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Beschreibung
vor 1 Tag
Akutes Schlaganfallmanagement – praxisnaher Ablauf
️ Grundprinzip
Jedes plötzlich aufgetretene fokal-neurologische Defizit ist
zunächst ein Schlaganfall, bis das Gegenteil bewiesen ist – auch
bei Remission der Symptome oder TIA.
Time is brain.
️ Wichtige Anamnese
Entscheidend sind:
• Welche Defizite? Sprache, Sprechen, Sehen, Sensibilität,
Motorik, Koordination
• Plötzlicher Beginn oder schleichend?
• Persistierend, rückläufig oder remittiert?
• Wann war die Person zuletzt sicher symptomfrei?
Zusätzlich parallel:
• vaskuläre Vorerkrankungen, Risikofaktoren
• Blutungsrisiken
• Vormedikation, v. a. Antikoagulanzien und
Thrombozytenaggregationshemmer
Basismaßnahmen
cABCDE, Monitoring und Stabilisierung:
• Herzfrequenz, Blutdruck, Atmung, SpO₂, Temperatur
• 12-Kanal-EKG früh und aktiv befunden
• mindestens 1 stabiler i.v.-Zugang
• Blutgasanalyse inkl. Blutzucker
🩸 Labor
Wichtig in der Akutsituation:
• kleines Blutbild, CRP
• Glukose, Elektrolyte, Laktat
• Kreatinin, Harnstoff, eGFR
• Leberwerte
• Troponin, CK
• TSH
• INR, PTT
• Ethanol
Wichtig: Hypoglykämie ist ein relevanter Stroke Mimic und muss
sofort ausgeschlossen bzw. korrigiert werden.
Neurologische Notfalluntersuchung
Orientierend, schnell und fokussiert:
• Aphasie vs. Dysarthrie unterscheiden
• Gesichtsfeld, Visus, Neglect
• Pupillen, Blickdeviation, Okulomotorik
• Fazialisparese, faziale Sensibilität
• Arm- und Beinhalteversuch
• grobe Kraft, Tonus, Reflexe
• grobe Sensibilität
• zerebelläre Tests: Finger-Nase, Knie-Hacke, Sitzen/Gang wenn
sicher
Plausibilitätsprüfung
Spricht das Bild für ein Schlaganfallsyndrom?
1. neurovaskulär plausible Lokalisation
2. plötzlicher Symptombeginn
3. kein offensichtliches Stroke Mimic
Bei Zweifel bis zur Bildgebung im Schlaganfallpfad bleiben.
Schweregrad
NIHSS zur standardisierten Erfassung und Verlaufskontrolle.
️ Bildgebung
Akutstandard:
• native cCT
• CTA der supraaortalen Gefäße
Auch bei bereits remittiertem Defizit.
Fragen an die Bildgebung:
• Blutung?
• demarkierte Ischämie / frühe Infarktzeichen?
• frischer Gefäßverschluss?
• relevante Stenose?
Therapieentscheidung
Wenn Blutung: weiteres Vorgehen nach Blutungsart/-ursache.
Wenn keine Blutung:
• ≤ 4,5 h und kein großer erreichbarer Verschluss systemische
Thrombolyse
• großer interventionell erreichbarer Gefäßverschluss
Neurothrombektomie erwägen
• ≤ 4,5 h + großer Verschluss häufig Bridging: Lyse +
Thrombektomie
• erweitertes/unklares Zeitfenster Perfusionsbildgebung oder
MRT, Penumbra / DWI-FLAIR-Mismatch prüfen
Sonderfall:
• Basilarisverschluss: Thrombektomie oft auch jenseits
klassischer Zeitfenster
Systemische Thrombolyse
Standardindikation:
• ischämischer Schlaganfall innerhalb von 4,5 Stunden
Vorher beachten:
• Blutung ausgeschlossen
• Kontraindikationen prüfen
• Blutdruck vor Lyse ≤ 180/105 mmHg
Typische Probleme:
• wirksame Antikoagulation
• pathologische Gerinnung
• aktive/kürzliche Blutung
• schwere Hypertonie
• sehr große Infarkte
• vollständig rückläufige oder nicht behindernde Defizite
Komplikationen der Lyse
Achten auf:
• neurologische Verschlechterung
• Kopfschmerz, Erbrechen, Vigilanzminderung
• Blutdruckanstieg
sofort cCT bei Blutungsverdacht
Wichtig:
• angioneurotisches Ödem, oft 30–120 min nach Beginn
Lyse stoppen, Notfalltherapie, Atemweg sichern
Stroke Unit
Indiziert bei ischämischem Schlaganfall oder TIA.
Monitoring:
• EKG, RR, HF, Atmung, SpO₂
• Temperatur und Blutzucker regelmäßig
• Vigilanz und NIHSS engmaschig
Nachsorge und Merkpunkte
• Bei neurologischer Verschlechterung sofort erneute cCT
• Nach Lyse: RR < 180/105 mmHg, ideal systolisch 140–160
• 24 h nach Lyse Kontroll-cCT
• Erst danach ASS und medikamentöse Thromboseprophylaxe, wenn
keine Blutung
Merkskript für den Dienst
Plötzliches Defizit erkennen Uhrzeit klären cABCDE Zucker
messen fokal-neurologisch untersuchen Plausibilität prüfen
sofort cCT + CTA Entscheidung über Lyse und/oder Thrombektomie.
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