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  4. Arteria-mesenterica-superior-Syndrom (AMS-Syndrom)
Thema der Folge

Arteria-mesenterica-superior-Syndrom (AMS-Syndrom): seltene, aber
wichtige Ursache für postprandiale Oberbauchschmerzen, Übelkeit,
Erbrechen und Gewichtsverlust – oft mit verzögerter Diagnose.

Pathophysiologie

Beim AMS-Syndrom wird die horizontale Duodenalpassage zwischen
Aorta und Arteria mesenterica superior komprimiert.

Typischer Mechanismus:

• Gewichtsverlust

• Verlust des mesenterialen Fettpolsters

• Verkleinerung von aortomesenterialem Winkel und Abstand

• Duodenalkompression

• Beschwerden nach dem Essen

• weiterer Gewichtsverlust als Teufelskreis

Wer ist betroffen?

• Selten: Prävalenz etwa 0,1–0,3 %

• Häufiger im Alter von 10–40 Jahren

• Frauen öfter betroffen

• Besonders verdächtig bei jungen, schlanken Patient:innen mit
deutlicher Gewichtsabnahme

Ursachen

Häufig erworben:

• ausgeprägter Gewichtsverlust

• Essstörungen

• katabole Erkrankungen

• längeres Fasten

• iatrogene Ursachen

• fehlende Gewichtszunahme im Wachstumsschub

Seltener anatomisch/angeboren:

• tiefer Abgang der Arteria mesenterica superior

• Auffälligkeiten des Ligamentum suspensorium duodeni
(Treitz-Band)

️ Klinisches Bild

Typische Beschwerden:

• postprandiale epigastrische Schmerzen

• frühes Völlegefühl

• Übelkeit und Erbrechen

• teils Sodbrennen

• ungewollter Gewichtsverlust

Wichtig in der Anamnese:

• Was begann zuerst – Gewichtsverlust oder Beschwerden?

• Diäten, Fasten, Essstörung, psychische Belastung?

• Hinweise auf chronische oder katabole Erkrankungen?

Diagnostik

Methode der Wahl: Computertomografie

Typische CT-Befunde:

• aortomesenterialer Winkel ≤ 25°

• Abstand zwischen Aorta und AMS ≤ 8 mm

• Dilatation des proximalen Duodenums

• Kompression der horizontalen Duodenalpassage

Merksatz:

kleiner Winkel, kleiner Abstand, vorgeschaltete Dilatation,
distale Kompression

Ergänzend möglich:

• Sonografie

• Magen-Darm-Passage

Differenzialdiagnosen

• Malignome

• chronische Magen-Darm-Erkrankungen

• funktionelle gastrointestinale Syndrome

• psychiatrische Erkrankungen

• chronische Schmerzsyndrome

️ Therapie

Erstlinientherapie: konservativ

Ziel:

Gewichtszunahme zur Regeneration des mesenterialen Fettpolsters
und Entlastung des Duodenums

Praktisch:

• hochkalorische Ernährung

• kleine, häufige Mahlzeiten

• Trinknahrung bei Bedarf

• frühzeitige ernährungsmedizinische Mitbeurteilung

Symptomatisch:

• Antiemetika wie Metoclopramid oder Ondansetron möglich

• Analgesie möglichst opioidarm, da Opioide die Motilität
verschlechtern können

Psychiatrische/psychosomatische Mitbehandlung

Besonders wichtig bei vermuteter oder gesicherter Essstörung:

• Anorexia nervosa mitbedenken

• früh psychosomatische/psychiatrische Expertise einbinden

• ohne Behandlung der Grunderkrankung hohes Rezidivrisiko

Wann operieren?

Bei Versagen der konservativen Therapie, z. B.:

• keine ausreichende Gewichtszunahme

• persistierende Symptome

• unzureichende orale Ernährung

• wiederholte stationäre Behandlungen

Standardverfahren:

• Duodenojejunostomie

Weitere Optionen:

• Gastrojejunostomie

• infrarenale Transposition der AMS

• Strong-Operation

Prognose

• konservative Therapie erfolgreich bei ca. 60–70 %

• chirurgische Verfahren erfolgreich bei ca. 80 %

• Rezidive nach konservativer Therapie in etwa 16 %

• Langzeitverlauf daher nachbeobachten

Take-home-Messages

• Selten, aber klinisch relevant

• Immer mitdenken bei postprandialen Beschwerden plus
Gewichtsverlust

• CT ist die entscheidende Diagnostik

• Gewichtszunahme ist der therapeutische Schlüssel

• Psychiatrische/psychosomatische Mitbehandlung kann zentral sein
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„Arteria-mesenterica-superior-Syndrom (AMS-Syndrom)“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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