Podcast
Podcaster
Beschreibung
vor 3 Tagen
🫀 Perikardtamponade: kardiologischer Notfall
Perikardtamponade = lebensbedrohliche Kompression des Herzens
durch Druckanstieg im Perikard mit behinderter diastolischer
Füllung. Folge: vermindertes Schlagvolumen, sinkendes
Herzzeitvolumen, obstruktiver Schock bis Kreislaufstillstand.
Merksatz: Hämodynamisch relevante Perikardtamponade =
schnellstmögliche Entlastung. Verzichtbare Diagnostik darf nicht
verzögern.
️ Pathophysiologie
Entscheidend ist nicht nur die Ergussmenge, sondern vor allem die
Geschwindigkeit der Entstehung:
• langsam zunehmender Erguss: oft länger kompensiert
• rasches Hämoperikard: schon bei kleinerer Menge fulminante
Tamponade
Klinik
Typische Hinweise:
• Dyspnoe
• Brustschmerz
• Tachykardie
• Hypotonie
• Tachypnoe
• Unruhe, Schwitzen, Todesangst
Wichtige Befunde:
• Halsvenenstauung
• abgeschwächte Herztöne
• Pulsus paradoxus: inspiratorischer Abfall des systolischen
Blutdrucks > 10 Millimeter Quecksilber
• ggf. Kußmaul-Zeichen
Immer mitdenken: Differenzialdiagnosen
Bei obstruktivem Schock sofort unterscheiden zwischen:
• Perikardtamponade
• Spannungspneumothorax
• massive Lungenarterienembolie
Besonders wichtig:
Spannungspneumothorax kann klinisch sehr ähnlich sein.
Lungenultraschall und Auskultation helfen bei der Abgrenzung.
🩺 Diagnostik
Methode der ersten Wahl: Echokardiografie
Echo-Zeichen:
• Perikarderguss
• diastolischer Kollaps rechter Herzhöhlen
• gestaute Vena cava inferior mit verminderter Kollapsibilität
• atemabhängige Flussveränderungen
Praxispunkt:
Bei instabiler Tamponade keine unnötige Verzögerung durch CT,
ausführliches Labor oder organisatorische Abläufe.
Akutmanagement
Sofortmaßnahmen:
• Monitoring: EKG, Blutdruck, Sauerstoffsättigung, Atmung,
Urinproduktion
• venöser Zugang, idealerweise zwei
• Sauerstoffgabe, Ziel SpO2 > 92 Prozent
• kleine vorsichtige Volumenboli, z. B. 250 bis 500 Milliliter
balancierte Kristalloidlösung
• engmaschige Reevaluation
Kreislaufunterstützung als Überbrückung:
• Noradrenalin bei ausgeprägter Hypotonie
• Dobutamin bei niedrigem Herzzeitvolumen
Wichtig:
Vasopressoren und Inotropika kaufen Zeit, ersetzen aber nie die
Entlastung.
Was vermeiden?
• Diuretika
• Vasodilatatoren
• unnötige positive Druckbeatmung
Wenn Intubation unvermeidbar:
nur gut vorbereitet, mit hämodynamischer Absicherung und
möglichst in Nähe zur definitiven Entlastung.
Definitive Therapie
Standard: ultraschallgestützte Perikardpunktion
Typisch:
• möglichst unter Monitoring und sterilen Bedingungen
• klassisch subxiphoidaler Zugang
• anschließend meist Drainage in Seldinger-Technik für 1 bis 3
Tage
Operative Notfallentlastung statt Punktion v. a. bei:
• traumatischer Tamponade
• postoperativer Tamponade nach Herzchirurgie
• vermuteter Ventrikelruptur nach Myokardinfarkt
• Aortendissektion
️ Komplikationen der Perikardpunktion
• Myokardverletzung
• Koronarverletzung
• Arrhythmien
• Pneumothorax
• Leberverletzung
Darum: wenn möglich ultraschallgeführt.
Ursachen
Wichtige Ätiologien:
• Trauma
• iatrogen, z. B. nach PCI, Ablation, Schrittmacher, ZVK,
Herzchirurgie
• freie Ventrikelruptur nach Myokardinfarkt
• Aortendissektion
• maligne Ergüsse
• infektiöse Ursachen
• idiopathische oder entzündliche Perikarderkrankungen
• Autoimmunerkrankungen, Urämie, Myxödem
Take-home-Punkte
• Hypotonie + Tachykardie + Halsvenenstauung = obstruktiven
Schock denken
• Echo ist das wichtigste Akuttool
• Spannungspneumothorax immer ausschließen
• kleine Volumengaben können überbrücken
• Diuretika und Vasodilatatoren sind akut meist falsch
• positive Druckbeatmung kann die Situation verschlechtern
• definitive Therapie ist die Entlastung, nicht die
Pharmakotherapie
Weitere Episoden
23 Minuten
vor 14 Stunden
30 Minuten
vor 1 Tag
23 Minuten
vor 2 Tagen
29 Minuten
vor 4 Tagen
23 Minuten
vor 5 Tagen
Abonnenten
Starte jetzt mit Deinem eigenen Podcast!
Teste unser Podcast-Hosting kostenlos und unverbindlich für 30 Tage.
#EinfachPodcasten #WerdePodcaster
Kommentare (0)
Melde Dich an, um einen Kommentar zu schreiben.