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  4. Menschenverachtung und Volksverhetzung im Journalistengewand | Von Tilo Gräser
Ein deutscher Schreibtischtäter will „mehr Russen töten“
und offenbart verheerende Kontinuitäten

Ein Kommentar von Tilo Gräser.

Diese Frage an den Kiewer Präsidentendarsteller Wolodymyr
Selenskyj kam am Samstag aus deutschem Mund. Aber nicht
Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) hat sie gestellt, für
den „Russland immer ein Feind“ bleibt. Auch Kriegstreiber
Roderich Kiesewetter, Ex-Oberst und CDU-Außenpolitiker äußerte
sie nicht, der von einer „bedingungslosen Kapitulation
Russlands“ träumt. Ein deutscher Journalist hat sie
gestellt: Michael Martens, Korrespondent der Frankfurter
Allgemeinen Zeitung (FAZ) für Südosteuropa, bei der
gemeinsamen Pressekonferenz des serbischen Präsidenten
Aleksandar Vučić mit Selenskyj am Samstag.

Der Mann aus Kiew antwortete nicht direkt darauf. Vor ihm sagte
Vučić neben seiner Antwort auf die ebenfalls von Martens
gestellte Frage nach der Zusammenarbeit mit der Europäischen
Union (EU): „Was das Töten angeht, so hoffe ich, dass das Töten
aufhört.“ In seinem am Sonntag in der FAZ online
veröffentlichten Beitrag zur Pressekonferenz in Belgrad
stellte Martens den Vorgang so dar:

Er erklärte als Ausgangspunkt seiner Frage die „seit Monaten
kursierenden und leicht divergierenden Aussagen ukrainischer und
anderer Verteidigungsexperten …, wie viele russische Soldaten die
Ukraine monatlich töten oder kampfunfähig machen müsste, bis die
russische Armee in ernsthafte personelle Schwierigkeiten geriete
und Putin vielleicht zu Friedensgesprächen gezwungen wäre“. Seine
Frage ist und bleibt zum einen erschreckend, nicht nur, weil sie
ein deutscher Journalist gestellt hat.

Das hat nichts mit Journalismus zu tun. Der frühere
ARD-Journalist Hanns Joachim Friedrichs hatte 1995 in
einem Interview mit dem Magazin Der
Spiegel über seine Rolle als Moderator
der ARD-Tagesthemen gesagt: „Distanz halten, sich nicht
gemein machen mit einer Sache, auch nicht mit einer guten, nicht
in öffentliche Betroffenheit versinken, im Umgang mit
Katastrophen cool bleiben, ohne kalt zu sein.“ Dieser Satz wird
gern als Anspruch an den Journalismus und die Journalisten
zitiert.

„Können Sie uns Europäern sagen, was wir konkret tun können, um
Ihnen dabei zu helfen, mehr Russen – natürlich mehr russische
Soldaten – zu töten?“„Auf die eigentlich an Selenskyj gerichtete
Frage, was die Europäer tun könnten, um die Ukraine dabei zu
unterstützen, mehr russische Soldaten zu töten, und ob eine
Zusammenarbeit in der Verteidigungspolitik Teil seiner Gespräche
in Serbien gewesen sei, antwortete Vučić: ‚Wir haben über
keinerlei militärische Zusammenarbeit gesprochen heute und zum
jetzigen Zeitpunkt.“

...https://apolut.net/menschenverachtung-und-volksverhetzung-im-journalistengewand-von-tilo-graser/

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