Status epilepticus beim Erwachsenen – schnell erkennen, konsequent behandeln, Ursache mitdenken

Status epilepticus beim Erwachsenen – schnell erkennen, konsequent behandeln, Ursache mitdenken

vor 5 Tagen
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Beschreibung

vor 5 Tagen

️ Definition


Ein Status epilepticus liegt vor, wenn


• ein epileptischer Anfall 5 Minuten oder länger anhält


• oder mindestens 2 Anfälle auftreten, ohne Wiedererlangen des
Bewusstseins dazwischen





Wichtig: Die 5-Minuten-Grenze ist therapeutisch entscheidend. Ab
dann sofort behandeln.





Klinische Einordnung


Pragmatisch im Akutfall:


• konvulsiv vs. nicht konvulsiv


• nach klinischer Durchbrechung: mit oder ohne Bewusstlosigkeit





Der konvulsive Status ist ein akut lebensbedrohlicher Notfall.
Der nicht konvulsive Status braucht ebenfalls rasche Diagnostik
und Therapie, meist EEG-gestützt.





🩺 Basismaßnahmen


Sofort:


• Selbstgefährdung minimieren, Kopf schützen, Gefahrenquellen
entfernen


• Atemwege sichern, Aspirationsrisiko senken


• nichts in den Mund einführen


• Sauerstoff, Monitoring, i.v.-Zugang


• Intubationsbereitschaft herstellen





Point-of-Care:


• Blutzucker sofort messen


• Hypoglykämie direkt behandeln


• bei passender Konstellation an Thiamin vor/mit Glukose denken





Weitere Basisdiagnostik:


• Blutbild, CRP, Elektrolyte, Nieren- und Leberwerte


• Calcium, Magnesium, Phosphat


• Laktat, CK, Troponin, TSH, Gerinnung


• Ethanol, ggf. Medikamentenspiegel


• Blutgasanalyse im Verlauf


• Rückstellprobe für Toxikologie





Wichtige Anamnese


Fremdanamnese kann entscheidend sein:


• Beginn und Dauer?


• Kopftrauma?


• bereits gegebene Notfallmedikation?


• bekannte Epilepsie?


• Dauermedikation oder Absetzen?


• Hinweise auf Alkoholentzug, Intoxikation, Infekt, metabolische
Ursache?


• Schwangerschaft? Eklampsie mitdenken





Stufentherapie


1. Stufe: Benzodiazepine


Beginn 5 Minuten nach Anfallsbeginn, bei Persistenz zweite Gabe
nach 5–10 Minuten.





Typische Optionen:


• Lorazepam i.v.


• Clonazepam i.v.


• Midazolam i.v.


• Diazepam i.v.





Wenn kein i.v.-Zugang:


• Midazolam i.m. oder intranasal


• alternativ Diazepam rektal oder Midazolam bukkal





Praxispunkt: Benzodiazepine nicht unterdosieren.





2. Stufe: benzodiazepinrefraktärer Status


Spätestens innerhalb von 30 Minuten:


• Levetiracetam


• Valproat


• Fosphenytoin





Weitere Optionen:


• Phenytoin


• Phenobarbital


• Lacosamid





Wichtig:


• mehrere Wirkstoffe nacheinander sind möglich, bevor in Narkose
eskaliert wird


• danach Erhaltungstherapie fortführen





3. Stufe: refraktärer Status


Spätestens nach 60 Minuten:


• Intubationsnarkose


• Intensivstation


• kontinuierliches EEG





Typische Medikamente:


• Propofol


• Midazolam


• Thiopental





Ziel: klinische und elektrophysiologische Statuskontrolle, oft
mit Burst-Suppression im EEG.





4. Stufe: suprarefraktärer Status


Therapie in spezialisierten Zentren, z. B.:


• Ketamin


• hochdosierte Barbiturate


• Inhalationsanästhetika


• enterale Antiseizure-Medikation


• ketogene Diät


• epilepsiechirurgische Verfahren


• selten EKT





Ursache immer mitdenken


Der Status epilepticus ist ein Symptom, keine Grunderkrankung.





Wichtige Ursachen:


• Schlaganfall, Blutung, Enzephalitis, Meningitis


• Hypoglykämie, Elektrolytstörungen, Hypoxie


• Sepsis, Intoxikation, Alkoholentzug


• Eklampsie


• Medikamentenfehler oder Non-Adhärenz





️ Praktische Merksätze


• Auf die Uhr schauen


• ausreichend dosieren


• nächste Eskalationsstufe früh vorbereiten


• EEG bei ausbleibender Bewusstseinsklarung


• Begleitfaktoren aktiv korrigieren





Take-home


• Ab 5 Minuten wird behandelt


• konvulsiver Status = vitaler Notfall


• Benzodiazepin zuerst, dann zügige Eskalation


• Ursache parallel abklären


• Besonders beim ersten Status im Erwachsenenalter steckt oft
eine behandelbare Auslösererkrankung dahinter
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