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Beschreibung
vor 3 Tagen
Johannes Clasen im Gespräch mit dem griechischen Gastwirt
Georgios Tziaras – eine Geschichte über einen Traum, der kurz vor
seiner Erfüllung zerbrach, und über einen Mann, der trotz
schwerer Krankheit weiterkämpft.
Ein Leben für die Küche – und ein Traum vom Stern
Georgios Tziaras stand sein ganzes Leben lang in der Küche. In
Kiel geboren, in Deutschland aufgewachsen, lebt er seit 1988 in
Bingen am Rhein. Gemeinsam mit seinen Eltern und seiner Frau
führt er ein griechisches Restaurant – ein Familienbetrieb, in
dem er nicht nur mitarbeitet, sondern seine Leidenschaft gefunden
hat.
Er ist gelernter Koch, hat sich im eigenen Restaurant zum
Spitzenkoch entwickelt. Der nächste Schritt war längst geplant:
die Übernahme des elterlichen Betriebs, der Meistertitel, der
große Durchbruch.
„So war der Plan.“
Alles deutete darauf hin, dass dieser Plan aufgehen würde. Das
Restaurant war auf dem Weg nach oben, die Anerkennung wuchs –
sogar ein Michelin-Stern stand in greifbarer Nähe. Heute ist
davon nur noch ein schmerzhafter Gedanke geblieben.
Der Moment, der alles veränderte
Die Entscheidung zur Impfung fiel nicht aus Überzeugung, sondern
aus Druck.
„Um die Wahrheit zu sagen, […] wir waren mehr oder weniger damals
in der Gastronomie gezwungen.“
Er erinnert sich an eine bedrückende Situation, an den massiven
Druck seitens eines Behördenmitarbeiters, der ihn im Restaurant
aufsuchte:
„Geh und lass dich impfen, sonst […] . […] Das war das, was der
gesagt hat.“
Georgios selbst hatte keine Angst vor Corona und wollte sich
daher eigentlich nicht impfen lassen.
„Aber der Zwang war so groß, dass es keine andere Möglichkeit
gab.“
Nach den ersten beiden Impfungen arbeitete er weiter, erkrankte
dann an Corona. Doch er erholte sich komplett und konnte wieder
„gut arbeiten. […] Ich war wieder am Start gewesen, um Gas zu
geben.“
Dann kam die dritte Impfung. Eigentlich wollte er sich beim
Hausarzt nur ein Rezept für Blutdruckmedikamente holen, doch der
Arzt empfahl trotz Georgios‘ Bedenken dringend den Booster. Er
wolle ihm das Leben retten, so die Aussage des Mediziners, da er
doch vor über 20 Jahren eine Herzmuskelentzündung gehabt habe.
Wenige Minuten nach der Impfung brach Georgios zusammen:
„Keine Viertelstunde später […] bin ich im Betrieb
zusammengeklappt. […] In der Küche zusammengeklappt vor meinen
ganzen Arbeitskollegen.“
Ein Moment, der sein ganzes Leben verändern sollte.
Ein Körper, der nicht mehr funktioniert
Was folgte, ist ein körperlicher Zusammenbruch: tagelanges hohes
Fieber, Herzrasen, Blutdruckentgleisungen, Schmerzen, völlige
Erschöpfung. Bis heute leidet er an chronischer Fatigue, ME/CFS,
mitteldepressiven Störungen, einem stark angegriffenen zentralen
Nervensystem.
Aus einem leistungsstarken Spitzenkoch wurde ein Mensch, der
seinen Alltag bis heute kaum noch bewältigen kann.
„Es besteht keine Kraft, es besteht keine Möglichkeit […] kleine
Aufgaben zu erledigen.“
Selbst Gespräche wie dieses sind für ihn eine große Belastung,
sodass er danach
„einfach nur bettlägerig liegt.“
Ein Versuch, in die Küche zurückzukehren, scheiterte nach wenigen
Minuten:
„Nach 20 Minuten nicht mal, hat alles nachgelassen.“
Er litt an Schwindel und Übelkeit,
„man ist wie am Zusammenbruch, man hält sich nur fest an den
Küchenablagen, anstatt dazustehen und seine Arbeit machen zu
können.“
In diesen Situationen bleibt ihm nur noch der Rückzug:
„Das ist dann der Punkt […] wo ich dann die Flucht ins Bett
suche.“
Sein größter Wunsch ist einfach – und gleichzeitig unerreichbar
geworden: wieder im eigenen Restaurant zu arbeiten.
„Es besteht keine Möglichkeit, leider.“
Wenn selbst Schlaf keine Erholung mehr bringt
Die Krankheit nimmt ihm nicht nur die Arbeit, sondern auch jede
Regeneration.
„Man ruht sich nicht aus bei dieser Krankheit, das ist die
Wahrheit.“
Selbst nach stundenlangem Schlaf bleibt die Erschöpfung:
„Der Körper schläft in Wirklichkeit nicht, weil […] einer der
Nerven der zentralen Nervensysteme, in diesem Fall der
Sympathikus, […] der ist ja gestört […] und der ist dann nur auf
[…] Flucht eingestellt oder […] Kampf.“
Erholung sei für ihn daher nicht möglich.
Ein normales Leben kann Georgios nicht mehr führen. Jeder Tag ist
begrenzt auf wenige Stunden Energie – wenn überhaupt.
„Es ist, […] als ob alle Wege gesperrt sind.“
Abhängigkeit statt Selbstständigkeit
Besonders schwer wiegt für ihn der Verlust seiner
Selbstständigkeit.
Die Bürokratie, die Anträge, die medizinischen Unterlagen,
der „juristische Weg“ – all das kann er nicht mehr
allein bewältigen und ist auf die Hilfe seiner Eltern und seiner
Frau angewiesen. Ohne seine Familie
„hätte ich das vielleicht alleine erst gar nicht geschafft.“
Die Menge an Dokumenten überfordert ihn. Gleichzeitig wächst
seine Angst um die Zukunft.
Der Kampf um die richtige Codierung
Zu der körperlichen Belastung kommt ein weiterer Kampf – der um
Anerkennung als Impfgeschädigter. Georgios ist überzeugt, an
Post-Vac zu leiden. Doch in den Reha-Berichten wird in
den ICD-Codierungen immer wieder etwas anderes festgehalten:
Post-Covid.
„Diesen Krieg mach ich leider mit durch und der tut mich auch
sehr sehr beanspruchen.“
Er fühlt sich seitens der Ärzte nicht gehört, nicht ernst
genommen:
„Die kommen mir vor, als versuchen sie den ganzen Fall zu
verschleiern und mir nicht die ICD 12.9 Nummer
rauszugeben, […] dass da nach der Impfung […] es […] passiert
ist.“
Auch sein Hausarzt äußert sich nicht:
„Er will am liebsten schweigen darüber.“
Doch Georgios kämpft weiter – um die Wahrheit in seinen
Unterlagen:
„Ich kämpfe um eine Anerkennung, um die Wahrheit, in diesem
Dokumentenchaos.“
Denn für ihn ist klar:
„Die Wahrheit ist in diesem Fall: Jawohl, Post Vac und nein, kein
Post Covid.“
Zwischen Hoffnung und Verzweiflung
Reha-Maßnahmen, die ihm verordnet wurden, haben nicht geholfen –
im Gegenteil. Die zweite Reha verschlechterte seinen Zustand
sogar, da sie ihn körperlich überforderte:
„Ich glaub, ich bin hier falsch“,
war sein Eindruck, als er die Liste der zu absolvierenden
Anwendungen sah. Auch Medikamente haben ihm nicht geholfen:
„Gar nichts. […] Nichts hilft.“
Was bleibt, ist ein langer, unsicherer Weg – medizinisch und
juristisch.
Und trotzdem: Georgios gibt nicht auf. Er will, dass die Wahrheit
ans Licht kommt. Dafür kämpft er mit all der Kraft, die ihm noch
geblieben ist.
Ein Traum, der geblieben ist
Das Restaurant läuft weiter – getragen von seiner Familie. Die
Gäste wissen, was passiert ist.
„Ja, die wissen es alle.“
Und irgendwo ist er noch da, sein Traum vom Michelin-Stern. Das
ist sein Ziel. Doch gleichzeitig beschreibt er, was er verloren
hat: Denn er spürt, dass ihm der Boden „unter den Füßen
weggeschmettert“ wird. Denn Hilfe sieht er „von
nirgendwoher.“
„Ich habe den Kampf noch nicht aufgegeben“
Trotz allem hält sich Georgios an etwas fest: Hoffnung und den
Halt seiner Familie. Mitfühlend denkt er an andere Betroffene, an
Menschen ohne familiäre Unterstützung. An diejenigen, die
aufgeben. Er hat Kontakt zu vielen anderen Geschädigten. Es sei
wichtig, da
„Zusammenhalt zu finden, dass sie den Kampf nicht aufgeben.“
Denn der Weg als Impfgeschädigter ist hart und schwierig.
Für sich selbst formuliert er klar:
„Ich habe den Kampf noch nicht aufgegeben.“
Ein Satz, der alles sagt, was ihm geblieben ist. Möge er seinen
Kampf gewinnen.
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