Peritonitis

Peritonitis

vor 14 Stunden
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Beschreibung

vor 14 Stunden

️ Thema der Folge: Peritonitis





Peritonitis = Entzündung des Peritoneums durch infektiöse,
chemische oder mechanische Reize. Klinisch oft ein chirurgischer
Notfall und potenziell lebensbedrohlich.





Merksatz


Bei sekundärer Peritonitis gilt fast immer:


• Quelle finden


• Quelle sanieren


• Antibiotika geben


• Kreislauf stabilisieren





Einteilung


Nach Ausdehnung:


• lokalisiert


• diffus/generalisiert





Nach Ursache:


• primäre Peritonitis: ohne akute intraabdominelle Vorerkrankung


• sekundäre Peritonitis: Folge einer intraabdominellen
Erkrankung, häufigste Form


• tertiäre Peritonitis: persistierende/rezidivierende Infektion
nach Behandlung


• quartäre Peritonitis: im Wesentlichen intraabdomineller Abszess





Häufige Ursachen


Sekundäre Peritonitis macht etwa 80 % der Fälle aus.


Typische Auslöser:


• Hohlorganperforation: Ulkus, Divertikel, Gallenblase, Trauma


• entzündliche Ursachen: Appendizitis, Cholezystitis,
Divertikulitis


• postoperative Komplikationen, v. a. Anastomoseninsuffizienz


• bakterielle Translokation bei Ileus oder Mesenterialischämie


• sterile Reizperitonitis durch Galle, Urin, Blut, Kontrastmittel





Erregerspektrum


Primäre Peritonitis:


• meist Monoinfektion


• oft Enterobacterales





Sekundäre Peritonitis:


• typischerweise Mischinfektion


• gramnegative Darmkeime


• grampositive Keime


• Anaerobier


• typische Erreger: Escherichia coli, Klebsiella, Enterokokken,
Bacteroides fragilis





🩺 Klinik


Leitsymptom: akutes Abdomen


Typisch:


• starke Bauchschmerzen


• Druckschmerz


• Abwehrspannung


• Erschütterungsschmerz


• Fieber, Tachykardie, reduzierter Allgemeinzustand


• paralytischer Ileus mit geblähtem Bauch, Übelkeit, Erbrechen,
fehlenden Darmgeräuschen





Bei diffuser Peritonitis oft:


• brettharter Bauch


• diffuse Schmerzen


• Sepsiszeichen





️ Wichtige Differenzialdiagnosen


Pseudoperitonitis möglich bei:


• Pyelonephritis


• Harnleiterstein


• Niereninfarkt


• Hodentorsion


• akutem Harnverhalt


• diabetischer Ketoazidose


• Addison-Krise


• akuter intermittierender Porphyrie


• Myokardinfarkt





Diagnostik


Wichtig: Klinik nicht durch Apparatediagnostik ersetzen.


Bausteine:


• strukturierte körperliche Untersuchung


• Vitalparameter und Sepsis-Screening


• Labor: Leukozyten, CRP, Nierenwerte, Elektrolyte, Leberwerte,
Lipase, Gerinnung, Laktat, BGA


• Blutkulturen bei Fieber/Sepsisverdacht


• Sonografie als schneller erster Schritt


• CT-Abdomen mit Kontrastmittel als zentrale Bildgebung bei
stabilen Patienten


• diagnostische Aszitespunktion bei Verdacht auf spontan
bakterielle Peritonitis





Therapie


Primäre Peritonitis:


• meist konservativ antibiotisch


• bei spontan bakterieller Peritonitis oft Cephalosporin der 3.
Generation


• bei Zirrhose zusätzlich an Albumingabe denken





Sekundäre Peritonitis:


• Herdsanierung ist entscheidend


• Antibiotika allein reichen meist nicht


• oft dringliche OP oder interventionelle Drainage


• plus Volumentherapie, Analgesie, Sepsismanagement,
Thromboseprophylaxe





Typische kalkulierte Antibiotika:


• Ceftriaxon plus Metronidazol


• Ciprofloxacin plus Metronidazol


• Piperacillin/Tazobactam


• bei nosokomialen/komplizierten Verläufen ggf. Carbapeneme





️ Antibiosedauer


Nach suffizienter Herdsanierung oft kurz:


• meist 4–7 Tage


Länger bei:


• persistierender Infektion


• unklarer Sanierung


• tertiärer Peritonitis


• kompliziertem Verlauf





🩹 Sonderfall: Peritonealdialyse


Hinweise auf CAPD-Peritonitis:


• Bauchschmerzen


• trübes Dialysat





Wichtig:


• Dialysat mikrobiologisch und zytologisch untersuchen


• Katheter/Exit-Site inspizieren


• bei Pilzen, therapierefraktärer Infektion oder unbeherrschbarer
Sepsis Katheterentfernung erwägen





Take-home


Die sekundäre Peritonitis ist meist ein chirurgischer Notfall.
Prognostisch entscheidend sind:


• frühes Erkennen


• schnelle Herdsanierung


• adäquate kalkulierte Antibiotikatherapie


• konsequente Sepsis- und Kreislaufstabilisierung
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