Grit: Plötzlich war sie tot

Grit: Plötzlich war sie tot

vor 1 Woche
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Beschreibung

vor 1 Woche

Das Interview wurde erstmalig am 27. 03. 2025 veröffentlicht.


Grit im Gespräch mit Johannes Clasen über die Coronazeit, ihre
frühe Skepsis vor den Corona-Impfungen, den plötzlichen Tod ihrer
31-jährigen Tochter, zwei kleine Enkelkinder, die ohne ihre
Mutter aufwachsen müssen und über offene Fragen, die bis heute
bleiben. Kraft geben ihr die Treffen im Malchower Format, die ihr
helfen, trotz Trauer und Wut weiterzuleben.
Eine besondere Zeit, die für Grit anders begann

Die Coronazeit begann für Grit ruhig, fast sorglos. Panik spürte
sie nicht – weder bei sich noch im Familien- und Freundeskreis.


Sie erinnert sich noch gut an ein Interview, das sie damals hörte
– ein Gespräch zwischen Christian Drosten und dem Journalisten
Jörg Thadeusz im RBB, in dem „so eine
Beruhigung“ vermittelt wurde.


Nachrichten aus Ischgl oder die Bilder von Krankenhäusern
erreichten sie zwar, verunsicherten sie aber nicht. „Ein
gesunder Mensch wird das schon […] wegstecken“, so ihre
Einschätzung.


Auch später blieb ihre Sicht vergleichsweise gelassen. Sie hatte
keine Angst vor der Krankheit selbst – eher vor den Nachrichten
und den politischen Maßnahmen, die folgten: Die
ließen „einen eigentlich den Kopf schütteln.“


Zu Hause war ihre Welt in Ordnung: der Garten, die Familie, das
Enkelkind. „Friede, Freude, Eierkuchen“ – so beschreibt
Grit diese Zeit, die durch den intensiven familiären
Kontakt „auch was Schönes“ hatte.
Eine Lehrerin im Lockdown

Grit ist Lehrerin und war damals krankgeschrieben. Als im
Frühjahr 2020 der erste Lockdown begann, hätte sie eigentlich
wieder arbeiten sollen. Doch ihre Krankschreibung verlängerte
sich – im Nachhinein empfindet sie das sogar als Glück. Denn
vieles, was in dieser Zeit an Schulen umgesetzt wurde, empfand
sie als absurd. Besonders die aus ihrer Sicht „lächerliche“
Maskenpflicht in Schulen habe sie befremdet.
Frühe Zweifel an der Impfung

Als gegen Ende des Jahres 2020 über die Entwicklung der
Corona-Impfstoffe gesprochen wurde, hörte Grit Warnungen, die
andere kaum wahrnahmen. Besonders die Aussagen von Sucharit
Bhakdi blieben ihr im Gedächtnis: Hinweise auf mögliche schwere
Nebenwirkungen der neuen Impfstoffe, die in der Gesellschaft kaum
diskutiert wurden. Grit suchte gezielt nach Stimmen, die Panik
relativierten, die sagten, dass „alles nicht so
schlimm“ sei, und nach Fakten, die beruhigten. So stand für
sie früh fest, dass eine Impfung weder für sie, noch für ihren
Mann und ihren minderjährigen Sohn in Frage kommen würde. Grit
wollte bewusst Entscheidungen treffen, informiert und
eigenverantwortlich. Dem politischen und gesellschaftlichen Druck
stand sie zunehmend skeptisch gegenüber. Als Lehrerin gehörte sie
zu den privilegierten Gruppen, die früh ein Impfangebot
erhielten. Fast alle ihre Kollegen nahmen es an. Doch sie blieb
kritisch. Ihr Widerstand wurde stärker, je mehr man sie drängen
wollte: „Ne, jetzt erst recht nicht. […] Warum will man das
so mit Macht in die Menschen reinkriegen?“, fragte sie sich.
Eine Mutter, die immer gewarnt hatte

Grit warnte nicht nur ihren Mann und ihren Sohn vor der Impfung.
Auch ihrer Tochter habe sie wiederholt ihre Meinung gesagt und
ihr geraten:


„Lass dich nicht impfen!“


Die junge Frau war verheiratet, hatte mittlerweile zwei kleine
Kinder und wohnte in Berlin. Auch wenn der Kontakt eng, die
Beziehung liebevoll blieb, wusste die Mutter, dass ihr Einfluss
begrenzt war und die Tochter ihre eigenen Entscheidungen traf.
Der gesellschaftliche Druck – Testpflichten, Maßnahmen und die
Angst, Außenseiterin zu sein – lasteten schwer auf ihr.


„Da war meine Tochter nicht so souverän wie ich.“
Drei Impfungen, ein letztes Weihnachten und ein plötzlicher Tod

Im Sommer 2021 ließen sich ihre Tochter und ihr Schwiegersohn
schließlich impfen. Die junge Frau erhielt zunächst zwei
Impfungen mit Moderna. Anfang 2022 folgte die Booster-Impfung mit
Comirnaty. Zunächst verlief alles normal. Ihre Tochter arbeitete,
kümmerte sich um Hausbau, Familie und ihre Kinder – das Leben
verlief weiter wie gewohnt. Weihnachten 2021 traf sich die
Familie unter den damals geltenden Einschränkungen. Im Rückblick
hat dieses Weihnachtsfest für Grit eine besondere Bedeutung.


„Es war letztendlich das letzte Weihnachten mit unserer Tochter.“


Damals ahnte noch niemand, wie tragisch sich das folgende Jahr
entwickeln und das Leben der ganzen Familie für immer verändern
würde. Ab dem Frühjahr 2022 litt die junge Mutter unter starken
Magen-Darm-Beschwerden und verlor deutlich an Gewicht. Dennoch
arbeitete sie weiter, kümmerte sich um Haus, Kinder und Familie.
„Die Kraft dazu war noch da“, sagt Grit im Rückblick. Sie bat
ihre Tochter immer wieder, zum Arzt zu gehen. Doch diese wiegelte
ab, wollte ihren Alltag aufrechterhalten. Im Juni organisierte
sie noch die Geburtstagsfeier ihrer Tochter – vordergründig
wirkte alles wie immer. Kurz danach schickte sie Grit an einem
Sonntag noch Fotos von sich und den Kindern. Wenige Tage später,
an einem Mittwoch, war sie „plötzlich nicht mehr da“, lag
morgens tot in ihrem Bett.


„Wir sind aus allen Wolken gefallen.“


Der Schwiegersohn hatte am Abend zuvor nichts Ungewöhnliches
bemerkt. Seine Frau sei ganz normal ins Bett gegangen, habe noch
Rasen gemäht.


„Morgens hat sie den Wecker nicht gehört.“


Der Notarzt konnte nichts mehr tun. Da es sich um einen
ungeklärten Todesfall handelte, folgten Polizei und Ermittlungen.
Die Familie erstarrte in Schock und Verzweiflung.
Der erste Gedanke: die Impfung

In dieser unfassbaren Situation war für Grit sofort klar, was sie
für die Ursache hielt.


„Ich hab sofort an diese Impfung gedacht. […] Im Prinzip hat Prof
Bhakdi sowas ja vorausgesagt.“


Überflutet von einem Gefühl der Hilf- und Fassungslosigkeit
dachte sie:


„Es ist jetzt genau das passiert und der Einschlag ist direkt bei
dir.“


Neben der unermesslichen Trauer kam auch Wut:


„Auf der einen Seite Trauer, auf der anderen Seite totale Wut auf
alles oder auf jeden, dass das möglich war.“


Bis heute ist sie überzeugt:


„Für mich steht hunderttausendprozentig fest, dass die Impfungen
dafür verantwortlich waren.“
Die Obduktion – Ungereimtheiten und offene Fragen

Eine Obduktion sollte Gewissheit bringen, brachte jedoch nur neue
Unsicherheiten. Grit und ihr Mann befanden sich zu diesem
Zeitpunkt in Quarantäne und konnten ihre Tochter daher nicht mehr
sehen, sich nicht mehr von ihr verabschieden.


„Das ist für mich nach wie vor ein Ding, ich muss jetzt glauben,
dass sie nicht da ist, ich hab irgendwie keinen Beweis dafür.“


Irgendwann sei schließlich eine Urne beerdigt worden.


Nach der Obduktion wurde ein Herzfehler, der nie Probleme
bereitet hatte, als angebliche Ursache genannt – ein Befund, der
laut einem Internisten aus Grits Umfeld den Tod nicht erklären
könne. Nach einem Jahr bat die Familie über eine Anwältin um
Einsicht in die staatsanwaltliche Akte. In den Unterlagen fanden
sich Hinweise auf mehrere Organschäden, die nicht erklärbar waren
– unter anderem am Herzen, an der Lunge und an der Milz.


„So viele Schäden, und die Anwältin sagte uns: Ihre Tochter war
schwer krank.“


Dabei sei sie, so Grit, bis zum Schluss leistungsfähig gewesen.
„Ich möchte gerne eine Krankheit benannt haben, die diese Schäden
hat“, so ihre Forderung. Doch eine klare Aussage wurde nicht
getroffen. Bis heute nicht.


Eine weitere Ungereimtheit belastet Grit ebenfalls bis heute
sehr: Ein Jahr nach dem Tod der Tochter versuchte sie, über
Experten der MWGFD zusätzliche Untersuchungen der
Gewebeproben zu veranlassen, um den Verdacht eines Impfschadens
zu klären. Denn:


„Meine Überzeugung ist, dass es die Impfung war, die meiner
Tochter das Leben gekostet hat.“


Doch als die Familie nach den Gewebeproben fragte, erhielt sie
eine überraschende Antwort: Die Proben, die eigentlich mehrere
Jahre aufbewahrt werden müssten, seien bereits wenige Monate nach
dem Tod ihrer Tochter vernichtet worden. Das habe sie sehr
stutzig gemacht, so Grit, bis heute wisse sie nicht, warum das
geschehen sei. Entweder sei gegen Vorschriften verstoßen oder
ihnen nicht die Wahrheit gesagt worden. Für Grit steht der
Verdacht im Raum, dass man „irgendwie nicht mehr möglich
machen wollte“, dass ihr Verdacht nachgeprüft werden könne.


„Das ist für mich auch noch mal so ein Schlag gewesen.“


Denn für sie wäre es ein wichtiges Ergebnis gewesen, „eine
Bestätigung oder auch eine Nichtbestätigung zu bekommen. […] So
bleibt das so lange ich lebe im Raum stehen.“


Für Grit bleibt damit eine für sie entscheidende Frage
unbeantwortet. „Die Umstände des Todes, die Umstände der
Obduktion hinterher sind für mich höchst fragwürdig“, lautet ihr
Resümee.
Zwei Kinder ohne ihre Mutter

Am schwersten zu ertragen ist für Grit der Gedanke an ihre beiden
Enkelkinder, die ihre Mutter nie wiedersehen werden:


„Meine Tochter hat zwei kleine Kinder hinterlassen. Die hätte sie
gerne aufwachsen sehen.“


Die junge Frau sei eine liebevolle, engagierte Mutter
gewesen. „Meine Tochter war gerne Mutter“, erinnert sie sich
mit leiser Stimme. Der Kontakt zum Schwiegersohn ist bis heute
gut.


„Das ist das Tröstliche dabei.“


Doch die Lücke, die der Verlust hinterlässt, ist unermesslich.
Zwischen Trauer und Wut

Vier Jahre sind inzwischen vergangen. Doch die Gefühle sind noch
immer stark.


„Wenn ich darüber nachdenke geht es immer hin und her zwischen
Trauer und Wut. Ich bin immer hin- und hergerissen und fühle mich
so ohnmächtig.“


Besonders schwer fällt ihr, wenn mögliche Impfschäden öffentlich
heruntergespielt, verharmlost
und „bagatellisiert“ werden.


„Für mich ist das […] keine Einzelerscheinung.“


Sogar der Trauerredner habe bestätigt, dass seiner Beobachtung
nach deutlich mehr junge Menschen plötzlich und unerwartet
sterben würden.
Halt im Malchower Format

(Das Malchower Format ist eine monatlich stattfindende
Vortragsreihe, die von Pfarrer Thomas Dietz ins Leben gerufen
wurde. In diesem Beitrag wird dieses Format genauer erläutert.)


Eine wichtige Stütze hat Grit in den Treffen des Malchower
Formats gefunden, wo sie Kraft tanken kann.


„Das ist wie so eine Art Selbsthilfegruppe für mich.“


Dort könne sie frei und offen sprechen, ohne Angst vor Ablehnung.
Menschen, die ähnlich denken, hören ihr zu, sprechen ihr Mut zu
und nehmen ihre Erfahrungen inmitten des großen Verlustes
ernst. „Für mich ist das immer sehr wichtig“, sagt sie
dankbar.
Der Wunsch nach Aufarbeitung

Was sich Grit heute am meisten wünscht, ist Aufklärung – nicht
nur für sich und ihre Familie, sondern für alle, die betroffen
sind.


„Ich wünsche mir wirklich eine Aufarbeitung. Nicht nur eine
Enquete-Kommission, sondern wirklich Untersuchungsausschüsse.“


Für sie ist schwer zu ertragen, dass so viele Fragen offen und
unbeantwortet bleiben. Die Tatsache, dass niemand Verantwortung
übernehmen muss, ist für sie nicht nachvollziehbar und macht sie
fassungslos.


Neben der Trauer spürt sie eine tiefe Ohnmacht:


„Welches Leid dabei […] passiert ist, durch die Verantwortlichen
verursacht wurde. Es muss keiner eine Konsequenz tragen. Das tut
mir sehr weh.“


Doch trotz aller Wut bleibt die Erinnerung an ihre Tochter
lebendig – ebenso wie die Hoffnung, dass ihre Geschichte
irgendwann Antworten und Gerechtigkeit bringt. Möge ihre Hoffnung
wahr werden.
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