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Beschreibung
vor 1 Woche
𩞠Thema der Folge
Rupturiertes Bauchaortenaneurysma (rAAA) = einer der
dramatischsten gefĂ€Ăchirurgischen NotfĂ€lle. Entscheidend ist die
frĂŒhe Verdachtsdiagnose und der schnellstmögliche Weg zur
operativen Blutungskontrolle.
Zentrale Botschaft
Nicht maximale Diagnostik vor Ort, sondern:
- schnell erkennen
- schonend behandeln
- unverzĂŒglich in ein geeignetes Zentrum transportieren
Alles muss dem OP-Beginn dienen. Keine Verzögerung durch unnötige
MaĂnahmen.
Pathophysiologie
Es gibt zwei klinisch wichtige Formen:
- freie Ruptur: Blutung in die Bauchhöhle, meist hochinstabil,
oft rasch tödlich
- gedeckte retroperitoneale Ruptur: vorĂŒbergehende Tamponade
möglich
Wichtig: Diese fragile Tamponade darf nicht verloren gehen.
GefÀhrlich sind:
- Blutdruckspitzen
- Pressen, Husten, starke Bewegung
- unnötige Manipulationen
- wenn möglich auch Intubation vermeiden
Wann daran denken?
Klassisch: Bauch-/RĂŒckenschmerz + Hypotonie + pulsierende
abdominelle Resistenz
HĂ€ufiger aber nur Red Flags:
- Àlterer Patient, oft mÀnnlich
- bekannte GefĂ€Ăerkrankung oder bekanntes AAA
- plötzlicher Bauch-, Flanken- oder RĂŒckenschmerz
- Kollaps, Synkope, SchweiĂigkeit, BlĂ€sse
- Unruhe, Verwirrtheit, Schock unklarer Genese
ïž Wird nicht selten als Nierenkolik, Lumboischialgie oder akutes
Abdomen fehlgedeutet.
đ©ș PrĂ€klinisches Management
Wichtig:
- fokussierte Anamnese: bekanntes AAA, GefĂ€Ăeingriffe,
Antikoagulation, plötzlicher Schmerzbeginn
- Basismonitoring: SpO2, NIBP engmaschig, EKG
- Pulse, Rekapillarisierungszeit, Vigilanz prĂŒfen
- BZ und Temperatur mitdenken
- möglichst wenig Bewegung, schonende Lagerung
- warm halten
Kreislaufstrategie: permissive Hypotension
Ziel ist nicht Normotonie, sondern gerade ausreichende
Organperfusion.
Praktische Orientierung:
- systolisch etwa 70â100 mmHg
- deutlich unter 70 mmHg vermeiden
- nicht âschöninfundierenâ
Volumentherapie:
- restriktiv
- kleine Kristalloid-Boli, z. B. 250 ml
- danach neu beurteilen
Merksatz:
So wenig wie möglich, so viel wie nötig.
Medikamente
Analgesie:
- vorsichtig titriert
- z. B. Morphin 1â2 mg i.v. schrittweise
- alternativ Fentanyl in kleinen Dosen
Sedierung:
- nur zurĂŒckhaltend bei Angst/Unruhe
- z. B. Midazolam niedrig dosiert
Bei Hypotonie mit unzureichender Perfusion:
- Noradrenalin als ĂberbrĂŒckung möglich
Bei hypertensiver Entgleisung:
- vorsichtig steuerbares Nitroglycerin in EinzelfÀllen
đ« Atemweg und Sauerstoff
- Sauerstoff nach Bedarf
- Intubation möglichst vermeiden, wenn nicht zwingend notwendig
- Atemwegssicherung nur bei klarer Indikation
Zielklinik und Schockraum
Transport:
- sofort
- in ein gefĂ€Ăchirurgisch geeignetes, idealerweise endovaskulĂ€r
erfahrenes Zentrum
- Voranmeldung mit klarer Verdachtsdiagnose rAAA
Im Schockraum:
- nur Diagnostik, die den OP nicht verzögert
- Labor, Kreuzblut, Blutgase, Laktat, Gerinnung, Kalzium
- Sonografie oft sehr hilfreich
- CT-Angiografie nur bei hÀmodynamisch ausreichend stabilem
Patienten
- instabiler Patient: direkt OP / Hybrid-OP
𩞠HÀmotherapie und Gerinnung
FrĂŒh an Massivtransfusion denken:
- Erythrozyten
- Plasma
- Thrombozyten
AuĂerdem wichtig:
- Normothermie
- Kalzium im Blick
- Azidose vermeiden
- Gerinnung ĂŒberwachen
HĂ€ufige Fehler
- Diagnose nicht in Betracht ziehen
- unnötige Bewegung oder Stress
- aggressive Volumengabe auf Normotonie
- zeitfressende Diagnostik beim instabilen Patienten
- verspÀtete Zentrenanmeldung
- WÀrme, Gerinnung und Blutprodukte unterschÀtzen
Take-home Messages
- rAAA frĂŒh erkennen
- schonendes Management mit permissiver Hypotension
- keine Verzögerung: direkt ins geeignete Zentrum und zur
Blutungskontrolle
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