DocYouUp - Bring dein Wissen aufs nächste Level!

DocYouUp - Bring dein Wissen aufs nächste Level!

0 0

Episoden

Gallensteine - Cholelithiasis: Was genau sind Cholezystits, Choledocholithiasis, Cholangitis?
04.06.2026
23 Minuten
🩺 Thema der Folge


Gallensteine, Cholezystitis, Choledocholithiasis und Cholangitis: die wichtigsten Unterschiede, Warnzeichen und Therapieprinzipien für Klinik, Notaufnahme und Dienst.





Begriffe klar trennen


Cholelithiasis = Gallensteine allgemein


Cholezystolithiasis = Steine in der Gallenblase


Choledocholithiasis = Stein im Ductus choledochus


Cholezystitis = Entzündung der Gallenblase


Cholangitis = Entzündung der Gallenwege





Häufigkeit und Risikofaktoren





Gallensteine sind häufig: etwa 15 bis 20 Prozent der Erwachsenen betroffen.


Wichtig: Rund drei Viertel bleiben asymptomatisch und brauchen meist keine Therapie.





Typische Risikofaktoren:


• Sechs-F-Regel: fat, female, fertile, forty, fair, family


• Fasten, rascher Gewichtsverlust, parenterale Ernährung


• Morbus Crohn, Ileumresektion


• hämolytische Anämien


• bariatrische Eingriffe





️ Typische Klinik





Symptomatische Cholezystolithiasis:


• rechtsseitiger Oberbauchschmerz oder epigastrischer Schmerz


• oft nach fettreicher Mahlzeit


• Übelkeit, Erbrechen, Ausstrahlung in Rücken oder rechte Schulter





Akute Cholezystitis:


• Dauerschmerz im rechten Oberbauch


• Fieber


• positives Murphy-Zeichen


• meist steinbedingt durch Zystikusverschluss





Choledocholithiasis:


• starke kolikartige Schmerzen


• Cholestasezeichen: Ikterus, dunkler Urin, heller Stuhl, Juckreiz





Cholangitis:


• Charcot-Trias: Oberbauchschmerz, Fieber, Ikterus


• potenziell septischer Notfall





Merke:


Große Steine eher Cholezystitis


Kleine Steine eher Gangstein, Cholangitis oder biliäre Pankreatitis





Diagnostik





Wichtig ist die Kombination aus Anamnese, Untersuchung, Labor und Sonografie.





Sonografie = Methode der ersten Wahl:


• Steine mit dorsalem Schallschatten


• Cholezystitis: Wandverdickung über drei Millimeter, pericholezystische Flüssigkeit


• erweiterte Gallenwege bei Verdacht auf Choledocholithiasis





Labor:


• Blutbild, C-reaktives Protein


• AST, ALT, Gamma-GT, AP, Bilirubin


• Lipase bei Verdacht auf biliäre Pankreatitis





Typische Muster:


• unkomplizierte Cholezystolithiasis: Labor oft unauffällig


• Cholezystitis: Entzündungszeichen


• Choledocholithiasis: Cholestaseparameter erhöht


• Cholangitis: Cholestase plus Entzündung





Bei unklaren Fällen:


• Endosonografie oder MRCP


• ERCP/ERC primär therapeutisch, nicht routinemäßig diagnostisch





Therapie praktisch





Akute biliäre Schmerzen:


• Nahrungskarenz


• Flüssigkeit


• konsequente Analgesie, zum Beispiel Diclofenac, Metamizol, bei Bedarf Opioide





Asymptomatische Gallensteine:


• meist keine Operation


• Ausnahmen: Porzellangallenblase, Schrumpfgallenblase, große Steine über drei Zentimeter, Polypen ab etwa einem Zentimeter





Symptomatische Cholezystolithiasis:


• frühe elektive laparoskopische Cholezystektomie





Akute Cholezystitis:


• Analgesie, Flüssigkeit, Antibiotika


• frühe Cholezystektomie, idealerweise innerhalb von 24 Stunden





Choledocholithiasis:


• ERC/ERCP mit Papillotomie und Steinextraktion


• anschließend Cholezystektomie, möglichst zeitnah





Cholangitis:


• Notfall


• Blutkulturen, kalkulierte i.v.-Antibiotika


• schnelle biliäre Drainage, meist per ERC





Häufige Fehler





• asymptomatische Steine übertherapieren


• Cholangitis zu spät erkennen


• Cholestasewerte und Ultraschall nicht gemeinsam bewerten


• ERC als reine Diagnostik einsetzen


• akute Cholezystitis zu lange konservativ behandeln





Take-home-Messages





• Asymptomatische Gallensteine brauchen meist keine Therapie.


• Symptomatische Cholezystolithiasis spricht meist für Cholezystektomie.


• Cholangitis ist ein Notfall: Antibiotika plus schnelle Drainage.
Mehr
Ikterus und Cholestase
03.06.2026
23 Minuten
🟡 Ikterus: klinische Einordnung





Ikterus ist ein Leitsymptom, keine Diagnose. Ursache ist eine Störung im Bilirubinstoffwechsel oder im Galleabfluss.





Sichtbarkeit:


• Sklerenikterus meist ab > 2 mg/dl Serumbilirubin


• Hautikterus meist ab > 3 mg/dl


• Merke: zuerst die Skleren inspizieren





Abgrenzung:


• Pseudoikterus: gelbliche Haut, aber weiße Skleren, z. B. bei Karotinkonsum





Bilirubinstoffwechsel kurz





• Bilirubin entsteht beim Hämabbau


• Zunächst unkonjugiert/indirekt: fettlöslich, albumingebunden


• In der Leber Konjugation zu direktem Bilirubin


• Ausscheidung über die Galle in den Darm





Daraus ergibt sich die Einteilung:


• prähepatisch


• intrahepatisch


• posthepatisch





Ursachen nach Lokalisation





Prähepatisch:


• v. a. Hämolyse


• z. B. hereditäre Sphärozytose, G6PD-Mangel, hämolytische Erkrankungen





Intrahepatisch:


• virale Hepatitis, autoimmune Hepatitis


• toxisch/alkoholbedingt


• Leberzirrhose, Stauungsleber


• PBC, PSC, zystische Fibrose


• Gilbert-Meulengracht-Syndrom


• auch mechanische Ursachen in der Leber möglich: Tumoren, intrahepatische Steine, Cholangitis





Posthepatisch:


• Choledocholithiasis


• Mirizzi-Syndrom


• chronische Pankreatitis, Strikturen


• Choledochuszysten, Fehlbildungen


• Pankreaskarzinom, Cholangiokarzinom, Gallenblasenkarzinom





Merksatz:


• schmerzloser Ikterus = bis zum Beweis des Gegenteils malignomverdächtig





🩺 Klinik





Typische Zeichen:


• gelbe Skleren, Haut, Schleimhäute


• Pruritus


• dunkler Urin


• heller/acholischer Stuhl


• bei längerer Cholestase: Steatorrhö, Gewichtsverlust





Alarmzeichen:


• Ikterus + Fieber + Oberbauchschmerz Cholangitis denken





️ Wichtige Anamnese





• Medikamente


• Alkohol, Toxine


• frühere Hepatitiden/Lebererkrankungen


• Gallensteine


• Oberbauchschmerzen, Fieber, Gewichtsverlust


• Reisen, Sexualanamnese, Drogengebrauch


• familiäre Lebererkrankungen





Untersuchung und Labor





Körperlich:


• Zeichen chronischer Lebererkrankung: Spider naevi, Palmarerythem, Aszites, Hepato-/Splenomegalie, Enzephalopathie


• tastbare schmerzlose Gallenblase kann auf Malignom hinweisen





Labor:


• Gesamtbilirubin, direktes/indirektes Bilirubin


• AP, Gamma-GT


• AST, ALT


• Gerinnung, Albumin, Cholinesterase, Ammoniak


• bei Hämolyseverdacht: Hb, LDH, Haptoglobin, Retikulozyten


• ggf. Entzündungswerte, Hepatitis-Serologien, Autoantikörper





Typische Muster





Prähepatisch:


• indirektes Bilirubin


• kein Bilirubin im Urin


• Urobilinogen


• Hämolysezeichen, oft Anämie





Intrahepatisch:


• gemischte Bilirubinerhöhung


• Transaminasen oft deutlich


• Urin dunkel möglich


• keine zwingenden Stauungszeichen





Posthepatisch/mechanisch-obstruktiv:


• direktes Bilirubin


• dunkler Urin


• heller Stuhl


• Pruritus


• Cholestaseparameter


• gestaute Gallenwege in der Bildgebung





️ Bildgebung


Hinweise:


• dilatierte Gallenwege bei mechanischer Cholestase


• Double-Duct-Zeichen: Gallengang + Pankreasgang erweitert


• Doppelflintenphänomen intrahepatisch





Weitere Verfahren:


• MRCP zur nichtinvasiven Darstellung


• ERCP v. a. therapeutisch


• CT bei Tumorverdacht oder kompliziertem Verlauf





Therapie


Beispiele:


• Choledocholithiasis ERCP mit Steinextraktion


• Cholangitis Antibiotika + rasche Entlastung des Galleabflusses


• autoimmune Hepatitis meist Glukokortikoide ± Azathioprin


• alkoholtoxische Schädigung Alkoholabstinenz





Pruritus behandeln


Optionen:


• Colestyramin: häufig 4 g 1–4x täglich, Abstand zu anderen Medikamenten beachten


• Opioidantagonisten, z. B. Naltrexon


• UDCA bei passenden cholestatischen Grunderkrankungen, v. a. PBC


• zusätzlich: Hautpflege, kühle Umgebung, Schlafhygiene


• Antihistaminika eher sedierend als kausal wirksam





Take-home-Messages





• Ikterus ist ein Symptom, keine Diagnose


• Denke in prähepatisch, intrahepatisch, posthepatisch


• Labor + Sonografie sind die wichtigsten ersten Schritte


• Dunkler Urin + heller Stuhl + Pruritus sprechen stark für Cholestase


• Schmerzloser Ikterus ist malignomverdächtig


• Cholestatischer Juckreiz sollte aktiv behandelt werden
Mehr
Echinokokkose - Der Fuchsbandwurm
02.06.2026
19 Minuten
Thema der Folge





Echinokokkose ist eine parasitäre Erkrankung durch Bandwürmer:


• Echinococcus granulosus zystische Echinokokkose


• Echinococcus multilocularis alveoläre Echinokokkose





Klinisch entscheidend: Beide Formen unterscheiden sich deutlich in Wachstum, Prognose und Therapie.





Merksatz





• E. granulosus: eher singuläre, gut abgrenzbare Zyste


• E. multilocularis: infiltratives, destruierendes Wachstum, tumorähnlich





Übertragung und Lebenszyklus





Der Mensch ist ein Fehlwirt und infiziert sich durch orale Aufnahme von Wurmeiern:


• direkt über Kontakt mit infiziertem Tierkot oder Fell


• indirekt über kontaminierte Erde oder Hände





Wichtig für die Aufklärung:


• Infektion nicht durch Verzehr von Zysten im Fleisch


• Leber ist am häufigsten betroffen, da Ausbreitung über die Pfortader erfolgt





Klinische Manifestation





Zystische Echinokokkose:


• meist einzelne Leberzyste


• Leberbefall in ca. 70 Prozent


• Lungenbefall in ca. 20 Prozent


• oft lange asymptomatisch


• Symptome: Oberbauchschmerz, Druckgefühl, Husten, Dyspnoe


• Ruptur kann Anaphylaxie oder akute Komplikationen auslösen





Alveoläre Echinokokkose:


• fast immer initial Leberbefall


• infiltratives Wachstum mit Gewebszerstörung


• mögliche Folgen: Cholestase, portale Hypertension, Zirrhose


• Ausbreitung in andere Organe möglich





Epidemiologie





• E. granulosus: weltweit verbreitet, in Europa v. a. Mittelmeerraum und Südosteuropa


• E. multilocularis: Nordhalbkugel, in Europa v. a. Mitteleuropa


• Deutschland: jeweils etwa 50 Fälle pro Jahr, bei E. granulosus teils auch 50 bis 100





Diagnostik





Entscheidend ist, früh an die Diagnose zu denken.





Labor:


• Eosinophilie oder erhöhtes IgE möglich


• auch Leukopenie, Thrombozytopenie, Leberwerterhöhung


• insgesamt unspezifisch





Serologie:


• ELISA, indirekte Hämagglutination, Immunfluoreszenz


• wichtig: negative Serologie schließt Echinokokkose nicht aus





Bildgebung:


• Ultraschall ist meist der erste Schritt


• zystische Form: unilokuläre Zyste, Tochterzysten, Septen, Wandverkalkungen


• alveoläre Form: unscharfe, infiltrative Läsionen, Nekrosen, irreguläre Verkalkungen


• CT/MRT zur Ausdehnungsdiagnostik und Therapieplanung





️ Wichtiger Praxispunkt





Bei Verdacht auf Echinokokkose keine unüberlegte diagnostische Punktion:


• Risiko der Erregerverschleppung


• Risiko schwerer allergischer Reaktionen bis zur Anaphylaxie





Therapieplanung gehört in erfahrene Zentren.





Therapie





Zystische Echinokokkose:


• häufig operative Resektion kurativ


• in ausgewählten Fällen interventionelles Vorgehen möglich


• bei Inoperabilität oder Streuung: medikamentöse Therapie





Alveoläre Echinokokkose:


• nur ein Teil der Fälle kurativ resezierbar


• nach Resektion langfristig Albendazol


• bei inoperablen Fällen: Albendazol als palliative Standardtherapie


• oft sehr langfristig, teils lebenslang





Medikamente





Albendazol:


• Mittel der ersten Wahl


• 10 bis 15 mg/kgKG/Tag


• bei Erwachsenen oft 400 mg zweimal täglich


• Einnahme mit fettreicher Mahlzeit


• wirkt v. a. parasitostatisch





Mebendazol:


• zweite Wahl


• 40 bis 50 mg/kgKG/Tag





Kontrollen unter Therapie:


• Transaminasen


• Bilirubin


• Blutbild


• besonders zu Beginn engmaschig





Take-home-Punkte





• Unklare Leberzyste oder infiltrative Leberläsion? Immer an Echinokokkose denken


• Tochterzysten und Verkalkungen sind wichtige Bildgebungshinweise


• Negative Serologie beruhigt nicht sicher


• Keine reflexhafte Punktion


• Albendazol ist Standard, oft als Langzeittherapie


• Die alveoläre Form ist prognostisch deutlich ernster als die zystische
Mehr
Hämochromatose
01.06.2026
25 Minuten
🩸 Hämochromatose auf einen Blick





Häufigste genetische Eisenspeicherkrankheit, meist gut behandelbar – wenn sie früh erkannt wird. Die Kernbotschaft:


früh daran denken, richtig diagnostizieren, konsequent entleeren.





Definition und Pathophysiologie





Hämochromatose gehört zu den Siderosen, also Eisenüberladungen des Körpers. Überschüssiges Eisen wird gewebetoxisch und lagert sich in Organen ab.





Wichtig:


• primäre Siderose = angeboren, v. a. hereditäre Hämochromatose


• sekundäre Siderose = erworben, z. B. bei Transfusionen oder ineffektiver Erythropoese





Zentraler Mechanismus der HFE-Hämochromatose:


zu wenig bzw. unangemessen niedriges Hepcidin gesteigerte intestinale Eisenaufnahme.





Genetik





Meist gemeint: HFE-Hämochromatose


• häufigste Mutation: C282Y


• weitere Variante: H63D





Klinisch am relevantesten:


• homozygote C282Y-Mutation





Wichtig:


Genetik allein reicht nicht zur Diagnose. Wegen unvollständiger Penetranz braucht es zusätzlich den laborchemischen Nachweis der Eisenüberladung.





Wann daran denken?





Frühsymptome sind oft unspezifisch:


• Fatigue, Leistungsminderung


• Arthralgien


• leicht erhöhte Leberwerte





Typisch:


Beschwerden an den MCP-Gelenken II und III.





Auch denken bei:


• unklarer Hyperferritinämie


• frühem Diabetes


• Kardiomyopathie unklarer Ursache


• endokrinen Störungen wie Libidoverlust, Amenorrhö, Hypogonadismus





Diagnostik





Erster Schritt:


• Ferritin


• Transferrinsättigung





Verdächtig:


• Transferrinsättigung > 45 %


• Ferritin > 300 µg/l bei Männern und postmenopausalen Frauen


• Ferritin > 200 µg/l bei prämenopausalen Frauen





Merksatz:


Erhöhtes Ferritin allein ist keine Hämochromatose.





Spricht für Eisenüberladung:


• Ferritin erhöht


• Transferrinsättigung erhöht





Spricht eher dagegen:


• isolierte Hyperferritinämie bei normaler Transferrinsättigung





Dann an andere Ursachen denken:


Entzündung, Infektion, Alkohol, Lebererkrankung, metabolisches Syndrom, Autoimmunerkrankungen, hämatologische Erkrankungen.





Diagnosesicherung





Gesichert ist die HFE-Hämochromatose durch:


laborchemische Eisenüberladung + homozygote C282Y-Mutation





Ergänzend:


• Transaminasen


• großes Blutbild, ggf. Retikulozyten


• organspezifische Diagnostik je nach Manifestation





Organabklärung





Leber:


• MRT zur Eisenquantifizierung bevorzugt


• Sonografie, ggf. Elastografie





Weitere Abklärung:


• Nüchternglukose / Diabetesdiagnostik


• EKG, Echokardiografie, ggf. kardiale MRT


• endokrine Achsen bei klinischem Verdacht





Auch wichtig:


Screening von Verwandten ersten Grades.





Therapie





Therapie der ersten Wahl: Aderlass (Phlebotomie)





Typisch:


• 400–500 ml pro Sitzung


• in der Induktionsphase meist alle 1–2 Wochen


• Ziel-Ferritin: ca. 50 µg/l





Kontrollen:


• Hämoglobin vor jedem Aderlass


• Ferritin regelmäßig zur Steuerung





Begleitmaßnahmen





Sinnvoll, aber nicht ersetzend:


• keine Eisenpräparate ohne Indikation


• Vitamin-C-Präparate meiden


• Alkohol reduzieren, v. a. bei Leberbeteiligung


• rohe Meeresfrüchte meiden


• Ernährung unterstützt, ersetzt aber nie die Entleerungstherapie





Prognose und Nachsorge


Bei frühem Therapiebeginn ist eine normale Lebenserwartung möglich. Bereits entstandene Schäden – besonders Arthropathie und Zirrhose – sind oft nicht vollständig reversibel.





Nachsorge:


• Ferritin und Transferrinsättigung meist alle 6 Monate


• organbezogene Kontrollen je nach Befund


• bei Zirrhose: HCC-Screening alle 6 Monate





Take-home-Messages





• Hämochromatose ist die häufigste genetische Eisenspeicherkrankheit.


• Diagnostisch entscheidend sind Transferrinsättigung + Ferritin, nicht Ferritin allein.


• Gesicherte Diagnose: Eisenüberladung im Labor plus passende HFE-Genetik.


• Therapie der Wahl ist der Aderlass.


• Nicht jedes hohe Ferritin ist eine Hämochromatose – aber ohne Transferrinsättigung wird sie leicht übersehen.
Mehr
Morbus Wilson
31.05.2026
24 Minuten
Morbus Wilson auf einen Blick





Seltene, autosomal-rezessive Störung des Kupferstoffwechsels durch Mutationen im ATP7B-Gen. Entscheidend: behandelbar – aber nur, wenn früh daran gedacht wird.





Wann daran denken?





Morbus Wilson immer mitdenken bei:


• jungen Patientinnen und Patienten mit unklar erhöhter Transaminase


• unklarer Hepatitis, Zirrhose oder akutem Leberversagen


• extrapyramidalen Bewegungsstörungen vor dem 45. Lebensjahr


• Tremor, Dysarthrie, Dystonie, Ataxie oder Dysphagie


• psychiatrischen Auffälligkeiten plus Leberwertveränderungen oder neurologischen Symptomen





Pathophysiologie





Gestörte biliäre Kupferausscheidung und verminderter Einbau in Coeruloplasmin führen zu Anstieg von freiem Kupfer. Ablagerung v. a. in:


• Leber


• Hornhaut


• ZNS, besonders Basalganglien


• Erythrozyten


• weiteren Organen





️ Multisystemerkrankung mit oft unscharfem klinischem Bild





🫀 Klinik





Hepatisch:


• asymptomatische Transaminasenerhöhung


• Hepatomegalie, Splenomegalie, Fettleber


• akute, chronische oder fulminante Hepatitis


• Leberzirrhose


• Ikterus, Aszites, Pruritus


• hepatische Enzephalopathie, Asterixis





Neurologisch:


• akinetisch-rigides Parkinson-Syndrom


• Tremor


• Chorea, Dystonien


• Dysarthrie, Dysphagie


• Ataxie, Nystagmus


• Feinmotorik- und Gangstörungen





Psychiatrisch:


• Reizbarkeit, Impulsivität, affektive Labilität


• Depression, Psychose


• kognitive Defizite bis Demenz





️ Typische Befunde





• Kayser-Fleischer-Kornealring: stark hinweisend, aber nicht obligat


• selten Sonnenblumenkatarakt





Diagnostik





Die Diagnose ergibt sich aus der Gesamtkonstellation, nicht aus einem Einzelwert.





Wichtige Bausteine:


• Anamnese inkl. Familienanamnese


• klinische Untersuchung


• Spaltlampenuntersuchung


• Leberwerte, Gerinnung, Albumin, Blutbild, Kreatinin


• Serum-Coeruloplasmin: oft erniedrigt, aber nicht beweisend


• 24-Stunden-Urin-Kupfer: bei Erwachsenen >100 µg/24 h pathologisch


• relatives austauschbares Kupfer (REC): >15 % pathologisch, >18,5 % stark verdächtig


• Molekulargenetik: ATP7B


• cMRT bei neurologischer Symptomatik


• Sonographie Abdomen


• ggf. Leberbiopsie mit hepatischer Kupferbestimmung





️ Wichtige Stolpersteine





• Coeruloplasmin kann trotz Wilson normal sein


• falsch gesammelter 24-Stunden-Urin verfälscht Ergebnisse


• fehlender Kayser-Fleischer-Ring schließt die Diagnose nicht aus





Therapie





Drei Säulen:


• kupferarme Ernährung


• medikamentöse Therapie


• Lebertransplantation im Extremfall





Chelattherapie:


• D-Penicillamin: wirksam, aber nebenwirkungsreich


• langsam einschleichend über Monate, um neurologische Verschlechterung zu vermeiden


• Pyridoxin-Substitution beachten


• Trientine als Alternative, oft besser verträglich





Zink:


• vermindert intestinale Kupferresorption


• besonders bei asymptomatischen Verläufen, Schwangerschaft, Erhaltungstherapie





Ernährung:


• kupferreiche Lebensmittel meiden: Innereien, Schalentiere, Nüsse, Kakao, Schokolade, Pilze, manche Trockenfrüchte


• auf kupferhaltiges Trinkwasser achten





Monitoring





Regelmäßig kontrollieren:


• Klinik und Adhärenz


• Blutbild


• Leberwerte


• Nierenfunktion


• Urinstatus


• Kupferstoffwechselparameter, v. a. 24-Stunden-Urin-Kupfer





Therapie ist lebenslang. Absetzen kann zu schwerer Verschlechterung führen.





Take-home





• Junge Menschen mit Leber + Neuro/Psyche: immer an Morbus Wilson denken


• Nie auf einen Einzelwert verlassen


• Früh behandeln, konsequent kontrollieren


• Selten, aber hochrelevant – weil behandelbar
Mehr

Über diesen Podcast

Ein Podcast zu medizinischen Themen für junge Ärzte und Studierende mit den Basics aber auch mit Tips für den alltäglichen Dienst in der Klinik oder Praxis.
15
15
Close