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Episoden

21 Minuten
Das Wichtigste in 3 Punkten

• Bei unklaren fieberhaften Atemwegsbeschwerden immer nach Expositionen fragen: Beruf, Hobbys, Zuhause

• Wiederkehrende grippale Episoden nach Kontakt mit Vögeln, Heu, Schimmel, Klimaanlagen oder Luftbefeuchtern sind hochverdächtig

• Entscheidend ist die konsequente Expositionskarenz – Glukokortikoide helfen, ersetzen sie aber nicht

Pathophysiologie

Die EAA ist eine immunologisch vermittelte interstitielle Lungenerkrankung durch inhalierte organische Partikel < 5 µm.

Keine IgE-vermittelte Soforttyp-Allergie, sondern v. a. Typ-III- und Typ-IV-Reaktion. Typisch sind antigenspezifische IgG-Antikörper.

Typische Auslöser

• Vogelhalterlunge: Vogelproteine

• Farmerlunge: Aktinomyzeten aus feuchtem Heu

• Befeuchterlunge: Pilze/Bakterien aus Klimaanlagen, Luftbefeuchtern, Wasserreservoirs

• Weitere Risiken: Kompost, Holzstaub, Sägemehl, Pilzzucht, Käsewäsche, Isocyanate

🩺 Klinik

Akute Form:

• Beginn meist ca. 4 Stunden nach Exposition

• Fieber, trockener Husten, Dyspnoe

• Schüttelfrost, Myalgien, Abgeschlagenheit möglich

• Oft spontane Besserung innerhalb von 24 Stunden bei Expositionsstopp

Chronische Form:

• Schleichender Verlauf

• Belastungsdyspnoe, trockener Husten, Müdigkeit, Leistungsknick

• Später Gewichtsverlust, Zyanose, interstitielle Fibrose, respiratorische Insuffizienz, Cor pulmonale

Untersuchung

Typisch: beidseitig basal betontes inspiratorisches Knisterrasseln.

Diagnostik

Anamnese ist zentral:

• Vögel? Heu? Schimmel? Klimaanlage? Luftbefeuchter? Kompost? Holzstaub? Chemische Exposition?

Labor:

• Leukozytose, CRP und BSG erhöht möglich

• Kann infektiös wirken und zur Fehldiagnose führen

Serologie:

• Präzipitierende IgG-Antikörper stützen die Diagnose

• Allein nicht beweisend, da auch bei asymptomatisch Exponierten möglich

Bildgebung:

• Röntgen in der Akutphase oft unauffällig

• HR-CT sensitiver: disseminierte Milchglasveränderungen, ggf. Fibrosezeichen

Lungenfunktion:

• Meist Restriktion

• Teilweise zusätzlich obstruktive Komponente

• Diffusionsstörung v. a. bei chronischem Verlauf

BAL:

• Akut eher Neutrophilie

• Chronisch Lymphozytose, oft vermehrt CD8-positive Lymphozyten, CD4/CD8 < 1

• Normale BAL macht EAA eher unwahrscheinlich

️ Wichtige Differenzialdiagnosen

• Bakterielle Pneumonie

• Andere infektiöse Lungenerkrankungen

• Andere interstitielle Lungenerkrankungen

Therapie

• Konsequente Expositionskarenz = wichtigste Maßnahme

• Glukokortikoide bei akuter/ausgeprägter Symptomatik

• Orientierung: Prednisolon ca. 0,5–1 mg/kgKG/Tag

• Bei chronischem Verlauf: pneumologische Mitbetreuung, Verlaufskontrollen, ggf. Sauerstofftherapie

Fallstricke

• Fieber + Leukozytose + CRP ≠ automatisch Infekt

• Positive Präzipitine allein reichen nicht

• Unauffälliges Röntgen schließt EAA nicht aus

• Ohne gezielte Expositionsanamnese wird die Diagnose leicht verpasst

Merksatz

Wiederkehrende grippale Beschwerden mit Husten und Dyspnoe nach organischer Staubexposition sind verdächtig auf exogen-allergische Alveolitis – nicht automatisch auf Pneumonie.
30 Minuten
🫁 Thema der Folge

Interstitielle Lungenparenchymerkrankungen (ILD) sind keine einzelne Diagnose, sondern ein Oberbegriff für eine heterogene Gruppe von Erkrankungen des Interstitiums, oft auch der Alveolen und kleinen Atemwege.

️ Klinische Leitsymptome

Progrediente Belastungsdyspnoe und trockener Reizhusten über Wochen bis Monate sind die typische Konstellation.

Wichtige Hinweise:

• oft keine typischen Infektzeichen

• Treppensteigen und Belastbarkeit nehmen schleichend ab

• Spätzeichen: Trommelschlägelfinger, Uhrglasnägel

🩺 Wichtige Untersuchungsbefunde

Typisch bei der Auskultation:

• beidseitiges basales inspiratorisches Knisterrasseln („Klettverschlussrasseln“)

Lungenfunktion:

• meist restriktive Ventilationsstörung

• DLCO oft früh vermindert

Blutgase:

• initial häufig Hypoxämie, v. a. unter Belastung

• später ggf. hyperkapnische respiratorische Insuffizienz

Ätiologien im Überblick

Idiopathisch:

• idiopathische pulmonale Fibrose (IPF)

• NSIP

• COP

• akute interstitielle Pneumonie

• raucherassoziierte Formen

Sekundär:

• Medikamente: z. B. Bleomycin, Methotrexat, Busulfan, Amiodaron

• inhalative Noxen: Silikose, Asbestose, exogen allergische Alveolitis

• Autoimmunerkrankungen: systemische Sklerose, Lupus, rheumatoide Arthritis, Vaskulitiden

• Infektionen

• differenzialdiagnostisch auch kardiale/nephrologische Ursachen und Malignome

Diagnostischer Ansatz

Entscheidend ist die strukturierte Anamnese:

• zeitlicher Verlauf

• Medikamente

• Rauchen

• berufliche und häusliche Expositionen

• Vögel, Schimmel, Landwirtschaft, Metalle, Asbest

• Autoimmunzeichen

• Familienanamnese

Bildgebung:

• Röntgen oft nur orientierend

• HRCT ist die zentrale Untersuchung

Typische HRCT-Zeichen:

• retikuläre Muster

• Septumverdickungen

• Traktionsbronchiektasen

• Honigwabenmuster

• UIP-Muster als klassischer Hinweis auf IPF

Weitere Diagnostik:

• Bronchoskopie mit BAL

• ggf. transbronchiale Biopsie, Kryobiopsie oder chirurgische Biopsie

• Goldstandard: multidisziplinäre Beurteilung aus Klinik, Radiologie und ggf. Histologie

Therapeutisches Grundprinzip

Die wichtigste Frage:

Ist die Erkrankung überwiegend entzündlich und potenziell reversibel – oder fibrosierend und progredient?

Sekundäre ILD:

• Ursache behandeln

• auslösendes Medikament absetzen

• Exposition konsequent beenden

• Grunderkrankung gezielt therapieren

IPF: heutige Therapie

Bei gesicherter IPF stehen antifibrotische Therapien im Vordergrund:

• Pirfenidon

• Nintedanib

Wichtig:

• verlangsamen die Progression

• heilen die Fibrose nicht

Typische Nebenwirkungen:

• Pirfenidon: Übelkeit, Dyspepsie, Photosensibilität, Fatigue, Lebertoxizität

• Nintedanib: Diarrhö, Leberwerterhöhung, Blutungsrisiko

Entzündliche ILD-Formen

Häufig Behandlung mit:

• Glukokortikoiden

• ggf. Immunsuppressiva wie Azathioprin, Ciclosporin, Tacrolimus

Beispiele:

• NSIP

• kryptogen organisierende Pneumonie (COP)

• Autoimmun-assoziierte ILD, z. B. SSc-ILD

Unterstützende Maßnahmen

Essenziell im Alltag:

• pulmonale Rehabilitation und Lungensport

• Nikotinkarenz

• Impfungen gegen Influenza, Pneumokokken und SARS-CoV-2

• Sauerstoff-Langzeittherapie bei relevanter Hypoxämie

• frühzeitige Evaluation zur Lungentransplantation bei progredienter Fibrose

Wichtige Komplikationen

• respiratorische Insuffizienz

• akute Exazerbationen

• pulmonale Hypertonie

• Cor pulmonale

• Differenzialdiagnosen bei plötzlicher Verschlechterung: Lungenembolie, Pneumothorax, Infektion, kardiale Dekompensation

Take-home-Messages

• Trockener Husten + Belastungsdyspnoe + basales Knisterrasseln = ILD mitdenken

• HRCT ist der Schlüssel zur Einordnung

• Nicht jede interstitielle Veränderung ist IPF

• Therapie richtet sich nach Ursache und Muster: entzündlich vs. fibrosierend
37 Minuten
Grundprinzip

Antikoagulanzien hemmen die plasmatische Gerinnung.

Sie lösen bestehende Thromben in der Regel nicht aktiv auf, sondern verhindern:

• Thrombusprogression

• Embolisation

• neue thromboembolische Ereignisse

Wichtige Indikationen

Klassisch:

• Tiefe Venenthrombose (TVT)

• Lungenarterienembolie (LAE)

• Vorhofflimmern

• Mechanischer Herzklappenersatz

Weitere relevante Situationen:

• Intrakardiale Thromben

• Zerebrale Sinus-/Venenthrombosen

• Pfortader- oder Ovarialvenenthrombose

• ECMO, LVAD, Hämodialyse

• Ausgewählte thrombophile Konstellationen

Substanzwahl im Überblick

• Akute stabile TVT/LAE: NMH oder DOAK

• Hämodynamisch instabile LAE / rasch steuerbare Situation: UFH

• Vorhofflimmern: meist DOAK

• Mechanische Herzklappen: VKA

• HIT: keine Heparine, alternative Antikoagulation

🩸 UFH – unfraktioniertes Heparin

Besonders geeignet bei:

• instabilen Patient:innen

• hohem Blutungsrisiko

• periinterventionellen Situationen

• massiver LAE

Typisches Schema:

• Bolus: 80 I.E./kg i.v.

• Perfusor: 18 I.E./kg/h

Monitoring:

• PTT oder Anti-Faktor-Xa

• frühe Kontrolle nach 1–2 Stunden

• nach jeder Dosisanpassung erneut kontrollieren

Wichtig:

• kein Blutabnehmen an der Heparin-Infusionsseite

• Antidot: Protamin

• an HIT denken

NMH – niedermolekulare Heparine

Typische Einsatzgebiete:

• stabile TVT/LAE

• Schwangerschaft

Beispiele:

• Enoxaparin

• Dalteparin

• Tinzaparin

• Certoparin

Praxisrelevant:

• immer gewichtsadaptiert dosieren

• Nierenfunktion beachten

• bei Extremgewichten sorgfältig rechnen

Monitoring:

• nicht routinemäßig nötig

• Anti-Faktor-Xa bei Schwangerschaft, Niereninsuffizienz, Extremgewichten oder unklarer Klinik sinnvoll

Merke:

• Protamin antagonisiert NMH nur teilweise

• HIT bleibt möglich

VKA – Vitamin-K-Antagonisten

Wichtige Vertreter:

• Phenprocoumon

• Warfarin

Typische Indikationen:

• mechanische Herzklappen

• bestimmte Formen von Vorhofflimmern

• Mitralklappenstenose

Besonderheiten:

• verzögerter Wirkeintritt

• initial Bridging mit Heparin nötig

• Steuerung über INR

Ziel-INR:

• meist 2,0–3,0

• bei mechanischen Klappen teils höher

Wichtig:

• viele Interaktionen

• lange Halbwertszeit

• bei schwerer Blutung: Vitamin K i.v. + PPSB

DOAK – direkte orale Antikoagulanzien

Substanzen:

• Apixaban

• Rivaroxaban

• Edoxaban

• Dabigatran

Vorteile:

• rascher Wirkeintritt

• keine routinemäßige Gerinnungskontrolle

• alltagstauglich bei VHF und VTE

Praxis-Dreiklang:

• richtige Indikation

• richtige Dosis

• richtige Nierenfunktion

Wichtig:

• Nierenfunktion, Leberfunktion, Hb und Interaktionen regelmäßig prüfen

• kurze Halbwertszeit ausgelassene Dosen sind relevant

Besonderheit bei VTE:

• Apixaban und Rivaroxaban können direkt gestartet werden

• Edoxaban und Dabigatran benötigen initial mindestens 5 Tage parenterale Antikoagulation

️ HIT – heparininduzierte Thrombozytopenie

Denken bei:

• Thrombozytenabfall unter Heparin

• neuen Thrombosen

• typischerweise 5–10 Tage nach Beginn

Sofortmaßnahme:

• alle Heparine stoppen

Alternativen:

• Danaparoid

• Argatroban

• Bivalirudin

• Fondaparinux in ausgewählten Fällen

Antikoagulation in der Schwangerschaft

Grundregeln:

• DOAK nicht einsetzen

• VKA nur in Ausnahmefällen

• Standard: NMH

Bei TVT/LAE:

• therapeutische NMH-Dosierung

• meist mindestens 3 Monate und bis mindestens 6 Wochen post partum

Sonderfall:

• mechanische Herzklappe in der Schwangerschaft = interdisziplinäre Hochrisikokonstellation

Blutungen und Antagonisierung

• UFH: Protamin

• NMH: Protamin nur teilweise wirksam

• VKA: Vitamin K, bei schwerer Blutung zusätzlich PPSB

• Dabigatran: Idarucizumab

• Apixaban/Rivaroxaban: Andexanet alfa, alternativ PPSB

• Edoxaban: meist PPSB im Notfall

Take-home-Messages

• Die Indikation bestimmt die Substanz

• Dosisfehler sind häufig – Gewicht und Nierenfunktion prüfen

• HIT immer mitdenken

• Schwangerschaft = Sonderfall, meist NMH

• Blutungsmanagement muss strukturiert und schnell erfolgen
31 Minuten
Worum es geht

Pulmonale Hypertonie (PH) ist ein erhöhter Druck im Lungenkreislauf und wird oft spät erkannt, weil die Symptome anfangs unspezifisch sind. Entscheidend ist: Nicht jede PH ist eine pulmonalarterielle Hypertonie (PAH) – und genau das bestimmt die Therapie.

Definition und Hämodynamik

PH liegt vor bei:

• mittlerem pulmonalarteriellem Druck > 20 Millimeter Quecksilbersäule in Ruhe

Goldstandard der Diagnose:

• Rechtsherzkatheter, nicht Echokardiografie allein

Wichtige Parameter:

• PCWP / pulmonaler Kapillarverschlussdruck

• PVR / pulmonaler Gefäßwiderstand

Präkapillär:

• PCWP höchstens 15 Millimeter Quecksilbersäule

• PVR > 2 Wood-Einheiten

Postkapillär:

• PCWP > 15 Millimeter Quecksilbersäule

Klinisch wichtige Gruppen

1. PAH

• idiopathisch, hereditär, medikamenten- oder toxinassoziiert

• assoziiert z. B. mit systemischer Sklerose, HIV, portaler Hypertension, angeborenen Herzfehlern

2. PH bei Linksherzerkrankungen

• häufigste Gruppe im Alltag

• z. B. HFpEF, HFrEF, Mitral- oder Aortenklappenvitien

3. PH bei Lungenerkrankungen / Hypoxie

• z. B. COPD, interstitielle Lungenerkrankungen, Emphysem, Adipositas-Hypoventilation

4. CTEPH

• chronisch-thromboembolische pulmonale Hypertonie

• besonders wichtig, weil potenziell operativ behandelbar

5. Multifaktorielle / unklare Formen

• z. B. Sarkoidose, hämatologische Erkrankungen, chronische Nierenkrankheit

️ Typische Symptome

• Belastungsdyspnoe

• Leistungsminderung, Müdigkeit

• Schwindel, Belastungssynkopen

• später: Ödeme, Halsvenenstauung, Aszites, Stauungsleber

Warnsignal:

• Synkope bei Belastung

🩺 Diagnostik

Wichtige Bausteine:

• Echokardiografie als zentrales Screening

• EKG, NT-proBNP

• Lungenfunktion inklusive DLCO

• 6-Minuten-Gehtest

• Bildgebung je nach Verdacht

Wichtig für die Praxis:

• Echo schätzt die Wahrscheinlichkeit, ersetzt aber nicht den Rechtsherzkatheter

• Zum Ausschluss einer CTEPH ist die Ventilations-Perfusions-Szintigrafie besonders wichtig

Pathophysiologie

Erhöhter Widerstand im Lungenkreislauf führt zu:

• erhöhter Nachlast des rechten Ventrikels

• zunächst Hypertrophie, später Dilatation

• im Verlauf Cor pulmonale und Rechtsherzinsuffizienz

Therapieprinzipien

Bei den meisten PH-Formen:

• Behandlung der Grunderkrankung steht im Vordergrund

Allgemeine Maßnahmen:

• optimale Therapie von Herz- oder Lungenerkrankung

• Sauerstoff nur bei relevanter Hypoxämie

• Diuretika bei Rechtsherzinsuffizienz und Volumenüberladung

• Impfprophylaxe, körperliche Aktivität im individuell tolerierten Bereich

PAH-spezifische Therapie:

• Endothelin-Rezeptor-Antagonisten

• PDE-5-Hemmer

• Riociguat

• Prostazyklinanaloga / Selexipag

Wichtig:

• spezifische PAH-Medikamente nicht routinemäßig bei PH durch Linksherz- oder Lungenerkrankung

• Calciumkanalblocker nur bei nachgewiesenen Vasoreagibilitäts-Respondern

CTEPH:

• lebenslange Antikoagulation

• Vorstellung im spezialisierten Zentrum

• pulmonale Endarteriektomie als Therapie der Wahl

• Riociguat bei inoperabler oder persistierender CTEPH

Häufige Fehler

• Dyspnoe bei COPD nur der COPD zuschreiben

• PAH-Therapie ohne Rechtsherzkatheter starten

• V/Q-Szintigrafie bei CTEPH-Verdacht vergessen

• Belastungssynkopen nicht ernst genug nehmen

• Riociguat mit PDE-5-Hemmern oder Nitraten kombinieren

Take-home-Messages

• PH früh mitdenken bei unklarer Belastungsdyspnoe, Schwindel oder Synkopen

• Häufigste Ursachen: Herz- und Lungenerkrankungen

• Rechtsherzkatheter ist der Goldstandard

• Erst klassifizieren, dann therapieren

• CTEPH nicht übersehen – sie kann potenziell kurativ behandelbar sein
37 Minuten
🫁 Worum geht es?

ARDS = Acute Respiratory Distress Syndrome, also akutes Lungenversagen. Es handelt sich nicht um eine einzelne Erkrankung, sondern um ein Syndrom mit schwerer Oxygenierungsstörung, bilateralen Infiltraten und nicht-kardialem Lungenödem.

Definition nach Berlin

Für die Diagnose wichtig:

• akuter Beginn innerhalb von 1 Woche

• bilaterale Infiltrate in der Bildgebung

• respiratorisches Versagen nicht primär kardial oder durch Volumenüberladung

• Schweregrad über den Horovitz-Quotienten paO2 / FiO2

Einteilung bei PEEP ≥ 5 cmH2O:

• mild: 201–300 mmHg

• moderat: 101–200 mmHg

• schwer: ≤ 100 mmHg

Häufige Ursachen

Am häufigsten:

• Pneumonie

• extrapulmonale Sepsis

Weitere Auslöser:

• Aspiration

• Thoraxtrauma, Lungenkontusion

• Pankreatitis

• Schock, Polytrauma, Verbrennungen

• Medikamente und Toxine

• Embolien

Pathophysiologie kurz erklärt

Entzündung schädigt die alveolo-kapilläre Barriere proteinreiche Flüssigkeit tritt in Interstitium und Alveolen aus. Dazu kommen Surfactant-Verlust, Atelektasen und intrapulmonaler Rechts-links-Shunt. Folge: schwere, oft therapieresistente Hypoxämie. Später häufig auch Hyperkapnie. Auch das rechte Herz kann durch erhöhten pulmonalen Widerstand belastet werden.

Klinik und Diagnostik

Typische Zeichen:

• Dyspnoe, Tachypnoe, erhöhte Atemarbeit

• Unruhe, Tachykardie, Zyanose

• feinblasige Rasselgeräusche, früh teils noch unauffällige Auskultation

Wichtige Diagnostik:

• Blutgasanalyse

• Röntgen-Thorax, ggf. CT

• Echokardiografie zur Abgrenzung vom kardialen Lungenödem

• Auslösende Ursache aktiv suchen

Merke: ARDS ist wahrscheinlich bei typischem Trigger + therapierefraktärer Hypoxämie + bilateralen Infiltraten + fehlender kardialer Erklärung.

🩺 Therapie: das zählt wirklich

Entscheidend ist immer die Behandlung der Ursache:

• Antibiotika / Fokussanierung bei Infektion

• Aspiration, Schock, Toxine oder Organversagen gezielt behandeln

Lungenprotektive Beatmung:

• Tidalvolumen ca. 6 ml/kg ideales Körpergewicht

• Plateaudruck ≤ 30 cmH2O

• Driving Pressure möglichst ≤ 14 cmH2O

• adäquater PEEP

• FiO2 nur so hoch wie nötig

• permissive Hyperkapnie oft akzeptabel

Wichtig: Nicht perfekte Sättigungen erzwingen, wenn dafür schädlich hohe Drücke oder FiO2 nötig wären.

Lagerung und Volumen

Sehr wirksam:

• Oberkörperhochlagerung

• frühe Bauchlagerung bei moderatem bis schwerem ARDS, oft 16 Stunden täglich

Flüssigkeitsstrategie:

• eher restriktiv, sofern keine Hypoperfusion

• Volumenüberladung vermeiden

• Diuretika wie Furosemid nur gezielt und mit Monitoring

Eskalation

Bei refraktärer Hypoxämie trotz optimaler Therapie:

• früh an ECMO denken, meist vv-ECMO

• nicht zu spät mit einem ECMO-Zentrum sprechen

️ Was nicht routinemäßig empfohlen wird

• prophylaktische Antibiotika

• Glukokortikoide als generelle ARDS-Therapie

• β2-Mimetika oder Surfactant beim Erwachsenen

• routinemäßige frühe Muskelrelaxierung

• inhalatives NO nur als Rescue-Therapie in Einzelfällen

Take-home

ARDS ist eine intensivmedizinische Notfallsituation. Die wichtigsten Hebel sind:

• Ursache finden und behandeln

• lungenprotektiv beatmen

• Bauchlagerung früh einsetzen

• Volumen klug steuern

• bei refraktären Verläufen rechtzeitig eskalieren

Nicht ein Wundermittel entscheidet, sondern sauberes Management im Detail.
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