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Was mit Reisen
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Beschreibung
vor 1 Woche
Es ist ein Dienstagmorgen im August 2026, die Luft über Sizilien
flirrt vor Hitze, doch es ist nicht nur der Schirokko, der den
Urlaubern den Atem raubt. Über Catania hängt ein grauer Schleier,
feiner als Puderzucker, aber tückisch wie Glassplitter: Es stinkt
nach feuchter Vulkanasche. Der Ätna, Europas unberechenbarer
Gigant, hat wieder einmal beschlossen, das letzte Wort zu führen.
Während die Touristen in den Cafés der Via Etnea normalerweise
ihren Espresso genießen, blicken sie heute starr auf ihre
Smartphones. Die Nachricht ist überall dieselbe: Warnstufe Rot.
Der Stillstand am Tor zur Insel
Hinter den Kulissen des Flughafens von Catania spielt sich ein
logistischer Albtraum ab. Normalerweise werden hier jährlich mehr
als zwölf Millionen Passagiere abgefertigt. Doch an diesem Morgen
ist die Bilanz ernüchternd: Nur eine einzige Maschine konnte für
einen Inlandsflug abheben. Auf dem Rollfeld bietet sich ein
gespenstisches Bild. Flugzeuge, die Millionen wert sind, stehen
unter grauen Abdeckplanen; besonders die Triebwerke müssen
akribisch vor dem Ascheregen geschützt werden. Währenddessen
kämpfen Reinigungstrupps in einer Sisyphusarbeit gegen die Natur
an, um die Start- und Landebahnen immer wieder von den
vulkanischen Partikeln zu befreien.
Für die rund 30.000 betroffenen Menschen bedeutet dies: Warten.
Die Unterkünfte auf der Insel sind zur Hauptreisezeit restlos
ausgebucht, was dazu führt, dass Reisende die Nacht auf dem
harten Boden des Terminals verbringen müssen. Die Stimmung
schwankt zwischen Resignation und Wut, oft befeuert durch ein
Bodenpersonal, das sichtlich überfordert ist, und
Fluggesellschaften, deren Hilfestellungen viele Passagiere als
unzureichend beschreiben.
Kapitalismus im Schatten des Vulkans
Wo Not herrscht, ist die Gier oft nicht weit. Der italienische
Schauspieler Filippo Laganà machte seinem Ärger auf Instagram
Luft und berichtete von Geschäftemachern, die die Verzweiflung
der Gestrandeten schamlos ausnutzen. Wer versucht, auf den
Flughafen von Palermo auszuweichen, muss tief in die Tasche
greifen: Bis zu 700 Euro verlangten Shuttle-Anbieter für die rund
200 Kilometer lange Strecke.
Die Flucht auf die Schiene ist kaum einfacher. Die direkte
Bahnverbindung zwischen Catania und Palermo ist wegen Bauarbeiten
unterbrochen; wer den Umweg über Messina wählt, landet in Zügen,
die so überfüllt sind, dass man kaum stehen kann. Selbst die
Fernzüge Richtung Rom sind auf Tage hinaus ausgebucht. Sizilien,
das Paradies, ist in diesen Tagen für viele zu einem goldenen
Käfig aus Asche geworden.
Recht haben und Recht bekommen
Inmitten dieses Chaos stellt sich die existenzielle Frage: Wer
zahlt das alles? Inga Eleni Esch vom Europäischen
Verbraucherzentrum (EVZ) Deutschland bringt es auf den Punkt: Ein
Vulkanausbruch gilt rechtlich als „außergewöhnlicher Umstand“.
Das bedeutet für Reisende zunächst eine schlechte Nachricht: Eine
zusätzliche Entschädigungszahlung, wie man sie von profanen
Verspätungen kennt, gibt es nicht.
Doch die Airlines sind nicht gänzlich aus der Pflicht. Nach der
EU-Fluggastrechteverordnung müssen sie Betreuungsleistungen
erbringen. Das bedeutet konkret:
Verpflegung: Angemessene Mahlzeiten und Getränke während
der Wartezeit.
Kommunikation: Zwei kostenlose Telefonate oder E-Mails.
Übernachtung: Falls der Ersatzflug erst am nächsten Tag
startet, muss die Airline das Hotel und den Transfer bezahlen.
Wer sich in der Hitze des Gefechts selbst um ein Zimmer kümmert,
sollte unbedingt alle Quittungen sammeln, um die Kosten später
einzureichen. Besonders wichtig: Die Airline ist verpflichtet,
eine Ersatzbeförderung anzubieten – sei es mit einer anderen
Maschine, einer anderen Airline oder einem anderen
Transportmittel wie dem Bus oder der Bahn.
Das Privileg der Pauschalreise
In Krisenzeiten zeigt sich der wahre Wert des klassischen
Reiseveranstalters. Wer pauschal gebucht hat, steht deutlich
sicherer da. Ab der fünften Stunde der Verspätung greift ein
Minderungsrecht: Der Tagesreisepreis reduziert sich um fünf
Prozent für jede weitere Stunde. Zudem muss sich der Veranstalter
um alles kümmern, inklusive bis zu drei zusätzlicher
Hotelübernachtungen, falls nichts mehr geht.
Diesen Betreuungs-Luxus haben Individualreisende nicht. Sie
müssen jedes Hotel, jeden Mietwagen und jeden Flug separat
stornieren oder umbuchen. Hier gilt oft das gnadenlose
Kleingedruckte: Ist das Hotel am Zielort geöffnet und erreichbar,
muss trotz Flugausfall oft gezahlt werden, es sei denn, man
findet eine Kulanzlösung. Auch herkömmliche
Reiserücktrittsversicherungen winken bei Naturkatastrophen oft ab
– es sei denn, man hat das teure Premium-Paket gebucht.
Ein Blick zurück nach vorn
Die aktuelle Lage weckt Erinnerungen an das Jahr 2010, als der
isländische Eyjafjallajökull den europäischen Luftraum fast eine
Woche lang lahmlegte. Doch die Luftfahrt hat gelernt. Statt
pauschaler Flugverbote gibt es heute präzisere Vorhersagemodelle
und abgestufte Aschezonen. Dennoch bleibt das Restrisiko Natur.
Wer klug ist, trägt sich in die Krisenvorsorgeliste der deutschen
Botschaft ein und hält engen Kontakt zum Veranstalter.
Zitronen und Zuversicht
Am Ende hilft im Chaos sowieso nur noch Galgen-Humor. Inmitten
der fluchenden Menge am Busbahnhof sitzt ein älteres Ehepaar aus
Castrop-Rauxel. Sie haben ihren Flug nach Hause vor drei Tagen
verpasst. Ihr Koffer ist irgendwo zwischen Check-in und
Aschewolke verschollen. In der Hand halten sie zwei Plastikbecher
mit tiefgelber Zitronen-Granita. „Wissen Sie“, sagt der Mann und
wischt sich ein paar graue Ascheflocken vom Hemd, „der Flieger
ist weg, das Geld wohl auch. Aber so eine Granita schmeckt
nirgendwo so gut wie hier, auch, wenn man eigentlich schon längst
wieder im Büro sitzen müsste. Der Berg hat uns halt noch ein paar
Tage geschenkt.“
Um unseren Hintergrund-Podcast zu diesem Thema zu
hören, bitte auf das Kopfhörer-Symbol im Titelbild
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Der Beitrag Ascheregen über der Urlaubsidylle Wenn der Ätna den Flug diktiert - Rechte für
Reisende? erschien zuerst auf Was mit Reisen.
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