Hat Europa beim Batterierennen noch eine Chance?

Hat Europa beim Batterierennen noch eine Chance?

vor 22 Stunden
Ein Gespräch mit Heiner Heimes vom PEM der RWTH Aachen
37 Minuten
0
0 0 0
Podcast
Podcaster
Die Elektromobilität wächst – und wir schauen hinter die Kulissen, beleuchten Trends und Kontroversen.

Beschreibung

vor 22 Stunden

Wenn wir in Europa einen Schritt machen, macht China
drei: Kurz vor der Battery Show in Stuttgart analysiert
Batterie-Experte Heiner Heimes vom PEM der RWTH Aachen in unserem
Podcast, warum Europas Batteriezellproduktion im „Tal der Tränen“
steckt – und welche Kräfte dem Abwärtssog noch entgegenwirken
können.
Europa wollte beim Aufbau einer eigenen Batterieindustrie ganz
vorne mitspielen. Doch nach Gigafactory-Ankündigungen,
Milliardeninvestitionen und der Hoffnung auf technologische
Souveränität ist die Lage deutlich ernüchternder geworden:
Geplante Zellproduktionskapazitäten in Europa haben sich von
angekündigten 2.000 auf unter 1.000 Gigawattstunden pro Jahr mehr
als halbiert.


Kurz vor der Battery Show Europe in Stuttgart
spricht electrive-Chefredakteur Peter Schwierz in „eMobility
Insights“ mit Professor Heiner Heimes vom
Lehrstuhl Production Engineering of E-Mobility Components (PEM)
der RWTH Aachen über die Frage, die über der
europäischen Batteriebranche schwebt: Wird Europa bei der
Batteriezellproduktion noch zu einem eigenständigen
Industriestandort – oder verfestigt sich die Abhängigkeit von
asiatischem Know-how?


Heimes zeichnet ein bewusst differenziertes Bild: Neben der
schwierigen Lage der Zellproduzenten entwickeln sich aus seiner
Sicht Bereiche wie Recycling, Testinfrastruktur sowie Modul- und
Packfertigung deutlich positiver. Besonders kritisch beurteilt er
den Hochlauf der Zellfertigung: Nicht der Fabrikbau allein
entscheidet über den Erfolg, sondern die Fähigkeit, dauerhaft
hochwertige Zellen mit geringen Ausschussraten zu produzieren.
Die Phase nach dem Start der Produktion nennt er das „Tal der
Tränen“: Sie sei „maximal herausfordernd, maximal anspruchsvoll
und […] unglaublich kapitalintensiv“.


Am Beispiel Northvolt erläutert Heimes, warum
technologische Schwierigkeiten beim Hochlauf nicht nur einzelne
Unternehmen betreffen, sondern das Vertrauen von Investoren und
Politik in die gesamte europäische Zellproduktion belasten
können. Zugleich warnt er vor Selbstüberschätzung im globalen
Wettbewerb: „Wird das noch was? Ja, ich wünsche es mir. Ich
kämpfe dafür, wir alle kämpfen dafür, auf ganz unterschiedlichen
Ebenen, in unterschiedlichen Bereichen. Wenn man das Ganze
realistisch sieht, dann muss man das aber durchaus vorsichtig
reflektieren.“


Dennoch ist das Gespräch kein Abgesang auf Europas
Batterieindustrie. Heimes verweist auf Gegenkräfte: auf
europäisches Forschungs- und Entwicklungswissen, auf
Batterietesting, Recycling, Modul- und Packfertigung, auf
Produktionsinnovationen und auf Unternehmen wie
PowerCo. Für deren Rolle findet er klare Worte:
„Wenn es Powerco mit Volkswagen nicht schafft, eine
Batteriezellproduktion in Europa zu etablieren, wer soll es denn
dann schaffen?“


Zugleich plädiert Heimes für ein stärker europäisch
orchestriertes Vorgehen nach dem Vorbild von
Airbus: Nicht jedes Land müsse alles selbst
aufbauen; entscheidend sei eine arbeitsteilige, langfristig
unterstützte europäische Wertschöpfungskette. Auch das neu
gestartete Forschungsprojekt FastBat soll dazu
beitragen, Produkt- und Prozessinnovationen sowie Start-ups zu
fördern und Forschung in industrielle Wertschöpfung zu
überführen.


Wie also steht es um Europas Batteriezukunft? Die Antwort von
Heiner Heimes ist weder Zweckoptimismus noch Untergangsszenario:
„Ich bin da weder optimistisch noch pessimistisch. Ich bin
realistisch.“ Eine Folge über industrielle Wahrheit, strategische
Abhängigkeiten – und die Frage, welche positiven Kräfte Europa
jetzt mobilisieren kann.

Viel Spaß beim Hören!

Abonnenten

Teci777
Bad Laasphe
jannemann11
München
15
15
Close