Akutes Querschnittsyndrom: neurologischer Notfall - Akutmanagment

Akutes Querschnittsyndrom: neurologischer Notfall - Akutmanagment

vor 4 Tagen
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Beschreibung

vor 4 Tagen

Akutes Querschnittsyndrom: neurologischer Notfall





Jedes akute Querschnittsyndrom ist ein Zeit- und
Diagnostik-Notfall. Auch scheinbar milde sensible Ausfälle können
rasch progredient und dauerhaft behindernd werden.





Definition und klinische Muster





Akut bilaterale, höhenbezogene neurologische Defizite durch
Schädigung des Rückenmarks oder akute Dekompensation einer
chronischen Myelopathie.





Wichtige Syndrome:


• Komplettes vs. inkomplettes Querschnittsyndrom


• Arteria-spinalis-anterior-Syndrom: motorische Ausfälle +
gestörtes Schmerz-/Temperaturempfinden, Hinterstrangfunktionen
eher erhalten


• Brown-Séquard-Syndrom: hemilaterale Rückenmarksläsion mit
dissoziierten sensomotorischen Ausfällen


• Konus-Kauda-Syndrom: Sattelanästhesie, Harn-/Stuhlstörung,
periphere Beinparesen





Differenzialdiagnosen mitdenken





Nicht jede beidseitige Beinschwäche ist spinal:


• Leriche-Syndrom


• Guillain-Barré-Syndrom


• bilaterales Mantelkantensyndrom


• psychogene Lähmung


• ausgedehnte Hirnstammläsion bei sehr hohem Syndrom





🩺 Akutmanagement





Versorgung nach cABCDE, enges Monitoring und frühe
interdisziplinäre Einbindung.





Wichtige Sofortmaßnahmen:


• Monitoring: EKG, SpO2, Atemfrequenz, Blutdruck beidseits,
Temperatur


• i.v.-Zugang, Labor, Blutgasanalyse bei Bedarf


• zurückhaltende initiale Volumengabe mit balancierter
Vollelektrolytlösung


• Thromboseprophylaxe situationsgerecht


• Restharnsonografie, bei Bedarf Blasenkatheter


• suffiziente Analgesie


• bei Risiko: Magenschutz, Darmmanagement


• bei Trauma: sofort Traumazentrum, Neurochirurgie/Traumatologie





Klinische Untersuchung





Die klinische Höhenlokalisation steuert die Bildgebung.





Besonders wichtig:


• Beginn: Minuten, Stunden oder Tage?


• plötzlich = eher vaskulär


• subakut = eher entzündlich, infektiös oder kompressiv


• Rückenschmerz, radikulärer Schmerz, gürtelförmige Parästhesien


• Motorik, Tonus, Reflexe, Pyramidenbahnzeichen


• sensibles Niveau kartieren


• sakrale Funktionen prüfen: Sattelbereich, Analsphinkter,
Blasen-/Mastdarmfunktion


• Hirnnerven untersuchen bei Verdacht auf Hirnstamm


• Pulse und Ischämiezeichen an allen Extremitäten prüfen





️ Atemfunktion nicht übersehen





Hohe zervikale Läsionen, besonders auf Höhe C3/C4, können das
Zwerchfell gefährden und vital bedrohlich sein.





️ Bildgebung: was zuerst?





Standard:


• notfallmäßige MRT der Wirbelsäule





Ausnahmen:


• Verdacht auf Hirnstammschädigung: zuerst CT Kopf + CTA der
supraaortalen Gefäße


• Verdacht auf Arteria-spinalis-anterior-Syndrom oder
Leriche-Syndrom: zuerst CTA der gesamten Aorta





Merke:


Unauffällige Erstbildgebung beendet die Diagnostik nicht. Bei
weiterem Verdacht fehlende Wirbelsäulenabschnitte
nachuntersuchen, ggf. MRT Kopf oder Liquordiagnostik ergänzen.





Ursachen mit Zeitkritik





Sofort erkennen und behandeln:


• kompressive Myelopathie: Fraktur, Blutung, Bandscheibenprolaps,
Tumor, Abszess, Spondylodiszitis


• vaskuläre Ursachen: spinale Ischämie, Aortendissektion,
Aortenverschluss


• entzündliche/infektiöse Myelitis


• hochzervikale Läsion mit Atemgefährdung





Wer muss dazu?





• Neurochirurgie/Traumatologie bei Kompression, Trauma,
Spondylodiszitis


• Gefäß- oder Thoraxchirurgie bei Aortendissektion,
Aortenverschluss, Aneurysma


• Intensivstation bei respiratorischer Insuffizienz, hohem
Querschnitt, Hirnstammsyndrom oder vegetativer Instabilität





Take-home





Früh erkennen, sauber lokalisieren, passende Bildgebung wählen,
sofort interdisziplinär handeln: Genau diese Kombination
entscheidet beim akuten Querschnittsyndrom über den
neurologischen Outcome.
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