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Beschreibung
vor 21 Stunden
🩺 Thema der Folge
Ösophagusdivertikel sind Aussackungen der Speiseröhre.
Entscheidend für Verständnis und Klinik ist die Unterscheidung
nach Entstehung und Lokalisation.
Grundprinzip
Traktionsdivertikel:
• echte Divertikel
• alle Wandschichten beteiligt
• entstehen durch Zug von außen, meist nach mediastinalen
Entzündungen und Vernarbung
Pulsionsdivertikel:
• falsche Divertikel
• Mukosa und Submukosa treten durch eine muskelschwache Stelle
aus
• entstehen durch erhöhten intraluminalen Druck bei funktioneller
Passagebehinderung
Merksatz: Zug von außen = Traktion = echtes Divertikel. Druck von
innen = Pulsion = falsches Divertikel.
Wichtige Lokalisationen
Zenker-Divertikel:
• häufigste Form, etwa 70 Prozent
• pharyngoösophageal, anatomisch aus dem Hypopharynx
• obere Schwachstelle: Killian-Dreieck
• dorsal, oft linksbetont
• typisches Pulsionsdivertikel
Bifurkationsdivertikel:
• mittlerer Ösophagus
• meist Traktionsdivertikel
• auf Höhe der Trachealbifurkation
Epiphrenisches Divertikel:
• distaler Ösophagus, kurz oberhalb des Zwerchfells
• meist Pulsionsdivertikel
• häufig bei Motilitätsstörungen wie Achalasie
Pathophysiologie
Pulsionsdivertikel entstehen bei erhöhtem Druck gegen einen nicht
ausreichend relaxierten Sphinkter oder bei Motilitätsstörungen.
Traktionsdivertikel entstehen durch narbige Zugkräfte von außen.
Typische Symptome
Leitsymptom ist die Dysphagie.
Besonders typisch beim Zenker-Divertikel:
• Regurgitation unverdauter Speisen, auch Stunden nach dem Essen
• Hustenreiz beim Essen
• Aspiration
• Foetor ex ore
• Räuspern, Würgen, retrosternales Druckgefühl
Wichtig: Kleine mittlere oder distale Divertikel können
asymptomatisch sein.
Diagnostik
Anamnese:
• feste oder auch flüssige Nahrung betroffen?
• Regurgitation?
• Husten beim Essen?
• Pneumonien, Gewichtsverlust, Odynophagie?
Bildgebung:
• wichtigste Untersuchung: Ösophagusbreischluck
• bei Perforationsverdacht wasserlösliches Kontrastmittel
• Zenker: seitliche Projektion besonders hilfreich
Endoskopie:
• wichtig zum Schleimhautbefund und Karzinomausschluss
• beim Zenker-Divertikel vorsichtig wegen Perforationsrisiko
️ Differenzialdiagnosen
• Ösophagus- oder Hypopharynxkarzinom
• entzündliche Ursachen im Rachenbereich
• neurologische oder neuromuskuläre Störungen
• Fremdkörper
• extrinsische Kompression, zum Beispiel Arteria lusoria
• funktionelle Schluckstörungen
Merke: Neue Dysphagie bedeutet immer auch Karzinom ausschließen.
Therapie
Oft keine Therapie nötig bei:
• kleinen, asymptomatischen Traktionsdivertikeln
• symptomarmen mittleren oder distalen Divertikeln
Symptomatisches Zenker-Divertikel:
• in der Regel behandlungsbedürftig
• offen chirurgisch oder endoskopisch
• entscheidend: Behandlung plus Myotomie des Musculus
cricopharyngeus
Epiphrenisches Divertikel:
• Therapie bei Beschwerden, Größe oder Komplikationen
• immer an zugrunde liegende Motilitätsstörung denken
Medikamente:
• keine Standardtherapie des Divertikels selbst
• Protonenpumpenhemmer nur bei Begleitproblemen wie Reflux
🫁 Komplikationen
• Aspirationspneumonie
• Mangelernährung und Gewichtsverlust
• selten Perforation mit Mediastinitis
• selten Fisteln
Take-home-Messages
• Zenker oben, Bifurkation mittig, epiphrenisch unten
• Zenker-Divertikel ist klinisch am wichtigsten
• Dysphagie plus Regurgitation unverdauter Speisen, Husten und
Mundgeruch spricht stark für Zenker
• Kontrastschluck ist die Schlüsseldiagnostik
• Symptomatisches Zenker-Divertikel sollte wegen
Aspirationsrisiko zügig in ein erfahrenes Zentrum überwiesen
werden
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