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Beschreibung
vor 5 Tagen
Eine medizinische Disziplin gerät zunehmend unter Druck: die
Schmerztherapie. Obwohl sie für viele Patient:innen unverzichtbar
ist, spielt sie in politischen und wirtschaftlichen
Entscheidungen oft nur eine untergeordnete Rolle. Dabei lebt gute
Schmerzmedizin von ausreichend Zeit, einer gründlichen Anamnese
und einer individuellen Betreuung.
In dieser Folge von „5 Minus – Das Gesundheitssystem verfehlt das
Klassenziel“ spricht Dr. Laura Dalhaus mit Dr. Stefan Hegemann,
der als Schmerztherapeut an einem Krankenhaus in Düren tätig ist.
Stefan hat dort ein Team aus drei Schmerztherapeuten aufgebaut
und verfolgt einen klaren Ansatz: Schmerztherapie funktioniert
nur, wenn man sich intensiv mit den Menschen und ihrer
Krankheitsgeschichte beschäftigt.
Mit der Krankenhausreform verschwindet jedoch die stationäre
Schmerztherapie als eigenständige Leistungsgruppe. Für Laura ist
das ein großer Verlust. Aus ihrer eigenen Erfahrung weiß sie,
dass viele Patient:innen durch eine spezialisierte
Schmerztherapie ihre hohen Opioid-Dosen deutlich reduzieren
konnten und dadurch an Lebensqualität gewonnen haben.
Da Stefan zusätzlich als Suchtmediziner arbeitet, sprechen die
beiden auch über Cannabis und die damit verbundenen
bürokratischen Hürden. Er erläutert, dass chronische Schmerzen
häufig mit psychischen Belastungen einhergehen. Gleichzeitig
führen F-Diagnosen in vielen Fällen dazu, dass bestimmte
Therapien – etwa Cannabis – erschwert oder ausgeschlossen werden.
Auch der Medizinische Dienst (MD) ist Thema der Folge. Beide
berichten, dass sie regelmäßig Widersprüche gegen Entscheidungen
einlegen und sich bei Aufsichtsbehörden beschweren müssen, weil
sie viele Bewertungen des MD als wenig praxisnah empfinden.
Stefan beschreibt außerdem die Vorgaben der
Qualitätssicherungsvereinbarung Schmerztherapie. Danach müssen
pro Quartal 192 Stunden Sprechstunde angeboten werden.
Gleichzeitig gelten Prüfzeiten, sodass Ärzt:innen bereits ab
einer Abrechnung von mehr als 156 Stunden in eine
Plausibilitätsprüfung geraten. Zusätzlich ist die Versorgung
faktisch auf etwa 300 Patient:innen pro Quartal begrenzt – ein
Widerspruch, der den Praxisalltag erheblich erschwert.
Wie so oft landet die Diskussion schließlich beim Thema
Finanzierung. Stefan erklärt, welche zentrale Rolle
Überweisungsscheine für seine Abrechnung spielen. Gleichzeitig
beobachtet er, dass im Gesundheitswesen zunehmend über
Rationalisierung und Rationierung gesprochen wird. Trotz hoher
Ausgaben bleibt der medizinische Output hinter den Erwartungen
zurück – und immer mehr Health Care Professionals spüren die
Folgen dieser Entwicklung auch gesundheitlich.
Der wirtschaftliche Druck betrifft längst nicht mehr nur
niedergelassene Ärzt:innen. Laura greift in diesem Zusammenhang
erneut das Thema Regresse auf und macht deutlich, dass auch
Krankenhäuser immer stärker unter finanziellen Zwängen stehen.
Ein weiterer Schwerpunkt sind die unterschiedlichen
Schmerzmedikamente und ihre jeweiligen Indikationen. Gerade in
der Schmerzmedizin sind Off-Label-Verordnungen fester Bestandteil
der Versorgung. Für die behandelnden Ärzt:innen bedeutet das
jedoch häufig ein erhebliches Haftungsrisiko.
Laura wundert sich darüber, dass innerhalb der Ärzteschaft
teilweise noch immer die Sorge besteht, es gebe nicht genügend
Arbeit für alle. Aus ihrer Sicht zeigt die Realität etwas
anderes: Nicht die Nachfrage fehlt, sondern eine angemessene
Vergütung der medizinischen Leistungen.
Deshalb entscheiden sich immer mehr Ärzt:innen dafür, einen
größeren Anteil ihrer Tätigkeit über IGeL-Leistungen
beziehungsweise Selbstzahler-Leistungen abzubilden. Laura sieht
darin durchaus Chancen, denn manche Innovationen gelangen erst
über diesen Weg später in die Regelversorgung. Gleichzeitig
beobachtet sie, dass viele Menschen zunehmend bereit sind, selbst
in ihre Gesundheit zu investieren.
Zum Abschluss plädiert Stefan dafür, den kollegialen Austausch
stärker zu pflegen und belastbare Netzwerke aufzubauen. Für ihn
gehören gegenseitige Wertschätzung, Zusammenarbeit und die
Bereitschaft, sich Unterstützung zu holen, zu den wichtigsten
Voraussetzungen für eine gute medizinische Versorgung.
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