Die Chirurgie liegt Dr. Laura Dalhaus besonders am Herzen. Umso mehr freut sie sich, in dieser Folge von "5 Minus - Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenziel" gleich zwei Chirurginnen zu Gast zu haben: Gaby Sbrisny, niedergelassene Allgemeinchirurgin und Gefäßchirurgin, und Paula Beck, Traumatologin und Allgemeinchirurgin vom Verein „Die Chirurginnen“.
Paula macht deutlich, dass es in der Chirurgie lange dauert, bis man wirklich selbstständig arbeiten kann. Gerade am Anfang ist es entscheidend, erfahrene Kolleg:innen an der Seite zu haben, die einen anleiten und unterstützen.
Eigentlich müsste die Ausbildung deshalb von Beginn an fest in den Klinikalltag integriert sein. In der deutschen Gesundheitsversorgung läuft Aus- und Weiterbildung jedoch häufig eher nebenher und wird irgendwie zusätzlich zum normalen Betrieb mitgemacht.
Dass es anders gehen kann, zeigt die Schweiz: Dort erhalten Krankenhäuser Geld für Weiterbildungsassistent:innen und Ausbildungszeit wird innerhalb der regulären Arbeitszeit ermöglicht.
Auch Gaby sieht deutliche Lücken in der chirurgischen Ausbildung. Gerade die vermeintlich „popelige“ Chirurgie wird im Krankenhaus häufig kaum noch vermittelt – beispielsweise die Behandlung von Lipomen oder eingewachsenen Zehennägeln.
Laura beobachtet mit Sorge, dass dadurch echte ärztliche Kunst zunehmend verloren geht, während Checklisten-Medizin immer stärker in den Vordergrund rückt.
Aus ihrer eigenen Zeit in der Chirurgie kennt Laura auch die Selbstzweifel, wenn ein Eingriff nicht so läuft wie geplant. Für Paula gehört genau diese Auseinandersetzung mit dem eigenen Handeln zum Beruf. Komplikationen lassen sich nicht vollständig verhindern – entscheidend ist, wie man damit umgeht. Wer sich irgendwann gar keine Gedanken mehr darüber macht, sollte ihrer Meinung nach überlegen, ob die Chirurgie noch der richtige Beruf ist.
Laura bringt außerdem eine Studie ins Gespräch, nach der Frauen in der Chirurgie bessere Ergebnisse erzielen als Männer. Gemeinsam diskutieren die drei darüber, welche Rolle das Geschlecht tatsächlich spielt.
Ein Faktor könnte die Kommunikation sein: So zeigen sich bessere Ergebnisse, wenn Frauen von Frauen operiert werden.
Gleichzeitig gibt es weiterhin Se*ismus-Vorwürfe und Berichte darüber, dass berufliche Karrieren von Frauen aktiv behindert werden. Paula beobachtet darüber hinaus Unterschiede in der Art und Weise, wie gearbeitet wird.
Genau deshalb ist der Verein „Die Chirurginnen“ so wichtig. Er schafft Vorbilder und zeigt jungen Frauen, welche unterschiedlichen Karrierewege ihnen innerhalb der Chirurgie offenstehen.
Denn auch die Chirurgie kämpft längst mit einem Nachwuchsproblem – genau wie viele andere medizinische Fachrichtungen.
In der Berufspolitik ist inzwischen angekommen, wie wichtig es ist, junge Ärzt:innen frühzeitig einzubinden. Laura erlebt allerdings immer wieder, dass sich PJler nach einem Tertial in der Chirurgie bewusst gegen das Fach entscheiden.
Eine weitere Herausforderung ist die enorme Menge an praktischer Erfahrung, die notwendig ist, um eine gute Chirurgin oder ein guter Chirurg zu werden. Laura selbst hat immer gerne und viel gearbeitet. Die erforderlichen Stunden im OP vergleicht sie mit einem hochkomplexen Sport oder dem Erlernen eines Instruments: Eine halbe Stunde Training pro Woche reicht schlicht nicht aus, um wirklich gut zu werden.
Genau darin liegt jedoch auch ein großes Problem. Die notwendige Arbeitsbelastung und der hohe Anspruch führen gleichzeitig dazu, dass viele Menschen ausbrennen.
Zum Abschluss richten Laura, Gaby und Paula den Blick auf die Gesundheitspolitik. Die drei diskutieren über den neuen Gesundheitsminister Carsten Linnemann und darüber, welche Wünsche und Erwartungen sie als Ärztinnen an ihn haben.
Zum Verein: https://chirurginnen.com/
Mehr über Laura: https://linktr.ee/lauradalhaus
Zum Shop von Laura: https://lauradalhaus-shop.de/
Kommentare (2)
Melde dich an, um einen Kommentar zu schreiben.
Das wird uns allen auf die Füße fallen. Alles was die jetzige Regierung bestimmt in Bezug auf Kürzungen im Gesundheitssystem (auch anderes was Herr Merz loslässt) wird uns schaden. Besonders unseren Kindern und Enkeln.
Ich bin FÄ für Psychiatrie und Psychotherapie und freue mich aufrichtig zu hören und zu sehen, dass Kolleginnen Probleme beim Namen nennen und Lösungen vorschlagen. Psychiatrische Erkrankungen sind weiterhin stark stigmatisiert wenn auch nicht alle gleich. Daher möchte ich beitragen, dass die psychologische Kollegin (wie meist) nur einen bestimmten Teil von Erkrankungen anspricht, die oftmals leichteren und vor allem mit weniger interpersonellen Problemen verbundenen. Ein 20-Jähriger mit Schizophrenie ist schneller in der Behindertenwerkstatt abgestellt (auch non-stop von der Uni) als ein einziger Psychotherapieversuch stattfindet. Der langjährige Skandal der Psychiatrie "je schwerer die Erkrankung, desto weniger Therapie" bleibt leider oder wird durch "Burnout" verstärkt, Das System psychiatrische Behandlung und Zugang dazu ist so darwinistisch, schwer Kranke habe praktisch keine Chance ....