Lebensmittelvergiftungen

Lebensmittelvergiftungen

vor 12 Stunden
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Beschreibung

vor 12 Stunden

️ Thema der Folge


Lebensmittelvergiftungen und lebensmittelassoziierte
Durchfallerkrankungen – praxisnah für Notaufnahme, Praxis und
Bereitschaftsdienst.





Grundprinzip


Wichtig ist die Trennung zwischen:


• Intoxikation: Toxine sind bereits im Lebensmittel vorhanden


• Lebensmittelinfektion: Erreger werden aufgenommen und wirken
erst im Körper





Merke:


• Kurze Latenz von wenigen Stunden eher vorgebildetes Toxin


• Beginn nach 1–mehreren Tagen eher infektiöse Ursache





🩺 Leitsymptome und Basistherapie


Typisch sind:


• Übelkeit, Erbrechen


• Bauchkrämpfe


• Durchfall





Kernbotschaft:


• Die meisten Fälle werden symptomatisch behandelt


• Rehydratation und Elektrolytausgleich sind zentral


• Antibiotika nur in ausgewählten Situationen





️ Orientierung über die Latenzzeit


• 1–3 Stunden: Staphylococcus aureus, emetische Form von Bacillus
cereus


• 8–16 Stunden: diarrhoische Form von Bacillus cereus


• 12–36 Stunden + neurologische Symptome: Botulismus


• 1–mehrere Tage: Campylobacter, Salmonellen, Shigellen,
pathogene E.-coli-Typen, Parasiten





Wichtige Erreger und Toxine


Staphylococcus aureus


• Sehr kurze Latenz: meist 1–3 Stunden


• Typisch: abruptes Erbrechen, Übelkeit, Bauchkrämpfe, teils
Durchfall


• Häufige Quellen: Sahnespeisen, Pudding, Mayonnaise,
Kühlkettenfehler


• Therapie: symptomatisch, keine Antibiotika





Bacillus cereus


• Emetische Form: 1–6 Stunden, v. a. Erbrechen


• Diarrhoische Form: 8–16 Stunden, wässrige Diarrhö


• Typisch nach unzureichend gekühlten gekochten Speisen


• Therapie: symptomatisch


• Ausnahme: invasive Infektionen bei Wunden, Fremdmaterial,
Immunsuppression





Red Flag: Botulismus


Leitsymptome:


• Hirnnervenstörungen: Doppelbilder, Dysarthrie, Dysphagie


• Mydriasis, Akkommodationsstörung


• Mundtrockenheit


• Absteigende schlaffe Lähmungen


• Gefahr der Ateminsuffizienz





Wichtig:


• Nicht Diarrhö, sondern neurologische Symptome stehen im
Vordergrund


• Verdacht z. B. nach selbst eingemachten Konserven oder anaerob
gelagerten Lebensmitteln


• Therapie nicht vom Labornachweis abhängig machen


• Frühzeitig Antitoxin und intensivmedizinische Überwachung


• Magnesium ist kontraindiziert





Weitere Intoxikationen


Histaminintoxikation


• Häufig nach verdorbenem/falsch gelagertem Fisch


• Symptome: Flush, Hautrötung, Brennen im Mund, gastrointestinale
Beschwerden


• Therapie: Antihistaminika, meist selbstlimitierend





Aflatoxine


• Quellen: Nüsse, Pistazien, Reis


• Relevant wegen Hepatotoxizität und Kanzerogenität





Chemische Expositionen


• Mitdenken bei ungewöhnlicher Symptomatik, neurologischen
Zeichen oder mehreren Betroffenen gleichzeitig





Wann Antibiotika sinnvoll sind


Eher antibiotisch behandeln bei:


• Shigellose


• Schwerer Campylobacter-Infektion


• Schwerer systemischer Salmonellose


• Ausgewählten parasitären Infektionen


• Risikokonstellationen wie Immunsuppression





Nicht routinemäßig antibiotisch:


• Staphylococcus-aureus-Intoxikation


• Bacillus-cereus-Lebensmittelintoxikation


• Viele unkomplizierte Enteritiden


• EHEC: meist keine Antibiotika





Praktisches Vorgehen in der Erstversorgung


• Schweregrad einschätzen: Kreislauf, Dehydratation, Fieber, Blut
im Stuhl, neurologische Symptome


• Oral rehydrieren, wenn möglich


• Bei Bedarf i. v. Flüssigkeit und Antiemese


• Loperamid nur bei unkomplizierter, nicht blutiger Diarrhö ohne
Fieber


• Stuhldiagnostik gezielt bei schwerem Verlauf, Risikopatienten,
Ausbruch oder Red Flags





️ Prävention


• Kühlkette einhalten


• Speisen ausreichend erhitzen


• Gekochtes nicht lange ungekühlt stehen lassen


• Rohes und Gekochtes trennen


• Hygiene bei Händen und Küchenutensilien


• Vorsicht bei eingemachten Lebensmitteln





Take-home-Messages


• Kurze Latenz = Toxin mitdenken


• Meist ist symptomatische Therapie ausreichend


• Botulismus: neurologische Red Flag, früh Antitoxin +
Intensivmedizin


• Shigellose ist eine wichtige Antibiotika-Indikation


• Rehydratation ist oft die entscheidende Therapie
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