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  3. New Work Meets Science – Arbeitspsychologie, Organisationsentwicklung, Führung Podcast

Episoden

57 Minuten
Die erste Mail kommt noch vor dem eigentlichen Arbeitsstart. Im Kalender reiht sich ein Termin an den nächsten. Das erste Meeting läuft länger als geplant, während schon die nächsten Nachrichten aufploppen. Der To-do-Berg wächst und beim Priorisieren landet plötzlich fast alles in derselben Kategorie: wichtig und dringlich.

Also arbeiten wir schneller, investieren mehr Energie, verschieben die Pause und hängen abends noch etwas dran. Wenn andere im Team ebenfalls lange erreichbar sind, kann sich dieses Verhalten gegenseitig verstärken. Wie wir mit unserer Energie umgehen, hängt damit auch von Erwartungen, Teamnormen und Arbeitsgestaltung ab.

In dieser Folge von „New Work Meets Science“ spricht Dr. Theresa Fehn mit Prof. Dr. Tim Vahle-Hinz darüber, wie Energiemanagement unter Zeitdruck und ständiger Erreichbarkeit gelingen kann.

Im Gespräch geht es darum, wie Stress sich im Team übertragen kann, wie wir unter hoher Belastung besser priorisieren können und welche Rolle Autonomie bei all dem spielt. Denn Freiräume können helfen, Arbeit an die eigene Leistungsfähigkeit anzupassen. Unter hohem Zeitdruck zeigt sich jedoch ein paradoxes Muster: Menschen mit viel Autonomie arbeiten teilweise noch intensiver und steigern ihren Leistungsanspruch.

Und nach Feierabend? Der Laptop ist zu, das Handy vielleicht stumm und trotzdem läuft die Arbeit im Kopf weiter. Tim erklärt anhand seiner Forschung, warum diese gedankliche Erreichbarkeit für Erholung relevant ist und welche Rolle Vorhersehbarkeit und Kontrolle spielen – bei der Mail um 21 Uhr ebenso wie im Bereitschaftsdienst.

Eine Folge über Zeitdruck, schwankende Energie, Autonomie und Technostress und über die sozialen Erwartungen im Arbeitsalltag, die mitprägen, wann wir Pausen machen, wie wir Freiräume nutzen und wie lange wir erreichbar bleiben.

Viel Spaß beim Hören!

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Quellen:

Vahle-Hinz, T., Deci, N., & Baethge, A. (2024). Intensifying and protective? How organizational culture shapes the effect of work scheduling autonomy on the relationship between time pressure and self-endangering work behaviours. European Journal of Work and Organizational Psychology, 33(4), 488–502. https://doi.org/10.1080/1359432X.2024.2326620 Tandfonline

Vahle-Hinz, T., Friedrich, N., Bamberg, E., Keller, M., & Dettmers, J. (2014). „Jetzt läuft der Motor im Leerlauf“: Gesundheitliche Wirkungen von Arbeit auf Abruf am Beispiel von Rufbereitschaft. Zeitschrift für Arbeitswissenschaft, 68, 112–115. https://doi.org/10.1007/BF03374432
57 Minuten
Ein freundliches Lächeln kann die Kundenzufriedenheit steigern. Doch was passiert, wenn es auch beim 160. Gast noch sitzen muss? Und das, obwohl innerlich längst Ärger, Stress oder Erschöpfung da sind?

Wer im Service, in der Pflege oder in der Führung arbeitet, zeigt nicht immer genau das, was er oder sie gerade fühlt. Die Arbeitspsychologie spricht von Emotionsarbeit: Menschen regulieren ihre Gefühle oder deren Ausdruck, um ihrer beruflichen Rolle gerecht zu werden.

Die Forschung zeigt: Unternehmen profitieren davon. Freundliche und zugewandte Interaktionen stärken die Beziehung zur Kundschaft. Für die Menschen, die diese emotionale Leistung erbringen, kann sie jedoch anstrengend werden. Besonders dann, wenn gefühlte und gezeigte Emotionen dauerhaft auseinanderliegen.

In dieser Folge von „New Work Meets Science“ spricht Dr. Theresa Fehn mit Dr. Marcel Kern, Professor für Arbeits- und Organisationspsychologie an der Universität Göttingen, über die sichtbaren und unsichtbaren Seiten von Emotionsarbeit.

Warum kann das Unterdrücken von Emotionen langfristig sogar körperliche Folgen haben? Ist sogenanntes Surface Acting, also das Vortäuschen von Gefühlen, immer problematisch? Lässt sich emotionale Kompetenz trainieren? Und weshalb spielt Emotionsarbeit auch in Mitarbeitergesprächen und virtueller Führung eine Rolle?

Marcel erklärt anhand konkreter Situationen, wie Emotionen im Arbeitsalltag entstehen und reguliert werden: von der Flugbegleitung, die auch beim 160. Gast freundlich bleibt, über das kurze Augenrollen im Callcenter bis zur aufgebrachten Kundin, deren Ärger vielleicht schon lange vor dem Betreten des Geschäfts begonnen hat.

Dabei wird deutlich: Organisationen können die Verantwortung nicht allein bei den Beschäftigten abladen. Zeitdruck, geringe Handlungsspielräume, fehlender Austausch und mangelnde Unterstützung durch Führungskräfte erschweren Emotionsarbeit zusätzlich.

Eine Folge über Freundlichkeit als berufliche Leistung, die Grenzen emotionaler Selbstkontrolle und die Frage, wie Organisationen Bedingungen schaffen können, unter denen gute Interaktionen nicht auf Kosten der Gesundheit gehen.

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1 Stunde
„Der Sinn des Lebens ist die Muße.“

So die These Aristoteles’ vor mehr als 2.000 Jahren. Und auch im antiken Ägypten waren Pausen fester Bestandteil des Arbeitsrhythmus. Während monumentale Werke wie die Pyramiden entstanden, saßen Menschen zwischendurch im Schatten der Bäume und erholten sich.

Spulen wir vor: Aus dem Schattenplatz unter einem Baum ist ein Schreibtisch geworden, aus dem natürlichen Wechsel von Arbeit und Ruhe ein Kalender ohne Zwischenräume. Wir essen vor dem Bildschirm, springen von Termin zu Termin und nehmen die offene To-do-Liste gedanklich mit ins Bett.

Wann wurde pausenloses Arbeiten eigentlich zum Zeichen besonderer Leistungsbereitschaft? Und wie können wir lernen, wieder richtig Pause zu machen?

In dieser Folge von „New Work Meets Science“ spricht Dr. Theresa Fehn mit Dr. Johannes Wendsche, Arbeits- und Organisationspsychologe sowie Wissenschaftler bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, über Pausen, Erholung und die Fähigkeit, nach der Arbeit wirklich abzuschalten.

Wie lange sollte eine gute Pause dauern, wann brauchen wir sie und wo genau erholen wir uns am besten? Sollten Unternehmen bevorzugt Menschen einstellen, die nach Feierabend gut abschalten können? Oder eher diejenigen, deren Gedanken ständig um die Arbeit kreisen? Ist Detachment ein angeborenes Talent oder eine Fähigkeit, die wir trainieren können? Und was beeinflusst unser Abschalten stärker: unsere Persönlichkeit oder die Bedingungen, unter denen wir arbeiten?

Johannes erklärt, warum Erholung eben kein Gegenpol zur Leistung ist, sondern eine Voraussetzung dafür, langfristig gesund und nachhaltig leistungsfähig zu bleiben. Es geht um Schlaf, Grübeln und Abgrenzungsrituale, um „maskierte Pausen“, Desk Detox und die Frage, warum uns in der Pause häufig genau das guttut, was bei der Arbeit zu kurz kommt.

Außerdem geht es um praktische Tipps und Tricks: Was können wir selbst tun, um leichter abzuschalten? Wie können To-do-Listen, kurze Ortswechsel oder bewusst gesetzte Grenzen helfen? Und wie müssen Organisationen Arbeit gestalten, damit Beschäftigte sich tatsächlich erholen können?

Eine Folge für alle, die Aristoteles’ Kunst der Muße in den modernen Arbeitsalltag integrieren und Pausen gezielt für mehr Erholung, Konzentration und Leistungsfähigkeit nutzen möchten.

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Foto: IRIS FRIEDRICH PHOTOGRAPHY

Quellen & Links:

4 Erholungsformen:

Sonnentag, S., & Fritz, C. (2007). The Recovery Experience Questionnaire: Development and validation of a measure for assessing recuperation and unwinding from work. Journal of Occupational Health Psychology, 12(3), 204–221. https://doi.org/10.1037/1076-8998.12.3.204

DRAMMA-Modell (6 Erholungsformen):

Newman, D. B., Tay, L., & Diener, E. (2014). Leisure and subjective well-being: A model of psychological mechanisms as mediating factors. Journal of Happiness Studies, 15(3), 555–578. https://doi.org/10.1007/s10902-013-9492-1

Zeigarnik Efffekt:

Zeigarnik, B. (1927). Über das Behalten von erledigten und unerledigten Handlungen. Psychologische Forschung, 9, 1–85.

Literatur-Tipps:

Wendsche, J., Tschetsche, L., Lohmann-Haislah, A., Schulz, A., Schuller, K., & Schöllgen, I. (2025). Mentale Erholung von der Arbeit: Abschalten lernen (2. Aufl.). Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. https://doi.org/10.21934/baua:praxis20250624Pang, A. S.-K. (2016). Rest: Why you get more done when you work less. Basic Books. Aktualisierte Ausgabe: Pang, A. S.-K. (2018). Rest: Why you get more done when you work less (Updated ed.). Basic Books.
1 Stunde 11 Minuten
Führt KI besser als ein Mensch?

In einer Fabrik in der Türkei beginnt der Arbeitstag mit einem Blick auf ein Tablet anstelle von Anweisungen einer Führungskraft. Ein algorithmisches System verteilt Aufgaben, macht Leistung sichtbar, zeigt Engpässe auf und gibt Orientierung im laufenden Betrieb.

Was zunächst nach Kontrolle, Kälte und technischer Dystopie klingt, entfaltet in der Praxis eine überraschend andere Wirkung: Mitarbeitende erleben die neue Form der Steuerung als fairer, transparenter und nachvollziehbarer. Entscheidungen werden weniger vom Bauchgefühl einzelner Vorgesetzter abhängig. Unterstützung wird sichtbarer. Und dort, wo man vielleicht Entfremdung erwartet hätte, entsteht plötzlich ein neues Gefühl von Teamgeist.

Kann eine KI etwa besser führen als ein Mensch? Bedeutet das, dass solche Szenarien mehr Utopie als Dystopie sind? Was genau passiert, wenn KI nicht mehr nur assistiert, sondern Führungsaufgaben übernimmt?

In dieser Folge von New Work Meets Science spricht Dr. Theresa Fehn mit Prof. Niels van Quaquebeke, Professor für Leadership und Organizational Behavior an der Kühne Logistics University, über die Zukunft von Führung im Zeitalter künstlicher Intelligenz.

Es geht um algorithmisches Management, psychologische Grundbedürfnisse wie Kompetenz, Autonomie und Verbundenheit, um Bullshit-Jobs, Identität in der Arbeit und die Frage, was menschliche Führung zukünftig noch ausmacht.

Denn vielleicht liegt die Verschiebung nicht darin, dass KI Führung ersetzt. Vielleicht zwingt sie uns vielmehr dazu, neu zu fragen, was gute Führung im Kern bedeutet: Management oder Menschlichkeit? Kontrolle oder Orientierung? Effizienz oder Verbindung?

Eine Folge über die Karriereleiter der KI: Vom Tool, über den Ratgeber bis hin zur Führungskraft.

Viel Spaß beim Hören!

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Links & Quellen:

Open Paper von Van Quaquebeke & Gerpott:

Van Quaquebeke, N., & Gerpott, F. H. (2023). The now, new, and next of digital leadership: How artificial intelligence (AI) will take over and change leadership as we know it. Journal of Leadership & Organizational Studies. https://doi.org/10.1177/15480518231181731

Literaturempfehlung:

O’Neil, C. (2017). Weapons of math destruction: How big data increases inequality and threatens democracy. Crown.

Link zur Verlagsseite:

https://www.penguinrandomhouse.com/books/241363/weapons-of-math-destruction-by-cathy-oneil/

Studie Gerichtsurteile:

Završnik, A. (2024). Code is law: How COMPAS affects the way the judiciary handles the risk of recidivism. Artificial Intelligence and Law. https://doi.org/10.1007/s10506-024-09389-8
16 Minuten
english version below

Zwei Personen berichten vom gleichen erfolgreichen Projekt. Nur eine wird befördert. Warum?

Die eine sagt: „Das Projekt lief richtig gut. Wir haben alle Ziele erreicht, der Kunde war zufrieden und das Ergebnis wurde pünktlich geliefert.“

Die andere sagt: „Das Projekt lief richtig gut. Wir haben alle Ziele erreicht und ich habe dabei einiges gelernt. Zum Beispiel gab es einen Moment, in dem der Kunde kurzfristig neue Anforderungen eingebracht hat. Früher hätte ich wahrscheinlich versucht, das erst einmal allein zu lösen. Diesmal habe ich direkt Feedback eingeholt, die offenen Fragen mit dem Team besprochen und gemeinsam entschieden, wie wir vorgehen. Das hat viel Zeit gespart. Beim nächsten Mal würde ich das sogar noch früher tun.“

Beide sprechen über Erfolg. Aber sie senden unterschiedliche Signale. Die erste Person zeigt vergangene Leistung, die zweite zusätzlich auch zukünftiges Potenzial.

In dieser Folge spricht Dr. Theresa Fehn mit Dr. Janey Zheng, Associate Professor in Leadership and Organizational Behavior an der Durham University Business School, über die Frage, wie wir Erfolg im Arbeitskontext kommunizieren.

Viele Menschen gehen davon aus: Wer gute Leistung bringt, sie sichtbar macht und die eigenen Erfolge klar präsentiert, wird früher oder später als „Führungsmaterial“ erkannt. Doch Janey Zhengs Forschung zeigt: Ganz so einfach ist es nicht. Entscheidend ist nicht nur, dass wir über unsere Leistung sprechen, sondern vor allem wie wir unseren Erfolg rahmen.

Erfolg erzählt, was war. Lernen zeigt, was noch möglich ist. Warum genau dieser Unterschied für Karriere und Führungspotenzial entscheidend sein kann, zeigt diese Podcastfolge.

english version

Two people report on the same successful project. Only one of them gets promoted. Why?

The first says: “The project went really well. We achieved all our goals, the client was satisfied, and the result was delivered on time.”

The second says: “The project went really well. We achieved all our goals and I learned quite a lot along the way. For example, there was a moment when the client brought in new requirements at short notice. In the past, I probably would have tried to solve it on my own first. This time, I asked for feedback right away, discussed the open questions with the team, and we decided together how to move forward. That saved us a lot of time. Next time, I would involve the team even earlier.”

Both talk about success, but they send different signals. The first person demonstrates past performance. The second also signals future potential.

In this episode, Dr. Theresa Fehn speaks with Dr. Janey Zheng, Associate Professor in Leadership and Organizational Behavior at Durham University Business School, about how we communicate success at work.

Many people assume that strong performance, visibility, and clearly presenting one’s achievements will sooner or later make someone be recognized as “leadership material.” But Janey Zheng’s research shows that it is not quite that simple. What matters is not only that we talk about our performance, but above all how we frame our success.

Success tells the story of what has been achieved. Learning shows what might still be possible. This podcast episode explores why exactly this difference can be crucial for careers and leadership potential.

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Über diesen Podcast

Unsere Arbeitswelt wandelt sich schneller als je zuvor . New Work stellt neue Anforderungen an Führung, Gesundheit und Teamarbeit. Arbeitspsychologische Forschung kann helfen, diese Entwicklungen optimal zu gestalten – doch wir müssen ihre Erkenntnisse auch nutzen. Dazu möchte unser Podcast einen Beitrag leisten! Host Dr. Theresa Fehn taucht einmal monatlich mit ihren Gästen in die facettenreiche Welt der Psychologie hinter Organisationsentwicklung und Führung ein. Gemeinsam mit profilierten Forscherinnen und Forschern baut sie eine Brücke zwischen Theorie und Praxis. www.blackboxopen.com
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„New Work Meets Science – Arbeitspsychologie, Organisationsentwicklung, Führung“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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