Hypovolämischer Schock - Akutmanagment

Hypovolämischer Schock - Akutmanagment

vor 5 Tagen
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Beschreibung

vor 5 Tagen

Thema der Folge


Hypovolämischer Schock: schnelles, strukturiertes Handeln bei
kritischem intravasalem Volumenmangel mit Organhypoperfusion.





Lernziele





- hypovolämischen Schock erkennen


- Kreislauf stabilisieren


- Blutvolumen gezielt wiederherstellen


- Ursache suchen und wenn möglich direkt behandeln





Definition





Hypovolämischer Schock = Schockzustand durch kritische
Verminderung des intravasalen Volumens.





Wichtig:


- nicht jede Hypotonie ist ein Schock


- nicht jeder Schock ist hypovolämisch


- Mischbilder sind häufig, z. B. Hypovolämie plus Sepsis





Klinische Zeichen





Typische Hinweise auf Gewebehypoperfusion:


- Hypotonie


- Tachykardie


- kalte Extremitäten


- verlängerte Rekapillarisierungszeit


- Unruhe, Durst


- trockene Schleimhäute


- Oligurie


- Vigilanzminderung





Labor:


- erhöhtes Laktat als Perfusionsmarker


- immer im klinischen Kontext interpretieren





Vier Leitfragen am Patientenbett





- Ist der Kreislauf instabil?


- Gibt es Zeichen der Organminderperfusion?


- Gibt es Hinweise auf Volumenverlust?


- Gibt es andere oder zusätzliche Schockursachen?





Akutmanagement





Parallel statt nacheinander:


- Atemweg, Atmung, Kreislauf sichern


- Monitoring aufbauen


- venösen Zugang schaffen


- Volumentherapie starten


- Ursache suchen





Monitoring:


- EKG


- Blutdruck


- SpO2


- Atemfrequenz


- Diurese, wenn sinnvoll via Blasenkatheter


- bei Instabilität ggf. arterielle Blutdruckmessung





Kreislaufziele





- systolischer Blutdruck > 100 mmHg


- MAP > 65 mmHg


- Urinproduktion > 0,5 ml/kg/h


- ScvO2 > 70 %, falls gemessen





Volumentherapie





Initial:


- balancierte kristalloide Lösungen


- bei Erwachsenen oft 500 ml als Bolus über 10–15 Minuten


- danach konsequente Reevaluation


- lieber kleine wiederholte Bolusgaben als unkritisch mehrere
Liter





Reevaluation nach jedem Bolus:


- Blutdruck


- Herzfrequenz


- Rekapillarisierungszeit


- mentale Verfassung


- Hauttemperatur


- Diurese


- Laktat / BGA, wenn verfügbar





️ Übertherapie vermeiden





Auch hypovoläme Patienten können überwässert werden.





Hilfreich:


- fokussierte Echokardiografie: Füllung, Schlagvolumen, V. cava
inferior


- auf Lungenödem achten: Rasselgeräusche, steigender O2-Bedarf,
B-Linien





Vasopressoren





Wenn trotz adäquater Volumengabe keine Stabilisierung:


- Diagnose hinterfragen


- an Mischformen denken, v. a. Sepsis oder kardiale Ursache


- ggf. Noradrenalin, z. B. 0,02–0,1 µg/kg/min titriert





Merksatz:


Noradrenalin ersetzt kein Volumen.





Elektrolyte





Engmaschig kontrollieren:


- Kalium im Normbereich halten


- Hypokaliämie gezielt substituieren


- Hyperkaliämie sofort erkennen und behandeln


- Natrium nie zu schnell korrigieren





Zu rasche Natriumkorrekturen können schwere neurologische Schäden
verursachen.





🩺 Häufige Ursachen





Enteral:


- Gastroenteritis


- Cholera





Renal:


- hyperosmolares diabetisches Koma


- Diuretika


- Diabetes insipidus


- Aldosteronmangel / Addison-Krise





Dritter Raum:


- Ileus


- Aszites bei Lebererkrankung





Kutan:


- Hyperthermie


- Verbrennungen


- Verätzungen


- großflächige Hautläsionen





Verminderte Aufnahme:


- ältere Menschen, Demenz


- Schluckstörungen, Immobilität


- psychostimulierende Substanzen





️ Praktische Merksätze





- Stabilisieren, Volumen ersetzen, Ursache behandeln


- nach jedem Bolus neu untersuchen


- Flüssigkeitsbilanz sauber dokumentieren


- gezielt nach Erbrechen, Durchfall, Diuretika, Polyurie,
Trinkmenge und Fieber fragen


- bei Fieber und Schocksymptomatik immer auch an Sepsis denken





Take-home-Message


Der hypovolämische Schock ist vor allem ein Problem des fehlenden
intravasalen Volumens. Entscheidend sind frühes Erkennen, rasche
Volumentherapie mit balancierten Kristalloiden, engmaschige
Reevaluation und konsequente Ursachensuche.
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