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  4. Status epilepticus beim Erwachsenen – schnell erkennen, konsequent behandeln, Ursache mitdenken
️ Definition

Ein Status epilepticus liegt vor, wenn

• ein epileptischer Anfall 5 Minuten oder länger anhält

• oder mindestens 2 Anfälle auftreten, ohne Wiedererlangen des
Bewusstseins dazwischen

Wichtig: Die 5-Minuten-Grenze ist therapeutisch entscheidend. Ab
dann sofort behandeln.

Klinische Einordnung

Pragmatisch im Akutfall:

• konvulsiv vs. nicht konvulsiv

• nach klinischer Durchbrechung: mit oder ohne Bewusstlosigkeit

Der konvulsive Status ist ein akut lebensbedrohlicher Notfall.
Der nicht konvulsive Status braucht ebenfalls rasche Diagnostik
und Therapie, meist EEG-gestützt.

🩺 Basismaßnahmen

Sofort:

• Selbstgefährdung minimieren, Kopf schützen, Gefahrenquellen
entfernen

• Atemwege sichern, Aspirationsrisiko senken

• nichts in den Mund einführen

• Sauerstoff, Monitoring, i.v.-Zugang

• Intubationsbereitschaft herstellen

Point-of-Care:

• Blutzucker sofort messen

• Hypoglykämie direkt behandeln

• bei passender Konstellation an Thiamin vor/mit Glukose denken

Weitere Basisdiagnostik:

• Blutbild, CRP, Elektrolyte, Nieren- und Leberwerte

• Calcium, Magnesium, Phosphat

• Laktat, CK, Troponin, TSH, Gerinnung

• Ethanol, ggf. Medikamentenspiegel

• Blutgasanalyse im Verlauf

• Rückstellprobe für Toxikologie

Wichtige Anamnese

Fremdanamnese kann entscheidend sein:

• Beginn und Dauer?

• Kopftrauma?

• bereits gegebene Notfallmedikation?

• bekannte Epilepsie?

• Dauermedikation oder Absetzen?

• Hinweise auf Alkoholentzug, Intoxikation, Infekt, metabolische
Ursache?

• Schwangerschaft? Eklampsie mitdenken

Stufentherapie

1. Stufe: Benzodiazepine

Beginn 5 Minuten nach Anfallsbeginn, bei Persistenz zweite Gabe
nach 5–10 Minuten.

Typische Optionen:

• Lorazepam i.v.

• Clonazepam i.v.

• Midazolam i.v.

• Diazepam i.v.

Wenn kein i.v.-Zugang:

• Midazolam i.m. oder intranasal

• alternativ Diazepam rektal oder Midazolam bukkal

Praxispunkt: Benzodiazepine nicht unterdosieren.

2. Stufe: benzodiazepinrefraktärer Status

Spätestens innerhalb von 30 Minuten:

• Levetiracetam

• Valproat

• Fosphenytoin

Weitere Optionen:

• Phenytoin

• Phenobarbital

• Lacosamid

Wichtig:

• mehrere Wirkstoffe nacheinander sind möglich, bevor in Narkose
eskaliert wird

• danach Erhaltungstherapie fortführen

3. Stufe: refraktärer Status

Spätestens nach 60 Minuten:

• Intubationsnarkose

• Intensivstation

• kontinuierliches EEG

Typische Medikamente:

• Propofol

• Midazolam

• Thiopental

Ziel: klinische und elektrophysiologische Statuskontrolle, oft
mit Burst-Suppression im EEG.

4. Stufe: suprarefraktärer Status

Therapie in spezialisierten Zentren, z. B.:

• Ketamin

• hochdosierte Barbiturate

• Inhalationsanästhetika

• enterale Antiseizure-Medikation

• ketogene Diät

• epilepsiechirurgische Verfahren

• selten EKT

Ursache immer mitdenken

Der Status epilepticus ist ein Symptom, keine Grunderkrankung.

Wichtige Ursachen:

• Schlaganfall, Blutung, Enzephalitis, Meningitis

• Hypoglykämie, Elektrolytstörungen, Hypoxie

• Sepsis, Intoxikation, Alkoholentzug

• Eklampsie

• Medikamentenfehler oder Non-Adhärenz

️ Praktische Merksätze

• Auf die Uhr schauen

• ausreichend dosieren

• nächste Eskalationsstufe früh vorbereiten

• EEG bei ausbleibender Bewusstseinsklarung

• Begleitfaktoren aktiv korrigieren

Take-home

• Ab 5 Minuten wird behandelt

• konvulsiver Status = vitaler Notfall

• Benzodiazepin zuerst, dann zügige Eskalation

• Ursache parallel abklären

• Besonders beim ersten Status im Erwachsenenalter steckt oft
eine behandelbare Auslösererkrankung dahinter
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Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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