jubeln und Klingen bringen will.
3 Minuten
HINWEIS: Während der Sommerzeit erscheint das Stufen.aufs.Ohr nur alle 2 Wochen! Nächste Folge also wieder am 7.8.

Heute mache ich mal mit euch einen philosophischen Exkurs in meine Gedankenwelt...

Mich bewegen diese beiden Fragen:

Wer ist Gott und wer ist der Mensch?

Was kommt mir von Gott als Gegenüber entgegen und was kommt aus mir heraus oder geschieht in mir „von allein“?

Wo handelt Gott an mir, am Menschen? Wo bewegt er etwas in mir? Und wo bewege ich etwas in mir?

Philosophische Fragen.

 Man könnte mir jetzt antworten, dass das doch letztendlich egal ist. Wenn es mir am Ende des Weges besser geht oder ich weitergekommen bin oder zufrieden bin – dann ist es doch egal, ob Gott mir handelnd gegenübertrat oder ob er in mir gewirkt hat oder ob sich was aus meiner Person heraus verändert hat – letztendlich ist doch alles Gott, oder?

Mit ihm hat alles begonnen – wenn wir ihn als den Schöpfer anerkennen.

Er hat uns Menschen so zusammengesetzt wie wir sind – auf wundersame und wunderbare Weise: mit Fähigkeiten, Körperfunktionen, Kreativität, dass wir nur Staunen können.

Also wirkt Gott letztendlich – wenn ich ihn als Realität anerkenne – immer – egal wie.

Doch irgendwie befriedigt mich das nicht. 

Wer bin ich und wer ist Gott?

Ich bin vereint mit Gott – so wie Jesus es in Johannes 15,5 ausdrückt:

Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht, denn ohne mich könnt ihr nichts tun.

Dieses Bild der Innigkeit, für mich auch wie ein Bild der Verschmolzenheit, ist so intensiv, so nah, hat etwas von „Untrennbarem“.

Und ich glaube, das auch zu erleben. Dann wenn ich Gedanken/Ideen habe, die mich weiterbringen; Impulse, die helfen, die Liebe, Freude und Klarheit verstreuen. Dann empfinde ich dieses Verschmolzen sein. Irgendwie ist es der Heilige Geist und irgendwie bin es auch ich – und doch bin ich einfach nur dankbar darüber, freue mich – weil ich weiß: Es ist der Weinstock der meine Reben zum Fruchttragen bringt.

Und doch suche ich nach der Grenze zwischen mir und Gott. Ich suche das Gegenüber. Ja, das DU. Wo bist du? Wo höre ich auf und Du beginnst?

Denn Gott ist MEHR, ist größer, anders als ich denke, unbegreifbar, mächtiger. Mein Erschaffer und Erlöser.

Ich kann es nicht fassen und euch heute auch keine „Botschaft“ in die Woche mitgeben, hab euch einfach mit in meine Gedankenwelt genommen und hoffe, es macht Euch Mut euren eigenen Fragen zu begegnen und zeigt: Wir sind alle unterwegs– im Suchen und im Finden – angewiesen, dass sich das DU,  unser Vater im Himmel, sich uns persönlich offenbart und uns in Seinen Händen hält.

Eine gesegnete Woche, Eure Damaris Friedrich

Hunger

3 Minuten
Die Eigenarten von „Hunger“ und „satt sein“ zeigen viel vom Wesen von uns auf.

Hungern zu müssen ist eine Grundangst. Wir planen, organisieren, mühen uns ab und sparen, um uns abzusichern, niemals hungern, uns nicht einschränken zu müssen, von allem immer genug zu haben.

Wenn ich gegessen habe und satt bin, erscheint es fast unvorstellbar, dass ich wieder Hunger bekommen könnte. Doch der Hunger kommt wieder, egal wie viel ich gegessen habe – nach einer gewissen Zeit ist der Hunger wieder da.

Es stellt einen auch nicht zufrieden, nur die notwenigen Nährstoffe zu erhalten. Wir haben Lust auf bestimmte Sachen, können genießen aber auch zu gierig werden und für uns Schädliches zu uns nehmen.

Selbst wenn unser Körper Fettpolster als Reserve anlegt – der Hunger kommt trotzdem wieder. Wir sind angewiesen darauf, regelmäßig Nahrung zu uns zu nehmen. Auf Dauer satt sein geht nicht.

Auch andere Bedürfnisse wie Durst, Schlaf, Zuwendung, können wir nicht ein für alle Mal erfüllen –auch sie kehren immer wieder. Wir halten Mangelzeiten eine Weile durch, aber wir leiden und irgendwann geht es nicht mehr ohne.

Wir haben nicht nur Hunger nach Nahrung. Wir hungern nach einer Weisung Gottes, nach dem Bewusstsein, Gott ist bei mir, nach Zeichen seiner Liebe und Zuwendung und seinem Geist. Wenn wir Gott ganz intensiv spüren, so bewirkt das innere Zufriedenheit, meine Seele ist gesättigt.

Und auch diese Seelensattheit hält nicht für immer vor. Wieder kommt der Hunger nach erlebter Gegenwart Gottes.

Ich merke, dass ich mit mir selbst ungeduldig bin. Immer wieder denke ich: Du hast viel mit Gott erlebt, Du hast den Geist gespürt, Gebetserhörung erfahren, nun sei doch zufrieden und fühle Dich satt.

Aber ich befürchte, dass das nicht geht. Der Hunger kommt wieder, einmal satt werden reicht nicht.

Ich kann mir aus Erinnerungen gewisse Vorräte anlegen, von denen ich in mageren Zeiten zehren kann – aber irgendwann kommt der Punkt, an dem ich neue Gotteserfahrungen brauche.

In der Bibel steht: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von allem, was aus dem Mund des HERRN geht (5. Mose 8, 3; Mt 4,4; Lk 4,4),

Im Vater-unser beten wir: Unser täglich Brot gibt uns heute. Dieses Gebet gilt nicht nur für körperliche Nahrung, sondern auch die geistige. Ich bitte Gott darum, mir jeden Tag den Hunger nach IHM zu stillen.

Ich merke, dass ich lernen muss, zu akzeptieren, dass es kein dauerhaftes satt sein gibt, und ich auf mein tägliches Wort-Brot von Gott angewiesen bin.

Herzliche Grüße von Christine Sommer