Trauern braucht seine Zeit
3 Minuten
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Beschreibung
vor 2 Jahren
November – trübe Tage, zunehmende Dunkelheit.
Im November geht das Kirchenjahr zu Ende – Ewigkeitssonntag mit
dem Gedenken der Verstorbenen.
November 2023 der Krieg in der Ukraine ist nicht zu Ende.
Schlimmster Terror der Hamas an dem Volk Israel. Tod und Leid bei
Juden und Palästinensern.
Sprachlos, ohnmächtig, verzweifelt sind Menschen an vielen Orten
unserer Welt und auch bei uns. Leid und Schmerz, Trauer und Tod
machen keine Unterschiede.
Jakob widerfuhr das in seinen letzten Lebensjahren. Sein
Lieblingssohn Josef wurde von einem wilden Tier zerrissen. Seine
anderen Söhne hatten ihm das in Ziegenblut getränkte bunte Gewand
des Josef zugeschickt. Zerrissen ist Josef. Das stürzte Jakob in
Schmerz und Trauer. Er zerriss seine Kleider. Er zog sich
innerlich zurück. Im Bodenbild vom Jakobskurs anschaulich
nachvollzogen. Jakob ins Haus gestellt. Die Türen verschlossen.
Um das Haus ein zerrissenes schwarzes Tuch gelegt. In der
biblischen Geschichte heißt es: „Jakob wollte sich nicht trösten
lassen.“
Wie gehen wir mit einem solchen Schmerz und einer solchen tiefen
Trauer um?
Die Söhne und Töchter von Jakob kamen zu ihm und wollten ihn
trösten. Doch: „Jakob wollte sich nicht trösten lassen.“
Die ersten Reaktionen in unserem Kurs waren wenig empathisch. Er
hat doch noch andere Söhne und auch Töchter. Gelten die ihm gar
nichts?
„Ich kenne das“, sagte in diese Vorwürfe hinein eine
Teilnehmerin. Als ich meinen Sohn durch Krankheit verlor, habe
ich mich auch zurückgezogen, habe dicht gemacht, ließ niemanden
an mich ran, wollte von niemandem getröstet werden. Schon gar
nicht von frommen Worten. Ich musste allein sein.
Wie kommt einer wieder zum Leben, wenn ihn Leid und Trauer
gelähmt haben?
Für Jakob war Anstoß dafür war die Verantwortung für seine
Großfamilie.
Die Hungersnot in Israel und die Nachricht, dass es in Ägypten
Getreide zu holen gab,
ließ ihn handeln. Er beauftragte seine Söhne: „Zieht hinab nach
Ägypten und kauft uns Getreide, dass wir leben und nicht
sterben.“
Als Jakob erfuhr, dass Josef noch am Leben war, sogar als
wichtigster Minister des Pharao in Ägypten in der Hungersnot für
Getreide sorgte, wollte er das nicht glauben. „Aber sein Herz
blieb kalt.“ Es dauerte, es brauchte das Erzählen von den Worten,
die Josef zu seinen Brüdern gesagt hatte, und einen sichtbaren
Beleg, die Wagen des Pharao. „Da wurde der Geist Jakobs
lebendig.“
Hin und wieder dürfen wir jemandem Trost spenden, nicht nur mit
Worten. Aber das haben wir nicht in der Hand. Manche erfahren
dabei: Wer durch den Schmerz geführt wurde, kann Menschen im
Schmerz beistehen. Schmerz kann in Segen verwandelt werden.
Seid gesegnet und seid ein Segen
Hans-Martin Steffe, Linkenheim-Hochstetten
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