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Beschreibung
vor 2 Tagen
Thema der Folge
Hereditäre Hyperbilirubinämien: angeborene Störungen des
Bilirubinstoffwechsels mit Ikterus als Leitsymptom. Klinisch
zentral ist die Frage: harmloser Befund oder relevante
Erkrankung?
Grundprinzip der Einordnung
Entscheidend ist zuerst die Fraktionierung des Bilirubins:
- indirekt/unkonjugiert erhöht Störung der Konjugation
- direkt/konjugiert erhöht Störung des Transports/Ausscheidung
Praktischer Algorithmus:
- Bilirubin fraktionieren
- übrige Leberwerte prüfen
- Hämolyse mitdenken
- Alter, Verlauf und Trigger einordnen
- Medikamentenanamnese erheben
Bilirubinstoffwechsel kurz
- Bilirubin entsteht aus Hämabbau
- unkonjugiertes Bilirubin: wasserunlöslich, an Albumin gebunden
- Konjugation in der Leber durch UDP-Glucuronyltransferase
- konjugiertes Bilirubin wird über Transporter in die Galle
ausgeschieden
Wichtiger Differenzialdiagnose-Hinweis
Nicht jede Hyperbilirubinämie ist hereditär. Bei cholestatischen
oder hepatocellulären Lebererkrankungen sind meist auch weitere
Leberwerte auffällig:
- Transaminasen
- Gamma-GT
- alkalische Phosphatase
Bei familiären Hyperbilirubinämien sind die übrigen Leberwerte
oft normal.
🟡 Gilbert-Syndrom / Morbus Meulengracht
Häufigste hereditäre Form, gutartig.
Typisch:
- leicht erhöhtes indirektes Bilirubin
- sonst normale Leberwerte
- oft asymptomatisch
- schubweiser Sklerenikterus
Trigger:
- Fasten
- Infekte
- körperlicher Stress
- Alkohol
- starke Belastung
Diagnostik:
- isolierte indirekte Hyperbilirubinämie
- Hämolyse ausschließen: Hb, LDH, Haptoglobin, Retikulozyten
- genetische Testung meist nicht zwingend nötig
Therapie:
- keine
- Aufklärung ist entscheidend
- gute Prognose
Crigler-Najjar-Syndrom
Selten, aber klinisch relevant. Ebenfalls Störung der
UDP-Glucuronyltransferase.
Typ 1:
- Enzymaktivität fehlt
- autosomal-rezessiv
- schwerer Neugeborenenikterus
- Risiko für Kernikterus/Bilirubinenzephalopathie
- Therapie: rasche Phototherapie, neonatologische Behandlung, oft
langfristig Transplantationsthema
Typ 2 / Arias-Syndrom:
- Restaktivität vorhanden
- bessere Prognose
- Neugeborenenikterus und spätere ikterische Schübe möglich
- Therapieoptionen: Phototherapie, Phenobarbital, teils
Rifampicin
- Behandlung nur spezialisiert
🟤 Dubin-Johnson-Syndrom
Hereditäre direkte Hyperbilirubinämie durch MRP2-Defekt.
Merkmale:
- autosomal-rezessiv
- leichter bis mäßiger Ikterus, oft ab Jugendalter
- direkte Hyperbilirubinämie
- übrige Leberwerte meist unauffällig
- Gesamt-Koproporphyrine im Urin normal
- Ikterus kann durch Schwangerschaft oder hormonelle
Kontrazeptiva zunehmen
Therapie:
- keine spezifische
- Trigger und lebertoxische Medikamente vermeiden
- Beratung wichtig
🟠 Rotor-Syndrom
Klinisch ähnlich wie Dubin-Johnson, aber anderer Transportdefekt
(OATP).
Merkmale:
- direkte Hyperbilirubinämie
- übrige Leberwerte normal
- meist asymptomatisch
- Gesamt-Koproporphyrine im Urin erhöht
Therapie:
- keine spezifische
- Vorsicht bei lebertoxischen Substanzen
- hormonelle Kontrazeptiva meiden
Für den Alltag merken
- indirektes Bilirubin : zuerst Gilbert, bei Neugeborenen auch
Crigler-Najjar
- direktes Bilirubin : bei normalen Leberwerten an Dubin-Johnson
oder Rotor denken
- Hämolyse immer mitbedenken
- Crigler-Najjar ist die wichtige Ausnahme unter den meist
gutartigen familiären Syndromen
Take-home-Messages
- Erst indirekt vs. direkt unterscheiden
- Dann Leberwerte und Klinik einordnen
- Gilbert ist häufig und gutartig
- Dubin-Johnson und Rotor sind selten, meist benign
- Crigler-Najjar, besonders Typ 1, ist potenziell
lebensbedrohlich
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