Akute Psychose - Akutmanagment

Akute Psychose - Akutmanagment

vor 19 Stunden
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Beschreibung

vor 19 Stunden

️ Akute Psychose in der Praxis – sicher erkennen, ruhig handeln,
strukturiert behandeln





Warum das Thema wichtig ist


Akute Psychosen sind oft Notfälle – und nicht automatisch „nur
psychiatrisch“.


Immer mitdenken:


• primär psychiatrische Ursachen


• neurologische, metabolische, infektiöse, autoimmune Ursachen


• Intoxikationen, Entzug, Medikamente, Drogen





Erstkontakt: Sicherheit zuerst


Vor Betreten des Raums:


• Infos einholen: Auslöser, Bedrohungen, Vorerkrankungen,
Substanzen, Medikation, Waffenhinweise


• gefährliche Gegenstände entfernen


• Fluchtwege sichern


• Unterstützung in Nähe halten





Grundsatz:


So wenig Zwang wie möglich, so viel Freiwilligkeit wie möglich.





️ Gesprächsführung in der Akutsituation


Deeskalierend wirken:


• ruhig, langsam, klar sprechen


• kurze Sätze, klare Struktur


• nicht konfrontieren, nicht „Wahn korrigieren“


• Leidensdruck validieren, ohne Inhalte zu bestätigen





Hilfreich:


„Ich sehe, dass Sie sich bedroht fühlen, und möchte verstehen,
was los ist.“





Psychopathologie gezielt erfassen


Wichtig sind:


• Wahn: Verfolgung, Bedrohung, Beziehungswahn


• Halluzinationen, v. a. akustisch


• Ich-Störungen: Gedankeneingebung, -entzug, Gedankenlautwerden


• formale Denkstörungen: Gedankenabreißen, Inkohärenz,
Vorbeireden





Merke:


Optische Halluzinationen sprechen eher für organische Ursache
oder Intoxikation.





Beobachtung zählt


Viele Betroffene berichten Symptome nicht spontan.


Achten auf:


• Antwortlatenz


• Blick- und Aufmerksamkeitsstörungen


• Selbstgespräche


• Lauschen in den Raum


• misstrauisches Umschauen


• bizarr wirkendes Verhalten





️ Gefährdung früh einschätzen


Fremdgefährdung:


• Gewaltandrohung, frühere Gewalt


• Verfolgungswahn, Bedrohungserleben


• Waffen, Substanzkonsum, Impulskontrollstörung


• fehlende Krankheitseinsicht





Eigengefährdung:


• Suizidversuche, fehlendes Netz


• imperative Stimmen


• Hoffnungslosigkeit, Schuld, depressive Einengung


• Belastungen, Non-Adhärenz, Substanzkonsum





Immer aktiv nach Suizidalität fragen – auch in der Psychose.





🩺 Diagnostik: organisch mitdenken


Basis:


• internistische und neurologische Untersuchung


• Vitalparameter


• EKG vor geplanter antipsychotischer Therapie


• Labor: Blutbild, Elektrolyte, Nierenwerte, Leberwerte, CRP,
Glukose


• Urin-Drogenscreening





Je nach Konstellation:


• cMRT


• EEG


• Liquor


• Infektionsdiagnostik, Autoimmun- und Stoffwechselabklärung





Red Flags für organische Ursachen:


• Erstmanifestation im höheren Alter


• fluktuierende Vigilanz


• Fieber, Krampfanfälle


• neurologische Defizite


• optische Halluzinationen


• enger zeitlicher Bezug zu Medikamenten, Drogen oder somatischer
Erkrankung





Akuttherapie


Ziele:


• Sicherheit


• Angst- und Spannungsreduktion


• Reizabschirmung


• ursachengerechte Behandlung





Grundsatz:


Orale freiwillige Medikation bevorzugen.





Häufige Optionen:


• Olanzapin: gut bei Agitiertheit


• Risperidon: gut oral bei kooperativen Patienten


• Aripiprazol: eher weniger sedierend


• Amisulprid, Ziprasidon: je nach Setting


• Haloperidol: wirksam, aber EPS- und QT-Risiko beachten


• Lorazepam: bei Anspannung, Agitation


• Midazolam i.v.: rasch wirksam, nur mit Monitoring





Wichtige Sicherheitsregeln:


• i.m. Olanzapin nicht zeitnah mit parenteralen Benzodiazepinen
kombinieren


• Benzodiazepine bei unklarer Intoxikation zurückhaltend
einsetzen


• QT-Verlängerung unter Antipsychotika beachten





Weiterbehandlung planen


Je nach Ursache und Gefährdung:


• somatische Fachabteilung


• offene psychiatrische Station


• geschützte Unterbringung bei fehlender Absprachefähigkeit oder
relevanter Eigen-/Fremdgefährdung





Praktische Take-aways


• ruhig und wertschätzend bleiben


• Reize reduzieren


• Gefährdung wiederholt prüfen


• Nebenwirkungen früh erkennen, z. B. Akathisie


• sauber dokumentieren


• immer auch an organische Ursachen denken





Die 3 Kernbotschaften


1. Ruhig und strukturiert handeln


2. Psychose nie vorschnell als rein psychiatrisch einordnen


3. Eigen- und Fremdgefährdung früh und wiederholt beurteilen
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