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Beschreibung
vor 1 Tag
Thema der Folge
Arteria-mesenterica-superior-Syndrom (AMS-Syndrom): seltene, aber
wichtige Ursache für postprandiale Oberbauchschmerzen, Übelkeit,
Erbrechen und Gewichtsverlust – oft mit verzögerter Diagnose.
Pathophysiologie
Beim AMS-Syndrom wird die horizontale Duodenalpassage zwischen
Aorta und Arteria mesenterica superior komprimiert.
Typischer Mechanismus:
• Gewichtsverlust
• Verlust des mesenterialen Fettpolsters
• Verkleinerung von aortomesenterialem Winkel und Abstand
• Duodenalkompression
• Beschwerden nach dem Essen
• weiterer Gewichtsverlust als Teufelskreis
Wer ist betroffen?
• Selten: Prävalenz etwa 0,1–0,3 %
• Häufiger im Alter von 10–40 Jahren
• Frauen öfter betroffen
• Besonders verdächtig bei jungen, schlanken Patient:innen mit
deutlicher Gewichtsabnahme
Ursachen
Häufig erworben:
• ausgeprägter Gewichtsverlust
• Essstörungen
• katabole Erkrankungen
• längeres Fasten
• iatrogene Ursachen
• fehlende Gewichtszunahme im Wachstumsschub
Seltener anatomisch/angeboren:
• tiefer Abgang der Arteria mesenterica superior
• Auffälligkeiten des Ligamentum suspensorium duodeni
(Treitz-Band)
️ Klinisches Bild
Typische Beschwerden:
• postprandiale epigastrische Schmerzen
• frühes Völlegefühl
• Übelkeit und Erbrechen
• teils Sodbrennen
• ungewollter Gewichtsverlust
Wichtig in der Anamnese:
• Was begann zuerst – Gewichtsverlust oder Beschwerden?
• Diäten, Fasten, Essstörung, psychische Belastung?
• Hinweise auf chronische oder katabole Erkrankungen?
Diagnostik
Methode der Wahl: Computertomografie
Typische CT-Befunde:
• aortomesenterialer Winkel ≤ 25°
• Abstand zwischen Aorta und AMS ≤ 8 mm
• Dilatation des proximalen Duodenums
• Kompression der horizontalen Duodenalpassage
Merksatz:
kleiner Winkel, kleiner Abstand, vorgeschaltete Dilatation,
distale Kompression
Ergänzend möglich:
• Sonografie
• Magen-Darm-Passage
Differenzialdiagnosen
• Malignome
• chronische Magen-Darm-Erkrankungen
• funktionelle gastrointestinale Syndrome
• psychiatrische Erkrankungen
• chronische Schmerzsyndrome
️ Therapie
Erstlinientherapie: konservativ
Ziel:
Gewichtszunahme zur Regeneration des mesenterialen Fettpolsters
und Entlastung des Duodenums
Praktisch:
• hochkalorische Ernährung
• kleine, häufige Mahlzeiten
• Trinknahrung bei Bedarf
• frühzeitige ernährungsmedizinische Mitbeurteilung
Symptomatisch:
• Antiemetika wie Metoclopramid oder Ondansetron möglich
• Analgesie möglichst opioidarm, da Opioide die Motilität
verschlechtern können
Psychiatrische/psychosomatische Mitbehandlung
Besonders wichtig bei vermuteter oder gesicherter Essstörung:
• Anorexia nervosa mitbedenken
• früh psychosomatische/psychiatrische Expertise einbinden
• ohne Behandlung der Grunderkrankung hohes Rezidivrisiko
Wann operieren?
Bei Versagen der konservativen Therapie, z. B.:
• keine ausreichende Gewichtszunahme
• persistierende Symptome
• unzureichende orale Ernährung
• wiederholte stationäre Behandlungen
Standardverfahren:
• Duodenojejunostomie
Weitere Optionen:
• Gastrojejunostomie
• infrarenale Transposition der AMS
• Strong-Operation
Prognose
• konservative Therapie erfolgreich bei ca. 60–70 %
• chirurgische Verfahren erfolgreich bei ca. 80 %
• Rezidive nach konservativer Therapie in etwa 16 %
• Langzeitverlauf daher nachbeobachten
Take-home-Messages
• Selten, aber klinisch relevant
• Immer mitdenken bei postprandialen Beschwerden plus
Gewichtsverlust
• CT ist die entscheidende Diagnostik
• Gewichtszunahme ist der therapeutische Schlüssel
• Psychiatrische/psychosomatische Mitbehandlung kann zentral sein
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