Podcaster
Episoden
20.07.2026
30 Minuten
Thema der Folge
Umgang mit fremdaggressivem Verhalten im medizinischen Alltag – relevant in Notaufnahme, Station, Psychiatrie, Rettungsdienst, Hausarztpraxis und Intensivmedizin.
️ Grundprinzipien
Eigenschutz hat immer Priorität.
Nie allein in potenziell gefährliche Situationen gehen.
Früh Unterstützung holen: Team, Pflege, Sicherheitsdienst, ggf. Polizei.
Immer so positionieren, dass ein Rückzug möglich bleibt.
️ Fremdaggressives Verhalten: wichtige Ursachen
Aggression ist ein Symptom, keine Diagnose.
Mögliche Hintergründe:
• Psychose, Manie, Persönlichkeitsstörung
• Intoxikation, Entzug, Alkoholentzugsdelir
• Delir, Demenz, hirnorganisches Psychosyndrom
• Hypoglykämie, Hypoxie
• Schädel-Hirn-Trauma, Enzephalitis, zerebrale Ischämie
• Massive psychosoziale Krise
Vorbereitung und Teamorganisation
Wenn möglich vorab:
• Informationen zur Vorgeschichte einholen
• gefährliche Gegenstände entfernen
• Unbeteiligte aus der Situation bringen
• Medikamente und Monitoring vorbereiten
• Rollen im Team festlegen: spricht, beobachtet, dokumentiert, alarmiert
Ein Hauptansprechpartner ist meist am sinnvollsten.
️ Deeskalation
Deeskalation ist eine zentrale Intervention.
Wichtige Elemente:
• ruhig, klar, respektvoll, selbstsicher auftreten
• offene Körperhaltung, Hände sichtbar
• Abstand halten, nicht bedrängen, nicht umzingeln
• kurze, einfache, wiederholte Botschaften
• aktiv zuhören, Gefühle benennen, Ich-Botschaften nutzen
• Wahlmöglichkeiten anbieten, um Kontrolle zurückzugeben
🩺 Diagnostik nicht vergessen
Basisdiagnostik je nach Sicherheit der Situation:
• Eigen- und Fremdanamnese
• psychopathologischer Befund
• internistische und neurologische Untersuchung
• Vitalparameter
• Blutzucker immer mitdenken
• Labor, Drogenscreening, EKG bei Bedarf
• bei spezieller Fragestellung: cCT, MRT, EEG
Besonders wichtig: Bei älteren Menschen mit neuer Agitation immer zuerst an Delir denken.
️ Rechtliche Aspekte
Entscheidend ist die Einordnung in einen Krankheitskontext.
• keine krankheitsbedingte Aggression: Polizei/Vollzugsbehörden
• krankheitsbedingte somatische Ursache: ggf. rechtfertigender Notstand
• krankheitsbedingte psychiatrische Ursache: Unterbringung nach Landesrecht prüfen
Für Maßnahmen gegen den Willen der Person braucht es eine belastbare rechtliche Grundlage.
️ Zwangsmaßnahmen
Nur ultima ratio bei akuter Gefährdung.
Mögliche Maßnahmen:
• Festhalten
• Isolation
• Fixierung
Grundsätze:
• so kurz wie möglich
• ausreichend geschultes Personal
• kontinuierliche Überwachung
• Bauchlage vermeiden
• lückenlose Dokumentation
• Nachbesprechung mit Patient und Team
Medikamentöse Krisenintervention
Ziel: ausreichende Beruhigung für sichere Diagnostik, Therapie und Transport – nicht Bestrafung.
Bevorzugt:
• freiwillige orale oder inhalative Gabe vor i.m./i.v.
• schnell wirksame, gut steuerbare Substanzen
Wichtige Gruppen:
• Antipsychotika: z. B. Haloperidol, Promethazin, Aripiprazol
• Benzodiazepine: z. B. Lorazepam, Midazolam, Diazepam
Wichtige Cave:
• Kombination Antipsychotikum + Benzodiazepin nur ausnahmsweise
• bei oraler Antikoagulation keine i.m.-Injektion
• nach i.v./i.m.-Sedierung engmaschiges Monitoring von Bewusstsein, Atmung, Kreislauf
Dokumentation und Nachsorge
Dokumentiert werden sollten:
• konkretes beobachtbares Verhalten
• Deeskalationsversuche
• Alternativen
• Diagnostik
• Medikation, Wirkung, Nebenwirkungen
• Monitoring
• Begründung von Zwangsmaßnahmen
Nach dem Vorfall:
• Nachbesprechung mit der betroffenen Person
• Team-Debriefing
• bei Übergriffen auf Personal: medizinische Versorgung, Meldung, betriebsärztliche/psychologische Unterstützung, ggf. Anzeige
Take-home-Messages
• Geh nie allein hinein.
• Deeskaliere ruhig, klar und mit Abstand.
• Denke immer auch an somatische Ursachen.
• Blutzucker und Vitalparameter nicht vergessen.
• Zwangsmaßnahmen nur als letztes Mittel.
• Gute Dokumentation schützt Patienten und Behandelnde.
Umgang mit fremdaggressivem Verhalten im medizinischen Alltag – relevant in Notaufnahme, Station, Psychiatrie, Rettungsdienst, Hausarztpraxis und Intensivmedizin.
️ Grundprinzipien
Eigenschutz hat immer Priorität.
Nie allein in potenziell gefährliche Situationen gehen.
Früh Unterstützung holen: Team, Pflege, Sicherheitsdienst, ggf. Polizei.
Immer so positionieren, dass ein Rückzug möglich bleibt.
️ Fremdaggressives Verhalten: wichtige Ursachen
Aggression ist ein Symptom, keine Diagnose.
Mögliche Hintergründe:
• Psychose, Manie, Persönlichkeitsstörung
• Intoxikation, Entzug, Alkoholentzugsdelir
• Delir, Demenz, hirnorganisches Psychosyndrom
• Hypoglykämie, Hypoxie
• Schädel-Hirn-Trauma, Enzephalitis, zerebrale Ischämie
• Massive psychosoziale Krise
Vorbereitung und Teamorganisation
Wenn möglich vorab:
• Informationen zur Vorgeschichte einholen
• gefährliche Gegenstände entfernen
• Unbeteiligte aus der Situation bringen
• Medikamente und Monitoring vorbereiten
• Rollen im Team festlegen: spricht, beobachtet, dokumentiert, alarmiert
Ein Hauptansprechpartner ist meist am sinnvollsten.
️ Deeskalation
Deeskalation ist eine zentrale Intervention.
Wichtige Elemente:
• ruhig, klar, respektvoll, selbstsicher auftreten
• offene Körperhaltung, Hände sichtbar
• Abstand halten, nicht bedrängen, nicht umzingeln
• kurze, einfache, wiederholte Botschaften
• aktiv zuhören, Gefühle benennen, Ich-Botschaften nutzen
• Wahlmöglichkeiten anbieten, um Kontrolle zurückzugeben
🩺 Diagnostik nicht vergessen
Basisdiagnostik je nach Sicherheit der Situation:
• Eigen- und Fremdanamnese
• psychopathologischer Befund
• internistische und neurologische Untersuchung
• Vitalparameter
• Blutzucker immer mitdenken
• Labor, Drogenscreening, EKG bei Bedarf
• bei spezieller Fragestellung: cCT, MRT, EEG
Besonders wichtig: Bei älteren Menschen mit neuer Agitation immer zuerst an Delir denken.
️ Rechtliche Aspekte
Entscheidend ist die Einordnung in einen Krankheitskontext.
• keine krankheitsbedingte Aggression: Polizei/Vollzugsbehörden
• krankheitsbedingte somatische Ursache: ggf. rechtfertigender Notstand
• krankheitsbedingte psychiatrische Ursache: Unterbringung nach Landesrecht prüfen
Für Maßnahmen gegen den Willen der Person braucht es eine belastbare rechtliche Grundlage.
️ Zwangsmaßnahmen
Nur ultima ratio bei akuter Gefährdung.
Mögliche Maßnahmen:
• Festhalten
• Isolation
• Fixierung
Grundsätze:
• so kurz wie möglich
• ausreichend geschultes Personal
• kontinuierliche Überwachung
• Bauchlage vermeiden
• lückenlose Dokumentation
• Nachbesprechung mit Patient und Team
Medikamentöse Krisenintervention
Ziel: ausreichende Beruhigung für sichere Diagnostik, Therapie und Transport – nicht Bestrafung.
Bevorzugt:
• freiwillige orale oder inhalative Gabe vor i.m./i.v.
• schnell wirksame, gut steuerbare Substanzen
Wichtige Gruppen:
• Antipsychotika: z. B. Haloperidol, Promethazin, Aripiprazol
• Benzodiazepine: z. B. Lorazepam, Midazolam, Diazepam
Wichtige Cave:
• Kombination Antipsychotikum + Benzodiazepin nur ausnahmsweise
• bei oraler Antikoagulation keine i.m.-Injektion
• nach i.v./i.m.-Sedierung engmaschiges Monitoring von Bewusstsein, Atmung, Kreislauf
Dokumentation und Nachsorge
Dokumentiert werden sollten:
• konkretes beobachtbares Verhalten
• Deeskalationsversuche
• Alternativen
• Diagnostik
• Medikation, Wirkung, Nebenwirkungen
• Monitoring
• Begründung von Zwangsmaßnahmen
Nach dem Vorfall:
• Nachbesprechung mit der betroffenen Person
• Team-Debriefing
• bei Übergriffen auf Personal: medizinische Versorgung, Meldung, betriebsärztliche/psychologische Unterstützung, ggf. Anzeige
Take-home-Messages
• Geh nie allein hinein.
• Deeskaliere ruhig, klar und mit Abstand.
• Denke immer auch an somatische Ursachen.
• Blutzucker und Vitalparameter nicht vergessen.
• Zwangsmaßnahmen nur als letztes Mittel.
• Gute Dokumentation schützt Patienten und Behandelnde.
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19.07.2026
28 Minuten
️ Akute Psychose in der Praxis – sicher erkennen, ruhig handeln, strukturiert behandeln
Warum das Thema wichtig ist
Akute Psychosen sind oft Notfälle – und nicht automatisch „nur psychiatrisch“.
Immer mitdenken:
• primär psychiatrische Ursachen
• neurologische, metabolische, infektiöse, autoimmune Ursachen
• Intoxikationen, Entzug, Medikamente, Drogen
Erstkontakt: Sicherheit zuerst
Vor Betreten des Raums:
• Infos einholen: Auslöser, Bedrohungen, Vorerkrankungen, Substanzen, Medikation, Waffenhinweise
• gefährliche Gegenstände entfernen
• Fluchtwege sichern
• Unterstützung in Nähe halten
Grundsatz:
So wenig Zwang wie möglich, so viel Freiwilligkeit wie möglich.
️ Gesprächsführung in der Akutsituation
Deeskalierend wirken:
• ruhig, langsam, klar sprechen
• kurze Sätze, klare Struktur
• nicht konfrontieren, nicht „Wahn korrigieren“
• Leidensdruck validieren, ohne Inhalte zu bestätigen
Hilfreich:
„Ich sehe, dass Sie sich bedroht fühlen, und möchte verstehen, was los ist.“
Psychopathologie gezielt erfassen
Wichtig sind:
• Wahn: Verfolgung, Bedrohung, Beziehungswahn
• Halluzinationen, v. a. akustisch
• Ich-Störungen: Gedankeneingebung, -entzug, Gedankenlautwerden
• formale Denkstörungen: Gedankenabreißen, Inkohärenz, Vorbeireden
Merke:
Optische Halluzinationen sprechen eher für organische Ursache oder Intoxikation.
Beobachtung zählt
Viele Betroffene berichten Symptome nicht spontan.
Achten auf:
• Antwortlatenz
• Blick- und Aufmerksamkeitsstörungen
• Selbstgespräche
• Lauschen in den Raum
• misstrauisches Umschauen
• bizarr wirkendes Verhalten
️ Gefährdung früh einschätzen
Fremdgefährdung:
• Gewaltandrohung, frühere Gewalt
• Verfolgungswahn, Bedrohungserleben
• Waffen, Substanzkonsum, Impulskontrollstörung
• fehlende Krankheitseinsicht
Eigengefährdung:
• Suizidversuche, fehlendes Netz
• imperative Stimmen
• Hoffnungslosigkeit, Schuld, depressive Einengung
• Belastungen, Non-Adhärenz, Substanzkonsum
Immer aktiv nach Suizidalität fragen – auch in der Psychose.
🩺 Diagnostik: organisch mitdenken
Basis:
• internistische und neurologische Untersuchung
• Vitalparameter
• EKG vor geplanter antipsychotischer Therapie
• Labor: Blutbild, Elektrolyte, Nierenwerte, Leberwerte, CRP, Glukose
• Urin-Drogenscreening
Je nach Konstellation:
• cMRT
• EEG
• Liquor
• Infektionsdiagnostik, Autoimmun- und Stoffwechselabklärung
Red Flags für organische Ursachen:
• Erstmanifestation im höheren Alter
• fluktuierende Vigilanz
• Fieber, Krampfanfälle
• neurologische Defizite
• optische Halluzinationen
• enger zeitlicher Bezug zu Medikamenten, Drogen oder somatischer Erkrankung
Akuttherapie
Ziele:
• Sicherheit
• Angst- und Spannungsreduktion
• Reizabschirmung
• ursachengerechte Behandlung
Grundsatz:
Orale freiwillige Medikation bevorzugen.
Häufige Optionen:
• Olanzapin: gut bei Agitiertheit
• Risperidon: gut oral bei kooperativen Patienten
• Aripiprazol: eher weniger sedierend
• Amisulprid, Ziprasidon: je nach Setting
• Haloperidol: wirksam, aber EPS- und QT-Risiko beachten
• Lorazepam: bei Anspannung, Agitation
• Midazolam i.v.: rasch wirksam, nur mit Monitoring
Wichtige Sicherheitsregeln:
• i.m. Olanzapin nicht zeitnah mit parenteralen Benzodiazepinen kombinieren
• Benzodiazepine bei unklarer Intoxikation zurückhaltend einsetzen
• QT-Verlängerung unter Antipsychotika beachten
Weiterbehandlung planen
Je nach Ursache und Gefährdung:
• somatische Fachabteilung
• offene psychiatrische Station
• geschützte Unterbringung bei fehlender Absprachefähigkeit oder relevanter Eigen-/Fremdgefährdung
Praktische Take-aways
• ruhig und wertschätzend bleiben
• Reize reduzieren
• Gefährdung wiederholt prüfen
• Nebenwirkungen früh erkennen, z. B. Akathisie
• sauber dokumentieren
• immer auch an organische Ursachen denken
Die 3 Kernbotschaften
1. Ruhig und strukturiert handeln
2. Psychose nie vorschnell als rein psychiatrisch einordnen
3. Eigen- und Fremdgefährdung früh und wiederholt beurteilen
Warum das Thema wichtig ist
Akute Psychosen sind oft Notfälle – und nicht automatisch „nur psychiatrisch“.
Immer mitdenken:
• primär psychiatrische Ursachen
• neurologische, metabolische, infektiöse, autoimmune Ursachen
• Intoxikationen, Entzug, Medikamente, Drogen
Erstkontakt: Sicherheit zuerst
Vor Betreten des Raums:
• Infos einholen: Auslöser, Bedrohungen, Vorerkrankungen, Substanzen, Medikation, Waffenhinweise
• gefährliche Gegenstände entfernen
• Fluchtwege sichern
• Unterstützung in Nähe halten
Grundsatz:
So wenig Zwang wie möglich, so viel Freiwilligkeit wie möglich.
️ Gesprächsführung in der Akutsituation
Deeskalierend wirken:
• ruhig, langsam, klar sprechen
• kurze Sätze, klare Struktur
• nicht konfrontieren, nicht „Wahn korrigieren“
• Leidensdruck validieren, ohne Inhalte zu bestätigen
Hilfreich:
„Ich sehe, dass Sie sich bedroht fühlen, und möchte verstehen, was los ist.“
Psychopathologie gezielt erfassen
Wichtig sind:
• Wahn: Verfolgung, Bedrohung, Beziehungswahn
• Halluzinationen, v. a. akustisch
• Ich-Störungen: Gedankeneingebung, -entzug, Gedankenlautwerden
• formale Denkstörungen: Gedankenabreißen, Inkohärenz, Vorbeireden
Merke:
Optische Halluzinationen sprechen eher für organische Ursache oder Intoxikation.
Beobachtung zählt
Viele Betroffene berichten Symptome nicht spontan.
Achten auf:
• Antwortlatenz
• Blick- und Aufmerksamkeitsstörungen
• Selbstgespräche
• Lauschen in den Raum
• misstrauisches Umschauen
• bizarr wirkendes Verhalten
️ Gefährdung früh einschätzen
Fremdgefährdung:
• Gewaltandrohung, frühere Gewalt
• Verfolgungswahn, Bedrohungserleben
• Waffen, Substanzkonsum, Impulskontrollstörung
• fehlende Krankheitseinsicht
Eigengefährdung:
• Suizidversuche, fehlendes Netz
• imperative Stimmen
• Hoffnungslosigkeit, Schuld, depressive Einengung
• Belastungen, Non-Adhärenz, Substanzkonsum
Immer aktiv nach Suizidalität fragen – auch in der Psychose.
🩺 Diagnostik: organisch mitdenken
Basis:
• internistische und neurologische Untersuchung
• Vitalparameter
• EKG vor geplanter antipsychotischer Therapie
• Labor: Blutbild, Elektrolyte, Nierenwerte, Leberwerte, CRP, Glukose
• Urin-Drogenscreening
Je nach Konstellation:
• cMRT
• EEG
• Liquor
• Infektionsdiagnostik, Autoimmun- und Stoffwechselabklärung
Red Flags für organische Ursachen:
• Erstmanifestation im höheren Alter
• fluktuierende Vigilanz
• Fieber, Krampfanfälle
• neurologische Defizite
• optische Halluzinationen
• enger zeitlicher Bezug zu Medikamenten, Drogen oder somatischer Erkrankung
Akuttherapie
Ziele:
• Sicherheit
• Angst- und Spannungsreduktion
• Reizabschirmung
• ursachengerechte Behandlung
Grundsatz:
Orale freiwillige Medikation bevorzugen.
Häufige Optionen:
• Olanzapin: gut bei Agitiertheit
• Risperidon: gut oral bei kooperativen Patienten
• Aripiprazol: eher weniger sedierend
• Amisulprid, Ziprasidon: je nach Setting
• Haloperidol: wirksam, aber EPS- und QT-Risiko beachten
• Lorazepam: bei Anspannung, Agitation
• Midazolam i.v.: rasch wirksam, nur mit Monitoring
Wichtige Sicherheitsregeln:
• i.m. Olanzapin nicht zeitnah mit parenteralen Benzodiazepinen kombinieren
• Benzodiazepine bei unklarer Intoxikation zurückhaltend einsetzen
• QT-Verlängerung unter Antipsychotika beachten
Weiterbehandlung planen
Je nach Ursache und Gefährdung:
• somatische Fachabteilung
• offene psychiatrische Station
• geschützte Unterbringung bei fehlender Absprachefähigkeit oder relevanter Eigen-/Fremdgefährdung
Praktische Take-aways
• ruhig und wertschätzend bleiben
• Reize reduzieren
• Gefährdung wiederholt prüfen
• Nebenwirkungen früh erkennen, z. B. Akathisie
• sauber dokumentieren
• immer auch an organische Ursachen denken
Die 3 Kernbotschaften
1. Ruhig und strukturiert handeln
2. Psychose nie vorschnell als rein psychiatrisch einordnen
3. Eigen- und Fremdgefährdung früh und wiederholt beurteilen
Mehr
18.07.2026
35 Minuten
Vigilanzminderung in der Notaufnahme
Vigilanzminderung bzw. Koma unklarer Ursache ist ein hochakuter interdisziplinärer Notfall. Entscheidend ist: schnell strukturieren, parallel handeln, Ursache finden und sofort behandelbare Auslöser nicht verpassen.
Grundprinzipien
• Koma unklarer Ursache ist keine rein neurologische Fragestellung
• Hohe Sterblichkeit, oft mehrere Ursachen gleichzeitig
• Ein gefundener Befund ist nicht automatisch die Ursache
• Unauffällige Neurologie ist keine Entwarnung
Pathophysiologische Einteilung
1. Primäre Hirnfunktionsstörung mit akuter Läsion
• Hirnstamm-/Thalamusläsion
• Blutung, Ödem, Einklemmung
• akute epileptogene Läsion
• ZNS-Entzündung
2. Primäre Hirnfunktionsstörung ohne akute Läsion
• epileptischer Anfall / Status epilepticus ohne neue Läsion
• Pseudokoma, akinetische Krise
3. Sekundäre diffuse Hirnfunktionsstörung
• kardio-respiratorisch
• metabolisch / homöostatisch
• septische Enzephalopathie
• Intoxikation
️ Die ersten 15 Minuten
Versorgung im cABCDE-Schema, idealerweise interdisziplinär und parallel.
Wichtige Sofortmaßnahmen:
• Intubationsbereitschaft sichern
• O2-Gabe, Beatmung prüfen/optimieren
• Monitoring: EKG, RR, SpO2, AF, Temperatur
• 2 i.v.-Zugänge
• vorsichtige balancierte Volumentherapie
Basisdiagnostik
Früh und parallel:
• Blutgasanalyse, wiederholt
• Labor: Blutbild, CRP, PCT, Glukose, Elektrolyte, Laktat, Nieren- und Leberwerte, Gerinnung, Troponin, CK, TSH, Ethanol
• Blutkulturen bei Infektverdacht vor Antibiotika, wenn ohne relevante Verzögerung
• Rückstellproben für Toxikologie/Spiegel asservieren
• 12-Kanal-EKG
• Thoraxröntgen
• Urinprobe / ggf. Blasenkatheter
️ Fremdanamnese
Besonders wichtig:
• Beginn und Dynamik
• Erstereignis oder bekannt?
• Fieber, Luftnot, Schmerzen, Krampf, fokale Defizite, Trauma
• Medikamente, Drogen, Notfallmedikation
• Auffindesituation
• Zeugen/Angehörige erreichbar?
Klinisch-neurologische Untersuchung
Ziel: Schweregrad einschätzen, Hinweise auf fokale Läsion oder Status epilepticus finden.
Wesentliche Punkte:
• GCS, oft hilfreicher: FOUR-Score
• Blickstellung, Pupillen, Lichtreaktion
• Hirnstammreflexe
• Motorische Reaktion auf Schmerz
• Tonus, Reflexe, Pyramidenbahnzeichen
• Meningismus, Temperatur
• auf konvulsive Anfälle/Status achten
Sofort behandelbare Ursachen
Unverzüglich erkennen und therapieren:
• Status epilepticus Benzodiazepin, dann Antiepileptikum
• Meningitis/Enzephalitis Blutkulturen, Dexamethason, kalkulierte Antiinfektiva
• respiratorische Insuffizienz / Hyperkapnie Atemweg und Beatmung
• Hypoglykämie i.v. Glukose, ggf. Thiamin bei Alkoholabusus
• schwere Elektrolytstörungen, z. B. Hyponatriämie
• Sepsis / septische Enzephalopathie
• Opioid-Toxidrom Naloxon titriert
🩻 Bildgebung
Innerhalb der nächsten 15 Minuten ideal:
• cCT
• CT-Angiografie der supraaortalen Gefäße
Ziele:
• Blutung, Ischämie, Ödem, Hirndruck
• Gefäßverschluss, Dissektion
• epileptogene strukturelle Läsionen
Wichtig:
Ein unauffälliges CT beendet die Diagnostik nicht.
Team-Time-out
Nach Erstversorgung und nach Bildgebung:
• Befunde gemeinsam abgleichen
• Vitalbedrohung?
• Intubation nötig?
• Sofort therapiepflichtige Ursache gefunden?
• Passt der Befund wirklich zur Bewusstseinsstörung?
Weiterführende Diagnostik auf Intensivstation
Bei unklarem Befund:
• Lumbalpunktion frühzeitig, wenn möglich
• EEG zum Ausschluss eines nicht-konvulsiven Status epilepticus
• MRT bei weiter bestehendem Verdacht
• toxikologische, metabolische, endokrinologische und infektiologische Abklärung
Take-home-Messages
• Parallel statt nacheinander handeln
• Sofort reversible Ursachen aktiv suchen
• cCT/CTA ist zentral, aber nicht abschließend
• Mehrere Ursachen können gleichzeitig vorliegen
• Nur ein neuroanatomisch plausibler Befund erklärt das Koma
• Nie zu früh mit der Diagnostik aufhören
Vigilanzminderung bzw. Koma unklarer Ursache ist ein hochakuter interdisziplinärer Notfall. Entscheidend ist: schnell strukturieren, parallel handeln, Ursache finden und sofort behandelbare Auslöser nicht verpassen.
Grundprinzipien
• Koma unklarer Ursache ist keine rein neurologische Fragestellung
• Hohe Sterblichkeit, oft mehrere Ursachen gleichzeitig
• Ein gefundener Befund ist nicht automatisch die Ursache
• Unauffällige Neurologie ist keine Entwarnung
Pathophysiologische Einteilung
1. Primäre Hirnfunktionsstörung mit akuter Läsion
• Hirnstamm-/Thalamusläsion
• Blutung, Ödem, Einklemmung
• akute epileptogene Läsion
• ZNS-Entzündung
2. Primäre Hirnfunktionsstörung ohne akute Läsion
• epileptischer Anfall / Status epilepticus ohne neue Läsion
• Pseudokoma, akinetische Krise
3. Sekundäre diffuse Hirnfunktionsstörung
• kardio-respiratorisch
• metabolisch / homöostatisch
• septische Enzephalopathie
• Intoxikation
️ Die ersten 15 Minuten
Versorgung im cABCDE-Schema, idealerweise interdisziplinär und parallel.
Wichtige Sofortmaßnahmen:
• Intubationsbereitschaft sichern
• O2-Gabe, Beatmung prüfen/optimieren
• Monitoring: EKG, RR, SpO2, AF, Temperatur
• 2 i.v.-Zugänge
• vorsichtige balancierte Volumentherapie
Basisdiagnostik
Früh und parallel:
• Blutgasanalyse, wiederholt
• Labor: Blutbild, CRP, PCT, Glukose, Elektrolyte, Laktat, Nieren- und Leberwerte, Gerinnung, Troponin, CK, TSH, Ethanol
• Blutkulturen bei Infektverdacht vor Antibiotika, wenn ohne relevante Verzögerung
• Rückstellproben für Toxikologie/Spiegel asservieren
• 12-Kanal-EKG
• Thoraxröntgen
• Urinprobe / ggf. Blasenkatheter
️ Fremdanamnese
Besonders wichtig:
• Beginn und Dynamik
• Erstereignis oder bekannt?
• Fieber, Luftnot, Schmerzen, Krampf, fokale Defizite, Trauma
• Medikamente, Drogen, Notfallmedikation
• Auffindesituation
• Zeugen/Angehörige erreichbar?
Klinisch-neurologische Untersuchung
Ziel: Schweregrad einschätzen, Hinweise auf fokale Läsion oder Status epilepticus finden.
Wesentliche Punkte:
• GCS, oft hilfreicher: FOUR-Score
• Blickstellung, Pupillen, Lichtreaktion
• Hirnstammreflexe
• Motorische Reaktion auf Schmerz
• Tonus, Reflexe, Pyramidenbahnzeichen
• Meningismus, Temperatur
• auf konvulsive Anfälle/Status achten
Sofort behandelbare Ursachen
Unverzüglich erkennen und therapieren:
• Status epilepticus Benzodiazepin, dann Antiepileptikum
• Meningitis/Enzephalitis Blutkulturen, Dexamethason, kalkulierte Antiinfektiva
• respiratorische Insuffizienz / Hyperkapnie Atemweg und Beatmung
• Hypoglykämie i.v. Glukose, ggf. Thiamin bei Alkoholabusus
• schwere Elektrolytstörungen, z. B. Hyponatriämie
• Sepsis / septische Enzephalopathie
• Opioid-Toxidrom Naloxon titriert
🩻 Bildgebung
Innerhalb der nächsten 15 Minuten ideal:
• cCT
• CT-Angiografie der supraaortalen Gefäße
Ziele:
• Blutung, Ischämie, Ödem, Hirndruck
• Gefäßverschluss, Dissektion
• epileptogene strukturelle Läsionen
Wichtig:
Ein unauffälliges CT beendet die Diagnostik nicht.
Team-Time-out
Nach Erstversorgung und nach Bildgebung:
• Befunde gemeinsam abgleichen
• Vitalbedrohung?
• Intubation nötig?
• Sofort therapiepflichtige Ursache gefunden?
• Passt der Befund wirklich zur Bewusstseinsstörung?
Weiterführende Diagnostik auf Intensivstation
Bei unklarem Befund:
• Lumbalpunktion frühzeitig, wenn möglich
• EEG zum Ausschluss eines nicht-konvulsiven Status epilepticus
• MRT bei weiter bestehendem Verdacht
• toxikologische, metabolische, endokrinologische und infektiologische Abklärung
Take-home-Messages
• Parallel statt nacheinander handeln
• Sofort reversible Ursachen aktiv suchen
• cCT/CTA ist zentral, aber nicht abschließend
• Mehrere Ursachen können gleichzeitig vorliegen
• Nur ein neuroanatomisch plausibler Befund erklärt das Koma
• Nie zu früh mit der Diagnostik aufhören
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17.07.2026
32 Minuten
Thema der Folge
Notfallmanagement bei Schwindel: strukturiertes Vorgehen zwischen harmloser peripherer Ursache und potenziell lebensbedrohlichem posterioren Schlaganfall.
Grundprinzip
Schwindel ist ein Symptom, keine Diagnose.
Die subjektive Stärke sagt wenig über die Gefährlichkeit aus.
Wichtig:
• nicht auf Bauchgefühl verlassen
• Anamnese + Basisdiagnostik + klinische Untersuchung + Gesamtsynthese
• im Zweifel zentral, bis das Gegenteil bewiesen ist
Begriffsklärung
Vestibulärer Schwindel (Vertigo):
Bewegungsillusion – Drehen, Schwanken, Kippen, Gezogensein
Nicht vestibulärer Schwindel (Dizziness):
Unsicherheit, Benommenheit, Präsynkope, Schwarzwerden vor Augen
Vestibulär weiter differenzieren:
• peripher: Innenohr / Vestibularorgan
• zentral: Hirnstamm / Kleinhirn
Akutziele im Notfall
1. Lebensbedrohliche Ursachen erkennen
• Hirnstammischämie / Kleinhirninfarkt
• Rhythmusstörungen
• Hypotonie / Hypertonie
• Hypoglykämie
• Elektrolytstörungen
• Intoxikation / Entzug
2. Akut behandelbare periphere Ursachen identifizieren
• benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel (BPLS)
• Neuropathia vestibularis
• Menière-Attacke
🩺 Basismaßnahmen
Zu Beginn immer:
• Vitalparameter
• 12-Kanal-EKG
• i.v.-Zugang
• Blutentnahme, ggf. BGA
Sinnvolle Labore:
• Blutbild, CRP
• Glukose
• Elektrolyte inkl. Na, K, Mg
• Nierenwerte
• Leberwerte
• Troponin, CK
• TSH
• Gerinnung
• ggf. Ethanol
Wichtige Anamnese
Zentrale Fragen:
• echte Bewegungsillusion oder eher Benommenheit?
• plötzlich oder schleichend?
• anhaltend oder attackenartig?
• Dauer: Sekunden, Minuten, Stunden?
• auslösbar durch Lagewechsel/Kopfbewegung?
• Hörminderung, Tinnitus, Ohrdruck?
• neurologische Symptome: Doppelbilder, Dysarthrie, Dysphagie, Schwäche, Sensibilitätsstörung?
• Medikamente, Alkohol, Drogen?
Klinische Schlüsselpunkte
Beim akuten vestibulären Syndrom ist die Unterscheidung peripher vs. zentral entscheidend.
HINTS nur bei anhaltendem akuten vestibulären Syndrom:
• Head Impulse
• Nystagmus
• Test of Skew
Zentral verdächtig schon bei einem Befund:
• normaler Kopfimpulstest
• richtungswechselnder Nystagmus
• Skew Deviation
Red Flags für zentrale Ursache
• Bewusstseinsstörung
• zentrale Okulomotorikstörung
• vertikaler, torsionaler oder atypischer Nystagmus
• Rumpfataxie / Dysmetrie
• Dysarthrie, Aphasie, Paresen, Hypästhesie
• apoplektiformer Beginn
• unklare Befunde trotz anhaltender Symptomatik
Typische periphere Syndrome
BPLS:
• Sekunden bis wenige Minuten
• lageabhängig
• beschwerdefrei in Ruhe
• Therapie: Befreiungsmanöver, z. B. Epley
Neuropathia vestibularis:
• anhaltender Schwindel über Stunden bis Tage
• Übelkeit/Erbrechen
• pathologischer Kopfimpulstest
• keine Hörstörung
• Therapie: kurz symptomatisch, frühe Mobilisation, vestibuläre Physiotherapie, ggf. Glukokortikoide
Morbus Menière:
• Attacken über 20 Minuten bis Stunden
• Hörminderung, Tinnitus, Ohrdruck
• symptomatische Akuttherapie, HNO-Mitbetreuung
Symptomatische Therapie
Bei Übelkeit/Erbrechen:
• Dimenhydrinat
• alternativ Metoclopramid
Wichtig:
• Antivertiginosa nur kurzzeitig
• längere Gabe kann vestibuläre Kompensation bremsen
️ Bildgebung
Bei Verdacht auf zentrale Ursache:
• bevorzugt kranielle MRT mit DWI, FLAIR, T2, Gefäßdarstellung
Wichtig:
• frühe MRT kann bei posteriorer Ischämie falsch negativ sein
• starke Klinik schlägt unauffällige Frühbildgebung
Take-home-Messages
• Erst fragen: Bewegungsillusion ja oder nein?
• Viel Übelkeit beweist keine periphere Ursache
• HINTS ist hochrelevant – aber nur im richtigen Setting
• Anamnese hilft, ersetzt aber nie die Untersuchung
• Dokumentation des Nystagmus exakt festhalten
• Wenn zentrale Ursache nicht sicher ausgeschlossen ist: stationär denken
Notfallmanagement bei Schwindel: strukturiertes Vorgehen zwischen harmloser peripherer Ursache und potenziell lebensbedrohlichem posterioren Schlaganfall.
Grundprinzip
Schwindel ist ein Symptom, keine Diagnose.
Die subjektive Stärke sagt wenig über die Gefährlichkeit aus.
Wichtig:
• nicht auf Bauchgefühl verlassen
• Anamnese + Basisdiagnostik + klinische Untersuchung + Gesamtsynthese
• im Zweifel zentral, bis das Gegenteil bewiesen ist
Begriffsklärung
Vestibulärer Schwindel (Vertigo):
Bewegungsillusion – Drehen, Schwanken, Kippen, Gezogensein
Nicht vestibulärer Schwindel (Dizziness):
Unsicherheit, Benommenheit, Präsynkope, Schwarzwerden vor Augen
Vestibulär weiter differenzieren:
• peripher: Innenohr / Vestibularorgan
• zentral: Hirnstamm / Kleinhirn
Akutziele im Notfall
1. Lebensbedrohliche Ursachen erkennen
• Hirnstammischämie / Kleinhirninfarkt
• Rhythmusstörungen
• Hypotonie / Hypertonie
• Hypoglykämie
• Elektrolytstörungen
• Intoxikation / Entzug
2. Akut behandelbare periphere Ursachen identifizieren
• benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel (BPLS)
• Neuropathia vestibularis
• Menière-Attacke
🩺 Basismaßnahmen
Zu Beginn immer:
• Vitalparameter
• 12-Kanal-EKG
• i.v.-Zugang
• Blutentnahme, ggf. BGA
Sinnvolle Labore:
• Blutbild, CRP
• Glukose
• Elektrolyte inkl. Na, K, Mg
• Nierenwerte
• Leberwerte
• Troponin, CK
• TSH
• Gerinnung
• ggf. Ethanol
Wichtige Anamnese
Zentrale Fragen:
• echte Bewegungsillusion oder eher Benommenheit?
• plötzlich oder schleichend?
• anhaltend oder attackenartig?
• Dauer: Sekunden, Minuten, Stunden?
• auslösbar durch Lagewechsel/Kopfbewegung?
• Hörminderung, Tinnitus, Ohrdruck?
• neurologische Symptome: Doppelbilder, Dysarthrie, Dysphagie, Schwäche, Sensibilitätsstörung?
• Medikamente, Alkohol, Drogen?
Klinische Schlüsselpunkte
Beim akuten vestibulären Syndrom ist die Unterscheidung peripher vs. zentral entscheidend.
HINTS nur bei anhaltendem akuten vestibulären Syndrom:
• Head Impulse
• Nystagmus
• Test of Skew
Zentral verdächtig schon bei einem Befund:
• normaler Kopfimpulstest
• richtungswechselnder Nystagmus
• Skew Deviation
Red Flags für zentrale Ursache
• Bewusstseinsstörung
• zentrale Okulomotorikstörung
• vertikaler, torsionaler oder atypischer Nystagmus
• Rumpfataxie / Dysmetrie
• Dysarthrie, Aphasie, Paresen, Hypästhesie
• apoplektiformer Beginn
• unklare Befunde trotz anhaltender Symptomatik
Typische periphere Syndrome
BPLS:
• Sekunden bis wenige Minuten
• lageabhängig
• beschwerdefrei in Ruhe
• Therapie: Befreiungsmanöver, z. B. Epley
Neuropathia vestibularis:
• anhaltender Schwindel über Stunden bis Tage
• Übelkeit/Erbrechen
• pathologischer Kopfimpulstest
• keine Hörstörung
• Therapie: kurz symptomatisch, frühe Mobilisation, vestibuläre Physiotherapie, ggf. Glukokortikoide
Morbus Menière:
• Attacken über 20 Minuten bis Stunden
• Hörminderung, Tinnitus, Ohrdruck
• symptomatische Akuttherapie, HNO-Mitbetreuung
Symptomatische Therapie
Bei Übelkeit/Erbrechen:
• Dimenhydrinat
• alternativ Metoclopramid
Wichtig:
• Antivertiginosa nur kurzzeitig
• längere Gabe kann vestibuläre Kompensation bremsen
️ Bildgebung
Bei Verdacht auf zentrale Ursache:
• bevorzugt kranielle MRT mit DWI, FLAIR, T2, Gefäßdarstellung
Wichtig:
• frühe MRT kann bei posteriorer Ischämie falsch negativ sein
• starke Klinik schlägt unauffällige Frühbildgebung
Take-home-Messages
• Erst fragen: Bewegungsillusion ja oder nein?
• Viel Übelkeit beweist keine periphere Ursache
• HINTS ist hochrelevant – aber nur im richtigen Setting
• Anamnese hilft, ersetzt aber nie die Untersuchung
• Dokumentation des Nystagmus exakt festhalten
• Wenn zentrale Ursache nicht sicher ausgeschlossen ist: stationär denken
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16.07.2026
30 Minuten
️ Hitzschlag: medizinischer Notfall
Hitzschlag ist eine der gefährlichsten hitzebedingten Notfallsituationen überhaupt. Unbehandelt drohen Multiorganversagen, neurologische Schäden und Tod. Entscheidend für Prognose und Outcome: frühes Erkennen und sofortige, konsequente Kühlung.
Merksatz
Schnelles Kühlen rettet Leben.
Definition
Hitzschlag = schwerer Hitzeschaden mit
- Körperkerntemperatur typischerweise > 40,5 °C
- neurologischer Störung
- drohendem oder bestehendem Organversagen
Ursache ist ein Versagen der Thermoregulation mit Zellschädigung, Inflammation, Gerinnungsstörung, Endothelschaden und Kreislaufversagen.
Formen
Klassischer Hitzschlag
- durch hohe Umgebungstemperaturen
- v. a. ältere Menschen, Kinder, Pflegebedürftige, Vorerkrankte, Personen unter Medikamenten
Anstrengungshitzschlag
- durch starke körperliche Belastung, oft zusätzlich Hitze
- v. a. junge, zuvor gesunde Menschen, z. B. Sport, Militär, Bauarbeit
️ Abgrenzung zum Sonnenstich
Sonnenstich
- meist leichter Hitzeschaden des Kopfes
- oft Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Nackenschmerz, meningeales Reizbild
- Temperatur oft < 40 °C
Hitzschlag
- deutliche Erhöhung der Körperkerntemperatur
- zentrale neurologische Symptome sind wegweisend
Wichtig: Sonnenstich kann ähnlich aussehen oder in einen Hitzschlag übergehen.
Klinische Zeichen
Typisch ist die Kombination aus:
- Hitzeexposition
- neurologischer Auffälligkeit
- erhöhter Körperkerntemperatur
Mögliche Symptome
- Desorientiertheit, Verwirrtheit, Delir, Agitation
- Ataxie, Krampfanfälle, Koma
- Tachykardie, später Hypotonie bis Schock
- Tachypnoe, Hyperventilation
- Übelkeit, Erbrechen
Hautbefund
- heiß, gerötet, trocken oder noch feucht
- Schwitzen schließt Hitzschlag nicht aus
🩺 Präklinisches Vorgehen
- Versorgung nach cABCDE
- Fremdanamnese nutzen: Hitze, Sport, Flüssigkeitsmangel, Alkohol, Drogen, Medikamente
- Vitalparameter und neurologischen Status erfassen
- Körperkerntemperatur messen: tympanisch, rektal, bei Intubation ösophageal
- axilläre Messung ist unzuverlässig
Bei Ateminsuffizienz oder Koma:
- Atemweg sichern, ggf. RSI/Intubation
- Sauerstoffgabe
- Krampfanfälle leitliniengerecht behandeln, z. B. Benzodiazepine
️ Zentrale Therapie: sofortige Kühlung
Ziel:
- Körperkerntemperatur rasch unter 39 °C senken
- aktive Kühlung dann reduzieren/beenden, um Hypothermie zu vermeiden
Praktische Methoden
- Kaltwasser- oder Eiswasserimmersion: effektivste Methode
- Kühlpacks in Tücher gewickelt an Leisten, Axillen, Kopf
- Haut befeuchten + Luftzug/Ventilation
- bei schweren Fällen intern oder extrakorporal kühlen
Wichtig:
- Temperatur engmaschig kontrollieren
- keine Antipyretika wie Paracetamol oder ASS
Klinik und Intensivmedizin
- Cooling first, parallel Diagnostik und Organunterstützung
- Volumengabe mit balancierten kristalloiden Lösungen
- engmaschiges Monitoring: Temperatur, EKG, Blutdruck, SpO2, BGA, Diurese
- Labor: Elektrolyte, Nierenwerte, Leberwerte, CK, Myoglobin, Gerinnung, Laktat, Osmolalität
- Komplikationen früh erkennen und behandeln
️ Wichtige Differenzialdiagnosen
- Hitzeerschöpfung, Hitzesynkope, Hitzekrämpfe
- Sepsis, Meningitis, Enzephalitis
- anticholinerges Syndrom
- serotonerges Syndrom
- malignes neuroleptisches Syndrom
- Intoxikationen
- thyreotoxische Krise, Addison-Krise, maligne Hyperthermie
Komplikationen
- Hirnödem, Delir, Koma
- Rhabdomyolyse
- akutes Nierenversagen
- Leberversagen
- ARDS
- Gerinnungsstörungen bis DIC
- Tod
Red Flags
- neurologische Störung bei Hitzeexposition
- normale periphere Temperatur schließt Hitzschlag nicht aus
- Schwitzen schließt Hitzschlag nicht aus
- Antipyretika helfen nicht
- auch junge, sportliche Menschen können rasch dekompensieren
Take-home-Points
1. Hitzschlag = Hyperthermie + neurologische Störung + Organversagensrisiko
2. Wichtigste Therapie: sofortige, rasche Kühlung
3. Antipyretika sind wirkungslos und potenziell schädlich
Hitzschlag ist eine der gefährlichsten hitzebedingten Notfallsituationen überhaupt. Unbehandelt drohen Multiorganversagen, neurologische Schäden und Tod. Entscheidend für Prognose und Outcome: frühes Erkennen und sofortige, konsequente Kühlung.
Merksatz
Schnelles Kühlen rettet Leben.
Definition
Hitzschlag = schwerer Hitzeschaden mit
- Körperkerntemperatur typischerweise > 40,5 °C
- neurologischer Störung
- drohendem oder bestehendem Organversagen
Ursache ist ein Versagen der Thermoregulation mit Zellschädigung, Inflammation, Gerinnungsstörung, Endothelschaden und Kreislaufversagen.
Formen
Klassischer Hitzschlag
- durch hohe Umgebungstemperaturen
- v. a. ältere Menschen, Kinder, Pflegebedürftige, Vorerkrankte, Personen unter Medikamenten
Anstrengungshitzschlag
- durch starke körperliche Belastung, oft zusätzlich Hitze
- v. a. junge, zuvor gesunde Menschen, z. B. Sport, Militär, Bauarbeit
️ Abgrenzung zum Sonnenstich
Sonnenstich
- meist leichter Hitzeschaden des Kopfes
- oft Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Nackenschmerz, meningeales Reizbild
- Temperatur oft < 40 °C
Hitzschlag
- deutliche Erhöhung der Körperkerntemperatur
- zentrale neurologische Symptome sind wegweisend
Wichtig: Sonnenstich kann ähnlich aussehen oder in einen Hitzschlag übergehen.
Klinische Zeichen
Typisch ist die Kombination aus:
- Hitzeexposition
- neurologischer Auffälligkeit
- erhöhter Körperkerntemperatur
Mögliche Symptome
- Desorientiertheit, Verwirrtheit, Delir, Agitation
- Ataxie, Krampfanfälle, Koma
- Tachykardie, später Hypotonie bis Schock
- Tachypnoe, Hyperventilation
- Übelkeit, Erbrechen
Hautbefund
- heiß, gerötet, trocken oder noch feucht
- Schwitzen schließt Hitzschlag nicht aus
🩺 Präklinisches Vorgehen
- Versorgung nach cABCDE
- Fremdanamnese nutzen: Hitze, Sport, Flüssigkeitsmangel, Alkohol, Drogen, Medikamente
- Vitalparameter und neurologischen Status erfassen
- Körperkerntemperatur messen: tympanisch, rektal, bei Intubation ösophageal
- axilläre Messung ist unzuverlässig
Bei Ateminsuffizienz oder Koma:
- Atemweg sichern, ggf. RSI/Intubation
- Sauerstoffgabe
- Krampfanfälle leitliniengerecht behandeln, z. B. Benzodiazepine
️ Zentrale Therapie: sofortige Kühlung
Ziel:
- Körperkerntemperatur rasch unter 39 °C senken
- aktive Kühlung dann reduzieren/beenden, um Hypothermie zu vermeiden
Praktische Methoden
- Kaltwasser- oder Eiswasserimmersion: effektivste Methode
- Kühlpacks in Tücher gewickelt an Leisten, Axillen, Kopf
- Haut befeuchten + Luftzug/Ventilation
- bei schweren Fällen intern oder extrakorporal kühlen
Wichtig:
- Temperatur engmaschig kontrollieren
- keine Antipyretika wie Paracetamol oder ASS
Klinik und Intensivmedizin
- Cooling first, parallel Diagnostik und Organunterstützung
- Volumengabe mit balancierten kristalloiden Lösungen
- engmaschiges Monitoring: Temperatur, EKG, Blutdruck, SpO2, BGA, Diurese
- Labor: Elektrolyte, Nierenwerte, Leberwerte, CK, Myoglobin, Gerinnung, Laktat, Osmolalität
- Komplikationen früh erkennen und behandeln
️ Wichtige Differenzialdiagnosen
- Hitzeerschöpfung, Hitzesynkope, Hitzekrämpfe
- Sepsis, Meningitis, Enzephalitis
- anticholinerges Syndrom
- serotonerges Syndrom
- malignes neuroleptisches Syndrom
- Intoxikationen
- thyreotoxische Krise, Addison-Krise, maligne Hyperthermie
Komplikationen
- Hirnödem, Delir, Koma
- Rhabdomyolyse
- akutes Nierenversagen
- Leberversagen
- ARDS
- Gerinnungsstörungen bis DIC
- Tod
Red Flags
- neurologische Störung bei Hitzeexposition
- normale periphere Temperatur schließt Hitzschlag nicht aus
- Schwitzen schließt Hitzschlag nicht aus
- Antipyretika helfen nicht
- auch junge, sportliche Menschen können rasch dekompensieren
Take-home-Points
1. Hitzschlag = Hyperthermie + neurologische Störung + Organversagensrisiko
2. Wichtigste Therapie: sofortige, rasche Kühlung
3. Antipyretika sind wirkungslos und potenziell schädlich
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Über diesen Podcast
Ein Podcast zu medizinischen Themen für junge Ärzte und Studierende
mit den Basics aber auch mit Tips für den alltäglichen Dienst in
der Klinik oder Praxis.
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