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Beschreibung
vor 3 Tagen
🩺 Thema der Folge
Chronische Gastritis ist häufig, oft klinisch unspezifisch oder
asymptomatisch – entscheidend ist: Sie ist eine histologisch
definierte Erkrankung. Die Diagnose wird durch Biopsien gestellt,
nicht allein durch Beschwerden oder den endoskopischen Eindruck.
Einteilung
ABC-Klassifikation:
• Typ A: autoimmune Gastritis
• Typ B: bakterielle Gastritis, meist durch Helicobacter pylori
• Typ C: chemisch-toxische Gastritis
Häufigkeit:
• Typ B: ca. 60 %
• Typ C: ca. 30 %
• Typ A: ca. 5 %
Zusätzlich wichtig: Lokalisation im Antrum, Korpus oder als
Pangastritis.
Diagnostik
Zentral:
• Ösophagogastroduodenoskopie mit Biopsien
• Proben aus Antrum und Korpus, bei Bedarf auch Fundus
• Merksatz: Nicht nur schauen, sondern stanzen
Helicobacter-pylori-Diagnostik:
• Invasiv: Histologie, Urease-Schnelltest, ggf. Kultur/PCR
• Nichtinvasiv: Stuhlantigentest, 13C-Atemtest
• Serologie nicht gut für die Akutdiagnostik
Wichtig:
• PPI möglichst ca. 2 Wochen vor Testung pausieren
• Nach Antibiotika ca. 4 Wochen bis zur Kontrolltestung warten
Typ A – Autoimmungastritis
Pathophysiologie:
• Autoimmune Zerstörung der Belegzellen in Korpus/Fundus
• Achlorhydrie
• Intrinsic-Faktor-Mangel
• Vitamin-B12-Malabsorption
• Hypergastrinämie mit Risiko für neuroendokrine Tumoren
Klinische Folgen:
• perniziöse Anämie
• makrozytäre Anämie
• neurologische Symptome wie Parästhesien, Gangunsicherheit,
kognitive Veränderungen
• erhöhtes Risiko für Magenkarzinom
Assoziationen:
• Hashimoto-Thyreoiditis
• Typ-1-Diabetes
• weitere Autoimmunerkrankungen
Typ B – Helicobacter-pylori-Gastritis
Typisch:
• zunächst meist antrumbetont, später Pangastritis möglich
• chronische Entzündung mit Atrophie und intestinaler Metaplasie
Relevanz:
• Risiko für Ulcus ventriculi und Ulcus duodeni
• Blutungen, Perforationen
• erhöhtes Risiko für Magenkarzinom
• Assoziation mit MALT-Lymphom
Symptome:
• epigastrische Beschwerden, Übelkeit, Völlegefühl
• oft aber lange asymptomatisch
Praktisch wichtig:
• Bei ungeklärter Eisenmangelanämie + Dyspepsie auch an
chronische Blutverluste durch Ulzera denken
️ Typ C – Chemisch-toxische Gastritis
Auslöser:
• NSAR wie Ibuprofen, Diclofenac, Naproxen
• Gallereflux
• Alkohol
• Rauchen
Histologisch typisch:
• Ödem, Hyperämie, foveoläre Hyperplasie
• wenig entzündliches Infiltrat
Klinik:
• Druckgefühl, Brennen, Übelkeit, Völlegefühl
• Risiko für Erosionen, Ulzera und Blutungen erhöht
Therapie
Typ A:
• Vitamin-B12-Substitution, meist parenteral
• bei Helicobacter-Nachweis zusätzlich Eradikation
• endoskopische Verlaufskontrollen wegen Entartungsrisiko
Typ B:
• Jede nachgewiesene Helicobacter-pylori-Infektion ist
behandlungsbedürftig
• Erstlinie: Bismut-Quadrupeltherapie über meist 10 Tage
• Eradikationskontrolle nach 4–8 Wochen
Typ C:
• Noxen ausschalten
• NSAR kritisch prüfen bzw. absetzen
• PPI für meist 4–8 Wochen
• bei Gallereflux ggf. Sucralfat
• Prokinetika nur zurückhaltend und kurzfristig
Komplikationen
• Typ A: Vitamin-B12-Mangel, perniziöse Anämie, neurologische
Schäden, Karzinom- und NET-Risiko
• Typ B: Ulzera, Blutungen, Perforation, MALT-Lymphom,
Magenkarzinom
• Typ C: Erosionen, Ulzera, Blutungen, selten Perforation
Take-home-Messages
• Chronische Gastritis ist eine histologische Diagnose
• Häufigste Form: Typ B durch Helicobacter pylori
• Typ A: an Vitamin-B12-Mangel und Autoimmunität denken
• Typ C: nach NSAR und anderen Noxen fragen
• Helicobacter pylori immer eradizieren – auch bei
asymptomatischen Patienten
• Ohne ausreichende Biopsien bleibt die Diagnose unsauber
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