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  4. Primäre Giftelemination - Praktische Maßnahmen
🩺 Thema der Folge

Primäre Giftelimination bei akuten Intoxikationen: praktische
Maßnahmen direkt nach Exposition, um die weitere Giftaufnahme
früh zu begrenzen.

Wichtig: immer parallel Basismaßnahmen prüfen:

• Atemweg

• Atmung

• Kreislauf

• neurologischer Status

• mögliche Antidotgabe

️ Grundprinzipien

• Bei bekannter Noxe Antidot so früh wie möglich geben, auch
präklinisch

• Aktivkohle kann ggf. schon am Ereignisort sinnvoll sein

• Magenspülung und anterograde Darmspülung gehören meist in die
Klinik

• Früh den Giftnotruf einbeziehen

Äußere Exposition: Haut und Auge

Ziel: verdünnen, entfernen, Gewebeschaden begrenzen

Wichtige Maßnahmen:

• großzügig mit lauwarmem Wasser oder NaCl 0,9 % spülen

• mindestens 15 Minuten, bei Bedarf länger

• kontaminierte Kleidung früh entfernen

• Wärmeerhalt aktiv mitdenken

Auge:

• ohne Druck spülen

• Lider spreizen

• Kopf zur Seite

• von medial nach lateral spülen

Wichtig:

• keine Neutralisation von Säuren/Basen

• bei lipophilen Noxen ggf. Seife oder geeignete
Lösungsvermittler

• kein Benzin, kein Alkohol zur Hautreinigung

• Wunden steril abdecken

Ingestion: Aktivkohle zuerst prüfen

Aktivkohle ist häufig die wichtigste primäre Maßnahme nach oraler
Intoxikation, aber nur bei adsorbierbaren Stoffen.

Zeitfenster:

• ideal innerhalb von 1–2 Stunden

• Ausnahmen bei Retardpräparaten oder verzögerter Magenentleerung

Dosierung:

• bekannte Giftdosis: mindestens 10-facher Überschuss

• unbekannte Giftdosis: 0,5–1 g/kgKG

• maximale Einmaldosis: 50 g

Kontraindikationen:

• fehlende Adsorbierbarkeit

• Aspirationsgefahr

• rezidivierendes Erbrechen

• Krampfanfallsgefahr

• GI-Blutung oder Perforation

• Schluckstörung

• gestörte GI-Passage

Merke:

• größte Sorge ist Aspiration

• bei unsicherem Atemweg erst sichern, dann weiterdenken

Wiederholte Aktivkohle

In ausgewählten Fällen:

• gleiche Dosis alle 4 Stunden über 24 Stunden

• in Sonderfällen kürzere Intervalle

• nur bei gesicherter Darmmotilität und Magenentleerung

Laxanzien:

• nur ausnahmsweise

• PEG-Elektrolytlösung zeitversetzt, ca. 2 Stunden Abstand zur
Aktivkohle

️ Erbrechen auslösen und Magenspülung

Heute nur noch Ausnahmeverfahren.

Induziertes Erbrechen:

• nur in seltenen Einzelfällen

• nur nach Rücksprache mit dem Giftnotruf

• kontraindiziert bei Aspirationsgefahr, Krampfanfallsgefahr,
ätzenden Noxen

Magenspülung:

• sehr selektiv

• möglichst innerhalb von 1 Stunde

• bei Bewusstseinseinschränkung nur unter Intubationsschutz

Risiken:

• Aspiration

• mechanische Verletzungen

• Rhythmusstörungen

• Weitertransport des Gifts in den Darm

Anterograde Darmspülung

Whole Bowel Irrigation bei:

• nicht adsorbierbaren Giften

• verklumpenden Stoffen

• lebensgefährlichen Retardpräparaten

• Body Packets / Body Stuffing

Durchführung:

• PEG-Elektrolytlösung über Sonde

• 1500–2000 ml/h

• bis klare rektale Ausscheidung

• maximal 10 Liter

Kontraindikationen:

• instabile Vitalfunktionen

• heftiges Erbrechen

• GI-Blutung oder Perforation

• Ileus

• Krampfanfallsgefahr

️ Inhalation

Grundregel:

• Exposition beenden

• Frischluft

• Sauerstoff je nach Klinik

• dann noxenspezifisch weiter

Reizgase:

• Soforttyp: Frischluft, O2, Bronchospasmolytika, Antitussiva,
Inhalation von NaCl oder 3–4 % Natriumhydrogencarbonat

• Latenztyp: zusätzlich Beobachtung, oft Glukokortikoide
inhalativ oder parenteral

Kohlenmonoxid:

• 100 % Sauerstoff bis Symptomfreiheit und COHb < 3 %

Kohlendioxid:

• Sauerstoff

• oft NIV, ggf. Intubation

• respiratorische Azidose mitbehandeln

Cyanid:

• Hydroxocobalamin i.v.

• bei Rauchgasintoxikation früh daran denken

• 4-DMAP bei Rauchgasvergiftung kontraindiziert

Take-home-Messages

• Spülen, nicht neutralisieren

• Aktivkohle nur bei passender Noxe und sicherem Atemweg

• Erbrechen und Magenspülung sind keine Routinen

• Whole Bowel Irrigation nur selektiv

• Nach Inhalation immer zuerst raus aus der Exposition

• Gute Toxikologie ist früh, selektiv und sicher strukturiert
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„Primäre Giftelemination - Praktische Maßnahmen“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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