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Vigilanzminderung in der Notaufnahme

Vigilanzminderung bzw. Koma unklarer Ursache ist ein hochakuter
interdisziplinärer Notfall. Entscheidend ist: schnell
strukturieren, parallel handeln, Ursache finden und sofort
behandelbare Auslöser nicht verpassen.

Grundprinzipien

• Koma unklarer Ursache ist keine rein neurologische
Fragestellung

• Hohe Sterblichkeit, oft mehrere Ursachen gleichzeitig

• Ein gefundener Befund ist nicht automatisch die Ursache

• Unauffällige Neurologie ist keine Entwarnung

Pathophysiologische Einteilung

1. Primäre Hirnfunktionsstörung mit akuter Läsion

• Hirnstamm-/Thalamusläsion

• Blutung, Ödem, Einklemmung

• akute epileptogene Läsion

• ZNS-Entzündung

2. Primäre Hirnfunktionsstörung ohne akute Läsion

• epileptischer Anfall / Status epilepticus ohne neue Läsion

• Pseudokoma, akinetische Krise

3. Sekundäre diffuse Hirnfunktionsstörung

• kardio-respiratorisch

• metabolisch / homöostatisch

• septische Enzephalopathie

• Intoxikation

️ Die ersten 15 Minuten

Versorgung im cABCDE-Schema, idealerweise interdisziplinär und
parallel.

Wichtige Sofortmaßnahmen:

• Intubationsbereitschaft sichern

• O2-Gabe, Beatmung prüfen/optimieren

• Monitoring: EKG, RR, SpO2, AF, Temperatur

• 2 i.v.-Zugänge

• vorsichtige balancierte Volumentherapie

Basisdiagnostik

Früh und parallel:

• Blutgasanalyse, wiederholt

• Labor: Blutbild, CRP, PCT, Glukose, Elektrolyte, Laktat,
Nieren- und Leberwerte, Gerinnung, Troponin, CK, TSH, Ethanol

• Blutkulturen bei Infektverdacht vor Antibiotika, wenn ohne
relevante Verzögerung

• Rückstellproben für Toxikologie/Spiegel asservieren

• 12-Kanal-EKG

• Thoraxröntgen

• Urinprobe / ggf. Blasenkatheter

️ Fremdanamnese

Besonders wichtig:

• Beginn und Dynamik

• Erstereignis oder bekannt?

• Fieber, Luftnot, Schmerzen, Krampf, fokale Defizite, Trauma

• Medikamente, Drogen, Notfallmedikation

• Auffindesituation

• Zeugen/Angehörige erreichbar?

Klinisch-neurologische Untersuchung

Ziel: Schweregrad einschätzen, Hinweise auf fokale Läsion oder
Status epilepticus finden.

Wesentliche Punkte:

• GCS, oft hilfreicher: FOUR-Score

• Blickstellung, Pupillen, Lichtreaktion

• Hirnstammreflexe

• Motorische Reaktion auf Schmerz

• Tonus, Reflexe, Pyramidenbahnzeichen

• Meningismus, Temperatur

• auf konvulsive Anfälle/Status achten

Sofort behandelbare Ursachen

Unverzüglich erkennen und therapieren:

• Status epilepticus Benzodiazepin, dann Antiepileptikum

• Meningitis/Enzephalitis Blutkulturen, Dexamethason,
kalkulierte Antiinfektiva

• respiratorische Insuffizienz / Hyperkapnie Atemweg und
Beatmung

• Hypoglykämie i.v. Glukose, ggf. Thiamin bei Alkoholabusus

• schwere Elektrolytstörungen, z. B. Hyponatriämie

• Sepsis / septische Enzephalopathie

• Opioid-Toxidrom Naloxon titriert

🩻 Bildgebung

Innerhalb der nächsten 15 Minuten ideal:

• cCT

• CT-Angiografie der supraaortalen Gefäße

Ziele:

• Blutung, Ischämie, Ödem, Hirndruck

• Gefäßverschluss, Dissektion

• epileptogene strukturelle Läsionen

Wichtig:

Ein unauffälliges CT beendet die Diagnostik nicht.

Team-Time-out

Nach Erstversorgung und nach Bildgebung:

• Befunde gemeinsam abgleichen

• Vitalbedrohung?

• Intubation nötig?

• Sofort therapiepflichtige Ursache gefunden?

• Passt der Befund wirklich zur Bewusstseinsstörung?

Weiterführende Diagnostik auf Intensivstation

Bei unklarem Befund:

• Lumbalpunktion frühzeitig, wenn möglich

• EEG zum Ausschluss eines nicht-konvulsiven Status epilepticus

• MRT bei weiter bestehendem Verdacht

• toxikologische, metabolische, endokrinologische und
infektiologische Abklärung

Take-home-Messages

• Parallel statt nacheinander handeln

• Sofort reversible Ursachen aktiv suchen

• cCT/CTA ist zentral, aber nicht abschließend

• Mehrere Ursachen können gleichzeitig vorliegen

• Nur ein neuroanatomisch plausibler Befund erklärt das Koma

• Nie zu früh mit der Diagnostik aufhören
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„Vigilanzminderung - Akutmanagment“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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