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️ Akute Psychose in der Praxis – sicher erkennen, ruhig handeln,
strukturiert behandeln

Warum das Thema wichtig ist

Akute Psychosen sind oft Notfälle – und nicht automatisch „nur
psychiatrisch“.

Immer mitdenken:

• primär psychiatrische Ursachen

• neurologische, metabolische, infektiöse, autoimmune Ursachen

• Intoxikationen, Entzug, Medikamente, Drogen

Erstkontakt: Sicherheit zuerst

Vor Betreten des Raums:

• Infos einholen: Auslöser, Bedrohungen, Vorerkrankungen,
Substanzen, Medikation, Waffenhinweise

• gefährliche Gegenstände entfernen

• Fluchtwege sichern

• Unterstützung in Nähe halten

Grundsatz:

So wenig Zwang wie möglich, so viel Freiwilligkeit wie möglich.

️ Gesprächsführung in der Akutsituation

Deeskalierend wirken:

• ruhig, langsam, klar sprechen

• kurze Sätze, klare Struktur

• nicht konfrontieren, nicht „Wahn korrigieren“

• Leidensdruck validieren, ohne Inhalte zu bestätigen

Hilfreich:

„Ich sehe, dass Sie sich bedroht fühlen, und möchte verstehen,
was los ist.“

Psychopathologie gezielt erfassen

Wichtig sind:

• Wahn: Verfolgung, Bedrohung, Beziehungswahn

• Halluzinationen, v. a. akustisch

• Ich-Störungen: Gedankeneingebung, -entzug, Gedankenlautwerden

• formale Denkstörungen: Gedankenabreißen, Inkohärenz,
Vorbeireden

Merke:

Optische Halluzinationen sprechen eher für organische Ursache
oder Intoxikation.

Beobachtung zählt

Viele Betroffene berichten Symptome nicht spontan.

Achten auf:

• Antwortlatenz

• Blick- und Aufmerksamkeitsstörungen

• Selbstgespräche

• Lauschen in den Raum

• misstrauisches Umschauen

• bizarr wirkendes Verhalten

️ Gefährdung früh einschätzen

Fremdgefährdung:

• Gewaltandrohung, frühere Gewalt

• Verfolgungswahn, Bedrohungserleben

• Waffen, Substanzkonsum, Impulskontrollstörung

• fehlende Krankheitseinsicht

Eigengefährdung:

• Suizidversuche, fehlendes Netz

• imperative Stimmen

• Hoffnungslosigkeit, Schuld, depressive Einengung

• Belastungen, Non-Adhärenz, Substanzkonsum

Immer aktiv nach Suizidalität fragen – auch in der Psychose.

🩺 Diagnostik: organisch mitdenken

Basis:

• internistische und neurologische Untersuchung

• Vitalparameter

• EKG vor geplanter antipsychotischer Therapie

• Labor: Blutbild, Elektrolyte, Nierenwerte, Leberwerte, CRP,
Glukose

• Urin-Drogenscreening

Je nach Konstellation:

• cMRT

• EEG

• Liquor

• Infektionsdiagnostik, Autoimmun- und Stoffwechselabklärung

Red Flags für organische Ursachen:

• Erstmanifestation im höheren Alter

• fluktuierende Vigilanz

• Fieber, Krampfanfälle

• neurologische Defizite

• optische Halluzinationen

• enger zeitlicher Bezug zu Medikamenten, Drogen oder somatischer
Erkrankung

Akuttherapie

Ziele:

• Sicherheit

• Angst- und Spannungsreduktion

• Reizabschirmung

• ursachengerechte Behandlung

Grundsatz:

Orale freiwillige Medikation bevorzugen.

Häufige Optionen:

• Olanzapin: gut bei Agitiertheit

• Risperidon: gut oral bei kooperativen Patienten

• Aripiprazol: eher weniger sedierend

• Amisulprid, Ziprasidon: je nach Setting

• Haloperidol: wirksam, aber EPS- und QT-Risiko beachten

• Lorazepam: bei Anspannung, Agitation

• Midazolam i.v.: rasch wirksam, nur mit Monitoring

Wichtige Sicherheitsregeln:

• i.m. Olanzapin nicht zeitnah mit parenteralen Benzodiazepinen
kombinieren

• Benzodiazepine bei unklarer Intoxikation zurückhaltend
einsetzen

• QT-Verlängerung unter Antipsychotika beachten

Weiterbehandlung planen

Je nach Ursache und Gefährdung:

• somatische Fachabteilung

• offene psychiatrische Station

• geschützte Unterbringung bei fehlender Absprachefähigkeit oder
relevanter Eigen-/Fremdgefährdung

Praktische Take-aways

• ruhig und wertschätzend bleiben

• Reize reduzieren

• Gefährdung wiederholt prüfen

• Nebenwirkungen früh erkennen, z. B. Akathisie

• sauber dokumentieren

• immer auch an organische Ursachen denken

Die 3 Kernbotschaften

1. Ruhig und strukturiert handeln

2. Psychose nie vorschnell als rein psychiatrisch einordnen

3. Eigen- und Fremdgefährdung früh und wiederholt beurteilen
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„Akute Psychose - Akutmanagment“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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