Notfallmanagment - "c" - critical bleeding

Notfallmanagment - "c" - critical bleeding

vor 1 Tag
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Beschreibung

vor 1 Tag

🩸 cABCDE: Kritische Blutung zuerst





Kritische, gut zugängliche Blutungen haben im Trauma Vorrang vor
dem klassischen ABCDE. Das kleine „c“ steht für Critical
Bleeding: zuerst lebensbedrohliche, komprimierbare Blutung
stoppen, dann strukturiert mit A, B, C, D, E weitermachen.





Warum das kleine „c“ wichtig ist





Starke äußere Blutungen gehören zu den häufigsten vermeidbaren
Todesursachen nach Trauma. Entscheidend ist schnelles,
mechanisches Handeln:


• sofortiger Direktdruck


• keine Verzögerung durch langes Materialsuchen


• unter dem „c“ nur behandeln, was sofort von außen
kontrollierbar ist





️ Praktische Blutungskontrolle





Zentrale Basismaßnahme ist der manuelle Druck direkt auf die
Blutungsquelle.





Danach je nach Situation:


• Druckverband mit wirksamem Druckpolster


• Wound Packing bei tiefen/ klaffenden Wunden


• anschließend erneute äußere Kompression





Hämostatika können unterstützen, ersetzen aber nie die
mechanische Kompression.





Hämostatika





Genannt werden vor allem:


• Chitosan


• Kaolin





Sinnvoll bei schwer beherrschbaren Blutungen, insbesondere im
Rahmen eines Wound Packings.





🪢 Tourniquet bei Extremitätenblutung





Sehr wirksam bei kritischen Extremitätenblutungen, aber nur bei
korrekter Anlage.





Wichtige Punkte:


• Anlage mindestens ca. 5 cm proximal der Wunde


• nicht über Gelenke, Wunden, Fremdkörper oder offene Frakturen


• möglichst nicht über Kleidung


• so fest anziehen, bis die Blutung sicher stoppt


• distal idealerweise kein Puls mehr tastbar


• Uhrzeit dokumentieren


• bei unzureichender Wirkung zweites Tourniquet proximal erwägen





Typische Indikationen:


• lebensgefährliche Blutung


• multiple Blutungen


• schlechte Zugänglichkeit


• Massenanfall/ Mehrfachverletzte


• zusätzliche A-/B-/C-Probleme


• Dunkelheit oder Gefahrenlage





️ Reevaluation ist Pflicht





Kompression ist immer temporär. Mit steigenden Blutdruckwerten
kann eine zunächst ausreichende Maßnahme insuffizient werden.





Wichtig:


• Wirkung regelmäßig kontrollieren


• Tourniquet-Indikation spätestens nach etwa 30 Minuten erneut
prüfen


• wenn möglich Umstieg auf Druckverband/Wound Packing


• Tourniquet offen belassen, aber zunächst am Patienten lassen


• > 2 Stunden deutlich erhöhtes Komplikationsrisiko





Kopf, Rumpf und innere Blutung





Bei Kopf- und Rumpfblutungen gelten dieselben Grundprinzipien:


• Direktdruck


• Druckverband


• ggf. Wound Packing





Am Rumpf ist ein Tourniquet in der Regel nicht anwendbar. Wenn
äußere Maßnahmen nicht ausreichen: nicht im „c“ hängen bleiben,
sondern rasch definitive Blutstillung organisieren.





Sonderfall Beckenfraktur





Beckenfrakturen können massiv bluten, oft retroperitoneal und
äußerlich kaum sichtbar. Bei passendem Unfallmechanismus und
hämodynamischer Instabilität früh daran denken.





Hinweise:


• Beckenschmerz, Hämatome, perineale Blutergüsse


• Beckenasymmetrie, Beinlängendifferenz, Fehlrotation


• Blutung aus Urethra, Vagina oder Anus


• Hochrasanz-, Sturz-, Überroll-, Explosions- oder
Verschüttungstrauma





Therapie:


• frühe mechanische Stabilisierung


• Beckengurt/Beckenschlinge auf Höhe der Trochanteren


• nicht zu hoch anlegen





Analgesie





Tourniquets sind schmerzhaft. Genannt werden:


• Ketamin, oft günstig bei Kreislaufinstabilität


• Fentanyl, vorsichtig titriert





Lokale Standards und enges Monitoring haben Vorrang.





Take-home-Messages





• Kritische komprimierbare Blutung sofort behandeln


• Mechanische Blutungskontrolle ist der Schlüssel


• Tourniquet nur korrekt angelegt effektiv


• Beckenfraktur früh stabilisieren


• cABCDE darf nicht verzögern


• jede Maßnahme muss reevaluert werden
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