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Episoden

Farbklecks

3 Minuten
Ich merke, wie mich viele Gedanken, Ereignisse, Bereiche meines Lebens bewegen und die Gedanken und Gefühle sich manchmal richtig überschlagen. Dabei nehme ich auch wahr, wie ich Manches „weiterscrolle“, weil es mich überfordert und die Angst in mir aufkommt. Gerade wenn ich „dran“ bin ein Stufen.aufs.Ohr zu schreiben, merke ich wie viel mich eigentlich beschäftigt.

„Was ist dieses Mal dran?“ Welches Bibelwort bewegt mich? Gilt es, etwas zu sagen, oder anzusprechen?

 

In den letzten Wochen habe ich bei uns im Ort den Kurs „Farbe kommt in dein Leben“ gehalten. Immer wieder kommt man dabei auf die Farbe GRAU zu sprechen - die auch das Bodenbild immer wieder bedeckt. In der 4. Einheit liegt sogar noch ein Netz über den grauen Tüchern - worin man sich „verfangen“ oder hängenbleiben kann und mal gern durch die „Maschen schlüpfen würde“…

 

Das Grau, das über allem liegt. Manchmal ist es wie ein Nebel um mich.

Die Nachrichten der Erderwärmung. Die Nachrichten der Abwertung von Menschen auf viele verschiedene Arten. Die Nachrichten der Ungerechtigkeit von Arm und Reich und von Gewalt. Die Hilflosigkeit, wie man all diese „Probleme“ miteinander lösen soll. Die Suche wie im Nebel nach Antworten, wie ein Miteinander in dieser globalen Vielfalt gehen könnte.

Das kann wie zu einem Strudel werden, der mich nach unten zieht in die Hoffnungslosigkeit. Ins Aufgeben. In das Gefühl, das nichts etwas bringt.

 

Doch das ist eine Lüge.

In diesem Strudel der Hoffnungslosigkeit ist ein Stab zum Festhalten, den uns unser Gott der Hoffnung zu-streckt und dabei zuruft:

Setzte deine Hoffnung auch mich und du bekommst neue Kraft. Jesaja 40,31

Ich bin die Quelle des Lebens und gebe dir Kraft und Stärke durch Christus. Phil 4,13

Ich habe dich geschaffen in Jesus Christus, zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, dass ihr darin wandeln sollen. Eph. 2,10

 

Diese Farbpunkte, Hoffnungslichter aus der Bibel treffen mein Herz, durchdringen den Nebel, helfen mir dem Überforderungs-Gefängnis zu entkommen.

Ich sehe wieder Licht. In dieser Welt.

Ich spüre wieder Kraft und Hoffnung - trotz der Angst und Überforderung - und will vertrauen:

Gott hat mich gemacht, für diese Welt, für diese Zeit, um in dieser Welt zu leben -

mit meinen Gaben, mit meiner Kraft, mit dem, was ich habe - um ein leuchtender Farbkleks Jesu Liebe zu sein.

Leuchtest du mit in deiner Farbe?

 

Eine gesegnete Woche wünscht Damaris Friedrich
3 Minuten
„Unser Leben hat fragmentarischen Charakter“, schreibt Dietrich Bonhoeffer am 23. Februar 1944 aus dem Wehrmachtsuntersuchungsgefängnis in Berlin-Tegel an seinen Freund Eberhard Bethge. Der hat diesen Brief und viele andere Zeugnisse aus der zweijährigen Gefängniszeit von Bonhoeffer in „Widerstand und Ergebung“ festgehalten.

Ich bin dabei, Dietrich Bonhoeffer neu zu entdecken. Was hat er uns zu sagen in einer Zeit der Gottvergessenheit, der Maßlosigkeit autokratischer Führer in aller Welt, den Abbrüchen in unserer Gesellschaft und in unseren Kirchen?

Peter Zimmerling schreibt dazu in seiner Einführung zu Bonhoeffers Buch „Nachfolge“:

„Bonhoeffers Theologie ist fragmentarisch geblieben… Gerade das Fragmentarische jedoch macht seine Gedanken heute so anregend: Es eröffnet die Chance zum eigenen Weiterdenken und erlaubt eigenes Experimentieren…“

In seinem Brief an Eberhard Bethge schreibt Dietrich Bonhoeffer: „Es kommt wohl nur darauf an, ob man dem Fragment unseres Lebens noch ansieht, wie das Ganze wohl angelegt und gedacht war und aus welchem Material es besteht. Es gibt schließlich Fragmente, die nur noch auf den Kehrrichthaufen gehören, und solche, die bedeutsam sind auf Jahrhunderte hinaus, weil ihre Vollendung nur eine göttliche Sache sein kann, also Fragmente, die Fragmente sein müssen. Wenn unser Leben auch nur ein entferntester Abglanz eines solchen Fragmentes ist, … dann wollen wir uns über unser fragmentarisches Leben nicht beklagen, sondern daran sogar froh werden.“

Mein Leben ein Fragment. Das wird mir immer wichtiger. Ich habe mein Leben nicht im Griff. Ich weiß nicht, wie lange ich noch da sein darf, was ich noch einbringen kann. Aber ich vertraue darauf, dass Gott mein Leben in seiner Hand hat, dass es stimmt, was Jesus den Seinen versprochen hat: „Ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Welt“. Ich blicke dankbar zurück, was ich empfangen habe, was ich geben durfte und wo ich dazugehören darf. Ich lasse vieles los. Ich verlangsame mein Lebenstempo. Gleichzeitig vertiefe und verdichte ich mir Wesentliches. Dazu gehört ein Studieren von Bonhoeffers Werken, vor allem seiner Ethik und den Zeugnissen aus seiner zweijährigen Gefangenschaft, bevor er hingerichtet wurde.

Da möchte ich Orientierung finden für mein Leben in der Nachfolge Jesu. Da möchte ich mich auch noch einige Zeit engagieren bei Stufen des Lebens. Da werde ich selbst beschenkt und darf mit anderen Gott auf die Spur kommen. Und fröhlich fragmentarisch leben.

Schalom und liebe Grüße

Hans-Martin Steffe, Linkenheim-Hochstetten
3 Minuten
Es klingelt an meiner Haustüre. Zwei Nachbarsmädchen stehen vor der Türe – sie überraschen mich immer wieder mal mit etwas selbstgebasteltem.

Diesmal ist es ein ausgeschnittener und angemalter Fliegenpilz. Hintendrauf steht: „Mach es wie der Herbst: Lass einfach los!“

Diese Worte gehen mir nach…

Ich sehe die schöne Herbstfärbung in der Natur – ein wunderbares Farbenspiel.

Viele Blätter sind schon braun geworden und liegen am Boden.

Es raschelt so schön, wenn ich darüber gehe.

Der Baum hat sie abgeworfen -er macht es sich leichter und bereitet sich so auf den Winter vor.

Zuvor zieht er sogar noch wertvolle Stoffe zurück in den Stamm und in die Wurzeln, um sie im Frühjahr wieder zu nutzen.

Ganz schön schlau, der Baum!

 

Da fällt mir die Botschaft vom Fliegenpilz wieder ein: „Mach’s wie der Herbst:

Lass einfach los!“

Schade, dass das Abwerfen – Ballast loswerden - bei mir nicht so automatisch geht!

„Einfach Loslassen“ ist gar nicht so einfach!!

 

Da ist das Materielle - vieles hat sich bei mir angesammelt über die Jahre.

Was brauche ich wirklich? Was ist „zu viel“ und macht mich eher unruhig?

„Alles hat seine Zeit“ sagt der Prediger: „Behalten hat seine Zeit und Wegwerfen/ Loslassen hat seine Zeit.“

Weniger zu haben kann befreiend sein!

 

Und da ist noch so viel mehr, was ich loslassen könnte: Sorgen, Zweifel, Ängste, Gedanken, die mich belasten; Menschen, die mich verletzt haben, usw.

 

Du kannst dir ja mal kurz Zeit nehmen und dir überlegen, was dich belastet, was dir „zu viel“ ist, was dich befreien würde, wenn du es loslassen könntest.

 

Die Frage ist dann: wohin ich etwas abgeben oder loslassen kann?

Jesus lädt uns immer wieder ein, das was uns zur Last geworden ist, bei IHM abzuladen: „Komm zu mir, wenn du dich beladen fühlst! ICH will dich erquicken –

dir Ruhe schenken.“

Ja, bei Jesus dürfen wir abladen! Zu IHM hin loslassen, was uns belastet –

auch andere Menschen IHM überlassen, die uns Mühe machen.

Und dann darauf vertrauen, dass ER sich darum kümmert und dass ER es gut für uns macht.

 

„Lass einfach los!“ – zu Jesus hin!

Ganz bestimmt kann dann auch bei uns Neues wachsen, wenn wir bereit werden, loszulassen…

 

Sei gesegnet im Loslassen! SHALOM und herzliche Grüße von Ute Wolf

Veränderungen

3 Minuten
Kennt Ihr die Faszination des Neuen? Etwas Neues erleben, einen Tapetenwechsel, mal ein neues Outfit kaufen oder neue Gedankenansätze hören.

Das wollen wir doch immer wieder. Menschen suchen Neues. Wir lesen in den Evangelien, dass sich viele aufmachten, um Johannes den Täufer zu hören und später, um Jesus zu hören. Da hat jemand etwas Spannendes, Neues zu bieten.

Und auf der anderen Seite tun wir uns mit Veränderungen so schwer. Selbst kleine Routinen, wie das Aufstehen zu einer anderen Uhrzeit oder mit dem anderen Bein zuerst in die Hose zu steigen, kosten uns Überwindung.

Große Veränderungen wie ein Umzug oder eine Lebensstilveränderung machen uns Angst. Wir versuchen diese Veränderungen zu vermeiden.

Ich denke, es sind viel mehr Menschen aus Neugier zu Johannes in die Wüste gegangen, als seiner Aufforderung nach Umkehr, nach Veränderung auch zu entsprechen.

Aber was ist der Unterschied zwischen unserem Wunsch nach Neuem und der mir erst einmal unangenehmen Veränderung?

Einmal geht es um die Entscheidung bzw. die Freiwilligkeit. Es ist etwas anderes, ob ich mich entscheide umzuziehen, weil ich einen Tapetenwechsel brauche oder ob ich umziehen muss, weil ich mit dem Bestehenden überfordert bin oder der Vermieter kündigt.

Der andere Aspekt sind die Konsequenzen. Wenn ich mir etwas Neues kaufe, so sind die Konsequenzen, der Preis bekannt. Ich weiss, was ich opfern, einbringen muss. Ist mir der Preis zu hoch, verzichte ich auf das Neue.

Bei größeren Veränderungen ist uns häufig der Preis zu hoch. Damit ist nicht Geld gemeint, sondern Verzicht auf etwas, was uns wichtig ist. Das kann zum Beispiel die gute Nachbarschaft sein, die Schokolade am Abend oder das Loslassen von Feindbildern. Die Veränderung ist es mir nicht wert, darauf zu verzichten.

Oder ich kenne die Konsequenzen nicht. Die Unsicherheit, wie es sein wird, ist oft noch schlimmer, als zu wissen, was passiert.

Was hilft trotzdem eine Veränderung einzugehen oder auch zu akzeptieren:

Erstens: Begleitung. Jesus verspricht uns, jeden Weg mitzugehen und mitzutragen. Egal, was passiert, Jesus ist bei mir und hält zu mir. Wir müssen nicht allein durch, auch dann nicht, wenn wir einen Fehler gemacht haben; auch den müssen wir nicht allein ausbaden.

Zweitens: Erlauben wir uns den Verlust zu betrauern und dann auch bewusst loslassen. Dazu gehört auch ehrlich zu mir selbst zu sein, was ich als Verzicht erlebe. Trauen wir uns, diesen Verlust an Gott zu klagen.

Drittens: Sehen wir das Positive, das die Veränderung bringt. Bringt sie mir mehr Lebendigkeit, mehr Freiheit, mehr Liebe? Führt sie mich mehr zu mir selbst oder näher zu Jesus? Wir brauchen die positive Perspektive, ein Ziel.

Ich wünsche uns allen den Mut, uns an Jesu Hand auf Veränderungen einzulassen. Eure Christine Sommer
3 Minuten
Dreierlei bewegt mich. Könnte das zusammenfließen in einen großen Strom der Dankbarkeit und Ermutigung, dachte ich. Ich versuch’s.

Am Sonntag haben wir Erntedank gefeiert. Das spricht immer noch viele Menschen an. Wir spüren, trotz aller Mühen, trotz aller Widrigkeiten in unserer Zeit, da bleibt noch viel zu danken in unserem Leben. Es gibt das Unverdiente. Er könnte es Gnade nennen, wenn er an Gott glauben würde, sagte Wolf Biermann jetzt in einem Interview zu seinem 90. Geburtstag. Ich sage: Gott sei Dank, dass ich mit Gott rechnen darf, auch in unserer wirren Zeit.

Darum feiere ich von Herzen Erntedank. Und ich singe mein Lieblingslied immer wieder:

Ich singe dir mit Herz und Mund, Herr, meines Herzens Lust.

Ich sing und mach auf Erden kund, was mir von dir bewusst.

Ich weiß, dass du der Brunn der Gnad und ewge Quelle bist,

daraus uns alle früh und spat viel Heil und Gutes fließt.

Erntedank feiert Gott den Schöpfer und Paul Gerhardt nennt ihn den Brunn der Gnad und die ewige Quelle.

Was sind die Quellen, aus denen wir leben? Das ist das Zweite, was mich bewegt. Denn zurzeit führen wir in unserer Gemeinde den Kurs von Stufen des Lebens durch mit dem Motto: Quellen, aus denen Leben fließt. Eingestimmt mit Vivaldis vier Jahreszeiten sprudelten die Beiträge in unserer großen Gruppe. Einige haben sehr spontan genannt, was für sie Quellen sind, aus denen ihnen Leben zufließt. Immer wieder waren es Bilder aus der Natur, das Wachsen der Pflanzen im Garten, an einem See sitzen, Vögeln zusehen, zur Stille finden, ein gutes Buch lesen, ein persönliches Gespräch führen und Musik hören und selbst singen. Quellen aus denen Leben fließt. Grund zur Dankbarkeit, nicht nur an Erntedank, aber da erst recht.

Meiner Frau und mir ist der Erlebnisurlaub im September zu einer Quelle der Freude geworden, die in unseren Alltag weiterströmt. Am See sitzen. Baden. Standup paddeln ausprobieren. Lauthals lachen bei unserem Fallen ins Wasser. Und abends einen riesigen Schwarm von Hunderten von Schwalben am Himmel beobachten. Das hat uns erfüllt. Und nachts der klare Sternenhimmel.

Also bei mir fließen zusammen: Erntedank, Erlebnisurlaub und der Kurs. „Quellen, aus denen Leben fließt“. Gut, wenn ich weiß, wo meine Quellen sind. Besser noch, wenn ich sie aufsuche, mich dort niederlasse, von ihnen lebe. Was ist dir Quelle, aus denen dir Leben zufließt?

Unser ältester Teilnehmer und Klavierbegleiter mit seinen demnächst 95 Jahren sagte: Für mich ist das Gebet eine Lebensquelle.

Mit quellfrischen Grüßen zu Erntedank

Hans-Martin Steffe, Linkenheim-Hochstetten
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Über diesen Podcast

Stufen.aufs.Ohr – Stufen zum Lauschen - für Zwischendurch jede Woche 3 gute Minuten mit verschiedenen Impulsgebenden
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