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Beschreibung
vor 3 Tagen
️ Hitzschlag: medizinischer Notfall
Hitzschlag ist eine der gefährlichsten hitzebedingten
Notfallsituationen überhaupt. Unbehandelt drohen
Multiorganversagen, neurologische Schäden und Tod. Entscheidend
für Prognose und Outcome: frühes Erkennen und sofortige,
konsequente Kühlung.
Merksatz
Schnelles Kühlen rettet Leben.
Definition
Hitzschlag = schwerer Hitzeschaden mit
- Körperkerntemperatur typischerweise > 40,5 °C
- neurologischer Störung
- drohendem oder bestehendem Organversagen
Ursache ist ein Versagen der Thermoregulation mit Zellschädigung,
Inflammation, Gerinnungsstörung, Endothelschaden und
Kreislaufversagen.
Formen
Klassischer Hitzschlag
- durch hohe Umgebungstemperaturen
- v. a. ältere Menschen, Kinder, Pflegebedürftige, Vorerkrankte,
Personen unter Medikamenten
Anstrengungshitzschlag
- durch starke körperliche Belastung, oft zusätzlich Hitze
- v. a. junge, zuvor gesunde Menschen, z. B. Sport, Militär,
Bauarbeit
️ Abgrenzung zum Sonnenstich
Sonnenstich
- meist leichter Hitzeschaden des Kopfes
- oft Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Nackenschmerz,
meningeales Reizbild
- Temperatur oft < 40 °C
Hitzschlag
- deutliche Erhöhung der Körperkerntemperatur
- zentrale neurologische Symptome sind wegweisend
Wichtig: Sonnenstich kann ähnlich aussehen oder in einen
Hitzschlag übergehen.
Klinische Zeichen
Typisch ist die Kombination aus:
- Hitzeexposition
- neurologischer Auffälligkeit
- erhöhter Körperkerntemperatur
Mögliche Symptome
- Desorientiertheit, Verwirrtheit, Delir, Agitation
- Ataxie, Krampfanfälle, Koma
- Tachykardie, später Hypotonie bis Schock
- Tachypnoe, Hyperventilation
- Übelkeit, Erbrechen
Hautbefund
- heiß, gerötet, trocken oder noch feucht
- Schwitzen schließt Hitzschlag nicht aus
🩺 Präklinisches Vorgehen
- Versorgung nach cABCDE
- Fremdanamnese nutzen: Hitze, Sport, Flüssigkeitsmangel,
Alkohol, Drogen, Medikamente
- Vitalparameter und neurologischen Status erfassen
- Körperkerntemperatur messen: tympanisch, rektal, bei Intubation
ösophageal
- axilläre Messung ist unzuverlässig
Bei Ateminsuffizienz oder Koma:
- Atemweg sichern, ggf. RSI/Intubation
- Sauerstoffgabe
- Krampfanfälle leitliniengerecht behandeln, z. B. Benzodiazepine
️ Zentrale Therapie: sofortige Kühlung
Ziel:
- Körperkerntemperatur rasch unter 39 °C senken
- aktive Kühlung dann reduzieren/beenden, um Hypothermie zu
vermeiden
Praktische Methoden
- Kaltwasser- oder Eiswasserimmersion: effektivste Methode
- Kühlpacks in Tücher gewickelt an Leisten, Axillen, Kopf
- Haut befeuchten + Luftzug/Ventilation
- bei schweren Fällen intern oder extrakorporal kühlen
Wichtig:
- Temperatur engmaschig kontrollieren
- keine Antipyretika wie Paracetamol oder ASS
Klinik und Intensivmedizin
- Cooling first, parallel Diagnostik und Organunterstützung
- Volumengabe mit balancierten kristalloiden Lösungen
- engmaschiges Monitoring: Temperatur, EKG, Blutdruck, SpO2, BGA,
Diurese
- Labor: Elektrolyte, Nierenwerte, Leberwerte, CK, Myoglobin,
Gerinnung, Laktat, Osmolalität
- Komplikationen früh erkennen und behandeln
️ Wichtige Differenzialdiagnosen
- Hitzeerschöpfung, Hitzesynkope, Hitzekrämpfe
- Sepsis, Meningitis, Enzephalitis
- anticholinerges Syndrom
- serotonerges Syndrom
- malignes neuroleptisches Syndrom
- Intoxikationen
- thyreotoxische Krise, Addison-Krise, maligne Hyperthermie
Komplikationen
- Hirnödem, Delir, Koma
- Rhabdomyolyse
- akutes Nierenversagen
- Leberversagen
- ARDS
- Gerinnungsstörungen bis DIC
- Tod
Red Flags
- neurologische Störung bei Hitzeexposition
- normale periphere Temperatur schließt Hitzschlag nicht aus
- Schwitzen schließt Hitzschlag nicht aus
- Antipyretika helfen nicht
- auch junge, sportliche Menschen können rasch dekompensieren
Take-home-Points
1. Hitzschlag = Hyperthermie + neurologische Störung +
Organversagensrisiko
2. Wichtigste Therapie: sofortige, rasche Kühlung
3. Antipyretika sind wirkungslos und potenziell schädlich
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