Primäre Giftelemination - Praktische Maßnahmen

Primäre Giftelemination - Praktische Maßnahmen

vor 1 Tag
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Beschreibung

vor 1 Tag

🩺 Thema der Folge





Primäre Giftelimination bei akuten Intoxikationen: praktische
Maßnahmen direkt nach Exposition, um die weitere Giftaufnahme
früh zu begrenzen.





Wichtig: immer parallel Basismaßnahmen prüfen:


• Atemweg


• Atmung


• Kreislauf


• neurologischer Status


• mögliche Antidotgabe





️ Grundprinzipien





• Bei bekannter Noxe Antidot so früh wie möglich geben, auch
präklinisch


• Aktivkohle kann ggf. schon am Ereignisort sinnvoll sein


• Magenspülung und anterograde Darmspülung gehören meist in die
Klinik


• Früh den Giftnotruf einbeziehen





Äußere Exposition: Haut und Auge





Ziel: verdünnen, entfernen, Gewebeschaden begrenzen





Wichtige Maßnahmen:


• großzügig mit lauwarmem Wasser oder NaCl 0,9 % spülen


• mindestens 15 Minuten, bei Bedarf länger


• kontaminierte Kleidung früh entfernen


• Wärmeerhalt aktiv mitdenken





Auge:


• ohne Druck spülen


• Lider spreizen


• Kopf zur Seite


• von medial nach lateral spülen





Wichtig:


• keine Neutralisation von Säuren/Basen


• bei lipophilen Noxen ggf. Seife oder geeignete
Lösungsvermittler


• kein Benzin, kein Alkohol zur Hautreinigung


• Wunden steril abdecken





Ingestion: Aktivkohle zuerst prüfen





Aktivkohle ist häufig die wichtigste primäre Maßnahme nach oraler
Intoxikation, aber nur bei adsorbierbaren Stoffen.





Zeitfenster:


• ideal innerhalb von 1–2 Stunden


• Ausnahmen bei Retardpräparaten oder verzögerter Magenentleerung





Dosierung:


• bekannte Giftdosis: mindestens 10-facher Überschuss


• unbekannte Giftdosis: 0,5–1 g/kgKG


• maximale Einmaldosis: 50 g





Kontraindikationen:


• fehlende Adsorbierbarkeit


• Aspirationsgefahr


• rezidivierendes Erbrechen


• Krampfanfallsgefahr


• GI-Blutung oder Perforation


• Schluckstörung


• gestörte GI-Passage





Merke:


• größte Sorge ist Aspiration


• bei unsicherem Atemweg erst sichern, dann weiterdenken





Wiederholte Aktivkohle





In ausgewählten Fällen:


• gleiche Dosis alle 4 Stunden über 24 Stunden


• in Sonderfällen kürzere Intervalle


• nur bei gesicherter Darmmotilität und Magenentleerung





Laxanzien:


• nur ausnahmsweise


• PEG-Elektrolytlösung zeitversetzt, ca. 2 Stunden Abstand zur
Aktivkohle





️ Erbrechen auslösen und Magenspülung





Heute nur noch Ausnahmeverfahren.





Induziertes Erbrechen:


• nur in seltenen Einzelfällen


• nur nach Rücksprache mit dem Giftnotruf


• kontraindiziert bei Aspirationsgefahr, Krampfanfallsgefahr,
ätzenden Noxen





Magenspülung:


• sehr selektiv


• möglichst innerhalb von 1 Stunde


• bei Bewusstseinseinschränkung nur unter Intubationsschutz





Risiken:


• Aspiration


• mechanische Verletzungen


• Rhythmusstörungen


• Weitertransport des Gifts in den Darm





Anterograde Darmspülung





Whole Bowel Irrigation bei:


• nicht adsorbierbaren Giften


• verklumpenden Stoffen


• lebensgefährlichen Retardpräparaten


• Body Packets / Body Stuffing





Durchführung:


• PEG-Elektrolytlösung über Sonde


• 1500–2000 ml/h


• bis klare rektale Ausscheidung


• maximal 10 Liter





Kontraindikationen:


• instabile Vitalfunktionen


• heftiges Erbrechen


• GI-Blutung oder Perforation


• Ileus


• Krampfanfallsgefahr





️ Inhalation





Grundregel:


• Exposition beenden


• Frischluft


• Sauerstoff je nach Klinik


• dann noxenspezifisch weiter





Reizgase:


• Soforttyp: Frischluft, O2, Bronchospasmolytika, Antitussiva,
Inhalation von NaCl oder 3–4 % Natriumhydrogencarbonat


• Latenztyp: zusätzlich Beobachtung, oft Glukokortikoide
inhalativ oder parenteral





Kohlenmonoxid:


• 100 % Sauerstoff bis Symptomfreiheit und COHb < 3 %





Kohlendioxid:


• Sauerstoff


• oft NIV, ggf. Intubation


• respiratorische Azidose mitbehandeln





Cyanid:


• Hydroxocobalamin i.v.


• bei Rauchgasintoxikation früh daran denken


• 4-DMAP bei Rauchgasvergiftung kontraindiziert





Take-home-Messages





• Spülen, nicht neutralisieren


• Aktivkohle nur bei passender Noxe und sicherem Atemweg


• Erbrechen und Magenspülung sind keine Routinen


• Whole Bowel Irrigation nur selektiv


• Nach Inhalation immer zuerst raus aus der Exposition


• Gute Toxikologie ist früh, selektiv und sicher strukturiert

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