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Episoden

Raum zu sein

4 Minuten
Bei meiner morgendlichen Andacht hörte ich einen Vers aus Offenbarung 3: Hör doch! Ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wer meine Stimme hört und die Tür öffnet, bei dem werde ich eintreten. Ich werde mit ihm das Mahl einnehmen und er mit mir.

Allerdings hörte ich den Vers in Englisch und da lautet der letzte Satz: Ich werde bei ihm eintreten und mit ihm zusammen essen und er mit mir.

Ich hörte diesen Satz während des Frühstücks. Ganz gemütlich saß ich auf unserer Terrasse, leckeren Kaffee und Marmeladenbrot vor mir, der Wind rauschte, angenehme Temperaturen, grün um mich herum - und mein Herz horchte auf.

Jesus klopft bei mir an. Freut sich, wenn ich ihn einlasse - um dann mit mir zusammen am Tisch zu sitzen und zu essen. Gemeinschaft mit mir zu haben. Zu sein.

 

Es hat mich an einen Satz einer mir lieben Pfarrerin erinnert - als sie das Kirchenfest „Die Kirche bleibt im Dorf“ mit folgenden Worten eröffnete: In unseren Häusern haben wir viele Räume. Jeder Raum hat einen bestimmten Zweck - so wie wir auch bestimmten Rollen in unserem Leben haben.

Die Kirche - das Gotteshaus - ist ein Raum, der zwecklos ist. Ein Ort, wo wir einfach kommen dürfen - und sind. Wo Gott da ist - am Tisch sitzt und mit uns ist.

Wie oft meine ich, dass es in Gottes Haus darum geht heiler, reifer, lebendiger, gottesfürchtiger, frommer zu werden…  gestärkt zu werden, Klarheit zu bekommen, Angst hinter mir zu lassen, keinen Mangel mehr zu empfinden, Bedürfnisse gestillt zu bekommen…

 

JA, das ist für mich eigentlich das RADIKALE an Jesus - an dem Dreieinigen Gott - dass ICH sein darf vor ihm. Er empfängt mich, nimmt mich in die Arme - ohne dass ich irgendwas davor oder danach tun muss. Ich muss nicht erst „rein, fromm“ werden, um zu kommen, sozusagen richtig „christlich“ leben - und ich muss auch danach nicht „sündfreier“, heiler, richtiger leben -

Ich darf sein, weil JESUS zu mir kommt, weil JESUS überwunden hat.

 

Ich glaube und erlebe - dass die Gemeinschaft mit Jesus, das mit ihm am Tisch sitzen, SEIN, immer etwas in mir wirkt - das geht mit Gott gar nicht anders -

ABER das ist nicht der Grund des Zusammenseins - das ist nicht der Zweck der Gemeinschaft.

 

Ich merke, wie schwer mir das im Tiefen zu leben fällt: mit Gott zu sein - am Tisch zu sitzen, Zeit mit ihm zu genießen - OHNE dass es mir oder ihm zu irgendetwas „dienen“ muss.

Das buchstabiere ich diesen Sommer. Zu sein. Mich auszuhalten mit meinen unangenehmen Gefühlen - ohne sie „wegzubeten“ oder von Jesus zu erwarten, dass er sie wegnimmt. Sondern mit ihm zusammen da zu sein - in seinem Haus, in seiner Gegenwart.

Wie schön, dass unsere Kirche im Dorf ist, die Tür offen - so dass ich einfach eintreten kann und mich zu ihm setzen kann. Er ist da und wartet. Auch auf dich.

Was hinkt ihr?

3 Minuten
In der Bibel in 1. Könige ab Kapitel 16 können wir über König Ahab und den Propheten Elia lesen. Über Ahab steht dort, dass er tat, was dem Herrn missfiel, mehr als alle, die vor ihm gewesen waren. Er hatte eine ausländische Frau geheiratet und deren Götterkult von Baal und Aschera übernommen und diese Götter durch den Bau von Anbetungsstätten und staatlich finanzierter Priester so etabliert, dass auch das Volk diesem Kult folgte.

Elia will die Zustände wieder geraderücken und nach einer schweren Dürrekatastrophe fordert er eine Volksversammlung einschließlich aller fremden Priester auf dem Berg Carmel. Über ein Wunder sollte sich der wahre Gott herausstellen.

Doch zuerst wandte Elia sich an das Volk. In 1. Könige 18, Vers 21 steht:

21 Da trat Elia zu allem Volk und sprach: Wie lange hinkt ihr auf beiden Seiten? Ist der HERR Gott, so wandelt ihm nach, ist’s aber Baal, so wandelt ihm nach. Und das Volk antwortete ihm nichts. 

Wie lange hinkt ihr auf beide Seiten? Oder nach anderen Übersetzungen: Wie lange schwankt ihr noch hin und her? Wie lange noch wollte ihr auf zwei Hochzeiten tanzen? Wie lange braucht ihr noch, um Euch zu entscheiden?

Und das Volk antwortete nichts.

Ich kann das Volk gut verstehen. Warum sollte man alles nur auf ein Pferd setzen? Lieber sichere ich mich ab, und halte mir mehrere Optionen offen.

Und sich klar gegen die Überzeugung der Machtinhaber, derjenigen, die gerade das Sagen haben, deren Urteil wir fürchten, zu positionieren kann gefährlich sein.

Baal und Aschera sind Fruchtbarkeitsgötter oder auch Wettergötter, die eine gute Ernte sicherstellen. In der Verehrung hoffte man auf Erfolg, auf materielle Sicherheit, auf ein gutes Leben.

Mein Eindruck ist, dass wir in einer Zeit leben, in der verschiedene religiöse Einflüsse sich mischen. Ich sehe eine wachsende Anzahl von buddhistischen Dekoelementen, verschiedene Ansätze von Wiedergeburtsglauben werden immer verbreiteter, Schmuckstücke als Glücksbringer oder im Urlaub in fremden Tempeln kleine Rituale auszuführen sind völlig normal.

Und wenn es um innere Einstellungen geht, ist die Frage, welche Opfer ich dem Erfolg bringe, mit welcher Intensität ich mich für mein Glück nach allen Richtungen absichere.

Gott macht immer wieder deutlich, dass er ein eifersüchtiger Gott ist und möchte, dass wir ausschließlich auf ihn vertrauen. Das fällt schwer, weil es unmodern ist, auf Unverständnis stößt und weil es bedeutet, dass ich auf manche Absicherungsmechanismen verzichten muss.

Ich wünsche uns allen den Mut, uns eindeutig für Gott zu entscheiden.

Eure Christine Sommer

 
3 Minuten
Die Ferien haben begonnen. Wie haben wir als Kinder darauf hin gefiebert! Eine große Sehnsucht ist mit Ferien und Urlaub verbunden. Eine Unterbrechung des Alltags – und auch eine große Sehnsucht nach einer überraschenden Berührung der Seele.

In Lukas 18, Vers 35 bis 43 wird die Geschichte vom blinden Bartimäus erzählt. Sein Alltag ist das Betteln und Abhängig-Sein. Er hört, dass Jesus in der Stadt ist und Bartimäus weiß, dem muss ich, dem will begegnen. Er schreit einen Notschrei. Jesus fragt ihn: Was willst du, dass ich für dich tun soll? Er antwortet : ICH WIILL UNBEDINGT SEHEN.

Was wir uns ersehnen von den freien Tagen?– ein tiefes Erfrischt-Werden aus der Quelle und die überraschenden Wunder, die direkt vom Himmel her in unser Leben fallen…. Das wollen wir sehen und erleben.

Wir waren in unseren Urlaub unterwegs auf den Spuren Luthers. Wir haben erlebt, wie wir tief erfrischt wurden. Zum Beispiel an einem extrem heißen Tag konnten wir uns um die Mittagszeit nur noch in die kühle Kirche in Weimar flüchten. Drinnen eine völlig andere Atmosphäre mit Gänsehautfeeling. Wir wurden begrüßt von einem Chor, der für das bevorstehende Konzert am Abend probte: „Denn er regiert auf immer und ewig“….Händels Halleluja erfüllte die ganze kühle Herderkirche. Unvergesslich dieser Gruß vom Himmel her.

Ein anderes Mal waren wir in der Predigerkirche in Erfurt. Auf der Suche nach Luther stießen wir auf Meister Eckhard, der Jahrhunderte vor Luther in dieser Kirche gewirkt hat. Er überraschte mich mit seiner Aktualität. Zum Beispiel sagte er: “Du brauchst Gott weder hier noch da zu suchen. Er ist nicht weiter als vor der Tür deines Herzens und dort steht er und harrt und wartet.“

Schließen möchte ich mit einem Gebet von Martin Luther, das in der Marktkirche in Wittenberg ausliegt:

Siehe Herr, ich bin ein leeres Gefäß, fülle es! Ich bin schwach im Glauben, stärke mich!

Ich bin kalt in der Liebe, lass mein Herz brennen! Lass meine Liebe herausströmen auf meinen Nächsten.

Ich habe keinen starken, festen Glauben, ich zweifle zuweilen und kann dir nicht völlig vertrauen.

Ach Herr, hilf mir.

Mehre meinen Glauben,

lass mich dir vertrauen.

Ich bleibe bei dir;

Denn von dir darf ich nehmen und muss nicht geben. Amen

Eine gesegnete Sommerzeit wünscht Traudel Krause
1 minute
Eine Ausstellung zum Leben und Wirken von Dietrich Bonhoeffer mit 13 großen Tafeln ist für ein halbes Jahr in unserem Gemeindehaus zu sehen und zu studieren. Die Tafeln wollen uns den Pfarrer, Lehrer der Bibel und Liebhaber der Bergpredigt, den Christenmenschen und Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer nahe bringen. In einem Lektürekreis haben wir sein Buch „Nachfolge“ gelesen und diskutiert. Nächstes Wochenende laden wir zu einem Bonhoefferwochenende ein, mit einem Filmabend zu dem berührenden Film „Die letzte Stufe“ mit Ulrich Tukur. Für Samstagabend konnten wir Professor Peter Zimmerling gewinnen mit einem Vortrag und Gespräch zu „Glaube mit Verantwortung“. Die Beschäftigung mit Bonhoeffer und das Gespräch miteinander haben mich angestoßen, die Bergpredigt für unsere Nachfolge bewusster zu entdecken und mit ihr zu leben. Dann habe ich das Gedicht von Bonhoeffer aus dem Gefängnis wieder gelesen und auswendig gelernt:

Christen und Heiden

Menschen gehen zu Gott in ihrer Not,

flehen um Hilfe, bitten um Glück und Brot,

um Errettung aus Krankheit, Schuld und Tod.

So tun sie alle, alle, Christen und Heiden.

Also Christen und Heiden, die Jesus Christus nicht kennen, sind solidarisch in ihren Grundbedürfnissen als Menschen. Wir alle brauchen Hilfe, Brot, Glück, Gesundheit und wollen angenommen werden, gerade wenn wir versagt haben. Da erflehen wir Beistand von Gott. Die zweite Strophe macht den Unterschied. Sie ändert die Blickrichtung. Christen sind nicht mehr nur mit sich selbst beschäftigt. Die zweite Strophe weitet den Horizont. Wir sehen das Elend in unserer Welt. Und mitten darin Gott, solidarisch mit den Leidenden. Verletzt von unseren Sünden, selbst schwach am Kreuz und ohnmächtig.

Menschen gehen zu Gott in Seiner Not,

finden ihn arm, geschmäht, ohne Obdach und Brot,

sehn ihn verschlungen von Sünde, Schwachheit und Tod.

Christen stehen bei Gott in Seinen Leiden.

Bonhoeffer nimmt Jesu Gleichnis vom Weltgericht im Matthäusevangelium Kapitel 26 auf.

Selig nennt Jesus dann die, die sich um Hungernde gekümmert und Fremde aufgenommen haben, Nackte gekleidet und Kranke und Gefangene besucht. Und Jesus fährt fort: „Was ihr getan habt einem von diesem meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“

Bonhoeffer hat daraus gefolgert: „Christen stehen bei Gott in seinen Leiden“.

Eine nochmals ganz andere Wendung nimmt sein Gedicht in der dritten Strophe Der von uns verletzte Gott versöhnt grenzenlos. Unbegreiflich:

Gott geht zu allen Menschen in ihrer Not,

sättigt den Leib und die Seele mit Seinem Brot,

stirbt für Christen und Heiden den Kreuzestod

und vergibt ihnen beiden.

Mit herzlichen Grüßen vom Übungsweg der Nachfolge Jesu, Hans-Martin Steffe, Linkenheim
1 minute
Es war heiß und es herrschte reges Treiben in der Fußgängerzone in Heidelberg. Der Passantenstrom wurde jäh unterbrochen durch den Blick auf die Providenzkirche.

Farbenfrohe Plakate, Fahnen und Schleifen, einladend offene Türen ließen die Passanten innehalten, zu fragen was denn hier los sei.

„Einfach heiraten“ hieß die deutschlandweite Aktion, sich trauen zu lassen.

Schnell waren wir schon vor der Tür in persönlichen Gesprächen.

Als dann auch noch die Möglichkeit eröffnet wurde, eine Beziehung von zwei Menschen einfach mal segnen zu lassen ob nach langen Jahren oder zum ersten Mal oder sich als einzelner Mensch jetzt und mitten im Leben segnen zu lassen, wurde sichtbar Sehnsucht geweckt.

Oft ganz entschlossen betraten dann die Menschen den Innenraum der Providenzkirche. Kleine Sträußchen an den Bankreihen, liebevolle kleine runde Tische für Gespräche. Luftballons und Sonnenblumen strahlten vom Altar.

Im Poividenzgarten stand ein weiterer Altar, einladend geschmückt, im Gemeindehaus luden Getränke und Köstlichkeiten zum Verweilen und Feiern ein.

Auch in den Gesichtern der Pfarrpersonen und Mitarbeitenden spiegelte sich die freudige und erwartungsfrohe Haltung wider.

Es war ein festlicher Raum. Ich hatte den Eindruck, die Liebe, Schönheit, die Weite Gottes war hörbar und spürbar.

Der Glanz der Liebe war sichtbar in den Gesichtern.

Fröhliches Gelächter wechselte mit einer ganz ehrlichen Tiefe, Freud und Leid von Lebenswegen gleichermaßen widerspiegelnd.

Stille, Betriebsamkeit und musikalische Klänge wechselten sich ab.

Der Geist Gottes weht, wann er will, wie er will und wo er will. Es ist ein Geschenk, diesem beim Wirken zuschauenzu dürfen. Nicht zu verschweigen ist der vorherige Aufwand. Aber mit Segen ist oft auch viel Schweiß verbunden.

Mich berührt: Mitten im Unterwegssein, mitten im Leben voller Hochs und Tiefs können Räume entstehen, einladend und schön, fantasievoll und festlich gestaltet.

Wundervoll, wenn die Sehnsucht Gottes mit der Sehnsucht des Menschen in Berührung kommt.

Wenn in einer solchen Umgebung auch das Leid in den Leben der Menschen zur Sprache kommen darf, die Auferstehungskraft, der Heilige Geist, Heilendes, Versöhnendes, wie neues Leben schafft.

Ob das für uns alle eine Ermutigung sein kann, viel mehr mit Räumen und Möglichkeiten des Heiligen zu rechnen, sie zu entdecken im Großen und im Kleinen?

Diese Sehnsucht wünsche ich uns allen, Isabel Prinzessin zu Löwenstein, Heidelberg
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