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Die Elektromobilität wächst – und wir schauen hinter die Kulissen, beleuchten Trends und Kontroversen.
eMobility Insights - der Podcast von electrive
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Beschreibung
vor 3 Tagen
Der Durchbruch der Elektromobilität ist da – doch ob Deutschland
auch industriell davon profitiert, ist längst nicht entschieden.
In dieser Folge von „eMobility Insights“ spricht
electrive-Chefredakteur Peter Schwierz mit Prof. Dr.-Ing.
Achim Kampker von der RWTH Aachen über
eine Transformation, die auf der Straße schneller vorankommt, als
es die öffentliche Debatte vermuten lässt.
Für Kampker ist die Grundsatzfrage entschieden: „Weltweit
hat die E-Mobilität ihren Siegeszug angetreten.“
Steigende Zulassungszahlen, eine immer bessere Ladeinfrastruktur
und die wachsende technologische Begeisterung innerhalb der
Autoindustrie zeigten, dass es nicht mehr darum gehe, ob sich der
elektrische Antrieb durchsetzt. Offen sei nur noch, welchen
Anteil er langfristig erreicht. Trotzdem werde die Entwicklung in
Deutschland weiterhin häufig kleingeredet – auch weil der Erfolg
lange nach einer Alles-oder-nichts-Logik bewertet worden sei.
Doch Kampker, der seit Januar 2014 den von ihm gegründeten
Lehrstuhl Production Engineering of E-Mobility Components (PEM)
der RWTH Aachen leitet, trennt klar zwischen dem Erfolg der
Technologie und der Lage des Industriestandorts: „Die
E-Mobilität ist ein Erfolgsrezept“, sagt er. Die Krise
deutscher Hersteller und Zulieferer lasse sich deshalb nicht
einfach dem Wechsel zum Elektroauto zuschreiben. Hohe
Arbeitskosten, mangelnde Produktivitätsfortschritte,
Überkapazitäten und schwerfällige Unternehmensstrukturen sowie
überbordende Bürokratie seien mindestens ebenso entscheidend.
Seine Diagnose fällt deutlich aus: „Wir haben einfach,
was den Industriestandort angeht, jede Menge Probleme.“
Wie schwer sich Deutschland mit der Skalierung eigener
Innovationen tut, hat Kampker selbst mit
StreetScooter erlebt. Über 20.000 elektrische
Zustellfahrzeuge wurden gebaut, die Elektrifizierung der Logistik
damit schon früh praktisch bewiesen. Den Vorsprung habe
Deutschland dennoch aus der Hand gegeben. Das sei symptomatisch:
Gute Ideen und technisches Know-how seien vorhanden, doch häufig
fehlten Kapital, Ressourcen, Ausdauer und der Mut, daraus
wirklich große industrielle Strukturen zu entwickeln.
Kampkers neues Buch „Zukunftsfrust –
Zukunftsmut“ (ISBN 9783690281102) setzt genau an diesem
Widerspruch zwischen Möglichkeit und Wirklichkeit an. Er fordert
eine ehrliche Bestandsaufnahme – ohne Schönreden, aber auch ohne
die in Deutschland verbreitete Lust am Niedergang. Bürokratie sei
dabei keineswegs nur ein staatliches Problem. Auch viele
Unternehmen hätten interne Prozesse geschaffen, die
Entscheidungen verlangsamten und Verantwortung verwischten. Statt
gegenseitiger Schuldzuweisungen brauche es mehr
Entscheidungsfreiheit, Risikobereitschaft und strategische
Führung.
Der Staat solle nach Kampkers Vorstellung stärker vorausdenken,
strategische Fähigkeiten aufbauen und neuen Technologien Raum zum
Wachsen geben, statt sie vom ersten Tag an mit sämtlichen
Anforderungen etablierter Märkte zu belasten. Gleichzeitig
müssten Unternehmen bereit sein, wieder langfristig und in
größerem Maßstab zu investieren. Denn: „Wir müssen wieder
dahin kommen, dass wir die Trends setzen.“
Das Gespräch führt deshalb weit über E-Autos hinaus: zur Batterie
als Schlüsseltechnologie, zur Kreislaufwirtschaft als
marktwirtschaftlichem Geschäftsmodell, zu neuen Partnerschaften
mit Afrika und zu Zukunftsfeldern wie humanoider Robotik oder
Biotechnologie. Kampkers größte Vision reicht sogar bis in den
Weltraum. Dabei geht es ihm weniger darum, alle Menschen für den
Mars zu begeistern, als um ein gemeinsames Ziel, das Forschung,
Investitionen und gesellschaftlichen Einsatz mobilisiert. Seine
Botschaft: „Wir brauchen keine Verbotskultur als
Strategie. Wir brauchen eine Vision!“
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