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Beschreibung
vor 19 Stunden
🩺 Thema der Folge
Boerhaave-Syndrom = spontane, komplette Ösophagusruptur nach
massivem Erbrechen. Ein absoluter viszeralchirurgischer und
internistischer Notfall.
Merksatz
Thoraxschmerz nach heftigem Erbrechen ist so lange ein
Boerhaave-Syndrom, bis das Gegenteil bewiesen ist.
Definition & Pathophysiologie
Komplette transmurale Ruptur aller Wandschichten des Ösophagus
durch plötzlich massiven Druckanstieg beim forcierten Erbrechen.
Typische Lokalisation:
• in >90 % distal
• links dorsolateral
• im unteren Ösophagusdrittel
Risikokonstellationen
• Männer häufiger betroffen
• Alkoholabhängigkeit als klassischer Risikofaktor
• aber auch bei anderen Ursachen von heftigem Erbrechen möglich
️ Klinik
Klassisch: Mackler-Trias
• explosionsartiges Erbrechen
• akuter thorakaler Schmerz
• Haut- oder Mediastinalemphysem
Wichtig: Die Trias ist oft nicht komplett.
Typische Symptome:
• plötzlich einsetzender retrosternaler Vernichtungsschmerz
• Ausstrahlung in den Rücken
• Dyspnoe
• später Fieber, Zyanose, Sepsiszeichen
Gefährliche Folge:
• rasche Mediastinitis durch Austritt von Luft und Mageninhalt
Diagnostik
Entscheidend ist die Anamnese:
• gezielt nach heftigem Erbrechen oder Würgen fragen
Körperliche Untersuchung:
• Hautemphysem
• Dyspnoe
• Fieber
• Kreislaufinstabilität
• retrosternaler oder dorsaler Schmerz
Bildgebung:
• Röntgen-Thorax: Mediastinalemphysem, verbreitertes Mediastinum,
Pleuraerguss
• wasserlösliche Kontrastmitteluntersuchung, z. B. Gastrografin
• CT-Thorax oft besonders hilfreich: Pneumomediastinum, freie
Luft, Flüssigkeit, Pleuraergüsse, Komplikationen
Wichtig:
• kein Barium bei Verdacht auf Perforation
• Endoskopie nur mit Bedacht, da Insufflation verschlechtern kann
Differenzialdiagnose
Mallory-Weiss-Syndrom:
• Schleimhaut- oder Submukosaläsion
• eher Hämatemesis
Boerhaave-Syndrom:
• komplette Ruptur
• eher Perforation, Luftaustritt, Mediastinitis
Merkhilfe:
Mallory-Weiss blutet, Boerhaave perforiert.
️ Therapie
Chirurgischer Notfall – jede Stunde zählt.
Akutmaßnahmen:
• Nahrungskarenz
• großlumiger venöser Zugang
• Volumentherapie
• engmaschiges Monitoring
• Sauerstoff, ggf. Intubation
• sofortige kalkulierte Breitspektrumantibiose
• suffiziente Analgesie
Definitive Therapie:
• operative Revision und Verschluss der Ruptur
• Sanierung kontaminierter Areale
• in Extremfällen Ösophagektomie
Im Podcast genannte Beispiele
Antibiose:
• Piperacillin/Tazobactam
• Meropenem
Analgesie:
• Metamizol
• vorsichtig titrierte Opioide wie Morphin oder Piritramid
Bei Schock:
• Volumen
• Laktat/BGA
• ggf. Vasopressoren wie Noradrenalin auf Intensivniveau
️ Komplikationen
• Mediastinitis
• Pleuraempyem
• Perikardbeteiligung
• Bakteriämie
• Sepsis
• obere Atemwegsverlegung
• selten langfristig Mediastinalfibrose
Take-home-Points
• Boerhaave = komplette Ösophagusruptur nach Erbrechen
• starker retrosternaler Schmerz nach Erbrechen ist
hochverdächtig
• klassische Trias nicht immer vollständig
• CT und wasserlösliche Kontrastmittel sind diagnostisch zentral
• sofort chirurgisch denken, früh Antibiotika geben, nichts oral
• unbehandelt fast immer tödlich
Historischer Fun Fact
Benannt nach Hermann Boerhaave, der das Krankheitsbild im 18.
Jahrhundert anhand einer tödlichen Ösophagusruptur nach Erbrechen
beschrieb.
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