Gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD)

Gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD)

vor 8 Stunden
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Beschreibung

vor 8 Stunden

Thema der Folge


Gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD): häufig, meist gut
behandelbar, aber mit relevanten Differenzialdiagnosen,
Warnzeichen und möglichen Langzeitfolgen.





Definition & Häufigkeit


Reflux wird krankhaft, wenn rückfließender Mageninhalt Symptome
verursacht oder die Ösophagusschleimhaut schädigt.





️ Pathophysiologie & Risikofaktoren


Wichtige Schutzmechanismen:


• unterer Ösophagussphinkter


• His-Winkel


• ösophageale Peristaltik


• Speichel- und Flüssigkeitsclearance





Begünstigende Faktoren:


• Hiatushernie


• Adipositas, Schwangerschaft


• erhöhter intraabdomineller Druck


• Magenausgangs- oder Duodenalstenosen





Relevante Medikamente:


• Tonus/Motilität: Calciumantagonisten, Benzodiazepine, Nitrate,
Theophyllin, Anticholinergika, Pfefferminzpräparate


• Schleimhautschädigung: NSAR, Bisphosphonate, Eisen, Doxycyclin,
Ascorbinsäure, Zytostatika





️ Medikamentenanamnese ist zentral.





🩺 Klinik





Leitsymptome:


• Sodbrennen


• Regurgitation





Weitere mögliche Beschwerden:


• retrosternale Schmerzen


• nächtlicher/morgendlicher Husten


• asthmaähnliche Beschwerden


• Heiserkeit, Halsschmerzen


• Mundgeruch, Zahnerosionen





Wichtig:


Extraösophageale Symptome passen zu Reflux, beweisen ihn aber
nicht.





️ Wichtiger Merksatz


Thorakale Beschwerden durch Reflux und kardiale Ursachen sind
klinisch nicht sicher zu unterscheiden.





• Im Zweifel: EKG und Troponin


• ACS immer mitdenken





Diagnostik


Bei typischer Symptomatik ohne Warnzeichen:


• empirischer Therapieversuch mit PPI möglich





Warnzeichen für Endoskopie:


• Dysphagie


• Odynophagie


• Gewichtsverlust > 5 %


• Anämie


• Teerstuhl


• Hämatemesis


• Symptomdauer > 1 Jahr


• frustrane Therapie


• unklare/atypische Beschwerden





Wichtige Verfahren:


• ÖGD: Nachweis erosiver Refluxerkrankung, Ausschluss von
Barrett, Dysplasie, Malignom


• unauffällige Endoskopie schließt Reflux nicht aus NERD
möglich


• pH-Metrie + Impedanzmessung: Nachweis sauren und nicht-sauren
Refluxes, Symptomkorrelation


• Manometrie: nicht primär zur Refluxdiagnostik, sondern bei
Motilitätsstörungen





Therapie





Basismaßnahmen:


• kleinere, fettarme Mahlzeiten


• keine späten großen Abendmahlzeiten


• 2–3 h Abstand zwischen Essen und Schlaf


• Gewichtsreduktion


• Oberkörperhochlagerung


• Trigger meiden: Alkohol, Nikotin, Kaffee, enge Kleidung





Medikamentös:


PPI = Therapie der ersten Wahl





Praktisch wichtig:


• Einnahme 30–60 min vor dem Essen, meist vor Frühstück


• nicht abrupt absetzen Rebound möglich





Typisches Vorgehen:


• 4 Wochen PPI bei typischer Symptomatik ohne Warnzeichen


• bei Besserung: Dosis reduzieren, Ausschleichen, ggf.
Bedarfstherapie


• bei fehlender Besserung: Dosissteigerung, Verlängerung bis 8
Wochen, ggf. Endoskopie





Weitere Optionen:


• Antazida/Alginat bei Akutsymptomen


• H2-Rezeptorantagonisten als zweite Wahl


• OP (z. B. Fundoplicatio) bei Therapieresistenz, Aspirationen,
Unverträglichkeit





️ Komplikationen


• erosive Ösophagitis


• Ulzera


• peptische Strikturen


• chronische Blutung/Eisenmangelanämie


• Aspiration, Aspirationspneumonie


• chronische Bronchitis, Asthmaexazerbation


• Laryngitis


• Barrett-Ösophagus


• Adenokarzinom des Ösophagus





Barrett-Ösophagus


Chronischer Säurekontakt kann zu intestinaler Metaplasie im
distalen Ösophagus führen.





Wichtig:


• Präkanzerose für das Adenokarzinom


• Diagnose histologisch


• Überwachung endoskopisch mit systematischen Biopsien


• Prag-Klassifikation: C und M


• Long-Segment-Barrett > 3 cm = höheres Risiko





Differenzialdiagnosen





• KHK / ACS


• Achalasie


• diffuser Ösophagusspasmus


• funktionelle Ösophagusbeschwerden


• eosinophile Ösophagitis


• infektiöse Ösophagitiden bei Immunsuppression





Take-home-Messages





• Nicht jeder Reflux ist krankhaft


• Leitsymptome: Sodbrennen und Regurgitation


• Thoraxschmerz immer auch kardial denken


• Ohne Warnzeichen: PPI-Testtherapie für 4 Wochen


• Warnzeichen = Endoskopie


• PPI korrekt einnehmen und ausschleichen


• Barrett-Ösophagus nicht verpassen
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