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Beschreibung
vor 8 Stunden
Thema der Folge
Portale Hypertension ist mehr als ein Druckphänomen im
Pfortadersystem: Sie führt zu Aszites, Splenomegalie,
portosystemischen Kollateralen, hepatischer Enzephalopathie und
vor allem zu potenziell lebensbedrohlichen Varizenblutungen.
Ursachen systematisch denken
Die Einteilung nach Lokalisation hilft klinisch besonders:
• prähepatisch: z. B. Pfortaderthrombose, Milzvenenthrombose
• intrahepatisch: v. a. Leberzirrhose, weltweit auch
Schistosomiasis, sinusoidales Obstruktionssyndrom
• posthepatisch: z. B. Budd-Chiari-Syndrom,
Rechtsherzinsuffizienz, konstriktive Perikarditis
Merksatz: immer in drei Etagen denken – vor der Leber, in der
Leber, hinter der Leber.
🩺 Pathophysiologie und Folgen
Durch erhöhten Widerstand im portalvenösen Stromgebiet entstehen
Umgehungskreisläufe zwischen Pfortader- und Körpervenensystem.
Klinisch wichtige Folgen:
• Ösophagus- und Magenvarizen
• Caput medusae
• rektale Varizen
• Splenomegalie und Hypersplenismus mit häufig Thrombozytopenie
• Aszites
• hepatische Enzephalopathie durch verminderten First-pass-Effekt
Wichtige Druckgrenzen
Der hepatisch-venöse Druckgradient HVPG hilft bei der Einordnung:
• normal: etwa 2–5 mmHg
• ab 6 mmHg: portale Hypertension
• ab 10 mmHg: klinisch signifikant
• ab 12 mmHg: deutlich erhöhtes Blutungsrisiko
• ab 20 mmHg: Blutungen oft schwer kontrollierbar, TIPS früh
mitdenken
Diagnostik im Alltag
Wichtige Bausteine:
• Sonografie mit Doppler/Duplex
• Zeichen: erweiterte Pfortader, Splenomegalie, Aszites,
Kollateralen
• Nachweis von Thrombosen oder kavernöser Transformation möglich
• CT/MRT zur Gefäßanatomie, Lebermorphologie, Tumorsuche
• diagnostische Aszitespunktion bei Aszites
🩸 Ösophagusvarizen: die gefährlichste Komplikation
Typische Blutungszeichen:
• Hämatemesis
• Meläna
• bei massiver Blutung auch Hämatochezie
• rasch hämorrhagischer Schock möglich
Wichtig: Hämatemesis bei Leberzirrhose ist ein internistischer
Hochrisikonotfall.
Akutmanagement der Varizenblutung
Die Therapie beginnt vor der Endoskopie:
• Atemweg mitdenken, bei Aspiration/Vigilanzminderung früh
Schutzintubation
• zwei großlumige Zugänge, Labore, Kreuzblut
• restriktive Transfusionsstrategie, Ziel-Hb oft 7–8 g/dl
• vasoaktive Therapie sofort beginnen
• antibiotische Prophylaxe nicht vergessen
• frühe Endoskopie
Medikamente in der Akutsituation
Standardoptionen:
• Terlipressin: häufig 2 mg i.v. alle 4 Stunden initial, dann
ggf. 1 mg alle 4 Stunden, meist 3–5 Tage
• Alternativen: Octreotid oder Somatostatin
• Ceftriaxon: meist 1 g i.v. täglich für etwa 7 Tage
• PPI oft bis zur endoskopischen Klärung
• Erythromycin vor Gastroskopie kann die Sicht verbessern
• Laktulose bei Enzephalopathie-Prophylaxe bzw. -Therapie
Endoskopische und interventionelle Therapie
• Standard bei Ösophagusvarizenblutung: endoskopische
Varizenligatur
• bei Magenfundusvarizen oft Histoacryl-Injektion
• wenn Blutung nicht kontrollierbar: Bridging mit Ballontamponade
oder Ösophagusstent
• definitive Rescue-Therapie häufig: TIPS
Wichtig: bei unstillbarer oder früh rezidivierender Blutung früh
eskalieren.
️ Prophylaxe
Primärprophylaxe:
• nicht-selektive Betablocker wie Propranolol oder Carvedilol
• je nach Risiko endoskopische Ligatur
Sekundärprophylaxe nach Blutung:
• Kombination aus nicht-selektivem Betablocker + wiederholter
Ligatur bis Varizeneradikation
• Verlaufskontrollen sind essenziell
Take-home
Die zentrale Botschaft der Folge:
Bei Verdacht auf Varizenblutung beginnt die Therapie vor der
Endoskopie – vasoaktive Medikation und Antibiotika sofort,
Endoskopie so früh wie möglich, Atemweg immer mitdenken.
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