Auch in der Medizin vorhanden: Machtmissbrauch und Rollenbilder | Dr. Andrea Morawe

Auch in der Medizin vorhanden: Machtmissbrauch und Rollenbilder | Dr. Andrea Morawe

vor 6 Tagen
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Podcast
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Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenziel

Beschreibung

vor 6 Tagen

Auf dem Deutschen Ärztetag haben Medizinstudentinnen ein Thema
öffentlich gemacht, das in der Medizin viel zu lange weggeschoben
wurde: sexuelle Belästigung, sexuelle Grenzüberschreitungen und
Machtmissbrauch.


In der neuen Folge von „5 Minus – Das Gesundheitssystem verfehlt
das Klassenziel“ spricht Dr. Laura Dalhaus darüber mit Dr. Andrea
Morawe.


Oft kommt bei solchen Berichten sofort die Reaktion: „Bei uns
gibt es das nicht.“ Genau deshalb ordnet Andrea zunächst ein,
worum es überhaupt geht. Sexuelle Belästigung kann bereits durch
unangemessene Kommentare, Blicke oder Gesten entstehen. Von einer
sexuellen Grenzüberschreitung sprechen wir dann, wenn die Würde
einer Person verletzt wird.


Auf dem Deutschen Ärztetag berichteten Studentinnen davon, dass
sie auf Hotelzimmer eingeladen wurden und Gespräche mit ihnen
weniger um Berufspolitik, sondern plötzlich um private Themen
kreisten. Gerade in der Berufspolitik treffen junge Frauen häufig
auf Strukturen, die noch immer stark vom Bild des „alten weißen
Mannes“ geprägt sind.


Dass solche Erfahrungen keine Einzelfälle sind, zeigt auch eine
Umfrage des Marburger Bundes. Fast die Hälfte der Befragten gab
an, bereits Machtmissbrauch am ärztlichen Arbeitsplatz erlebt zu
haben.


Ein wichtiger Punkt sind die Hierarchien in der Medizin.
Besonders in der Chirurgie sind Ärzt:innen in Weiterbildung
darauf angewiesen, bestimmte Eingriffe zu bekommen. Dadurch
entstehen Abhängigkeiten von Vorgesetzten, die über OP-Pläne,
Weiterbildung und Karrierewege entscheiden.


Andrea erklärt diese Dynamiken auch über das Konzept der
toxischen Männlichkeit. Viele Jungen lernen früh, Gefühle zu
unterdrücken, nicht zu weinen und Kontrolle mit Stärke
gleichzusetzen. In hierarchischen Systemen kann das
problematische Verhaltensweisen verstärken. Das ist keine
Entschuldigung, aber ein Erklärungsansatz. Wer merkt, dass
Hilflosigkeit oder Frust regelmäßig in Aggression umschlagen,
sollte sich Hilfe holen – denn solche Muster können langfristig
auch in Gewalt münden.


Laura und Andrea machen aber auch klar: Machtmissbrauch ist kein
rein männliches Thema. Auch Frauen können Machtpositionen
ausnutzen oder schlecht führen. Dahinter stehen oft
Überforderung, Unsicherheit oder fehlende Reflexion.


Im Kern geht es beiden um Gleichberechtigung. Frauen wollen keine
Sonderbehandlung, sondern faire Strukturen und den Abbau von
Machtgefällen.


Laura spricht dazu auch über den Fall an der Universitätsklinik
Essen, bei dem der Chefarzt der Gynäkologie keine
Schwangerschaftsabbrüche durchführen wollte – auch keine
medizinisch indizierten. Daran diskutieren die beiden, wie sehr
Schwangerschaftsabbrüche historisch und politisch immer wieder
zur Bevölkerungs- und Geburtenkontrolle genutzt wurden. Für sie
ist klar: Frauen müssen ihren Lebensweg selbst bestimmen können.
Dafür braucht es familienfreundliche Politik und echte
Gleichbehandlung der Geschlechter.


Im weiteren Verlauf sprechen Laura und Andrea über ihre eigenen
Erfahrungen, über Erziehung, Kindheit und gesellschaftliche
Rollenbilder. Auch Kinderbücher kommen zur Sprache, weil sie früh
prägen, welches Bild von Männern, Frauen und Familie vermittelt
wird.


Andrea bringt außerdem ihre Perspektive aus Ostdeutschland ein.
Die Jahre nach der Wende waren dort stark von Arbeitslosigkeit
und Unsicherheit geprägt. Solche Erfahrungen wirken bis heute
nach und können ein Nährboden für politische Strömungen sein, die
traditionelle Rollenmodelle wieder stärker machen wollen.


Am Ende steht der Appell: Politik muss Rahmenbedingungen
schaffen, in denen Familie, Beruf und Gleichberechtigung zusammen
funktionieren. Und jedes Wahlkreuz hat Konsequenzen, auch für die
Frage, in welcher Gesellschaft wir leben wollen.


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