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Beschreibung
vor 1 Tag
Die Gondel der alten Schilthornbahn schwankt leicht im Wind.
Unter mir liegen über 200 Meter Nichts, in der Ferne die
schroffen Zacken von Eiger, Mönch und Jungfrau, vor mir der
Staubbach-Wasserfall. Mein Herzschlag dröhnt in den Ohren.
Eigentlich bin ich hier oben auf dem „Piz Gloria“, um über die
schon lange zurück liegenden Dreharbeiten zu „Im Geheimdienst
Ihrer Majestät“ zu recherchieren für ein ZDF-Reisefeature über
die Schweizer Jungfrau-Region.
Ein Sprung wie 007
Doch dann stehe ich plötzlich selbst da, das Bungee-Seil fest um
die Knöchel gezurrt, und blicke in die Tiefe. In diesem Moment,
kurz vor dem Absprung, ist da kein George Lazenby. Da ist nur
dieser eine, irrsinnige Gedanke: Ein bisschen 007 steckt in uns
allen. Wir wollen diese Gefahr, diesen Glamour, dieses
„Überlebensgroße“…
Ich bin gesprungen. Der freie Fall dauerte wahrscheinlich nur
Sekunden, aber das Gefühl, ein Teil meiner Jugend-Filmgeschichte
zu sein, hielt Tage an. Das ist die Macht des Filmtourismus. Er
treibt uns an Orte, die wir ohne die Leinwand-Magie vielleicht
nicht so recht gewürdigt hätten.
Doch wer so viel reist, wie ich, lernt auch die Schattenseiten
der Kinoträume kennen.
Wenn der Kinotraum Touristenfalle wird
Schnitt. Wechsel in die Andamanensee, Thailand. In meinem Kopf
läuft das Duell zwischen Bond und Scaramanga aus „Der Mann mit
dem goldenen Colt“. Ich erwarte nach der Bootsfahrt eine massive,
majestätische Festung, verborgen in einer einsamen Bucht einer
dieser Napfkuchen-Inseln, für die diese Gegend so berühmt ist.
Die Realität auf Khao Phing Kan ist dagegen ein Schlag ins
Gesicht. Die „James-Bond-Insel“ ist eigentlich nur eine
unbedeutende, klobige Felsnase, die aus dem Wasser ragt. Von
Einsamkeit keine Spur: Dutzende Ausflugsboote umschwirren den
Felsen wie lästige Mücken. Der Lärm der Schiffsmotoren übertönt
jedes exotische Gezwitscher. Wo im Film Scaramangas
Solarkollektoren glänzten, schwimmt heute Plastikmüll im
türkisblauen Wasser. Es gibt keine wohltuende Perspektive mehr,
keinen Winkel, in dem man das Handy-Display so halten kann, dass
die 500 anderen Touristen im Hintergrund verschwinden.
Manchmal ist der Drehort eben nur das: ein Ort, der durch die
Linse eines genialen Kameramanns veredelt wurde, in der
Wirklichkeit aber an seiner eigenen Berühmtheit erstickt.
Warum uns Bond-Orte magisch anziehen
Trotzdem lässt uns diese Sucht nicht los. Lange bevor es
Instagram-Hotspots und TikTok-Challenges gab, waren es die großen
Blockbuster, die uns sagten: „Da musst du hin!“ Bond-Filme waren
für meine Generation das, was heute der Algorithmus ist – eine
visuelle Verführung, die Weltkarte neu zu zeichnen. Ob es die
Serpentinen am Furkapass sind, auf denen der Aston Martin DB5
seine Reifen quietschen ließ, oder die elegante Bar im Hotel
Atlantic in Hamburg – wir suchen die Orte auf, um einem Stück von
Bonds Souveränität näher zu kommen.
Verändert KI den Filmtourismus?
Wird das auch in Zukunft so sein? In Zeiten, in denen
KI-generierte Film-Welten immer perfekter werden, stellt sich
eine radikale Frage: Werden wir in zwanzig Jahren noch nach
Jamaika oder in die Schweizer Alpen pilgern, wenn die großen
Blockbuster künftig komplett im Studio am Rechner entstehen? Wenn
das spektakuläre Bergpanorama nur noch aus Einsen und Nullen
besteht und elektronisch in Computer-Farmen gerendert wurde?
Verliert ein Ort seine Anziehungskraft, wenn er nie „echt“ war?
Ich glaube: Nein. Aber der Film-Tourismus wird sich verändern.
Wir werden vielleicht weniger die Kulisse suchen und mehr die
Geschichte dahinter.
Reiseführer für Bond-Fans und Weltenbummler
Genau hier setzt ein neues Kompendium an, das ich jedem Bond-Fan
und Weltenbummler ans Herz legen möchte: Der (inoffizielle)
James-Bond-Reiseführer von Cornelia Lohs.
Das Buch aus dem Bruckmann Verlag liefert nicht nur die
Koordinaten der ikonischen Szenen, sondern webt die kulturellen
Kontexte und historischen Hintergründe ein. Cornelia zeigt uns,
dass Orte wie das „ice Q“-Restaurant in Sölden (die Hofer-Klinik
aus Spectre) oder die engen Khlongs in Bangkok mehr sind als nur
ein hübsches Bild. Es sind reale Sehenswürdigkeiten mit eigener
Seele. Das Buch ist eine Hommage an die Kunst, Orte unsterblich
zu machen – und eine Einladung, sie mit eigenen Augen zu sehen,
solange sie noch real existieren.
„Ohne Krimi geht die Conny nie ins Bett“
Cornelia hat mir erzählt, dass für sie gilt: „Ohne Krimi geht die
Conny nie ins Bett“.
Expertin im Fall 007 – nicht Miss Moneypenny, sondern Cornelia
Lohs, die Autorin des (inoffiziellen) James Bond Reiseführers
Meine Kollegin aus der VDRJ, die auch einen Großteil des Jahres
in der Welt unterwegs ist – meistens für Buchprojekte – liebt
spannende Thriller; egal ob auf Bildschirm oder im Buch. Vor
allem Geheimdienst-Vorlagen mit MI5 oder MI6 haben es ihr
angetan. Logischerweise kennt sie alle Bond-Filme aus dem Effeff.
Lieblings-007? Roger Moore. Die spannendsten Filme? Die mit
Daniel Craig. Also eine echte Kennerin der
Materie.
Filmtourismus, Martini-Bars und VR
In diesem WAS-MIT-REISEN-Podcast besprechen wir ihr Buch
ausführlich. Wir diskutieren über die Faszination des
Filmtourismus, über die besten Martini-Bars der Welt und die
Frage, ob wir bald nur noch mit der VR-Brille auf dem Sofa
„verreisen“.
Hört rein, es wird munter, charmant und sehr überraschend – fast
wie ein Sprung aus der Gondel am Piz Gloria.
Um den Reiseradio-Podcast zu hören, bitte auf das
Kopfhörer-Symbol im Titelbild klicken
Der Link zum Buch
Der Beitrag Lohs’ 007-Bond-Reiseführer Drehorte, Mythen, Reiseträume für
Filmfans erschien zuerst auf Was mit Reisen.
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