Alkoholtoxische Leberschäden

Alkoholtoxische Leberschäden

vor 2 Tagen
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Beschreibung

vor 2 Tagen

️ Alkoholtoxische Leberschaeden





Klinikrelevanz


Chronischer Alkoholkonsum ist in Deutschland und Europa die
haeufigste Ursache chronischer Lebererkrankungen. Wichtig: Es
gibt keinen sicher unbedenklichen Alkoholkonsum. Risiko und
Schwere der Leberschaedigung steigen mit Menge und Dauer deutlich
an.





️ Risikofaktoren


Erhoehtes Risiko bei:


• weiblichem Geschlecht


• genetischer Praedisposition


• Adipositas, Diabetes mellitus, Virushepatitiden


• Rauchen


• taeglichem Konsum, Trinken ohne Mahlzeit, Binge Drinking





Alkoholanamnese richtig fuehren


Ein Standardgetraenk enthaelt ca. 12 g reinen Alkohol.


Besser konkret fragen nach:


• Getraenkesorte


• Volumen


• Haeufigkeit


• Trinkspitzen


Wertfreie, normalisierende Sprache verbessert die Ehrlichkeit.





Spektrum der alkoholbedingten Leberschaeden


• alkoholische Steatosis hepatis: grundsaetzlich reversibel


• alkoholische Steatohepatitis (ASH): entzuendlich, mit
fibrotischen Residuen


• Leberfibrose: irreversibel


• Leberzirrhose: irreversibles Endstadium





Merke:


Die Fettleber kann sich unter konsequenter Alkoholkarenz oft
innerhalb von 4–6 Wochen deutlich zurueckbilden.





Pathophysiologie


Ethanolabbau v. a. ueber:


• Alkoholdehydrogenase


• CYP2E1


• Katalase





Zentrale Schadmechanismen:


• toxisches Acetaldehyd


• oxidativer Stress


• gestoerter Fettstoffwechsel


• Entzuendungsreaktion


• vermehrte Kollagensynthese und Fibrosierung





🩺 Klinik


Steatosis hepatis:


• oft asymptomatisch


• evtl. Druckgefuehl rechter Oberbauch, Voellegefuehl


• haeufig zuerst erhoehte Gamma-GT





Steatohepatitis:


• Ikterus, Fieber, Oberbauchschmerz


• Uebelkeit, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Abgeschlagenheit


• schwere Verlaeufe: Aszites, hepatische Enzephalopathie,
Gerinnungsstoerung, Hypalbuminaemie, akutes Leberversagen





Diagnostik


Wichtige Laborhinweise:


• Gamma-GT erhoeht


• MCV erhoeht


• Ferritin oft erhoeht


• AST > ALT, De-Ritis-Quotient > 1


• bei schwerer Erkrankung: Bilirubin, AP, GLDH, Ammoniak erhoeht;
Albumin erniedrigt; Quick vermindert





Spezifischere Marker:


• Ethylglucuronid (ETG) im Urin


• carbohydrate-deficient transferrin (CDT) im Serum





️ Bildgebung und Differenzialdiagnosen


Sonografie:


• echoreiche, oft vergroesserte Leber bei Steatose





Aber:


Eine Fettleber ist nicht automatisch alkoholbedingt.


Wichtige Differenzialdiagnosen:


• MASLD


• sekundaere Steatosen


• Medikamente, Mangelernaehrung, weitere hepatotoxische
Einfluesse





Therapie


Die einzige kausale Therapie ist die vollstaendige Alkoholkarenz.


Nicht ausreichend sind:


• Reduktion


• nur Wochenendverzicht


• Wechsel auf andere alkoholische Getraenke





Basistherapie:


• Thiamin frueh, idealerweise vor Glukose


• weitere B-Vitamine


• Ernaehrungstherapie


• Behandlung metabolischer Risikofaktoren


• Verlaufskontrollen





️ Bei alkoholischer Steatohepatitis


Wichtige Pfeiler:


• engmaschige Ueberwachung


• konsequentes Infektmonitoring


• ausreichende Kalorien- und Eiweisszufuhr


• frueh enterale Ernaehrung erwägen, wenn oral unzureichend





Schwere alkoholische Steatohepatitis:


• Prednisolon bei entsprechender Score-Konstellation, z. B.
Maddrey ≥ 32


• Reevaluation nach 7 Tagen mit Lille-Score


• Steroide nur nach moeglichst sorgfaeltigem Ausschluss
relevanter Infektionen und Virushepatitiden





Praktische Merkpunkte


• Frage konkret, wertfrei und wiederholt nach Alkohol.


• Verlass dich nie auf einen einzelnen Laborwert.


• Denke frueh an Thiamin bei Mangelernaehrung oder Entzug.


• Bei schwerer ASH immer auch an Infektionen denken.


• Prognose und Langzeitueberleben haengen entscheidend von
Alkoholkarenz ab.





Take-home


Die alkoholische Fettleber ist haeufig, oft stumm und ein
Warnsignal. Die alkoholische Steatohepatitis ist potenziell
lebensbedrohlich. Fruehes Erkennen, konsequente Alkoholkarenz,
Thiamin, Ernaehrungsaufbau und strukturiertes Infektmanagement
sind die wichtigsten Prinzipien.
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