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Beschreibung
vor 2 Tagen
Thema der Folge
Notfallmanagement bei Schwindel: strukturiertes Vorgehen zwischen
harmloser peripherer Ursache und potenziell lebensbedrohlichem
posterioren Schlaganfall.
Grundprinzip
Schwindel ist ein Symptom, keine Diagnose.
Die subjektive Stärke sagt wenig über die Gefährlichkeit aus.
Wichtig:
• nicht auf Bauchgefühl verlassen
• Anamnese + Basisdiagnostik + klinische Untersuchung +
Gesamtsynthese
• im Zweifel zentral, bis das Gegenteil bewiesen ist
Begriffsklärung
Vestibulärer Schwindel (Vertigo):
Bewegungsillusion – Drehen, Schwanken, Kippen, Gezogensein
Nicht vestibulärer Schwindel (Dizziness):
Unsicherheit, Benommenheit, Präsynkope, Schwarzwerden vor Augen
Vestibulär weiter differenzieren:
• peripher: Innenohr / Vestibularorgan
• zentral: Hirnstamm / Kleinhirn
Akutziele im Notfall
1. Lebensbedrohliche Ursachen erkennen
• Hirnstammischämie / Kleinhirninfarkt
• Rhythmusstörungen
• Hypotonie / Hypertonie
• Hypoglykämie
• Elektrolytstörungen
• Intoxikation / Entzug
2. Akut behandelbare periphere Ursachen identifizieren
• benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel (BPLS)
• Neuropathia vestibularis
• Menière-Attacke
🩺 Basismaßnahmen
Zu Beginn immer:
• Vitalparameter
• 12-Kanal-EKG
• i.v.-Zugang
• Blutentnahme, ggf. BGA
Sinnvolle Labore:
• Blutbild, CRP
• Glukose
• Elektrolyte inkl. Na, K, Mg
• Nierenwerte
• Leberwerte
• Troponin, CK
• TSH
• Gerinnung
• ggf. Ethanol
Wichtige Anamnese
Zentrale Fragen:
• echte Bewegungsillusion oder eher Benommenheit?
• plötzlich oder schleichend?
• anhaltend oder attackenartig?
• Dauer: Sekunden, Minuten, Stunden?
• auslösbar durch Lagewechsel/Kopfbewegung?
• Hörminderung, Tinnitus, Ohrdruck?
• neurologische Symptome: Doppelbilder, Dysarthrie, Dysphagie,
Schwäche, Sensibilitätsstörung?
• Medikamente, Alkohol, Drogen?
Klinische Schlüsselpunkte
Beim akuten vestibulären Syndrom ist die Unterscheidung peripher
vs. zentral entscheidend.
HINTS nur bei anhaltendem akuten vestibulären Syndrom:
• Head Impulse
• Nystagmus
• Test of Skew
Zentral verdächtig schon bei einem Befund:
• normaler Kopfimpulstest
• richtungswechselnder Nystagmus
• Skew Deviation
Red Flags für zentrale Ursache
• Bewusstseinsstörung
• zentrale Okulomotorikstörung
• vertikaler, torsionaler oder atypischer Nystagmus
• Rumpfataxie / Dysmetrie
• Dysarthrie, Aphasie, Paresen, Hypästhesie
• apoplektiformer Beginn
• unklare Befunde trotz anhaltender Symptomatik
Typische periphere Syndrome
BPLS:
• Sekunden bis wenige Minuten
• lageabhängig
• beschwerdefrei in Ruhe
• Therapie: Befreiungsmanöver, z. B. Epley
Neuropathia vestibularis:
• anhaltender Schwindel über Stunden bis Tage
• Übelkeit/Erbrechen
• pathologischer Kopfimpulstest
• keine Hörstörung
• Therapie: kurz symptomatisch, frühe Mobilisation, vestibuläre
Physiotherapie, ggf. Glukokortikoide
Morbus Menière:
• Attacken über 20 Minuten bis Stunden
• Hörminderung, Tinnitus, Ohrdruck
• symptomatische Akuttherapie, HNO-Mitbetreuung
Symptomatische Therapie
Bei Übelkeit/Erbrechen:
• Dimenhydrinat
• alternativ Metoclopramid
Wichtig:
• Antivertiginosa nur kurzzeitig
• längere Gabe kann vestibuläre Kompensation bremsen
️ Bildgebung
Bei Verdacht auf zentrale Ursache:
• bevorzugt kranielle MRT mit DWI, FLAIR, T2, Gefäßdarstellung
Wichtig:
• frühe MRT kann bei posteriorer Ischämie falsch negativ sein
• starke Klinik schlägt unauffällige Frühbildgebung
Take-home-Messages
• Erst fragen: Bewegungsillusion ja oder nein?
• Viel Übelkeit beweist keine periphere Ursache
• HINTS ist hochrelevant – aber nur im richtigen Setting
• Anamnese hilft, ersetzt aber nie die Untersuchung
• Dokumentation des Nystagmus exakt festhalten
• Wenn zentrale Ursache nicht sicher ausgeschlossen ist:
stationär denken
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