🩺 Thema der Folge
Chronische Pankreatitis ist eine schubweise progrediente
Entzündung des Pankreas mit fibrotischem Umbau und
Funktionsverlust. Betroffen sind sowohl die exokrine Funktion
(Verdauungsenzyme) als auch die endokrine Funktion (v. a.
Insulin).
Wichtige Merkbotschaft
Bei rezidivierenden Oberbauchschmerzen, Gewichtsverlust und
Fettstuhl früh an chronische Pankreatitis denken.
Kernpunkt:
• Alkoholstopp und Nikotinkarenz sind Therapie – nicht nur
Empfehlung
️ Ursachen und Risikofaktoren
Häufigste Ursache ist chronischer Alkoholabusus. Tabakrauchen ist
ein eigenständiger und sehr relevanter Risikofaktor und
beschleunigt die Progression.
Weitere Ursachen:
• idiopathisch
• genetisch: PRSS1, SPINK1, CPA1, CTRC
• zystische Fibrose
• Hyperkalzämie, Hypertriglyzeridämie
• autoimmune Pankreatitis
• obstruktive Ursachen wie Strikturen oder Tumoren
Klinik
Typisch sind:
• rezidivierende epigastrische Schmerzen, oft gürtelförmig in den
Rücken ausstrahlend
• postprandiale Schmerzverstärkung
• reduzierte Nahrungsaufnahme aus Angst vor Schmerzen
• Gewichtsverlust
Zeichen der exokrinen Insuffizienz:
• Blähungen
• voluminöse, übel riechende, glänzende, schwer wegspülbare
Stühle
• Diarrhö, Steatorrhö
• Mangelernährung
Zeichen der endokrinen Insuffizienz:
• pankreopriver Diabetes mit oft schwieriger
Stoffwechseleinstellung
Diagnostik
Normale Lipase- und Amylasewerte schließen eine chronische
Pankreatitis nicht aus.
Sinnvolle Labordiagnostik:
• Glukose, HbA1c
• bei Alkoholverdacht: MCV, Gamma-GT, ggf. CDT
• je nach Kontext: Kalzium, Triglyzeride, IgG4
Praktisch wichtig:
• Stuhlelastase < 200 µg/g spricht für exokrine
Pankreasinsuffizienz
• < 100 µg/g spricht für schwere Insuffizienz
• bei wässrigem Stuhl falsch niedrige Werte möglich
Therapie
Vier Säulen:
• Alkohol- und Nikotinkarenz
• Schmerztherapie
• Enzymsubstitution bei exokriner Insuffizienz
• rechtzeitige interventionelle oder operative Therapie bei
Komplikationen
Ernährung:
• keine pauschal fettarme Diät
• eher kleine, häufige Mahlzeiten und ausreichende Kalorienzufuhr
Enzymsubstitution:
• Pankreatin in magensaftresistenten Mikropartikeln
• Start meist 40.000–50.000 Einheiten Lipase pro Hauptmahlzeit
• ca. halbe Dosis zu Zwischenmahlzeiten
• Einnahme unbedingt zu den Mahlzeiten
Wenn unzureichende Wirkung:
• Adhärenz und Einnahmezeitpunkt prüfen
• Dosis steigern
• ggf. Protonenpumpenhemmer ergänzen
🩹 Schmerz, Intervention, OP
Schmerzen sind oft chronisch und teils neuropathisch. Neben
Analgetika können Koanalgetika wie Pregabalin, Amitriptylin oder
Gabapentin sinnvoll sein.
Wichtig:
• persistierende Schmerzen bei erweitertem Pankreasgang nicht
monatelang nur mit Opioiden behandeln
• früh interventionelle oder operative Optionen prüfen
Mögliche Maßnahmen:
• ERCP mit Dilatation, Stent, Steinbergung
• ESWL bei Pankreasgangsteinen
• Drainage symptomatischer Pseudozysten
• operative Drainage- oder Resektionsverfahren in spezialisierten
Zentren
Komplikationen und Red Flags
Achten auf:
• Ikterus bei Gallengangskompression
• Pseudozysten, Fisteln
• Gefäßkomplikationen wie Pseudoaneurysmen oder
Milzvenenthrombose
• Mangelernährung
• Pankreaskarzinom
Warnzeichen für Karzinom:
• neue oder veränderte Schmerzen
• rascher Gewichtsverlust
• neu aufgetretener Ikterus
• Raumforderung
• klinischer Abfall
Sonderform: Autoimmunpankreatitis
Wichtig, weil gut behandelbar und karzinomähnlich.
Hinweise:
• Pankreasvergrößerung
• Cholestase/Verschlussikterus
• IgG4 häufig erhöht, aber nicht beweisend
Therapie:
• meist gutes Ansprechen auf Steroide
• vor Steroidgabe Malignom möglichst ausschließen
Für den Alltag
Bei jeder Verlaufskontrolle aktiv erfragen:
• Gewicht
• Stuhlfrequenz und Stuhlbeschaffenheit
• Schmerzen
• Appetit
• korrekte Enzymeinnahme
• Blutzucker/HbA1c
Take-home:
Rezidivierende Oberbauchschmerzen plus Gewichtsverlust plus
Fettstuhl sind chronische Pankreatitis, bis das Gegenteil
bewiesen ist.
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