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Beschreibung
vor 1 Tag
Thema: Amöbiasis
Infektion mit Entamoeba histolytica, einer pathogenen Darmamöbe.
Wichtig für die Praxis: Nur E. histolytica ist
behandlungsbedürftig. Viele andere im Stuhl nachweisbare
Darmamöben sind apathogen.
Erreger & Übertragung
Fäkal-orale Übertragung über Zysten in kontaminiertem Wasser oder
Lebensmitteln.
Merksatz:
• Aufgenommen werden Zysten
• Krank machen invasive Trophozoiten
Epidemiologie
Weltweit verbreitet, besonders in Tropen und Subtropen.
In Mitteleuropa meist als Reiseerkrankung.
Bei länger anhaltender Diarrhö nach Tropenaufenthalt immer
mitdenken – zusammen mit anderen importierten Enteritiden, v. a.
Giardiasis.
Pathophysiologie
Nach Aufnahme der Zysten:
• Freisetzung von Trophozoiten im Dünndarm
• Vermehrung im Dickdarm
• entweder asymptomatische luminale Besiedlung
• oder invasive Gewebeschädigung mit Ulzera
• hämatogene Streuung v. a. in die Leber Amöbenleberabszess
️ Klinik
Über 90 % der Infektionen verlaufen asymptomatisch, bleiben aber
relevant als Reservoir.
🩺 Intestinale Amöbiasis
Inkubationszeit meist 1–4 Wochen.
Typisch:
• Bauchschmerzen, Krämpfe
• Tenesmen
• schleimig-blutige, „himbeergeleeartige“ Diarrhö
• evtl. Fieber und Schwäche
🫀 Extraintestinale Amöbiasis
Am häufigsten: Amöbenleberabszess.
Inkubationszeit: Wochen bis Monate.
Typisch:
• Fieber
• Schmerzen/Druck im rechten Oberbauch
• atemabhängige oder pleuritische Beschwerden möglich
Wichtig: Ein Leberabszess kann auch ohne vorausgegangene akute
Diarrhö auftreten.
Diagnostik
Entscheidend sind Klinik + Reiseanamnese.
Bei intestinalem Verdacht:
• Stuhlmikroskopie, idealerweise 3 Proben
• rasche Verarbeitung innerhalb von 1 Stunde
• Differenzierung von pathogenen und apathogenen Amöben mittels
Antigennachweis oder PCR
Wichtig:
Mikroskopie allein reicht oft nicht zur sicheren Unterscheidung
von E. histolytica und E. dispar.
Bei Verdacht auf Leberabszess:
• Sonografie als wichtigste Bildgebung
• bei Bedarf CT oder MRT
• Serologie unterstützend, v. a. bei extraintestinalen Verläufen
Differenzialdiagnosen
Bei blutiger Diarrhö:
• Shigellose
• Campylobacter
• Salmonellose
• EHEC
• Yersinien
• CED, ischämische Kolitis, Kolonkarzinom
Beim Leberabszess:
• bakterieller Leberabszess
• Echinokokkuszyste
• hepatozelluläres Karzinom
• Typhus
• Gallenblasenempyem
Therapie
Grundprinzip:
Nur E. histolytica behandeln.
Therapie in 2 Schritten:
• zuerst Gewebeamebizid
• dann luminales Amebizid
Standard:
• Metronidazol gegen invasive Trophozoiten
• anschließend Paromomycin zur luminalen Eradikation
Wichtig:
Bei asymptomatischer Kolonisation mit gesicherter E. histolytica
reicht meist Paromomycin allein.
Praktisch:
• an Nebenwirkungen von Metronidazol denken
• Alkohol meiden während der Einnahme und 24–48 h danach
• Wechselwirkungen beachten, z. B. mit Vitamin-K-Antagonisten
Leberabszess: Wann punktieren?
Nicht immer nötig.
Sinnvoll bei:
• großen Abszessen, etwa >10 cm
• Rupturgefahr
• unklarer Diagnose
• fehlender Besserung unter Therapie
• Verdacht auf bakterielle Superinfektion
Komplikationen
Intestinal:
• toxisches Megakolon
• Darmperforation
Extraintestinal:
• Ruptur des Leberabszesses
• Peritonitis
• pleurale Beteiligung
• selten extrahepatische Abszesse
️ Prävention
Lebensmittel- und Trinkwasserhygiene in Endemiegebieten:
• Wasser abkochen
• Obst/Gemüse nur geschält oder sicher zubereitet
• unklare Rohkost meiden
Merkhilfen
• Blutige Diarrhö + Tenesmen nach Tropenreise an Amöbenruhr
denken
• Fieber + rechter Oberbauchschmerz Wochen bis Monate nach Reise
an Amöbenleberabszess denken
• Therapie immer in 2 Schritten: erst Metronidazol, dann
Paromomycin
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